Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021063--04183-3028356- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1 Vesterretttzlsttzr Mortzensrkxrtfl Seite 13 eingereiht. Als Artillerist nahm er an den Kriegen 1859 und 1866 theil. Bei Custozza rettete er seine Kameraden, indem er als Schildwache, ohne Ordre, aus einen Trupp feindlicher Cavallerie, welcher einen Ueberfall beabsichtigte, sämmtliche vorhandenen Geschütze abfeuerte. Waldmann erhielt für diese Bravour die goldene Tapferkeitsmedaille und durfte nach der Schlacht heimkehren. Aus antisemitischen Wahlbezirken! Die Ausbeute eines einzigen Tages: Kniefällige Hilferufe an edle Wohlthäter! Eine arme Mutter von 4 kleinen Kindern, in großer Roth und Elend, die nichts verdienen kann, da sie an einer Rippenfellentzündung erkrankt ist, die Kinder haben keine Kleider und Schuhe und nichts;u essen, dabei den Zins schuldig, bittet flehentlich um Hilfe. Jede kleine Gabe tausend Dank. Ottakring, Seitenberggasse 22, im Hof, Th. 4. Hilferuf. Eine arme, von ihrem Manne verlassene Mutter mit 4 Kindern ohne jeden Erwerb, bittet in ihrer verzweifelten Lage edle Menschen um eine Unterstützung. Meidling, Rauchgasse 41, Thür 10, Anna Jakowitz. Eine arme verzweifelte Mutter mit kleinen Kindern, seit längerer Zeit krank und ohne Verdienst, bittet kniefällig edle Menschen um eine kleine Unterstützung. F. G., 10. Bezirk, Hafengasse 60, Thür 35. Hilferuf an edle Wohlthäter. Eine arme Mutter mit vier unmündigen Kindern bittet kniefällig um Unterstützung. Wir haben keinen Ofen, sind dem Hungertode nahe, haben nicht einmal einen Bissen Brot. Pauline Furmann, Währing, Paulinengasse 6, 1. Stock. Arme Mutter mit 5 Kindern, deren Mann schon längere Zeit krank darniederliegt und daher ohne jeden Verdienst ist,bittet dieMenschensrennde um kleine Unterstützung. Helene Czurzin. 10. Bezirk, Muhren gaffe 24, 1. L-t. Th. 20. Ich bitte um Hilfe! Ich bitte edle Menschenherzen, einem Mann mit zwei Kindern und einer seit drei Monaten kranken Frau aus seiner großen Nothlage zu belfen. Milde Spenden erb. 16. Bez., Brestelgasse 18, Th. 19._ Eine arme Frau, die schon längere Zeit kränklich, auf dem linken Auge blind geworden und auf dem rechten Auge hochgradig kurzsichtig und dadurch arbeitsunfähig ist, bittet edle Menschen um eine kleine Gabe, denn Hunger thut weh. Anna Witousek, Ottakring, Wnrlitzergaffe 37a, 2. St., Th. 17. Hilferuf. Um Gotteswillen, edle Herren, habt Nächstenliebe, rettet mich, verlaßt nicht eine arme Familie. Bin schon mehrere Jahre lungenkrank, habe 9 unmüildige Kinder, bin nicht im Stande, das nöthige Brot zu verdienen. Bitte händeringend, Gott wird es lohnen. M. W., 8. Bez., Schlöffelgasse 9, 2. Stg. Th. 3. An die edlen Wiener Herzen Ein ganz armer, blinder 60jähr. Mann bittet um eine kleine Unterstützung. Anträge erbeten unter „Gott sei Vergelter 15773" an die Exp. Die Inden und die Militärpflicht in Ruflland. Unser Warschauer Berichterstatter schreibt uns unterm 26. December: Die Feinde der Juden pflegen bekanntlich unter vielen anderen unwahren Behauptungen bezüglich der Juden im Allgemeinen und der in Rußland im Besonderen auch die aufzustellen. daß die Juden in Rußland sehr ungern Soldaten werden wollen und sich daher auf jede mögliche Weise ihrer Assentirung zum Militärdienste zu entziehen suchen. Als besten Beweis dcr Lügenhaftigkeit dieser letzteren Behauptung liefern uns die in dem russischen Blatte „Warschawskffa Gubernskija Wjedomisti" („Warschauer Gouvernements-Zeitung") und in dem officiellen russischen Blatte „Warschawskij dnewarik" („Warschauer Tag- Blatt") vom 12. (24.) December v. I. veröffentlichten amtlichen statistischen Daten betreffend die Resultate der in Warschau stattgehabten letzten Assentirung von Recruten aus der Stadt Warschau, deren 600.000 Einwohner zu 2/:, aus Christen und '/» aus Juden bestehen. Laut diesen amtlichen Publicationen wären in Warschau in diesem Jahre 1335 christliche und 1170 jüdische junge Männer verpflichtet, das Los zu ziehen und sich zur Assentirung zu stellen. Bon diesen jung°n Männern wurden bei der Assentirung 326 Christen und 381 Juden für tauglich befunden und assentirt. Bon den Affentirten waren 60 verheiratet, u. zw. 20 Christen und 40 Juden. Behufs Absolvirung ihrer Studien wurden 37 affentirte Christen und 11 affentirte Juden auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Bon den Affentirten wurden nachträglich 46 Christen und 79 Juden als zum Militärdienste untauglich superarbitrirt. Diese Ziffern zeigen also, daß die in Rußland lebenden Juden gar nicht so kriegsdienstscheu und überhaupt so pflichtvergessen finö, wie sie von ihren Gegnern geschildert werden. Hiebei muß auch die Thatsache berücksichtigt werden, daß die diesbezüglichen Daten betreffs der in kleineren Städten von Russisch-Polen und in dem eigentlichen Rußland lebenden Juden noch wert günstiger, als die hier angeführten Ziffern für die Juden sprechen, indem die im eigentlichen Rußland lebenden Juden gleich den christlichen Russen physisch viel kräftiger und daher für den Militärdienst weit tauglicher als die in Russisch-Polen lebenden armseligen polischen Juden sind. Sapienti sat! Eraz, 29. December. Ein Beitrag zur Rassentheorie» Die Genossenschaft der Geinischnoaarcnhändler hielt Ende November in einem Hotel eine Versammlung ab, in welcher Gemeinderath F e i ch t i n g e r eine Rede hielt und in bekannter Wei'e gegen die Juden loszog. Die meisten Anwesenden empfingen den Eindruck, daß die Worte des Redners gegen den im Saale anwesenden Kaufmann Otto H i l d e b r a n d gerichtet waren, weßhalb auch Gemischtwaarenhändler Michael I e r e i s ch e k. trotzdem Hildebrand versicherte, kein Jude zu sein, demselben mehrere beleidigende Worle.unter Anderem „Hinaus Jud'!" zurief. Als sich H i l d e b r a n d entfernte, versetzte ihm Jereischek unter Wiederholung dieser Worte einen Stoß, worauf sich der Streit noch aus der Straße fortpflanzte. Jereischek stand heute vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes, mußte seine Schuld eingesteheii und wurde nach 3 496 des Strafgesetzes zu einer Geldstrafe von 15 fl., eventuell drei Tagen Arrests vernrtheilt. EorreRpmräenLen. Wien. (Oe st erreicht sch - israelitische Unio n.) In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und Gäste, unter welchen man n.A.dieHerren Cultusvorsteher GemeinderathTheodorRitter von Goldschmidt, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn und Wilhelm Po llak, sowie den Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch bemerkte, hielt dieser Verein Samstag den 22. December 1894 eine Plenarversammlung ab. Nach Elöffnung dcr Versammlung durch den Präsidenten, Herrn Cultusvorsteher Dr. Josef G r ü n f e l d, hielt Herr Professor Dr. Ludwig Sin g e r einen Bortrag über „Zwei Socialreformer des Alterthums". Der Vortragende behandelte di' Geschichte der beiden Graccchen. Er begründete die Wahl des Gegenstandes zunächst mit dem Interesse, das diese beiden Persönlichkeiten um ihrer selbst willen beanspruchen dürften; anderseits aber biete der Verlauf der Bewegung bei aller Verschiedenheit der Verhältnisse doch so mannigfache Analogien mit der Gegenwart dar. daß die Betrachtung derselben auch für die allgemeine politische Erkenntniß von Nutzen sei. In beredten Worten schilderte sodann Herr Dr. Arnold Ascher die hervorragenden Leistungen des israelitischen Blindeninstitutes auf der Hohen Warte und forderte die Versammlung aus, diese Anstalt nicht nur materiell, sondern auch dadurch zu unterstützen, daß sie für eine Abnahme der in dieser Anstalt erzeugten Arbeiten allorts Propaganda mache. Diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden. Herr Jacob Jaiteles spendete spontan den Betrag von 10 fl. und Herr Bernhard Hofbauer erklärte sich bereit, in seinem Geschäftslocale I. Tuchlauben eine unentgeltliche Verkaufsstelle für die Erzeugnisse des Blindeninstitutes errichten zu wollen. Diese Enunciation wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen und wäre nur zu wünschen, daß unsere jüdischen Hausfrauen diesen Appell beherzigen möchten. Herr Dr. Jacob Kohn plaidirt in warmen Worten für ein Heranziehen der jüdischen Jugend zur Thätigkeit der Oesterr.-israelitischen Union; Herr S. Brod gibt seinem Bedauern Ausdruck, daß unsere hervorragenden Glaubensgenossen bei Versammlungen fehlen, auf deren Tagesordnung die Bekämpfung des Antisemitismus steht. Herr Brod plaidirt schließlich für die Creirung eines Rechtsschutz Bureaus und appellirt an die liberalen Mandatare aller Bertretungskörper, bei keiner Gelegenheit Beschimpfungen des Judenthums unerwidert zu lassen. Zu diesem Gegenstände sprachen noch die Herren Dr. S k r e i n. Fried, Sigmund Mayer, Baumeister Zerkowitz, Buchsbaum, Drechsler Guttmann und Herr H o f b a u e r» welch letzterer an den Vorstand der Union die Bitte richtet, dahin zu wirken, daß den jüdischen Kaufleuten und Handwerkern die Samstagsruhe, das Arbeiten an Sonntagen gestattet sein möge. Hierauf schloß der Vorsitzende gegen Mitternacht die Versammlung. Wien. (Die marokkanischen Juden in. Jerusalem.) Wohl allen unseren Glaubensgenossen find noch die