Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 1 (4.1.1895)
- Date
- 1895-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Wien, 4. Jänner 1895. Jahrgang XII Centralorgän für die gefammtrn Interessen des Iudenthums. K. k. Poyspnrknwen-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien Franx Josrfs-Nuai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. Herausgrbrr: Reichsralhs-Adgeordneler Dr. Asch. Erscheint jeden Freitag. -H- =516 jg Man abonniri bei allen Postanstallen des In- und Auslandes. 3$ S-Mgsvrris fite Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare 25 kr. Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeig en: Die 4mal gespaltene Pelitzeile 12 kr. -S Inhalt: Leitartikel: „Weh' dir, daß du ein Enkel bist!" — »Wohl dem. der seiner Väter gern gedenkt!" — An meine geehrten Colleges in der italienischen Depntirtenkammer. — Epilog zum Falle Leuß. — Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. — Vergessene jüdische Künstler. — Die Juden in Polen. — Generalversammlung des israel. Tempelvereines sür Mariahilf u. Neubau. — Aus dem antisemit. Zukunftsstaate. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Neue Scandale. Vom antisemit. Lügengesindel. Zum Wotan-Eultus. Die Lueger-Affaire von Währing. Kauft nur bei Christen. Ein Held von Custozza. Aus antisemitischen Wahlbezirken. Die Juden und die Militärpflicht in Rußland. Ein Beitrag zur Rassentheorie. — Eorrespondenzen: Wien. Kojetein, Budapest, Lemberg. Berlin, Frankfurt a. M., Bukarest, Rom. — Vermischtes: Wien, Czernowitz, Stanislau. Kolomea, Kanitz, Kozlow, Koritschan, Proßnitz, Tarnopol, Gewitsch, Breslau, Facsani, Brüx. — Feuilleton: Der Borbeter von Eham. — Briefkasten. — Inserate. ..Drh' liir. ckss tl« ein Hnhel bist!" „Als Enkelkinder wurde! Ihr geboren, Als kranker Ahnen puchbelad'nr Erben Soll Euer Blul das weile Blachfeld färben, Auf dem dir Schlacht schon überlang verloren!" Mir däuchl, dass wir zu Höherem erkoren, Als an der Väter Siechthum xu verderben, Um altersschwach und hoffnungslos zu sterben; — Weit schöner klang der Wirgrngruff der Horen: „Aus Enkelkindern sollen Ahnen werden, Urväter frei sich ringender Geschlechter, Dir unentwegt den Sieg zu krönen wissen!" Wird s<das alte Testament zerrisse«, So flieht dir dunkle Schaar der Zionswachter, Und leuchtend herrscht „Gererktigkeit" auf Erden. Rudolf Graf Hoyos. „Freies Blatt" (!), 23. Derember 1894. MM ..HohlIrm. iler seiner ^nter gern getlevhl!" Daß wir als Enkelkinder sind geboren, Da braucht kein Grafzu kommen, eszu melden — Wißt! nns're Vater waren Glaubrnshrldrn Und keine fluchbelad'nen, siechen Thoren! Bei Trommrlschlag thut kund man und zu wissen, „Daß Enkel sind zu Ahnen auserkoren!—" Faßt uns mit der Entdeckung ungeschoren — Der alte Bund wird nimmermehr zerrissen. Der Grund des neuen ist der alte Glaube, Auf dieses Fundament muß er sich stützen, Und wenn es fällt, liegt der Palast im Staube. Des Selbstmords Weisheit können wir entbehren; Vor solchen Freunden mög' uns Gott beschützen Und ihre Abwehr helfen — abzuwrhrrn! MM An meine geehrten College« in der italienischen Depntirtenkammer. Sehr ehrenwerthe Herren! Nach Zeitungsberichten haben am 25. v. M. 250 Mitglieder der italienischen Depntirtenkammer, bestehend aus Anhängern aller Parteien, eine Motion eingebracht, welche den die Unabhängigkeit der gemeinsamen lateinischen Nationalität vertheidigenden Rumänen die Sympathien der italienischen Kammer aussprtcht. Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, wende ich mich an die Vertreter des hochherzigen, italienischen Volkes mit der Bitte, bei der Berathvng über jene Motion des Schicksals meiner in Rumänien seit Jahrhunderten ansässigen Glaubensgenossen eingedenk zu sein. Ob die rumänische Nationalität in Ungarn thatsächlich unter so schwerer Bedrückung zu leiden hat, als in Berichten der Bukarefter Journale und in den Reden einzelner Mitglieder des rumänischen Parlamentes behauptet wird, das zu beurtheilen ist nicht meine Sache. Wohl aber weiß ich undZst es eine offenkundige, auch den Vertretern des italienischen Volkes bekannte Thatsache, daß in Rumänien gegen Recht und Gesetz, gegen die Bestimmungen internationaler Verträge und gegen die Forderungen der Menschlichkeit Hunderttausende meiner jüdischen Glaubensgenossen in grausamster Weise bedrückt und verfolgt werden. Seit den Tagen des Antiochus Epiphanes haben meine Stammes- und Glaubensgenossen nicht so schwere Tage durchgemacht wie gegenwärtig die Juden »n Rumänien. Unzweifelhaft entspringt der Antrag, dem rumänischen Volke die Sympathien der italienischen Nation zum Ausdrucke zu bringen, jenem edlen Gefühle für Freiheit und Unabhängigkeit, welches jeden Italiener beseelt und das geeinigte Italien geschaffen hat. Aber dieses Gefühl kann nicht ein einseitigessein, es muß a l l e n Unterdrückten und Verfolgten in gleichem Maße entgegengebracht werden. Auch für das italienische Volk gilt jene erhabene Mahnung des hebräischen Gesetzgebers: „Gedenket, daß Ihr Knechte wäret in Egypten!" Zu lange hat das italienische Volk selbst die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung, nach Recht und Gerechtigkeit im Herzen tragen müssen, als daß es nicht die Qual und Schmach Jener empfinden müßte, deren Menschenwürde in dem staWMverwandten Rumänien mit Füßen getreten