Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«Sette S Wrflrrrrtchifchr Wochrnfchrtfl Nr. 1 Ist es nothwendig, die Leiden unserer rumänischen Glaubensgenossen ausjührlich zu schildern? Eine Reihe von vAuelten Acienstücken, so das „Memorandum der aus Bacau ausgewiesenen Juven an König Carol I." vom 27. März und an den Minister des Innern vom 31. März 1894, das „Memorandum der eingeborenen Israeliten Rumä^ niens an die rumänische Regierung" und endlich das in der Rede des Domänenmmisters Peter Carp vom 16. Februar 1893 gelegene Zeugmß, welches besagt, daß die rumänische Regierung Juden m der Donau ertränken ließ, gewährt einen erschütternden Einblick in die Mißhandlungen und Erniedrigungen, denen die Juden in Rumänien ausgesetzt waren und noch heute ausgesetzt sind. Es ist der Aufschrei der tiefsten Verzweiflung, der Ihnen aus diesen Schriststücken entgegenlönt. Die administrative Willkür begeht gegenüber den Juden in Rumänien Verbrechen aus Verbrechen der scheußlichsten Art. Auf Grund einer Ministerial-Verordnung, deren Inhalt unrichtig ausgelegt wurde, hat man die Juden von ihren Gebunsslätten und Wohnsitzen, wo sie sich Jahrhunderte hindurch als pflichtreue, gewerbsteißige und nützliche Glieder der Gesellschaft erwiesen haben, verjagt, Juden, deren Söhne der Armee angehören oder den Militärdienst bereits adsolvirt haben, Juden, die alle Pstichten dem Staate und der Gemeinde gegenüber pünktlich erfüllten, ja selbst solche, deren Kinder im Kampfe für die Unabhängigkeit des Vaterlandes gefallen sind. Ja, schlimmer noch! Im directen Gegensätze zu dem Geiste und Wortlaute jener Verordnung hat man den Söhnen den ferneren Aufenthalt gestattet, die greisen Eltern aber, die vöm Erwerb dieser Söhne leben, werden als der „communalen Ruhe gefährlich" ausgewiesen. Man hat in Rumänien eine neue Form der administrativen Verschickung für Juden, eine neue Art des Zwangsdomicits gefunden. Gegen wehrlose Greise, Frauen und Kinder hat man Cavallerie beordert; ihre armselige Habe wurde auf's Feld geworfen, ohne Gnade und Barmherzigkeit wurden die Aermsten außerhalb des Landes oder in Gegenden gebracht, wo sie keine Bekanntschaft, keine Verbindungen haben und elend zu Grunde gehen müssen, während Soldaten, Polizeibeamte und Gemeinderichter sich in ihr Hab' und Gut th eilten. Solche Grausamkeit gegen friedfertigeMenschen isteinHohn auf die moderne Civilisatwn und schändet den Namen der lateinischen Raste. Wenn die Vertreter des italienischen Volkes sich für die Gemeinsamkeit der freiheitlichen Inten ssen aller Theile dieser Rasse begeistern, so können sie unmöglich vergessen, daß die Grundbedingungen aller Freiheit und Unabhängigkeit die Gerechtigkeit und die Humanität sind. — Auch für die Unabhängigkeit und Größe Italiens haben Juden ihr Blut vergossen und das italienische Volk hat sie dankbar als gleichberechtigte Bürger des Staates anerkannt. Welche Hingebung und welcher Patriotismus die Juoen auszeichnet, was sie, zur freien Entfaltung ihrer Fähigkeiten zugelasten, für Sraat und Gesellschaft, für Kunst und Wissenschaft, für Handel, Industrie und Gewerbe zu leisten vermögen, bedarf den erleuchteten Männern gegenüber, an welche ich diese Worte richte, keines Beweises. Eine Nation, welche einen Petrarca und einen Dante hervorgebrachr hat, wird den Klagerufen der Nachkommen eines David und Jesaias ihr Ohr nicht verschließen. „Die Nuionen können in keinem andern Zusammenhänge in Betracht kommen, als inwiefern sie, die eine auf die andere wirkend, mit einander eine lebendige Gesammlheit ausmachen." Dieses Wort eines großen Historikers ist bereits gemeingiltige Erkenntniß! Den italienischen Patrioten, welche ihre Stimmen für die Rumänen erheben, kann und darf es nicht gleichgiltig sein, daß innerhalb der Grenzen des rumänischen Nationalstaates gegen die Riste eines der ältesten und ehrwürdigsten Culturvölker der Menschheit ein grausamer Vertilgungskrieg geführt wird. Ich weiß die edle Regung zu würdigen, welche der Sympathiekundgebung für die stammverwandte, rumänische Nation zu Grunde liegt, obgleich ich mir die Thatsache nicht verhehle, daß die ritterliche, ungarische Nation die ersten Regungen jenes' Glaubens- und Rassenhasses, der unser Jahrhundert in die Nacht der Barbarei zurückzuwerfen droht, im Keime zu ersticken gewußt hat, während in Rumänien selbst die gebildeten Elasten diese Bewegung mit Jubel begrüßten und förderten und die Regierungen sich zu schwach erwiesen, ihre Excesse zu verhüten. Aber mit politischen Rücksichten und Erwägungen habe ich in dieser Sache nichts zu thun. Ich führe hier die Sache der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, und im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit richte ich an die parlamentarischen Vertreter des italienischen Volkes die Bitte, der Noth und Bedrängniß, in welcher meine rumänischen Glaubensgenossen schmachten, nicht zu vergessen und an den Ausdruck ihrer Sympathien für die rumänische Nation die Forderung zu knüpfen, daß sich diese Nation der eigenen Unabhängigkeit würdig erweise, indem sie zuerst den eingeborenen Israeliten, den Rumänen jüdischen Bekenntnisses, Schutz und Recht widerfahren laste. Wien, am 1. Jänner 1895. Dr. Josef S. Bloch Mitglied des österreichischen Reichsrathes Epilog;um Fall Trutz. (Von unserem Correspondenten in Hannover.) „Es kommt der Tag, es kommt der Tag ..." Altes Lied. Ein unerbittliches Fatum scheint über den Führern der antisemitischen Hetzpartei zu obwalten. Einer nach dem anderen findet mit unfehlbarer Sicherheit den Weg in den Gerichtssaal, wo ihm die vorgestcckte Larve der tadel- und makellosen Rechtschaffenheit vom Antlitz gerissen wird und die scheußliche Fratze des wahren Gesichtes sich zeigt. Und vom Gerichtssaal wandern sie einer nach den anderen, mit dem Schandmal schimpflicher Verurtheilung gebrandmarkt, in das Dunkel der Kerkerzelle, wo ihnen Zeit und Muße gegönnt wird, nachzudenken über das, was sie gethan und unterlassen. Ist es bloßer Zufall, daß blos Subjecle von niedriger Denk- und Handlungsweise sich zu Führern und Lenkern der antisemitischen Bewegung aufwerfen? Hat die antisemitische „Partei" — wenn dieser Ausdruck der Kürze halber gestattet ist — blos Unglück in der Wahl ihrer Obersten und Hauptleute, oder ist das nur die Consequenz aus Vorbedingnissen, die im innersten Wesen des Antisemitismus begründet sind? — Kein leerer, blind waltender Zufall, kein bedauerliches „Pech", das sich eventuell bei sorgfältigerer Auswahl der Persönlichkeiten vermeiden ließe, waltet da, sondern das muß so sein und kann gar nicht anders sein. Der Antisemitismus ist eine Mißgeburt, die der Neid und der Haß gezeugt haben und zu seiner Fahne schwört nur ein Schurke oder .ein Dummkopf — oft auch ein dummer Schuft oder infamer Cretin. Da kann man keine anderen Führer erkiesen, als Leute, welche den Gerichtssaal zu scheuen haben, weil — nun weil dafür eben keine anderen da sind. Wo ein Antisemit vor den grünen Tisch citirt wird, muß man sich auf schmachvolle Enthüllungen gefaßt machen. Das liegt in dem Wesen des Antisemitismus selbst, der das verkörperte Unrecht bezeichnet. Und dieses ungerechte Ziel wird mit den schmachvollsten, verwerflichsten Mitteln erstrebt: Verhetzung, Verleumdung, Lug und Trug, Bosheit und Niedertracht verbinden sich, um es zu erreichen. Die H-rren Corruptionsriecher sind selbst corrupt und angefault vom Wirbel bis zur Sohle. Diejenigen, welche den bravsten Juden, blos weil er Jude ist, verachten und schmähen und in haßerfüllten Worten ihre Mitbürger zu seiner Verfolgung amzustacheln sich mühen, sie sind selbst, prüft man ihren Lebenswandel, Verbrecher, Zuchthäusler, Schurken und Meineidige. Wer einen Mitmenschen wegen seines Glaubens