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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-28 · 52 (28.12.1894) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 1016 Vesterreirtzilrtzr Wortzensttzrtft ttt. 82 schreiten, und wurden auch von den vielen Freunden der j Familie Jonas;, von den Landtagsabgeordneten Herren Dr. (SoLb'jiiüiin, Dr. Sternschuß, Hochfeld, Steigetfeßt viele Toaste ausgebracht. Diese Feier verdient umsomehr Anerkennung als in unserer sogenannten „fortschrittlichen" Zeit die Pflege der altjüdischcn Feste mehr zu den Seltenheiten gehört. Herr Moritz Jonasz und seine Gemalin haben mit der patriarchalischen Barmizwah-Feier ihres ältesten Sohnes den Nachweis erbracht, daß die schönen, allreligiösen Feste auch im modernen Salon und in vornehmster Gesellschaft zu einem erhebenden Acte sich gestalten. Lemberg.DieJugend veranstaltete am 22. d.M. einen Abend Mm Andenken an die Maccabäer, welcher sich zu einem wirklichen Feste gestaltete. Nach der Einleitung des Herrn H. Gabel, der in seiner Rede auf die Wichtigkeit des Momentes hinwies, folgte Wieniawski's „Polonez", vorgetragen vom Primgeiger Herrn Schotter. Die Declamation des Frl. Langermann erntete Beifall. Nun folgte die Festrede des Herrn Malz. Redner erinnerte an die Heldenthaten der Maccabäer, erwähnte ihrer ruhmvollen Siege und appellirte in wirkungsvollen Worten an die Jugend, in die Fußtapfen ihrer Ahnen zn treten. Frl. Finkel spielte die Ouvertüre von Bellini's „Norma" mit Beifall. Den Culminationspunkt bildete die Vorstellung des 2.Actes von Otto Lndivig's „Maccabäer", in welcher sich am meisten Frl. Zimmer. Coll. Münzer und Spät hervorthaten. Frl. Zimmer spielte die Rolle der Lea, Münzer den Jehuda Maccabi und Spät gab schließlich sehr gut die Rolle des blinden Mathatias. Herr Holz wußte süße Töne seiner Flöte zu entlocken. Mit der Absinquna der Nationalhymne schloß das Fest. __ I. K—r. Der Vorbeter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjäbr'gcn Krieges von E. K ohn, Verfasser von „Gabriel". (Forlsetzung.) Wallenstein blickte ihn prüfend an, urrd bevor er noch zu beginnen vermochte, sprach er: ,Jft er nicht der Wilm Fridinger, der sich als verdorbener Student zu den tausend Kürassieren, die ich 1619 auf meine Kosten irr den Niederlanden ausrüstete, anwerben ließ? Er hat die Sc', lacht am weißen Berg mitgemacht und hat sich bei dieser so ausgezeichnet, daß ihn mein aller ego, Oberstliculenant de Lamotte, am Schlachlselde znm Corporal ernannte, später übertrat Er zu den Pappenheimern, ist's nicht so?" „Zu Befehl, Herr Generalissimus-Durchlaucht!" erwiderte der Angeredete hoch erfreut. „Nun bericht' Er, weshalb hat er den Juden da verhaftet?" „Ich hatte den Befehl, mit zwei unserer Eisenreiter um's Lager zu patrouillireu und jeden Verdächtigen aufzugreifen. Wir umritten das ganze Lager und hatten weit und breit kein menschlich Wesen gesehen, was niich nicht wunderte, denn es sind erst diese Woche fünf der Spionage verdächtige Bauern anfgekuüpft und zu deren Hinrichtung die Bewohner der umliegenden Dörfer herbeigeholt worden, damit der Tod der argen Schelme zur Abschreckung für sie diene. Endlich waren wir an Das Flußufer angelangt, da saß dieses Weib und hielt die beiden Kinder umschlungen, das kleine Mädchen ries: „Mutter, gib mir nur ein kleines Stückchen Brod?" Die Frau weinte bitterlich, nur der Junge da schien gefaßt, er wischte der Mutter die Thronen von der Wange, küßte das kleine Mädchen und sprach tröstend: „Es wird mit Gottes Hilfe Alles gut werden, und bald wird der Vater wieder Geld haben, dann wird er Dir bestimmt etwas recht Gutes zu essen kaufen!' Holk schlug eine grelle Lache auf. „Der kleine Judenschlingel ist verflucht gescheidt, so jung er ist, versteht er es doch, daß der Schwede den gefährlichen Spionsdienst mit vollen Händen zahlt." „Weiter!" herrschte der Herzog den Wachtmeister an, hierdurch auch den General unterbrechend. „Fast hatte ich Mitleid mit dem Weibe und den armen Kindern," fuhr der Wachtmeister fort, „denn daß dieses ungefährlich, mußte man ja erkennen." „O, Du, gute alte Weiberseele!" schrie Pappenheiw, „Mitleid ist die schlechteste Eigenschaft eincs Wachtmeisters, der in einem Regimente dient, dessen Commandant die Evangelischen mit Feuer und Schwert vernichten will." „Ich frug das Weib," berichtete Wilm Fridingcr weiter, „was sie hier zu suchen habe, denn daß sie eine von den fahrenden Dirnen sein sollte, welche dem Lager nachziehen, um sich dort einen Liebsten zu suchen, war nicht anzunehmeu, dazu war sie viel zu traurig, auch paßten die beiden Kinder und ihre Zärtlichkeit für diese, nicht zu einem so lockeren Gewerbe. Sie antwortete, sie erwarte ihren Gatten, der sich dort am Abhange im Gebüsche befinde." - „Wachtmeister Fridinger!" polterte Pappenheim, „Er ist ein wackerer Haudegen, das Zeuguiß kann ich Ihm nicht verweigern, aber ein Hornochse ist Er, den man weit und breit zu suchen hat! Er Hauptesel! glaubt Er, wenn der Mann ein Kundschafter ist, das eigene Weib wird ibn verrathen? Und besonders eine Jüdin! Da hängen Mann und Weib in Liebe aneinander, und dieses ließe sich eher in S-ücke Hanen, als den Vater ihrer Kinder an den Galgen zu bringen! Da hat Er keinen glücklichen Fang gewacht, Wachtmeister Fridinger. „Halten zu Gnaden, Herr Genera!!" vertheidigte sich der Wachtmeister, „grad' das waren meine eigevenGedauken; aber der Soldat darf keine eigenen Gedanken haben, cr muß nur den erhaltenen Befehl pünktlich ausführen, und daswae in dem vorliegenden Falle grad' mein Casus. Ich hatte den Auftrag, Jeden, der sich in der Nähe des Lagers befand und dort nichts zu thun hatte, festzuuehmen und abzulieferri. Ich wollte eben absitzen und das Gebüsch durchsuchen lassen, als der Jude da ganz unbefangen, ein Büschel Weidenruthen in der Hand, heraustrat; ich dachte, er würde auf meine Frage, was er in dem Gebüsche da zu suchen habe, eine vernünftige Antwort geben.. „Was Er gedacht hat, darum kümmern wir uns blutwenig," brauste Pappenheim auf, „nian hört Jhm's noch nach Jahren immer an, daß Er in Seiner Jugend ein Federfuchser gewesen, die können das lange Schwatzen nicht lassen.Was antwortete der Jude? Vorwärts Wachtmeister, Trab!" „Das dümmste Zeug von der Welt, das ihn so verdächtigte, daß ich glauben mußte, er sei ein Spion. Er behauptete, er habe sich im Gebüsche da Ruthen abgeschnitlen, aber ganz abgesehen von der Dummheit dieser Erfindung, hätte er es ja gar nicht nöthig gehabt, da den Abhang hinaus zu kriechen, es standen unten am Ufer eine Mdnge Weidenbüsche, er hätte er.cs ja leichter gehabt; jetzt mußte ich selber glauben daß er etwas zu erspähen beabsichtigte, etwa die Zahl der Kanonen, die dort aus der Batterie stehen. Run brachte ich ihn hierher." „Versuchte der Jude sich zur Wehr zu setzen oder zu entfliehen?" frug der Herzog. ■ „Weder das Eine noch das Andere," erwiderte der Wachtmeister. „Er blieb ganz ruhig, er tröstete noch seine Frau, die vor Schrecken umzusinken drohte. Er behauptete, man würde sofort seine Unschuld erkennen und ihn entlassen." Elke Kohen tvar diesem Gespräche mit seelenaufreibender Spannung gefolgt, sie war bleich wie eine Marmorstatue geworden, sie preßte ihr kleines Mädchen an die Brust, als vermöchte sie dadurch dieses und seinen Vater zu schützen, ihre schönen, großen Augen schiene:- aus ihren Höhlen hervortreten zu wollen. Der sechsjährige Elije war, ohne daß dies bemerkt wurde, seinen! Vater näher getreten, er konnte es allerdings nicht erfassen, um was es sich handle, aber er sah, daß seinem geliebten Vater Gefahr drohte, sein Kindergesicht röthete sich, seine großen schwarzen Augen schienen Blitze zu schleudern, er ballte kampfbereit seine kleinen Fäuste, als wolle er auf den Ersten, der seinem Vater ein Leid zufügen wolle, losstürzen, ihn mit seinem schwachen Kinderarm zu Boden schmettern. — Nachdem der Wachtmeister seinen Bericht beendet, war eine kurze Pause eingetreten, sie schien dem bebenden Weibe eine Ewigkeit. Towije aber blickte unerschrocken in das Gesicht des wilden Herzogs. Dieser sprach endlich: „Ein fremder Mensch, der sich in die Nähe eines Lagers wagt, muß, wenn er nicht wahnsinnig ist, ein Spion sein .... laßt die Bestie auf den ersten, besten Baum henken! . . . . Doch soll die Execution erst morgen Vormittag vorgenommen werden. Der Tod des Delinquenten soll nicht nur diesem eine Strafe, sondern auch Anderen ein warnendes Exempel sein. Aus jedem Dorfe der Umgebung hat der Schulze mit je zehn Bauern zu erscheinen. Ich will den Burschen die Lust am Spioniren gründlich austreiben!" „Mein Vater ist keine Bestie!" rief der kleine Elije zornig „Niemand darf ihm etwas zu Leide thun!" „Werft die kccke Judcnbrut zum Fenster hinaus!" rief der grimme Holk; und vielleicht hätte in der sclavischen Sub-

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