Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 1 WestrrrrvUWr MortzrnschrM Seite 17 Jampolis wird hier mit Recht typisch genommen, denn, was dieser zu erleiden hatte, hat jeder jüdische Soldat mehr oder minder zu erleiden. Kein Wunder, wenn die Seldstmordchronik der jüdischen Soldaten in der rumänischen Armee mit jedem Tag zunimmt. Die rumänische Presse hat endlich ein Einsehen, daßdieDingeaufdieseWeisenicht weitergehen können,gehen dürfen. Das tragische Los des unglücklichen Iampolis ist hier weniger ausschlaggebend gewesen, als das Geschick eines der intelligentesten jungen Männer Bukarests, der vor Knrzem Hand an sich gelegt hat, um den Chicanen seines Hauptmannes zu entgehen. Der Selbstmörder hatte in Pa ri s studirt und eine glänzende Laufbahn vor sich. Als er in die Armee eintrat, steigerten sich allmälig die Chicanen des Hauptmannes derart, daß der junge Soldat zu Hause erklärte, er werde sich entleiben. Hierüber erschreckt, wurde die Mutter des Soldaten bei dem Hauptmann vorstellig, daß sie nur diesen einen Sohn habe, der ihre ganze Hoffnung bilde. Der Hauptmann schmunzelte: „Sie haben aber auch eine sehr schöne Tochter! Nun, es gäbe ein Mittel, Ihrem Sohne meine Huld zu gewinnen — geben sie mir Ihre Tochter!" Das Ende war der Selbstmord des Sohnes und die Verzweiflung der Mutter. (Jüd. Pr.) Rom. Der alte jüdische Friedhof auf der Via Appia wurde jüngst in Gegenwart des Unterrichtsministers dem Zutritte des Publicums freigegeben. Dieser Friedhof besteht nicht aus gewöhnlichen Gräbern, sondern aus Katakomben mit einer großen Anzahl von Nischen, in welchen die Juden des alten Rom ihre Tobten bestatteten. Die Wände der Katakomben sind mit Inschriften in lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache bedeckt und weisen auch Malereien auf, welche den Tempel von Jerusalem und Scenen aus dem religiösen Leben der Juden darstellen. Der Minister bemerkte, der Friedhof sei von großer Bedeutung, er sei sowohl ein Archiv als auch ein Museum. VenmMtes. Wien. Fräulein Helene Beck, Tochter des Herrn Herrmann Beck, Chefs der Firma Wilhelm Beck und Söhne, hat sich mit Herrn Victor Fuchs balg, Chef der Firma Fuchsbalg und B e r n f e l d, verlobt. Fräulein Seraphine Frankl, die Tochter des Polizeirathes Frankl, hat sich mit dem Ingenieur Adam Weinberger aus London verlobt. Wien. (Lotterie.) Die am 31. December 1894 festgesetzte Ziehung der Gold-, Silber- und Efsecten-Lotterie zu Gunsten der Erbauung eines Tempels im MIL Bezirke der Stadt Wien mußte, da noch eine große Anzahl Lose anssteheud sind, verschoben werden. Die Ziehung wird unwiderruflich am 26. März 1895 stattfinden. Wien. Samstag den 5. Jänner 1895, Abends 7 Uhr, findet in K h u n e r's Restauration, I. Schottenring 19, die General- Versammlung für das XXVIII. Bereinsjahr des israel. Bethausvereines „Chewra Beth-Hatfilah" im IX. Bezirke statt.' Tages-Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl von fünf Mitgliedern in den Vorstand. 3. Neuwahl des Ausschusses. 4. Anträge und Interpellationen. Frauen-Wohlthätigkeitsverein im VIII. Bezirke. Vor einigen Tagen hat sich unter dem Vorsitze der durch ihr humanitäres Wirken bestbekannten Frau Amalie Beck ein über 100 Mitglieder zählendes Comittz zur Veranstaltung einer zu Gunsten des genannten Vereines Samstag, den 23. Februar k. I. in den Musikvereinssälen stattfindenden Akademie mit Tanzkränzchen constituirt. Bei der Akademie ist die Mitwirkung erster Kanstkräfte gesichert. In das Comitß, das einige Aristokraten, mehrere Reichsraihsabgeordnete, Künstler, Schriftsteller, Doctoren u. A. zu seinen Mitgliedern zählt, wurden gewäblt: Herr Leopold Guttm ann als Obmann und die Herren Dr. Sigmund Hay und Dr. Herz als Obmann-Stellvertreter. Bei der am 27. December v. I. im Saale des Hotel Müller stattgefundenen Comite-Besprechung haben sich folgende Special - Comites gebildet, Preß-Comite: Herr Dr. Skrein, M. Ducke s, Klinenberger; Programm- Comite: Obmann Herr Bezirks - Ausschuß W a l d st e i n : Ordnungs-Comite Obmann Dr. W i t t n e r. Reichsraths - Abgeordneter Bloch prognosticirte dem Comite in einer von Beifall begleiteten Rede einen ausgezeichneten Erfolg, und beglückwünschte das Comits, welches schon im ersten Stadium des Entstehens eine so zahlreiche und angesehene Vereinigung zuwege brachte, zu der Wahl des Obmannes, des Herrn Leopold Guttmann. Hierauf dankte die Präsidentin des Wohlthätigkeits-Vereines Frau Amalie Beck dem Reichsraths - Abgeordneten Dr. Bloch für seine Anwesenheit und für die dem Comile zugesicherte geistige Unterstützung. Obmann-Stellvertreter Dr. Hay brachte in launiger und geistvoller Weise die Mittheilung, daß sich der Cassier des Comites, Herr Victor F u ch s b a l g mit der Tochter der Präsidentin, Frau Amalie Beck, verlobt hat, welche Nachricht stürmische Ovationen für das Brautpaar brachte. Hierauf wurde vom Vorsitzenden Herrn Dr. Hay die Mittheilung gemacht, daß die Anmeldungen zum Comite aus den besten Wiener Familien so zahlreich einlaufen, daß selbe bereits auf Nahezu 200 Comite-Theilnehmer gestiegen sind, für ein glänzendes Programm sei bereits vorgesorgt, mit einem rasch inscenirten Tanz-Kränzchen schloß die gemächliche Comite-Versammlung lange nach Mitternacht; wir empfehlen den verehrlichen Ball Comites die Comits-Bersammlungen nach diesem Muster. Die Kartenausgabe zu der am 23. Februar in den Musikvereins - Sälen stattfindenden Akademie beginnt am 10. Jänner und werden Vormerkungen auf Eintrittskarten von den Herren L. G u t t m a n n, I., Bäckerstraße 1. II. Stock, und von Herrn Dr. Hay, II., Taborstraße27, schon jetzt entgogengenommen. Wien. (Tanzmeister-Benefice.) Montag den 7. Jänner a. c. findet im Ballsaale R o n a ch e r eine Benefice- Soiree des Tanzmeisters Herrn Julius Singer statt, welche, nach den Vorbereitungen des rührigen Comites zu schließen, sehr animirt zu werden verspricht. Czernowitz. (Kleid ervertheilung.) Gestern Vormittags fand in feierlicher Weise die Verkeilung von Kleidern und Schuhen an Mädchen der deutsch-israelitischen Volksschule durch das Comit« des jüdischen Frauenhilfsvereines der Leitung der israelitischen Cultusgemeinde statt. Unter den zahlreichen Gästen, die zu diesem Acte der Humanität erschienen waren, bemerkten wir die Damen Frau B r u n st e i n, Frau E b e r s o h n , Frau Dr. Dornbaum, Frau -Dr. S a l ter Frau B a r b e r, Frau P a l l e s ch, sowie die Herren Präses Naftali Tittinger, Oberrabbiner Dr. Rosen feld Dr. S t r a u ch e r, Dr. B a r b e r, die Cultusräthe A mst e r Pallesch, Guttmann, Raser und viele Andere. Der Präses der israelitischen Cultusgemeinde Herr Naftali Tittinger, hob in einer Ansprache die Bedeutung der heutigen Feier hervor, ermahnte die Kinder zum Gehorsam gegen Lehrer und Eltern und dankte in herzlichen Worten dem Damencomite für die warme Antheilnahme an den Cultnsinteressen durch die Ausübung derartiger humanitärer Thaten. Der Ober-Rabbiner Herr Dr. Rosenfeld betonte in einer schwungvollen Rede die besondere Charaktereigenthümlichkeit des jüdischen Volkes und besonders der jüdischen Frauen, das Wohlthun, und bat, zu den anwesenden Frauen gewendet, nicht nachzulassen auf diesem Wege der Humanität, um der armen Bevölkerung wenigstens nach dieser Richtung hin aufzuhelfen Die Kinder ermahnte er, durch Fleiß, Reinlichkeit und sittliches Benehmen ihre Dankbarkeit gegen Lehrer und Wohlthäter zu bekunden. Im gleichen Sinne sprach Herr Apotheker Dr. B a r b e r in einer von warmen Gefühlen für das Elend der Armen durchwehten Rede, die einen nachhaltigen Eindruck auf die Jugend und die anwesenden Gäste machte. Nachdem noch der Schulleiter der deutsch-israelitischen Volksschule im Namen des Lehrkörpers den Dank an die Wohlthäter ausgedrückt, wurde ein zweistimmiger Chor und das Kaiserlied von sämmtlichen Kindern unter Leitung des Lehrers Schulz gesungen, worauf die Schülerin L e r n e r in innigen zu Herzen gehenden Worten den Dank im Namen der betheilten Mitschülerinnen aussprach, welcher Dank den Anwesenden Thränen der Rührung entlockte. Stanislau. Am 23. d. M. veranstaltete der hiesige Verein „Erez Israels eine Makkabäer-Feier. Nachdem das Marew-Gebet beendet und die Chanuka-Lichter angezündet' wurden, ergriff der Präses Andermann das Wort, um nach Begrüßung der Gäste den Einfluß, den ein stark ausgeprägtes Nationalgefühl auf die verstreute Judenschaft ausübe, hervorhob. Hierauf entwickelte der Präses der Cultus- A