Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 996 Vesterrrktzische Wochrnschrtfl Nr. 51 alle Zuhörer zu wiederholten Beifallsstürmen hin. Ein Theil derselben muß allerdings auf das Conto des ausgezeichneten Regisseurs Herrn L ö w i t (ehemals vom deutschen Theater in Berlin) geschrieben werden, der sich um die Aufführung die größtmöglichste Mühe genommen hatte; aber auch nach diesem Abzug bleibt noch ein ausgiebiges Saldo für die Acteure übrig. Auch eine Recitation des Herrn Nausnitz fand lebhaften Beifall. Um Mitternacht begann der Tanz — das Tanzvergnügen erst zwei Stunden später, denn der nicht geringe Faffungsraum des Khuner'schen Saales war anfangs so überfüllt, daß nur wahrhaft begeisterte Jünger der tanzenden Muse den Muth haben konnten, einen Walzer zu wagen. Aber wofern die Damen vom Vereine „Moria" nicht von 2 Uhr an das Versäumte nachgeholt haben, können sie sich mit dem einen süßen Tröste trösten, daß der außerordentliche Besuch auch ein Beweis der außerordentlichen Sympathien war. welche der Verein jüdischer Mädchen „Moria" mit R^cht genießt. P. Wien. Zu denHaupterfordernissen und nothwend igen Institutionen einer jüdischen Gemeinde gehört unstreitig die Bethätigung des Gebotes Hachnosath Orchim. Dieser Ausgabe hat der seit zwei Jahren bestehende, von einer wackeren Schaar jüdischer junger Leute gegründete Verein „Tomech Ewjonim" sich gewidmet, indem er sich es zur Aufgabe gestellt, die zugereisten jüdischen Armen am Sabbath und den jüdischen Feiertagen mit jüdischer Kost zu versehen und ihnen die Annehmlichkeit eines echt jüdischen Tisches zu gewähren. Durch die freundliche Einladung des Vereinsvorstandes wurde mir die Möglichkeit geboten, der Samstag den 8. d. M. Abends un Beth Hanudrasch-Locale des Vereines „Thora Ez Chajrm" abgehaltenen Generalversammlung beizuwohnen und so einen Einblick in die heilsame Thätlgkeit dieses noch jungen Vereines zu gewinnen. Aus dem nebst der Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung stehenden Rechenschaftsberichte pro 1893/94 ersehen wir mit Befriedigung, daß die Einnahmen, welche im Jahre 1893 Gulden 582'07 betrugen, im Jahre 1894 auf fl. 652 73 gestiegen sind. Wenn nun auch die Ausgaben von fl. 438 18 im Jahre 1893 im heurigen Jahre auf fl. 626'17 anwuchsen, so ist dies in dem Umstande zu suchen, daß der Verein am verflossenen Pesachfeste keinen armen Zugereisten zurückgewresen und für 197 Speisekarten und Wein an den beiden Sederabenden den Betrag von fl. 108'30 verausgabte und auch Baarunterstützungen für Reisespesen an arme, aus dem Spitale entlassene Familienväter, die unbekannt in der Großstadt der größten Noih preisgegeben waren, vertheilte. Nach Verlesung dieses mit großem Beifalle aufgenommeneu Rechenschaftsberichtes wurde die Wahl von 10 Vorstandsmitgliedern vorgenommen und wurden die Herren Professor S. H offmann, Geza Br aun, Rudolf Lunzer, Alois Dukesz, Kalman Freund, Jacob Rabbinowilsch wiedergemählt, die Herren Leopold S. Schwarz, M. Adler, Jelenko, S. Diansant neugewählt. Mit Befriedigung constatiren wir die Wiederwahl des Prof. S. H offmann, der sich besondere Verdienste um den Verein durch Acquirirung von Mitgliedern und Zuführung von namhaften Spenden erworben. Mögen viele unserer Glaubensgenossen seinem Beispiele folgen und den jungen Verein kräftigst durch Beitritt und Zuführung von Mitgliedern unterstützen. H. L—r. Floridsdorf. Dienstag den 25. December findet im israelitischen Tempel zu Floridsdorf die Trauung von Fräulein Eugenik Redlich, Tochter des Herrn Adolf Redlich, mit Herrn Gustav Seidl statt. Brünn, 17. December. (Vorstandswahl in der israelitischen Gemeinde.) Bei der gestern vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde gaben 316 von 919 Wählern ihre Stimmen ab. Es erhielten: Hermann Bloch, Med.-Dr. Jacob E h r e n st e i n, Hermann Ep ler, Adolf Weinberger je 316, Dr. Hier. Hialla, Bernhard Morgenstern je 315, Julius Ritter v. Gomperz 313, Sigmund Schwarz, Alois W i t r o f s ky je 312, Jonas Karpeles, D. Mandl je 311, Alois Müller 309, Gustav Drucker 307, Leopold Bauer 282 und Heinrich S u b a k 200 Stimmen, die somit zu Vorstandsmitgliedern gewählt sind. Es wurden sonach zehn Vertreter wieoer- und Bauer, Karpeles, Schwarz, Subak und Witrofsky neu gewählt. Die nächst meisten Stimmen (130) erhielt Leopold Löwbeer. Die Wahlcommission bestand aus: kais. Rath D. Mandl als Vorsitzender, dann H. Epler, Dr. Fialla aus dem Vorstande, Ignaz Hönig und Wilhelm Schnabl aus der Wählerschaft. Abazzia. Von dort wird der „Oesterr. Wochenschrift" gemeldet: Die Militär-Concerte, die Vor- und Nachmittags stattfinden und von der Capelle des k. u. k. Otocaner Jnf.- Reg. Graf Jelacic Nr. 69 unter Leitung des genialen Capell-. meisters Herrn v. M i l i ö r abgehalten werden, bieten ein abwechslungsvolles Programm und vereinigen die Elite unserer Gäste im echten Kunstgenüsse. Am 21. November bildete die Schlußnummer des Vormitiags-Concertes eine neue Composttion des hochbegabten Wiener Tondichters K a h a n e, ein kerniger Marsch unter dem Titel: „Erzherzog Rainer", dessen Originellität allgemeinen.Anklang erweckte. Der Marsch wurde stürmisch zur Wiederholung verlangt und bildet nun eine ständige Programmnummer. Auch andere Kahane'sche Compositionen werden hier im Laufe der Saison zum Vortrage gelangen. Lemberg, 17. December 1894. Bei der Preisausschreibung des hiesigen Schach-Club erhielt Herr Heinrich Feigenbaum den zweiten Preis. Lemberg, den 12. December 1894. Herr Ch. Stäuber, Besitzer eines der größten Damen-ConfectionSgeschäfte Lembergs, feierte mit seiner w. Frau Anna Stäuber Samstag den 15. December im Kreise seiner Kinder das Fest der silbernen Hochzeit. Berlin, 9. December. Die russische Regierung hat in Ausführung des Artikels 12 des deutsch-russischen Handels- Vertrages folgende Bestimmungen für ausländische Handlungsreisende, die nach Rußland kommen, getroffen. Ausländische Handlungsreisende (Commis-voyageurs) sind beim Betreten des Gebietes des russischen Reiches verpflichtet, in einem Grenzzollamt einen Commlsschein 1. Classe zu lösen und für einen solchen Schein die vorgeschriebene Steuer zu bezahlen. Dieser Schein, der vom Tage seiner Ausfertigung bis zum 1./13. Januar des nächsten Jahres Giltigkeit hat, wird an den Nationalpaß des Ooiuwis - voyageur angenäht und muß zusammen mit einer Legitimationskarle vor dem Beginn der commerclellen Operationen des Commis - voyagear behufs eines zu machenden Vermerks bei einem der Cameralhöfe oder einem der Steuer- Jnspectoren jenes Ortes vorgewiesen werden, welchen der Oowmis-voyagenr zunächst besucht. Die der Verzollung unterliegenden Gegenstände, welche von den Oommia-voyageur als Waarenproben eingeführt werden, werden zollfrei herein- und herausgelasfen unter der Bedingung, daß diese Gegenstände, falls sie nicht verkauft werden sollten, innerhalb einer sechsmonatlichen Frist, gerechnet vom Tage ihrer Einfuhr, wieder ausgeführt werden. Die zur Reise nach Rußland ausgefertigten Pässe ausländischer Juden, welche als Handlungsreisende protokollarisch verzeichneter und überhaupt in Gemäßheit der Landesgesetze registrirter Handelsfirmen fungiren, werden seitens der kaiserlich russischen Consulate visirt, nachdem die Commis eine bezügliche Bescheinigung ihrer Firmen eingereicht haben; hierbei wird auf dem Passe vermerkt, daß der Inhaber desselben Oominis-voyageur ist, ferner die Nummer seiner Legitimationskarte und der Ort, wo dieselbe ausgefertigt worden ist. Ein ausländischer Jude darf während der Frist, auf welche der Paß visirt worden ist, und bei einem fristlosen Passe im Laufe von sechs Monaten unter Beobachtung der für Ausländer zur Reise nach Rußland bestehenden allgemeinen Vorschriften die Grenze mehrfach passiren. Feuilleton. Der Vorbrter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. K ohn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Albrecht Wallenstein, Herzog von Friedland, war ein Mann von noch nicht ganz fünfzig Jahren. Er war mittelgroß, mager, die Gesichtsfarbe war blaß, etwas ins Gelbe fallend. Er besaß kleine, helle Augen, an der hohen Stirne starke Linien, aber keine Runzeln. Sein Haar, sowie sein starker Schnurr- und Knebelbart waren schon grau. Er hielt einen Stock in der Hand, auf den er sich, wenn er sich von seinem Sitze erhob oder erregt.auf- und abschritt, stützen mußte. Er trug ein Büffelkoller, Reitbeinkleider, Sporen an den Stieseln, der Degen lag aus einem Stuhl in seiner Hand-