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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-04 · 1 (4.1.1895) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
1 (4.1.1895)
Date
1895-01-04
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 20 VestrrrekWktzr Wochenfctzrrst Nr. 1 Soldaten, die ihm als Gefängnißwärter beigegeben waren. l Diese brachten zur Verstärkung der Beleuchtung zwei brennende Pechfackeln mit, die ein unheimliches, röthllches Licht verbreiteten. „Profoß Rechnagel!" sprach der Rittmeister, „ich übergebe Ihm hiermit diesen Delinquenten. Seine herzogliche Durchlaucht, der Generalissimus, geruhte, denselben zum Tode durch Spießruthenlaufen zu verurtheilen; die Strafe wird morgen Vormittag an ihm vollzogen werden. Ich werde mich sofort von hier zum Generalgewaltigen ) verfügen, damit er das Nöthige veranlasse und die Truppe bestimme, welche die Executionsmannschaft beizustellen hat. Der Herzog läßt Ihm melden, daß Er mit Seinem Kopfe für den Gefangenen haftet." „Halten zu Gnaden, Herr Adjutant," antwortete der Angeredete, „da werde ich den Gefangenen in die sichersteZelle legen und ihn mit Händen und Füßen an den Block schmieden, da ist an ein Entkommen nicht zu denken!" „Frau," wandte sich der Adjutant an Elke Kohen, „ich habe gestattet, daß Ihr in das Innere des Gebäudes tretet, damit Ihr von Eurem Gatten Abschied nehmt. — Ihr werdet ihn in diesem Leben doch nimmer wieder sehen!" Elke durchzuckte es zuerst convulsivisch, dann erhob sie sich aus ihrer Zusammen^esunienheit zu der vollen Höhe ihrer herrlichen Gestalt, ihre großen schönen Augen leuchteten mit unheimlichem Glanze aus dem wundervoll geformten, todtenbleichen Gesichte und ihre Stimme klang vibrirend schrill, als sie sprach: „Von meinem Gatten Abschied nehmen? Ihn in diesem Leben nicht Wiedersehen? .... Ich will ihn nicht verlassen, so lange seine Seele noch in seinem ruckenden, zu Tode gemarterten Leibe lebt; — ich will mich gar nicht von ihm trennen, ich will neben ihm herlaufen, daß jeder Schlag, der ihn, auch mich trifft.... Ich habe ihm Treue gelobt; die echte Treue hält bis zum Tode aus — ich will mit ihm sterben, und will so qualvoll sterben als er stirbt, ich will's nicht besser haben, als mein edler Gatte!" Der Rittmeister blickte bewundernd auf das heldenmütige Weib, die endlos treue Gattin. „Liebe Frau," sprach er, „mäßigt Euren Schmerz, der Euch zum Wahnsinn treibt. Ihr thut mir leid, sehr leid, und ich will gerne Eure Wünsche erfüllen, so weit dies eben möglich ist — doch fordert nicht Unmögliches von mir! Ich darf Euch nicht bei dem Gefangenen lassen; doch könnt Ihr, 'wenn Ihr wollt, ihn noch morgen sprechen und Abschied von ihm nehmen. Eine Stunde vor dem Tode werden ihm die Fesseln abgenommen.Daß Ihr gesagt, Ihr wollt seine Strafe therlen und seinen martervollen Tod erdulden, hat, ich will es offen Euch gestehen, mir mächtig ans Herz gegriffen, aber," ein mitleidiges Lächeln umspielte seine Lippen, „abgesehen davon, daß Ihr ja Niemanden zwingen könnt, Euch Unschuldige mit dem vielleicht schuldigen Gatten zu strafen, wäre es auch nicht recht, nicht klug, nicht gut! Glaubt Ihr, es würde Eures Gatten letzte furchtbare Stunde lindern, wenn Ihr die gleiche Qual erduldet? O nein! Ihr würdet nur — wenn dies noch möglich wäre — seine Seelenpein verschärfen. Und Ihr habt ja auch Pflichten. Ihr habt zwei herrliche Kinder, denen Ihr die Mutter erhalten müßt. Was sollten die allein auf der Welt beginnen?" Elke fuhr sich mit der Hand über die glühende Stirne. „Ihr habt recht", sprach sie, „der finstere Pappenheim will sie mir, will ihnen den angeborenen Glauben rauben! Ich bin das unglücklichste Weib, das je gelebt! Herr und Gott, gib mir den richtigen Gedanken ein, was ich thun soll." „Ich würde Euch rathen, bei der Execution nicht anwesend zu sein, Ihr würdet nutzlos leiden, ohne Eurem Gatten zu helfen." (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. M. Vin F. Das betreffende Blatt erscheint nicht mehr, weitere Aufklärung können wir Ihnen auf Ihre Frage nicht bieten. A. M. Wien. Während bei der Lueger-Feier im Dreher- Parke ein Agitator Schönerer's für einen Juden gehalten und an die Luft gesetzt wurde, bedienten sich die Anhänger des Margarethener Tribunen zur Auffahrt vor der Votivkirche und zur Fahrt in den Dreher-Park des jüdischen Fiakers Nr. . . ., der unerkannt blieb. Auch ein kleiner Beitrag zur Raffen-Theorie *) Der oberste Officier, welcher bei der Armee mit der Handhabung der Polizei betraut ist. Rabiner Stein, Sobeslan. Für diese Woche zu spät. Freund des Blattes in Krems. Denken Sie, Goethe hat schon gesagt: „Ihr edlen Deutschen wißt noch nicht, Was eines treuen Lehrers Pflicht Für Euch weiß zu bestehen; Zu zeigen, was moralisch sei, Erlauben wir uns frank und frei, Ein Falsum zu begehen. Er scheint Rohling, Deckert und Genossen vorausgeahnt zu haben. Gruß! Sal. Reh. stud. med., hier. Sie irren, wenn Sie meinen, daß Hofrath Nothnagel mit seinen humanen Anschauungen vereinzelt stehe; zur Ehre der medicinischm Facultät sei es gesagt, daß dies durchaus nicht der Fall ist. Hören Sie doch z. B. den großen Irrenarzt Krafft-Ebing über den Antisemitismus: „Eine recht befremdliche und bedauerliche Erscheinung im Culturleben gesitteter Nationen Europas, an der Neige des Jahrhunderts, stellt der die Gemüther verrohende Classen- und Rassenhaß dar. Für den Kenner der Culturgeschichte ist diese geistige Epidemie kein Novum. Vom psychiatrischen Standpunkte fragt es sich nur, ob diese Erscheinung die Bedeutung einer Kinder- oder Greisenkrankheit im Leben der von ihr heimgesuchten Völker hat. Ich glaube das Er st er e annehmen zu müssen.. ..." u. s. f. Anonymer Reimschmied. Ihre Chanucka-Poesie war schauerlich schön. W nn der Befähigungsnachweis einmal iür die Dichtkunst eingesührt wird, werden Sie den Betrieb sofort einstellen müssen. Der Papierkorb läßt danken. * Lehrer B. in D. Sie sind so gütig, uns einen Beitrag zur antisemitischen Pädagogik zu übersenden. E^n Vater führt mit seinem Kinde dieses Gespräch: „D er Kn ab e: Hörst du nicht schluchzen rings im Holz . . Der Mann: Es weint ein schönes Weib, Gebrochen ward ihr reiner Stolz, Geschändet ist ihr Leib. . . . Der ,K n a b e (neugierig): Was für ein Weib? Wer ist die Frau? . . . Wer bracht' der Edlen Harm? . . . Der Mann (ernst): Laß' das mein Kmd — und schau' und schau', . . . Einst leih' ihr deinen Arm! . . ." Aus dem Weihnachts-Feuilleton der „Ostd. Rundschau". Antisemitische Familienlecture — das Blatt sollte in keinem Hause fehlen. Eifriger Heraldiker in Cilli. Das einstmalige Wappen Georg Schönerer's war: „In Blau ein goldenes, silberbeflügeltes, seitwärts gestelltes Rad. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme. Aus jederHelmkrone wallen drei Straußenfedern, aus der rechten eine silberne zwischen blauen, aus der linken eine blaue zwischen silbernen empor. Die Helmdecken sind blau, mit Silber unterlegt. Devise, auf blauem Bande, in silberner Lapidarschrift: »Reota 8e qui.« G B. in. P. Nein, wir können Sie leider „nicht mit der Bewerkstelligung der Aufnahme Ihres Gedichtes erfreuen." Vielleicht ist Ihnen aber mit dem Abdruck einer Strophe an dieser Stelle gedient. „Bin ich aber selbst andächtig. Drück' ich es in Worten aus? Nein, in Worten nicht, doch mächtig Hallt 's ans meinem Innern 'raus." Sie jagen uns Angst und Besorgniß ein mit der Bemerkung, daß es ans Ihrem Innern mächtig heraushallt, und zwar nicht in Worten . . . Unsere Kritik des Poems ist in der letzten Silbe — siehe oben — vollständig enthalten. Uebrigens nichts für ungut. Christliaier Handwerker. Nichts unwahrer, als die Behauptung, daß das „Judenthum" die „Ethik" aus dem wirthschaftlichen Leben vertrieben. Die Ausbeutung der Arbeitskraft seitens der „zünftigen Meister" zeigt sich schon zu Ende des 15. Jahrhunderts, wie Sie dies aus Jannssen's Geschichtswerk, der doch bekanntlich ein ultramontaner Geschichtsprofessor ist, ersehen können. In dieser Zeit hatte aber der Jude doch so gar keinen Einfluß! Rabbiner S. Stern, Brod a/S. Sie haben Recht und der Verfasser war im Jrrthum. II. Könige IV. 9 wird das Wort „heilig" in der Einzahl gebraucht. Dr. Lois Neustadtl, Breslau. Sie haben zweifellos Recht. Indessen ist die Angelegenheit kaum bedeutend genug, um die Berichtigung zu publiciren. Sylvester-Gesellschaft im Restaurant K. Wir sollen Ihnen ein Blatt namhaft machen, welches die „Schandpost" des getauften Inden an Gemeinheit übertrifft? Das können wir nicht. Sie haben die Wette gewonnen. Berantwortl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch.— Dmck von L. Beck * Sohn, Wien, YHL, Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3268.)

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