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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-28 · 52 (28.12.1894) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 52 VrflrrreirMchr WochrnptzrM Seite 1017 ordination jenes eisernen Zeitalters einer der Kürassiere den grausamen Befehl wörtlich, pünktlich befolgt, — und Elke, die den Knaben heftig an sich rch, hätte ihn nicht zu schützen vermocht; aber Pappenheim trat, dazwischen, und sprach: „Der Malefizbub gefällt mir, laßt ihn. aus dem könnt' mal' ein tüchtiger Reitersmann werden; Courage hat er zum Staunen! Man könnt' da auch eingutesWerk stiften! Ich willdenMordjungen da der Hölle entreißen und ihm den Himmel gewinnen. Ich geb' ihn in ein Kloster, laß ihn taufen und wenn mich nicht eine Kugel oder ein guter Hieb, bevor das Kind da ein Junge geworden, aus der Welt ruft, dann werd' ich dafür sorgen, daß er ein schmucker Reiter wird; — das Zeug dazu hat er!" „Durchlaucht!" begann nun der Gefangene, der bisher seine Lippen noch nicht geöffnet hatte, und in dem Klange seiner Stimme lag eine Fülle von Wohllaut, daß sie sogar auf die wilden, unbändigen Männer, die ihn umstanden, einen Augenblick besänftigend einwirkte „das, was ich höchst Euch sagen will, wird mich nicht retten, es vermag nur Euren ungerechten Zorn neu zü wecken, meinen unverdienten Tod rascher herbeizufübren; aber es ist mir, als rufe mir's eine Gottesstimme zu, Euch's zu sagen, Durchlaucht!.Vielleicht wird Euch der Allherr am Tage des Gerichtes die Tausende von Mensckenleben, die Ihr aus Ehrsucht und Fanatismus hingeopfert, verzeihen" können, denn Ihr, mein Fürst, habt dabei einen Zweck verfolgt — ob er löblich oder nicht, das habe nicht ich, das hat Gott der Allschauende und Allgewaltige zu beurtheilen — aber mein Leben wird Gott aus Euren Händen fordern; so wahr er Euch und mich ins Leben rief!" „Warum?" rief der Herzog — von der kühnen Sprache des Juden überrascht — unwillkürlich. „Weil Ihr, Durchlaucht, wohl die Macht, aber weder das Recht noch einen Grund habt, mich lobten zu lassen, mein Weib zur Witwe, meine schutzlosen Kinder, zu Waisen zu machen." „Was wagt Er mir zu sagen?" brüllte Wallensteiu, dessen Gesicht vor Wuth dunkelbraun wurde. „Die Wahrheit, Herr Herzog!" und wieder lag in dem Tonklauge dieser Worte, welche der arme Vorsänger unerschrocken vor dem mächtigsten Manne in Deutschland sprach, ein solcher zwingender Zauber, daß dieser ihn ruhig weiter sprechen ließ. „Ihr. Durchlaucht, wollt mich tödten lassen um völlig unerwieseuer Schuld. Ihr steht so hoch, daß Ihr, Durchlaucht, ein ähnlich Schicksal nicht zu befahren habt; aber versucht es, hoher Herr, regierender Herzog von Mecklenburg und Generalissimus des deutschen Kaisers, Euch in eine ähnliche Lage zu versetzen, versucht es, i en Gedanken auszudenken, Eure Feinde würden Euch bei Eurem hohen Herrn, dem höchsten Herrn auf dieser irdischen Welt, dem deutschen Kaiser fälschlich anklagen: Ihr strebtet darnach, der Erste auf dem Weltall zu werden, ihn vom Kaiserthrone zu stoßen, seine Stelle einzunehmen, würdet Ihr, durchlauchtigster Herr Generalissimus, es für recht finden, wenn er Euch, ohne Euch anzuhören, ohne Beweise, als Hochverräther verurtheilte? Ich bin ein armer Kammerknecht des römischen Reiches, ich wage cs nicht, Antwort von Euch zu verlangen, Durchlaucht — gebt sie nicht mir — doch gebt sie Euch selbst!" Wallenstein war — es ist das allgemein bekannt — ein Mensch, der sich dem Mystischen, dem Uebernatürlichen zuwandte, er war der Astrologie ergeben, er glaubte vielleicht nicht an die allwaltende Vorsehung, aber ebenso wenig an den Zufall, er glaubte, was auch geschehen sollte, müßte vorher in den Sternen geschrieben stehen. Es gab Vieles, dem von Anderen Werth beigelegt wurde, das er gar nicht beachtete, dagegen gab es wieder Dinge, denen er hohe Wichtigkeit beilegte, die andere Zeitgenossen seiner Geisteshöhe, unberührt gelassen hätten. Der Alles berechnende, Alles vorher in den Sternen ausspähende Mann war selbst vollkommen unberechenbar, seine spontanen Entschliiffe durchaus iueateulable. Wallenstein fühlte sich von den kühnen Worten des unerschrockenen Juden in schwer zu schildernder Weise erfaßt. Zuerst hatte der Gedanke, er könne als Angeklagter zur Rechenschaft gezogen werden, seinen heftigsten Zorn erregt; er hatte in leidenschaftlicher Aufwallung seinen Krückenstock erhoben... dann aber fühlte sich Wallenstein von der in ihm angeregten Vorstellung mächtiger erfaßt als er gerne zeigen mochte. Er oußte ja, es würden sich in der Kaiserburg in Wien Anklagen legen seine Eigenmächtigkeit und Bedrückung deutscher Landessürsten erheben, — auch schien es ihm, als hätte der schlichte,! armselig gekleidete Jude, mit Seherblrcken in seiner Seele gelesen. Einen Augenblick überkam rhu die Erkeuntniß, daß er trotz seiner Machtfülle denn doch nur ein Mensch sei und Menschenschicksal sich doch oft als wandelbar, veränderlich erweise. Der Gedanke an den unglücklichen Lhdierlönig Krösus mochte einen Moment seine Seele durchfrösteln, er ließ den erhobenen Stock sinken. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. K. L. -18.: Das war blos pro t'orma. Die genannten Abgeordneten haben den Antrag unterstützt. Zwei Abonnenten in rneichenan a. K. Sie fragen uns, was der gräuliche Galiuuithias eiijes gewissen Herrn Kernreuter bedeute, den dieser auf dem letzten germanischen Abendsesle losließ: „Aus den rünstigen Geschehnissen der Weltgeschichte leuchtet mit fürchterlicher Deutlichkeit hervor, daß die Vernach lässt gung^des nationalen G e i st e s u n d des 0 e u t s ch v v l k l i ch e n F ü h t e n s stets allein an unserem Unglücke Schuld w a r e n." Ja wissen Sie, zil viel dürfen Sie uns nicht fragen. Wir gestehen offen, daß wir in den „rüustigen" Geschehnissen der Weltgeschichte gar nicht erfahren sind. Dr. Eduard Breitner in H.— Z. Wie wäre es, wenn Sie der sonderbaren Dame die schönen Verse ms Stammbuch schrieben: „Wisst es, sinnb-thörte Jugend, Mann und Greis vergeßr es nicht: Toleranz ist feine Tugend. Toleranz ist eine Pflicht." Alter Freund des Blattes in Iglau. DasCitat im vorigen Briefkasten har Ihnen also gefallen? O wir können Ihnen noch mit einem anderen derselben Provenienz dienen: „Die Laster der Juden werden nur solchen gefährlich, welche ihre Vorzüge nicht haben. P. K Rosegger. So, jetzt können Sie sich das hübschere aussuchen. Herrn Petri Ketienfeier scheint plötzlich die Einsicht gekommen zu sein, daß er ihrer Vorzüge ermangle. Schönen Gniß und Dank. Herrn sind. jur. Kr., Wien. Für Sie, welcher die sogenannte „drntsch-nationte" Bewegung aufmerksam verfolgt, dürfte es inlereffant sein, daß am 16. November 1864 der dutschnationale Arbeiterbuttst ein Lied zum Portrage brachte, das unter Anderem auch diese merklvürdigen Stropheir enthielt: „Kommt, Kosak-Zuaven-Hunde, Wagt es nur, wir gehen d'ran, ^Deutschland, Lesterreich eng verbunden, H o h e n z o l l e r n führt uns an.:) Sei gegrüßt, erhab'ner Kaiser, Edler H o h e n z o l l e r n s o h n. Der Du ragst als Friedensweiser Auf dem deutschen Herrscherthron! Wie die tausendjährige Eiche Ihre Zweige breitet aus, stWaltet über deutschem Reiche Treu das H o h e u z o l l e r n h a u s.r'st" Diese Versammlung fand nicht etwa, wie Miuderg'bikdete vermuthen dürften, in Königsberg oder Berlin, sondern— in Wien statt. Seltsam! Hm. Hm! Herrn Dr. Mor. Alv. Mit welchen Mitteln die Antisemiten in ihrem blindwüthigen Hasse arbeiten, dürsten Sie daraus entnehmen,, daß in der in Breslau erscheinenden „Lstwacht" heuer ein antisemitischer Jüngling schrieb: „Es gibt doch wohl unter unseren Anhängern: wohlhab ende und unter diesen wieder hochbetagt» Leute,, die sich selbst sagen müssen, daß ihre Tage gezählt sind.. Würde cs nicht eine heilige Pflicht dieser allen Herren sein,, uns jungen Leuten den Kampf gegen das Judcnthum dadurch: zu erleichtern, baßllnsvon ihnen durch letztwillige: Vermächtnisse e r h e b l i ch e Z u w e n d u n g e n gemacht: w ü r d e n? Ich glaube, es ist dringend nöthig, daß das geschieht/" — Wie nennt man ein solches Mittel? — Herrn Elias in Cz.: Esrstdies das Schicksal der Mächtigem daß alle Ungerechtigkeit schließlich aus sie selbst zurückfällt, indem sie von ihren eigenen Creaturen verschlungen werden. Schiller-Verehrer in Brünn. Sie geben Ihrem Bedenken über das curiose „Feuilleton" der Lügen-Post vom 18. December Ausdruck. Es ist uns nicht entgangen, doch wenn wir uns ausführlicher mit demselben beschäftigen wollten, hieße das dem Machwerk zu viel Ehre anthun. „Nirgends sehe ich hier ein Kreuz oder sonst ein religiöses Wahrzeichen. Das verdarb denn auch einen Guttheil meiner begeisterten und andachtsvollen Stimmung, mit der ich rn Schiller's W rkstätte eintrat . . . Auf dem breiten und bequemen Schreibtisch stand nichts als ein altes Tintenzeug und ein kleiner Globus. In das Buch, das hier lag. schrieb ich meinen Namen, wobei ich ans Schiller's eigenem Arbeitsstuhle saß, der sehr massiv und mit einem grauen, rauhen Leder gepolstert ist (Hört, hört!) und keinerlei Armlehne trägt, wie der Goethe's . . . Schiller ist nicht

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