Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seile 12 Meperredtztptze MmtzenlürrM Nr. 1 bringen. An diese Erzählung werden allerlei Belrachtungen über die Corruption der jüdischen Dajanim, über willkürliche Auslegungen des Schulchan-Aruch zu Gunsten reicher Juden, über den Cherem rc. geknüpft. Die Geschichte ist natürlich von A bis Z erlogen, wie der Ritualmord des Paulus Meyer. Nur ist der Urheber der ersteren geschickter, als Paulus Meyer, denn er hütet sich, auch nur einen einzigen Namen, sei es ein Orts- oder Familienname, zu nennen. Daß ein abtrünniger Jude dahinter steht, ist allerdings glaubhaft und vielleicht entpuppt sich früher oder später der Herr Gabriel Nasser als der neueste Freund der Rohling und De cker t. Antisemitische Schurkerei und jüdische Apostasie haben ja wiederholt mit einander Freundschaft geschloffen. Zum Wotan-Cultus. Die „Ostdeutsche Rundschau" vom 30. December 1894 erfreut sämmtliche Narren, und Alle, die es werden wollen, mit einem Feuilleton, welches für das germanische Heidenthum — eine bekanntlich gesetzlich noch nicht anerkannte Religionsgenoffenschast — ungenirteste Propaganda macht: „In dieser Nacht — der Julnacht — wird er geboren, der junge, einnächtige Wuotanssohn W a l i, der noch in derselben Nacht den Tödter Balde r's, H a d e r (H ö d u r), rächend erschlägt. Aber nicht W a l i ist der Nachfolger Wuotan's er ist lediglich Balder's Rächer ---- Der Nachfolger Wuotan's — der wiedergeborene Wuotan — ist der „starke As", der vordem der schweigende war, den er der Verheißung der Wala gemäß mit „Frau Rinda im Westen" gezeugt. Es ist „Widar", der Wiederkehrende, der emporsteigt als der Erdgeborene, als der Besieger des Todes, der aus dem Venusberge zurückkehrende Tannhäuser, der durch die Wiedergeburt wiedererstehende Mensch. Ein hochheiliges Mysterium (!) aber ist W i d a r's Geburt. Kein Kalenderfest des ganzen Jahres hat so unbesiegbar seinen astronomischen Charakter bewahrt, als gerade das Julfest, die Mittwintersonnenwende, die Weihnacht, und darum that die Kirche sehr klug daran, das Fest der Stallgeburt an demselben Tage zu feiern, an dem der mithrasgläubige Perser das Fest der „Felsengeburt", der Grieche das der „Höhlengeburt" und der Germane das der „Erdgeburt" beging.-" Commentar, überflüssig! Die Siuger-Affaire von Währing. In der letzten Sitzung des Währinger Bezirksausschusses am 7. v. M. wurde bekanntlich der Bezirksvorsteher und Landtags-Abgeordnete Bau mann von mehreren Seiten interpellirt, warum er bei der Eröffnung des neuen Sitzungssaales es unterlassen habe, ein Hoch auf den Kaiser auszubringen, und es wurde von den Bezirksausschüssen Kerner und Sebastian Mayer beantragt, daß diese unterlassene Kundgebung alsbald nachgetragen werde. Als aber Bezirksvorsteher B a u m a n n diesem Anträge nicht entsprach, entstand eine stürmische Scene, die mit der Ausschließung des Ausschusses Mayer von der Sitzung endete. Zu Beginn der heutigen Sitzung sah sich nun Bezirksvorsteher B a u m a n n veranlaßt, eine Erklärung abzugeben, um seine Haltung zu rechtfertigen. Er bemerkte, die Abhaltung der ersten Sitzung in dem neuen Saale sei kein öffentlicher Act, sondern eine häusliche Feier gewesen, und es könne ihm von Niemanden eine Bersäumniß, eine Absicht oder Mangel an Patriotismus vorgeworfen werden. In Hinkunft werde er bei ähnlichen Anläffen selbst wissen, was er zu thun habe. Bei der Verificirung des Protokolls der letzten Sitzung kam es jedoch abermals zu gereizten Debatten, indem Bezirksausschuß Mayer gegen die Art und Weise, wie sein Auftreten gegen den Bezirksvorsteher im Protokoll verzeichnet wurde, Protest erhob, und Bezirksausschuß H o ffmann verlangte, es solle ins Protokoll ausgenommen werden, daß er dem Bezirksvorsteher wegen Zulassung der Debatte in der letzten Sitzung den Vorwurf der Tactlosigkeit machen mußte. Diesem Verlangen der beiden Ausschüffe wurde jedoch nicht entsprochen, vielmehr ertheilte ihnen Bezirksvorsteher Baumann wegen ihres Benehmens in der letzten Sitzung Rügen. Dagegen wurde auf Antrag des Director Bischofim Protokoll verzeichnet, daß auf M a y e r's Aufforderung, das Hoch auf den Kaiser sofort auszubringen, sich deffen Parteigenoffen bereits von ihren Sitzen erhoben hatten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung richtete Bezirksausschuß Emanuel Hoffmann an den Bezirks Vorsteher Baumann die Interpellation, warum in den von B aum ann herausgegebenen „Währinger Bezirksnachrichten" über eine Cvncessions-Angelegenheit, die in vertraulicher Sitzung beschlossen worden war, trotz der Verpflichtung zur Wahrung der Geheimhaltung ausführlich berichtet worden war. und wie er dies in seiner Stellung als Vorsitzender des Bezirksausschusses verantworten könne. Bezirkevoisiiher Baumann, welcher wahrscheinlich erst den Herausgeber Baumann fragen muß, erwiderte, diese Interpellation in der nächsten Sitzung beantworten zu wollen. Kauft nur bei Christen! Wien, 27. December. Vor dem Strafrichter des Bezirkes Hernals wurden abermals zwei Holz- und Kohlenhändler wegen betrügerischer Gewichtsverkürzung bestraft. Laurenz Wenzel (XVH., Pichlergosse Nr. 6) wurde vom Marktcommissär angezeigt, weil bei einer Lieferung von Kohlen im Gewichte von 25 Kilogramm ein Kilogramm fehlte. Er verantwortete sich heute dahin, daß er den Kohlenstaub, der für die Partei werthlos sei, zurückbehalten habe. Eine Kohlenlieferung der Marie Schießler ergab beim Nachwiegen gleich ein Manco von fünf Kilogramm. Ersterer erhielt eine viertägige, Letztere eine fünftägige strenge Arreststrafe. * * Die „Gigerl", die das Bezirksgericht Mariahilf beschäftigten, sind in Selcherkreisen terminologisch so benamste „geselchte Blunzen", welche bei der ärmeren Bevölkerung sehr beliebt sind. Solche „Gigerl" kaufte der Malergehilfe Franz P e s ch e k beim Selchwaarenverschleißer Alois S t e f f a n in der Magdalenenstraße Nr. 46, und als er dieselben aufschnitt drang ihm ein so pestilenzartiger Geruch in die Nase, daß er sofort zum Marktcommissariate eilte. Die Folge war, daß bei Steffan eine Revision vorgenommen wurde, bei der man noch 90 Deka solcher verfaulter „Gigerl" vorfand. Marktcommissär Kaspar gab bekannt, daß der Zustand dieser Selchwaaren ein solcher war, der jedem Händler auffallen mußte, denn abgesehen von ihrem ekelhaften Gerüche, seien sie an der Oberfläche bereits schlitzig gewesen. Der Richter Adjunct Dr.Faschinqb a u e r verurtheilte Steffan zu dreißig Gulden Geldstrafe und beschloß über Antrag des staatsanwaltschaftl chen Functionärs Dr. R o t m a y e r, den Act dem Bezirksgerichte Wieden abzutreten, um gegen den Erzeuger dieser „Gigerl", den Selchermeister Herrmann Sch esb eck. IV., Schleismühlgasse Nr. 15 strasgerichtlich einzuschreiten. ' * * * Wir erhalten folgende launige Zuschrift: B e r° ehrliche Redaction! Eines Unwohlseins wegen an das Bett gefeffelt, muß ich vor Allem um Entschuldigung bitten, wenn ich heute ausnahmsweise ganz nach Bergan i's Manier, anstatt mit dem Kopfe, mit der Papierscheere arbeite. Als erstes Resultat dieser meiner geistreichen Arbeit finden Sie anbei eine Erklärung „des Herrn Franz Joseph Scheybal, der da jämmerlich dem Procuren und Ordenspriester des Klosters „la Grande Chartreuse" R. P. Gabriel Grcziem dankt, weil er die Güte hatte, die Anklage wegen Vergehens gegen das Markenschutzgesetz beim k. k. Landesgericht Wien zurückzuziehen, und zugesteht, daß er einen gewöhnlichen Liqueur, mit den Schutzmarken des berühmten Klosters im Handel brachte. Wegen ganz desselben Delictes wurde vor drei Jahren der Sensenfabrikant R. .. . wegen Betruges zu sieben Jahren Kerker und Confiscation seines Sensenvorrathes, der sein ganzes Vermögen darstellte, verurtheilt. Mit aller Macht setzte sich damals der Bertheidiger des Angeklagten dafür ein daß der Fall als Vergehen gegen das Markenschutzgesetz behandelt werden möge, der Jude wurde aber des Betruges angeklagt, dabei war aber erwiesen, daß die Sensen aus bestem Material, und die Käufer nicht betrogen wurden, aber die steyrischen Erzeuger antisemitischer Sensen erachteten sich als betrogen. Ob sich mit diesem famosen Chartrense nicht tausend Menschen Magenleiden, Magenkrebse zugezogen haben, darnach fragt kein Staatsanwalt. B. M. Ein Held von Custozza. Auf der Straße von Ker nach Abanj-SzLntü starb dieser Tage ein armer jüdischer Schullehrer. Er hieß Hermann Waldmann und nur Wenige hatten Kenntniß davon, daß Waldmann einer der Helden von Custozza gewesen. Als Freiwilliger hatte er erst den Freiheitskampf mitgemacht und nach der Bilägoser Waffenstreckung wurde er in die kaiserliche Armee