Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 52 (28.12.1894)
- Date
- 1894-12-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 1014 Weyerretchtlchr WochenschrM Nr. 82 Paris, 12. Decrmber. An Herrn Loewy. Präsidenten des Institut äs France! Herr Präsident! Die Adresse, in w/lcher Sie sowohl als die Vertreter der füns Akademien dem lebhaften Beileide des Institut <ie France Ausdruck yoben gelegentlich der Trauer, die Rußland durch das Ab scheiden Sr. Maskssät des Kaisers Alexander III. betroffen, ist seinem erlauchten Sohne, dem Kaiser Nikolaus II., vorgelegt worden. Sehr gerührt über die Gefühle, die Sie im Namen der Akademie ihm bezeigt haben, hat Se. Majestät geruht, mir den Auftrag zu geben. Ihnen seinen herzlichsten Dank zu bezeigen und Sie gleichzeitig zu bitten, der autorisirte Dolmetsch desselben bei dem Institut de France, dessen Vorsitzender Sie sind, zu sein. t Ich bin glücklich, Herr Präsident, dazu berufen zu sein, als Vermittler der Ausdrücke der dankbaren Gefühle meines erhabenen Herrn Ihnen gegenüber zu dienen und bitte Sie rc. Der russische Geschäftsträger v. Giers. Vermisckles. Wien. (Trauungen.) Dienstag am 1. Jänner 1895. Um 1 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel der Sektenstettengofie die Trauung des Frl. Charlotte Saal. Tochter des Cultus- und Bibliothekarbeamten Herrn Jacob Saal, mit Herrn Leopold Klausner statt. Sonntag den 23. December fand im israelitischen Tempel II. Leopoldgasse 29, die Trauung von Frl. Saba Mayerhof mit Herrn Jacob Tauber statt. Am 30. d. M. findet.im Seitenstettentempel die Trauung des Herrn Sami Sv rin.g er mit Frl. Sidonie I elin ek statt. Wie«. Die israelitische Kinderbewahranstalt erstattete den Bericht über das 51. Jahr ihrer Thätigkeit. Die Anzahl!ber auf genommenen Kinder betrug Ende Juni dieses Jahres 300. Das Wohlwollen der Gönner der Anstalt, das sich bei Gelegenheit des im Mai 1893 begangenen Jubiläums glänzend kundaegeben. hat sich auch im abgelaufenen Jahre bewährt. Jnsbesondere hervorzuheben find die Spenden von fl. 2000 des Herrn Baron Natbaniel n. Rothschild, des löblichen Wiener Gemeinderathes von fl. 200, und der Ersten österreichischen Sparcafie von fl. 300. Aus der Verlassenschaft des seligen Herrn Mo^iz Freiherrn v. Königswarter gingen der Anstalt fl. 5000 zu. Mit einem Legat von fl. 250 zur Sicherung seines Jahresbeitrages hat der selige Herr Hermann May die Anstalt bedacht Und die Familie desselben hat zum Andenken an den Verewigten ebenfalls fl. 250 gespendet. Frau Emma Poll ak. geb. Gn tmann v. Gelse, hat im Frühjahr 1894 zum Besten dieses Vereines und des Mädchen-Unterstützungsvereines im Bösendorfer Saale einen Vorleseabend veranstaltet, an welchem der beliebte Schauspieler des Deutschen Volkstheaters, Herr Weis se. „Die Aiolanen". eine reizende Dichtung der unter dem Pseudonym „Paul Althof" bekannten Tochter der genannten Dame, wirkungsvoll vortrua. Auf die Anstalt entfielen von dem Ertrage dieses Abends fl. 280, welchem Frau Pollak aus Eigenem noch fl. 50 hinzufüate. Die mit der Anstalt verbundene, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene erste Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien war im abgelaufenenen Schuljahre von 21 Schülerinnen besucht, von denen 12 der katholischen. 9 der israelitischen Confession angehörten. Der Grund für diese Vermehrung der katholischen, Schülerinnen liegt darin, dass das der Anstalt seit Jahren von den Oberinnen der in Wien bestehenden Frauenklöster entgegen' gebrachte Vertrauen sich in dem Maße gesteigert hat, als sich die Leistunassähigkeit der an der Anstalt ausgebildeten Schülerinnen erhöhte. Das Comite zur Erhaltung und Leitung der Anstalt besteht aus den Damen: Sophie Baronin Todesco, Vräfidentin, Rosa Schiff. Sara v. Stern, Elise G o m p e r z, Fanny Bi ach. Helene Wollheim. Jda v. Gutmann, Sophie v. Bauer und den Herren Theodor Ritter v. Goldschmidt und Leopold v. L i e b e n. Die Direction führen Herr Albert S. Fischer und Gattin. Am 23. d. M. fand die Gründungsfeier statt, mit welcher eine Prüfung der Kleinen und die Betheilung von mehr als 200 Kindern mit Kleidern, Schuhen und Spielzeug verbunden waren. Die präcisen Antworten der Kleinen, ihr Vortrag von Gedichten. Liedern und Spielen fand die ungeteilte Anerkennung der zahlreichen Festgäste, unter denen wir Frau Baronin Königswarter, Frau Paul-Schiff, Gemeinderath Dr. Lerch als Vertreter des Bürgermeisters, die Gemeinderäthe Ritter v. Goldschmidt und Waegner, dieBezirksschul-Jnspectoren Schulrath Hinterwaldner und Prof. Wiedenhofer, Commercialrath S t i a ß n y hervorheben. Wien. (Chanucka-F e i e r im israelitischen B l i n d e n - I n st i t u t e.) Sonntag, 23. d. M., um 4 Uhr Nachmittags wurde im israelitischen Blinden-Jnstitute auf der Hohen Warte das Chanuckafest in Anwesenheit eines ebenso zahlreichen als distinguirten Publicums gefeiert. Unter den Gästen bemerkten wir: Herrn und Frau Baron Wilhelm von Königswarter, Gemeinderath und Baurath Theodor Ritter v. G oldschmidt, Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d em a n n, Prediger Dr. T a g l i ch t, die Gemalin des amerikanischen Generalkonsuls Frau I u d d, die Curatorinnen der Anstalt Frau Cäcilie Adler und Frau L ö w e n f e l d u. v. A. Die Zöglinge versammelten sich im Betsaale, woselbst ein blindes Kind währenddes erhebenden Gottesdienstes unter Chorgesängen, die vom Herrn Obercantor Singer geleitet wurden, das Licht der Weihe entzündete. Hierauf begaben sich die Zöglinge in den Prüfungssaal, den zum erstenmale das Bildniß des verewigten Herrn Baron Moriz v. Königswarter schmückte und in welchem in langen Tischreihen die Geschenke der blinden Kinder aufgestellt waren. Nach einem wirkungsvoll vorgetragenen Liede, welches ebenfalls Herr Obercantor Singer dirigirte und das von einem Zöglinge auf der Orgel begleitet wurde, hielt Direktor Heller an die Kinder eine Ansprache, in welcher er ausführte, daß das Chanuckafest als Fest des Lichtes, der Weihe und als Kinderfest für sie eine erhöhte Bedeutung habe, da im Institute das ewige, unverlöschliche Licht des Glaubens und der Erkenntniß in ihren Herzen entzündet werde, da sie hier zu einem geweihten Leben vorbereitet werden und für immer Kinder der Anstalt bleiben, welche ihnen für ihr ganzes Leben ein Vaterhaus sein soll. Hierauf empfingen die Zöglinge die Liebesgaben, welche ihnen bereitet waren und die sie mit einem vor Freude strahlenden Angesicht entgegennahmen. Nach dem Festesien veranstalteten die Zöglinge ein Concert, dessen einzelne Musik-. Gesangs- und Vortragspiecen bei den zahlreich anwesenden Zuhörern lebhaften Beifall fanden. Die ausgestellten Arbeiten der Zöglinge, Bürsten- und Korbwaaren, weibliche Handarbeiten, insbesvnderedie auf der Strickmaschine hergestellten, fanden die größte Anerkennung und zahlreiche Käufer. Das Fest war so recht geeignet, zu zeigen, welchen Zielen das Institut entgegenstrebt, durch welche Mittel dieselben erreicht werden, und daß es eine der Hauptaufgaben der Erziehung bildet, den blinden Kindern die Jugendlust zu wahren und sie auf den Kampf des Lebens vorzubereiten. Viele anwesende absolvirte Zöglinge der Anstalt, welche in Wien eine angesehene Stellung einnehmen, waren der lebende Beweis, daß die Anstalt die Aufgabe, die sie sich stellt, auch thatsächlich erreicht. Mögen sich doch viele edle Menschenherzen in werkthätiger Liebe einer Bestrebung zuwenden, die mit Recht eine der edelsten unserer Zeit genannt werden kann, da es sich hier um Erlösung aus Nacht und Unglück, um die Erhebung zur reinsten Menschenwürde handelt. Wien, den 24. December 1894. Samstag den 29. December um halb 5 Uhr Abends findet in der Synagoge II., Leopoldsaasse 29 eine von dem Obercantor Herrn M. Schorr sammt Chor abgehaltene Channcka-Schlnßfeier statt. Wien. (Große Akademie des Frauen-Wohlthätiqkeits-Bereines im VIII. Bezirke der Stadt Wien.) Um diesem Humanitären Vereine, welcher seit seinem kurzen Bestände unter der rührigen Leitung der Präsidentin Frau Amalie Beck, Gattin des Großindustriellen Herrn Hermann Beck, Außerordentliches auf dem Gebiete der Kinderbetheilung geleistet hat, einen größeren Wirkungskreis zu eröffnen. hat sich ein Comite von mehr als 100 Personen constituirt, welches am 23. Februar 1895 eine große Akademie, verbunden mit einem Tanzkränzchen, in den beiden Musikvereinssälen abhalten wird. Unter den Comitsmitgliedern befinden sich: Cultusvorstand Fleischer, Gemeinderath Lang. Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, Bezirksausschuß Wald stein. Armenrath Brod und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Zum Obmann des Comitss wurde Herr Leopold Guttmann, Vicepräses des Bethansvereines im VIII. Bezirke, welcher bereits mehrere derartige Festivitäten, welche sowohl in künstlerischer als materieller Beziehung von'Erfolg gekrönt waren, arrangirte, zu Oliuann-Stellvertretern die Herren Dr. Sig. Hay und Dr. Herz, zu Schriftführern die Herren Dr. Phil. Freund und Dr. Oscar Feigel, Höf- und Gerichts-Advocat, gewählt.