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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-28 · 52 (28.12.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 1012 Vestrrrrdtztsche wochenschrM Nr. 52 entgegen. Der Pelz des Dr. Lu eg er's war verschwunden. Man suchte krampfhaft nach dem Pelz, man fand ihn nicht. Dr. Lueger war von diesem Zwischenfall peinlich berührt. Unser Berichterstatter konnte uns nicht mittheilen, ob endlich der Pelz des Dr. Lueger gefunden wurde, oder ob er endgiltig verloren ging. Fürst Liechtenstein und Dr. Lueger haben in freund schädlicher Weise mit einem Herrn Namens Kohn angestoßen und fast Bruderschaft getrunken. Ein alter Honved. Man schreibt aus S.-A.-U jhely, 16. December: Der Typus des für die Ereignisse des Freiheitskampfes auch heute noch schwärmenden alten Honveds, der 1848/49er pensionirte Honvedlieutenant Samuel Jung ist hier heute unter überaus großer Theilnahme zu Grabe getragen worden. Bei Ausbruch des Freiheitskrieges trat er als österreichischer Soldat mit dem' ganzen Regiments, das aus Galizien nach Hause flüchtete, in die Honvedarmee, wo er unter Klapka zum Lieutenant avancirte. Nach der Capitulation von Kom orn kehrte er hieher in feine Heimat zurück. Seitdem blieb K o s s u t h sein Abgott und wo es nur eine Kossuth-Feier gab, mußte „Jung bacsi" dabei sein, und so oft ein Kamerad, ein alter Honved das Zeitliche segnete, setzte er seine alte Honvedkappe auf, um an der Spitze der noch lebenden 1848/49«: Veteranen mit der alten Honvedfahne in der Hand als Funerator zu fungiren. Zum Leichenbegängniß des Grafen Julius Andrassy. das an einem Samstag stattfand, fuhr er als Honved-Funerator schon am vorhergehenden Freitag nach T ö ke-Tere b es, um als frommer Jude den Sabbath nicht zu entweihen. Nach dem Tode Kossuth's lieh „Jung bacsi" den Kopf hängen und betheuerte, daß nun auch an ihn die Reihe kommen werde. Bei seinem stattgebabten Leichenbegängniß widmete Vicegespan Attila M a t o l a i „seinem ehemaligen braven Honved-Officierscollegen" einen kurzen, aber wirkungsvollen Nachruf. Jung hinterlößt eine Witwe in großer Armuth. In Sachen Steblicki. Löbliche Redaction! Zur Ergänzung der Geschichte von Josef Abraham Steblicki, möge Folgendes dienen : Die Geschichte mit Josef Abraham Steblicky in Ihrer geschätzten Wochenschrift ist eine wahre Begebenheit und ich kenne sie aus einem Büchelchen, in jüdisch-deutscher Schrift geschrieben. R. Schloime Dittel in Mähr.-Weißkirchen, Onkel deL. Professor Dittel in Wien, hatte ein solches Büchelchen. Es war 1/16 Format wie ein Tefilis ha-derach und hieß: Geschichte des Bürgermeisters von Nikolai. In Oest.-Schlesien im Teschner Kreise, wo die nahe aneinander liegenden Orte und Wirthshanser fast alle von Juden gehalten werden, geht eines Tages ein Schochet „übers Feld". Auf der Straße gesellt sich ihm ein fremder Mann zu. Er fragt den Schochet, wohin er gehe; „ich gehe", sagt der Schochet, „schachten." Im Gespräche wurde der Fremde vertraulicher und meinte: Es trifft sich gut und erzählte seine Geschichte ganz so wie sie Dr. Louis Neustadt gibt. Er habe aus Ileberzeugung den Entschluß gefaßt, Jude zu werden, nun will keine Gemeinde ihn aufnehmen und kein Mohel ihn beschneiden, vielleicht ists möglich, daß dort, wohin der Schochet gehe, 10 Personen zusammen zu bringen wären? Richtig wurde er dort beschnitten, ob er sich selbst oder von einem Anderen beschnitten wurde, sagt das Büchelchen nicht. Dann geht die Geschichte weiter, wie in der Wochenschrift —-und weicht wieder ab. Der Bruder der Frau, ein Fleischer, verfolgt seinen Schwager, findet aber keine Gelegenheit, ihn zu treffen. Am Jomkipur wußte er ihn im Tempel, aber, unter allen diesen Masken im Kittel und Talles kann er seinen Schwager nicht heraus finden, da macht er sich den Plan, zu warten, bis die Leute den Tempel verlassen, da müsse er ihn erkennen, weil er ihn im Gesichte sehen kann. Er wartete mit einem gezückten Fleischermesser und wollte dem Schwager Steblicki den „Garaus" machen, aber als der Steblicki kommt, bleibt der Bruder der Frau unbeweglich, konnte die Hand nicht rühren (im Büchelchen wird's als Fügung Gottes zwar nicht gesagt, aber angedentet). Der weitere Verlauf der Geschichte geht wie bei Ihnen, nur der Schluß, ein Ausspruch des Königs Friedrich — fehlt in dem Berichte. Die Familie klagt, aber das Gericht von Pl eß wußte keinen genauen Bescheid zu geben. Der Bericht, eigentlich Urtheil des Königs lautet: Wenn der Steblicki sich gegen die „Staatsgesetze" vergangen habe, so soll er auf's Strengste bestraft werden, hat er sich aber, wie vorliegende Klage besagt nur gegen unseren „Herrgott" vergangen, so soll ihn dieser (Gott) strafen, das geht die weltliche Behörde nichts an." G. Z e r k o w i tz. GorrerjponäenLkll Wien. (Der j ü n g st e Chasan der Welt.) Wunderkind! — vielmißbrauchtes Wort für allerlei unzulängliche Frühreife, welche von elterlicher Eitelkeit oder Habgier herangezüchtet wird. Es gibt heutzutage nur Wunderkinder und ein Kind, das keines wäre, das wäre eist das rechte — Wunderkind. Mit all' dem hat der 11jährige Junge nichts zu schaffen, von dem wir jetzt erzählen wollen. Wir hatten Gelegenheit, ihn im privaten Kreise zu hören, und müssen staunend von dem großen, musikalischen Talent berichten, das sich in ihm offenbart. Josef ist das Söhnchen des Chasans Rafael Rosenblatt aus Sadagora und selbst schon ein fertiger Chasan. Aber kein gewöhnlicher, sondern ein außerordentlicher, ein hinreißender Chasan. Sein Gedächtnis; ist stupend, seine musikalische Sicherheit erstaunlich. Er kann heute schon fast Alles, was sich in seinem Fache lernen läßt, und Vieles, das sich nicht lernen läßt, das angeboren sein muß. In den Wirrgängen der orientalischen Melodik, in ihren weit verzweigten Coloraturen finde) er sich ohne je zu schwanken zurecht. Sein Vortrag zeigt nicht eine Spur von Drill, nichts Eingepauktes, nichts Altkluges — das Bmschlein singt mit Geschmack, mit eindringendem Derständniß in die heiligen Textesworte — mit innigstem Gefühle! Wir können uns wohl denken, daß er an hohen Festtagen in weihevollen Momenten eine große Gemeinde bis zu Thränen rühren kann. Seine Stimme hat Kraft und guten Klang, das mezza voce behandelt er in polnischer Art, Kopf- und Gaumentöne desgleichen. Sein jüngeres Brüderchen affistüt ihm ganz geschickt und der Vater desgleichen. Wir zweifeln nicht an der großen Zukunft des Knaben, wenn derselbe zum weiteren Studium an- und vom frühzeitigen Broderwerb abgehaltcn werden kann. Nach dem Mischeberach des kleinen Künstlers trug Herr Obercantor I. Wittmann von der Schiffschule in trefflicher Weise einige religiöse Gesänge mit wohlklingender Stimme wirkungsvoll vor und erntete den lebhaften Beifall und Dank seiner erlesenen Zuhörerschaft. fa Wien. (D i e Million desBaronKönigswarter.) Der Sohn des verstorbenen Herrenhausmitgliedes Moriz Freiherrn v. Königswarte r, Herr Baron Hermann Königswarter, hat sich taufen lassen. Der Bischof von Großwardein, Cardinal Schlauch, nahm persönlich die Taufe des Baron Hermann Königswarte r, der Frau und des kleinen Sohnes desselben vor. Der Entschluß des Barons Königswarter hat aus dem Grunde einiges Aufsehen erregt, weil es bekannt ist. daß sowohl sein Großvater Jonas, als auch sein Vater Moriz mit inniger Frömmigkeit dem Glauben ihrer Väter anhingen. Als Jude hatte Jonas Königswarter den Grundstein zu dem Reichthume des Hauses und zu dem Ansehen seiner Firma in der Finanzwelt gelegt, als Jude war ihm der Auszeichnung zutheil geworden, welche ihm und seinen Nachkommen durch die Erhebung in den Freiherrnstand verliehen wurde, und als Jude war sein Nachfolger Baron Moriz Königswarter Mitglied des Herrenhauses, wo er sich der größten Achtung seitens aller Pairs erfreute. Auf feine Zugehörigkeit zum Judenthum aber legte Baron Moriz Königswarter ganz besonderen Werth, und

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