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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-04 · 1 (4.1.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
1 (4.1.1895)
Date
1895-01-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 VrAerrrvtztlrtzr VochrnfürrM Seite 15 wird, Wissen und Liebe in die jungen Seelen zu pflanzen und die Schule zu leiten im Geiste unserer Religion. Möge es ihmt vergönnt sein, Saaten des Segens auszustreuen und ein Geschlecht heranwochsen zu sehen, das wieder Treue zu unserer Lehre mit allen Anforderungen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens zu versöhnen und zu verschwistern wissen wird. Mögen unter seiner Führung Kinder aus der Judengasse von Kojetein hervorgehen, die der alten Gemeinde neue Ruhmestitel erwerben und unserer Gemeinschaft zur Ehre gereichen wollen, wie es einst so vielfach in unserem Mähren und seinen jüdischen Gemeinden der Fall gewesen ist! Mögen noch kommende Zeiten den Tag seines Amtsantrittes segnen, mit dem die Zeit der Erschlaffung und des Sinkens des öffentlichen Geistes in unserer Mitte für immer ihr Ende erreicht haben möge! Budapest. (Jubiläum des israelitischen Knabenwaisenhanses.) Das Knabe nwaisenh a u s der Pester israelitischen Gemeinde in der Epreskertgasse war gestern Vormittags der Schauplatz einer erhebenden Feier. Es wurde nämlich das Jubiläum des 25jährigen Bestandes dieser edlen Institution — deren Geschichte wir mitgetheilt haben — festlich begangen, aus welchem Anlaß das Jnstitutsgebäude geschmackvoll decorirt worden war. In dem großen Betsaal der Anstalt fand sich anläßlich der Feier ein sehr zahlreiches Publicum, zumeist Gönner des Instituts, ein. Ans dem erhöhten Podium hatten sich der Vorstand der Gemeinde und die Mitglieder des Waisenhauscomites versammelt. Der Feier wohnten bei: als Vertreter der Hauptstadt Vicebürgermeister Joseph Markus und mehrere Repräsentanten, ferner die Abgeordneten Dr. Moritz M ez ei, Dr. Armin N e u m a n n, Dr. Arthur I e l l i n e k, die Nniversitätsprofessoren Dr. Ignaz Goldzieher und Dr. Julius S ch w a r c z, Sigmund B r ö d y, Dr. Adolf Silber st ein, Seminar-Professor Dr. Kaufmann, Paul T e n c e r und viele Andere. Das Festprogramm begann mit einem stimmungsvollen Gesang der Zöglinge des Instituts, worauf der verdienstvolle Präsident des Waisenhauscomies Jacob Deutsch die Anwesenden begrüßte. Nun nahm Jnstitutsdirector C s a j ä g i das Wort, der die wichtigsten Momente aus der Geschichte des Waisenhauses skizzirte und erwähnte, daß der Präsident des Comites Jacob Deutsch, der schon seit 20 Jahren diese Stelle inne hat, mit unermüdlichem Eifer und Hingebung fick dem Gedeihen des Instituts gewidmet und erst in allerjüngster Zeit für Zweckedesselbe140.000 Gulden gesammelthat. Es folgte sodann eine schwungvolle Rede des Präsidenten der Pester israelitischen Cultusgemeinde Sigmund K o h n e r, der im Namen der Gemeinde sowohl dem Präsidenten des Comites als auch dem Director C s a j a g i und der Directrice Janka R o z s a s i für die im Interesse des Waisenhauses entfaltete ersprießliche Thätigkeit seinen Dank ausdrückte. Dann hielt Rabbiner Dr. Samuel K o h n eine der Bedeutung der Feierlichkeit angemessene Festrede. Im Namen der ehemaligen Eleven des Institutes sprach Heinrich S t e r n b e r g, der den Gründern und Leitern des Instituts dankte. Die nächste Nummer des Festprogrammes war die Enthüllung des von Anton Z i l z er gemalten Bildes der „Vorsehung" des Knabenwaisenhanses, des Präsidenten Jakob Deutsch, welche zu einer stürmischen Ovation für Letzteren Anlaß gab. Den Schluß der Feier bildete die Ueberreichung der Widmungen und Geschenke. Die ehemaligen Zöglinge des Institutes haben sich urkundlich verpflichtet, dem Waisenhaus Jahresbeiträge zu widmen. Julius Weiß überreichte eine kleine Statuette aus Silber, auf welcher die Familienmitglieder des Präsidenten abgebildet erscheinen und allegorische Figuren sichtbar sind. Die dem Gewerbestande angehörigen Eleven widmeten einen silbernen Kranz, während der Vorstand der israelitischen Gemeinde und die Mitglieder des Waisenhaus-Comites Stiftungsurkunden überreichten über zwei zu je 10.000 fl. auf den Namen Jakob D e u tsch's errichtete Waisenhousstiftungen. Der von den Eleven voraetragene Hymnus bildete den Schluß der schönen Feier. Schließlich wurde die Ausstellung der von den Jnstitutseleven hergestellten Arbeiten besichtigt. Lemberg. Der Reichsrathsabgeordnete Dr. Byk ist wegen seines mannhaften Eintretens für die jüdischen Handwerker des Landes fortwährend Gegenstand ehrenvoller Ovationen. Am vergangenen Sabbath wurde ihm während des Gottesdienstes eine erhebende Ehrung zu Theil. Der Herr Rabbiner Dr. C a o r verrichtete für ihn und seine Gattin einen Mischeberach und als der Gefeierte selbst zur Thora aufgerufen wurde, erhob sich die ganze Gemeinde und der Chor stimmte ein Jubellied an. Am Abend desselben Tages fand im israelitischen Casino zu Ehren des Volksvertreters ein Bankett statt, an welchem sich trotz des sehr hohen Couvertpreises die Elite der jüdischen Gesellschaft, mehr als hundert Personen, betheiligte. Aus allen gehaltenen Reden klang die Verehrung des gefeierten Abgeordneten, aber auch glühende Liebe zum Judenthum und dessen fortschrittlicher Entwicklung hervor. Den Toast auf Se. Majestät den Kaiser sprach Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. Caro. Landtagsabgeordneter Dr. G o l d m a n n ließ den Helden der Feier leben, Cultuspräsident Samuel von H o r o w i tz brachte dem Polenclub den Dank der Juden Galiziens dar, Bankier I o nasz ließ Herrn Dr. Byk als Mitglied des Cultusvorstandes, Herrn Dr. Pi sek denselben als Gemeinderath leben. Von Seiten der Handwerker sprachen Schlossermeister Weich und Bandagist Porges ihren Dank aus und nachdem noch Dr. Tenner auf die jüdische Solidarität, Cand. jur. Herzig im Namen des Rigorosanten-Vereines gesprochen hatte, nahm Dr. Löwenstein zu dem landesüblichen Schlußtoast, Kochajmy sie, in launiger und geistreicher Weise das Wort. Bis zum Morgengrauen blieben die Festtheilnehmer beisammen. Berlin N.W., den 26. December. Einen imposanten Verlauf nahm das vom „Esra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien", am gestrigen Tage veranstaltete C h a n u ck a f e st, welches er in diesem Jahre mit seinem zehnjährigen Stiftungsfest verbunden hatte. Der Saal der „Gesellschaft der Freunde" war bis zum letzten Platze gefüllt und viele Hunderte mußten den Rückweg wieder antreten. da ihnen keine Eintrittskarten mehr verabfolgt werden konnten. Zu diesem gewaltigen Erfolge hatten außer dem lebhaften Interesse, dessen der Verein sich erfreut. ganz wesentlich die Erwartungen beigetragen, die man in jüdischen Kreisen von den zur Darstellung gelangenden lebenden Bildern hegte. In der That sind diese Erwartungen im vollsten Maße erfüllt worden. Zur Aufführung gelangten einige Darstellungen aus der Geschichte des jüdischen Volkes in den folgenden fünf Bildern: 1. Die Juden in ältester, historischer Zeit, 2. Siegeseinzug Jehuda Makkabi's. 3. Sclavenmarkt nach der Zerstörung Jerusalems, 4. Abschied Jehuda Halevi's von den Seinen, 5. Ein Autodafe. Sodann schlossen sich drei Bilder an, die mit der Thätigkeit des „Esra" zusammenbängen, und zwar: 1. Zurückweisung russisch-jüdischer Einwanderer von der Landung in New-Dork, 2. Eingreifen des „Esra" in der jüdischen Bauerncolonie Jessod Hamaalah, 3. Dankschreiben jüdischer Colonisten an den „Esra". Alle Bilder wurden von passenden Melodien aus der jüdischen Musik und erläuterndem Text begleitet, wobei als glücklicher Griff hervorgehoben zu werden verdient, daß als Text zum vierten Bilde eines der schönsten Gedichte aus dem Diwan des Jehuda Halevi selbst ausgewählt worden war. Sämmtliche Darbietungen fanden den reichsten Beifall und immer wieder verlangte das enthusiasmirte Publicum die Wiederholung der Bilder, beim letzten Bilde nicht weniger als fünfmal. Bei der Kaffeepause, die den sich an die Vorstellungen anschließenden Tanz unterbrach, wurde eine Reihe von Ansprachen gehalten, von denen wir besonders die schwungvolle Rede des Herrn Dr. H. Hildesheimer hervorbeben wollen. Mit beredten Worten schilderte er die Schwierigkeiten, welche die Umwandlung eines handeltreibenden Volkes in Bauern mit sich bringen muß, und betonte mit Recht, daß gegenüber diesen Hemmniffen die glänzenden Erfolge der 24 jüdischen Dörfer in Palästina umso höher anzuschlagen seien. Die jüdischen Bauern seien die beste Widerlegung jener antisemitischen Verleumdungen, welche den Juden Scheu vor der Landwirthschaft vorwerfen. Die günstige Situation der bis vor Kurzem unterstützungsbedürftigen Colonien ermöglicht es dem „Esra", mit der Gründung einer eigenen Colonie. die seinen Namen tragen wird, vorzugehen. Dieser warmherzige Appell fand so allseitige begeisterte Aufnahme, daß noch während des Festes über 60 Gäste sich dem Vereine als Mitglieder anschlossen, wobei nicht vergessen werden soll, daß der Verein schon heute weit über zwei Tausend Mitglieder in Deutschland zählt. Da der Ueberschuß des Festes auch ein beträchtlicher ist, so hat der Verein allen Grund, mit dem Erfolae recht zufrieden zu sein! J. G. B. Frankfurt a M. 18. December. s'D t e Beerdigung der Freifrau Karl von Rothschild.) Die gestern Vormittag stattgefundene Beerdigung der am

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