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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-04 · 1 (4.1.1895) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
1 (4.1.1895)
Date
1895-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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»II. 1 Seile 9 zur Rückzahlung gelangen. Cultusvorsteher Salo Cohn beglückwünscht den Verein zu seiner erfreulichen Lage, seinen steten ununterbrochenen Fortschritten. Das glänzende Bild der finanziellen Gebahrung, das der liebenswürdige und geistvolle Schatzmeister vorführte, ist überaus wohlthuend. Herr Cohn preist den echt jüdischen Gedanken, eine Altersversorgung iür die Vereins-Beamten zu errichten, und will selber an diesem guten Merke mit 500 fl. sich betheiligen. (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Redner verspricht, der Muttergemeinde von den stnanzicllen und moralischen Fortschritten des Tempel-Vereines eingeherd berichten zu wollen. (Lebhafter Beifall.) Vereinsmitglied Herr Baumgarten wünscht nähere und ausführlichere Miitheilrmaen, betri stend die Gel alle an angestellte Funktionäre. Der Vorsitzende verweist daraus, daß die Vereinsbücher 14 Tage in der Kanzlei allen Vereinsmitgliedern zur Einsicht Vorlagen. Herr Ad. R uzicka sieht in der Anfrage eine persönliche Spitze gegen die Vereinsleitur g ind beantragt UebergangzurTagesordnung".HerrDr. B e ckniu dlkRechte der Vereinsmitglieder, sich über jede einzelne Post zu erkundigen, gewahrt wissen. Er anerkennt die hohen Verdienste des Vorstandes in vollem Maße; man soll den Mitgliedern jedoch die Auskünfte, welche sie behufs Antragstcllung wünschen, nicht verweigern. Schatzmeister kais. Rath Pollak erklärt, er wäre wohl in der Lage, alle Gehalte genau und ziffernmäßig detaillirt aus dem Gedächtnisse vorzulegen, allein es ist nirgends Usus Personalfragen in die Discussion einer Generalversammlung zu tragen. Der Vorsitzende erinnert an Punkt 6 der Tagesordnung: „Anträge der Mitglieder", bei welcher Gelegenheit es Herrn Baumgarten möglich sein wird, seine Anträge zu formuliren. Im Namen der Revisoren verliest Herr Leopold Stowasser den Bericht; sein Antrag, dem Vorstand das Absolutorium zu ertheilen und den Dank des Vereines durch Erheben von den Sitzen auszusprechen, wird einstimmig angenommen. , Es gelangt hierauf ein Antrag B aumg a rte n's, Rechnungsabschluß und Bilanz 14 Tage vor der Generalversammlung an die Vereinsmitglieder vertheilen zu lasten, damit dieselben in der Lage sind, die einzelnen Posten zu würdigen, zur Discussion. Adolf R u z i c k a, Hermann Lieber mann, Steiner, Commercialrath Alois Pollak unterstützen den Antrag und der Vorsitzende verspricht, dem Wunsche Rechnung zu tragen. Zum letzten Gegenstand der Tagesordnung: „Wahlen in den Vorstand" bemerkt der Vorsitzende: „Zum Austritte gelangen gemäß § 13 der Statuten die Herren Dr. Jacob Engel, kais. Rath Friedrich Pollak, Ernst Schüller und Jacob Strauß. Zu wählen sind vier Vorstandsmitglieder mit je dreijähriger Functionsdauer. Die Austretenden erklären ihre Bereitwilligkeit, eine Wiederwahl anzunehmen. Wünscht vielleicht Jemand aus der Versammlung eine Candidatur anzumelden Da sich Niemand meldet, ertheilt er das Wort Herrn Dr. Engel: Derselbe erinnert zunächst, daß er zum dritten Male heute vor die Wähler trete. Beim Beginn seiner Vereinsthätigkeit war ihm ein wenig ängstlich zu Muthe, allein er dachte au das Sprichwort: „Ein kühnes Beginnen ist ein halbes Gewinnen" und stürzte sich in den Strudel; dabei haben die Vorstandscollegen ihn sogar zum Obmann der Tempelsection gemacht, dessen Wirken zu beurtheilen Sache der Vereinsgenosten, der Wähler sei. In einer vom Beifall der Versammlung wiederholt unterbrochenen, geistvollen und wohldurchdachten Rede, bespricht Herr Dr. Engel die drei Marksteine des Judenthums: I. Die Betätigung der Wohlanständigkeit, welche alle Angriffe der Feinde zerschellen lasten; II. Betätigung der Religiosität, daß wir uns vor dem Katholiken nicht zu schämen brauchen, wenn wir seine Pietät vor den kirchlichen Institutionen, seinen Eifer für den Gottesdienst u. s. w. beobachten und bewundern. III. Zedaka, die Bethätigung allgemeiner Menschenliebe — jener Wohllhäligkeit, welche seit je vornehmstes Siammesgut der Juden bildete und von der wir heute ein glänzendes Beispiel gesehen haben. (Lebhafter Beifall.) Kais. Rath Fr. P ol l a k erwähnt zunächst die trefflichen Ausführungen seines Freundes und Vonednets Dr. Engel und fährt fort: Seil 12 Jahren hat er als Casta- Verwalter des Vereines alljährlich Gelegenheit zu einem regen Contacte mit den Wählern. Wenn man allgemein die solide Gebahrung und günstige stnanzielle Lage des Vereines gepriesen, fo ist das vor Allem der Opferwilligkeit und Opferfähigkeit, dem Gemeinsinn der Vereinsgenossen zu danken (Beifall), was Herr Dr. Engel als den dritten Markstein des Judenthums bezeichnete. In Bezug auf die Bethätigung der Religiosität erinnert Redner an die eindringlichen Mahrworte des trefflichen Vereinspredigers am Versöhnungsfest. Es gibt noch l ider Leute unter uns, die sich ihrer Abstammung, ihres JudenihumS schämen und doch bätte das Judenihum mehr Ursache — sich ihrer zu schämen. Wenn wir Juden an Wohlanstündigkeit von Niemand uns übertreffen lassen, jedem Unrecht uns streng fern halten, in jeder Lebenslage den kurzen Satz im Gedächtniß bewahren, „was nicht g'rad ist, ist krumm" — dann brauchen wir uns vor den ärgsten und schlimmsten Widersachern nicht zu schämen und nicht zu fürchten. (Lebhafter Beifall.) Ernst Schüller will nicht unterlassen, den Vereinscollegen zu danken, daß sie bei der letzten Wahl ihn mit ihrem Vertrauen beehrt haben. Er setzte seine beste Kraft in den Dienst der gemeinsamen Sache, und wenn man ihm das Mandat für die weiteren Jahre erneuert, so werde er das Möglichste thun, die Ehrenstelle würdig zu vertreten. (Beifall.) Herr Jacob Strauß erklärt als der letzte Redner, sich möglichst kurz zu fassen. Er dankt den Vereinsgenosfen für das ihm bisher gewährte Vertrauen; sollten sie eine geeignetere Kraft wissen, den Vereinsinterksfen zu dienen, fo will er gern auf eine Wiederwahl verzichten. Falls aber die Vereinsgenossen auf seine Person weiter reflectiren, so wird es ihm eine Ehre sein, die bisherige Function im Dienste des Vereines beizubehalten. (Lebhafter Beifall.) Es wird nun zur Wahl geschritten. Als Scrutatoren fungirten die Herren David Kohn, Ignatz Klein, Leop. Gollerstepper und erschienen als gewählt: Dr. Engel mit 72, Friedrich Pollak mit 71, Ernst Schüller mit 54 und Jacob Strauß mit 70 Stimmen. Der Vorsitzende, Präsident M. Fleischer, erklärt somit^die Generalversammlung für geschlosssn. Aus dem antisemitischen Zukunftsstaate. Eine radaupolilische Burleske von Ottos Ernst. ^Deutscher Reichsta'g.» 3057. Sitzung vom 12. December 1901. 9 Uhr Borm. Am Tische des Bundesrathes Reichskanzler Fürst A h l w ardt, Finanzminister Freiherr v. Pickenbach u. A. Ersterer mit einer neuen defecten Hose bekleidet, wird dadurch Gegenstand lebhafter Ovationen. Eingegangen ist der Handelsvertrag mit dem jüdischen Freistaat Argentinien. Erster Gegenstand der Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung über die Novelle zum Entjudungsgesetz. Zunächst nimmt das Wort der Abg. Ehrenmann v. Sonnenschein: Soeben hat mich irgend ein Lump auf den Fuß getreten. Ich möchte daraus schließen, daß trotz aller Ausweisungen sich noch Juden in Deutschland aufhalten, denn eine solche Frechheit ist nur einem Juven zuzutrauen. (Bewegung und Lachen.) Ich fordere den hundsiöttischen Hebräer auf — (Abg. Schulze: Ich war es! Wollen Sie etwas von mir, Sie elender Jude? Der Abg. v. Sonnenschein verläßt die Tribüne und eilt auf den Abg. Schulze zu. Es entsteht ein wüthender Faustkampf. Rufe: Hört! Hört!) Bicepräsident v. Buol-Berenberg: Ich bitte, den Redner nicht zu unterbrechen. (Stürmische Heiterkeit.)

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