Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 51 VrstrrrrdWltzr WochrnptzrM Seile S98 sprang aus dem Tempel ein — großer Kater heraus. So ließ sich das Volk von etlichen Aufwieglern an der Nase herumfüdren! M. E. Kiew. Das Haus Brodsky in Kiew, eine der angesehensten und vornehmsten jüdischen Familien Rußlands, ist in tiefe Trauer versetzt worden. Herr Leon Brodsky hat seine Gattin Flora, eine durch seltenen Geist und herzensgewinnende Anmuth ausgezeichnete Frau, Plötzlich verloren. Die Verstorbene stand in demnach jugendlichen Alter von 34Jahren. Sie hatte in Berlin Heilung vor einer Krankheit gesucht und mitten in der Hoffnung auf Genesung ereilte sie derTod. Frau Flora Brodsky war eine Dame von hoher und umfassender Bildung, sie beherrschte mit großer Geläufigkeit die verschiedensten Sprachen und ihre ganz außerordentliche Unterhaltungsgabe und Beredtsamkeit machte ihren Salon zum Mittelpunkte des hiesigen gesellschaftlichen Lebens. Selbst die Großen des Reiches waren häufige Gäste dieses Salons. Bei all' diesen blendenden Eigenschaften bewahrte jedoch die Dahingeschiedene eine Bescheidenheit und Zurückhaltung, die ihr die Herzen Aller zuwandte. Sie liebte ihr Volk und war rastlos bemüht, die Noth ihrer Glaubensgenossen durch reiche Wohlthaten zu lin^ dern. Bei Hunderten und Tausenden wird daher ihr Andenken gesegnet bleiben. Nermijscktes. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch-J sraelitische Union.) Plenarversammlung Samstag den 22. December 1894, Abends halb 8 Uhr, im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Professor Ludwig Singer: „Zwei Socialreformer des Alterthums". 3. Anträge und Interpellationen. Damen willkommen. Wien. (Trauungen.) Sonntag den 23. d. M. um lVs Uhr findet in der Synagoge II., Leopoldsgasse Nr. 29, die Trauung des Herrn Joachim Hirsch Sonnenschein mit Fräulein Debora Mörz er, um 2Vs Uhr jene des Herrn Jacob Tauber mit Fräulein Saba M a y e r h 0 f statt. Wien. (Silberne Hochzeit.) Der hiesige angesehene Bürger und Hausbesitzer Herr Salomon P e r e tz, Wien VH., Neubaugaffe 72, feiert am 25. d. M. mir seiner Gattin Frau Johanna Peretz, geborne Hutterer, im Kreise seiner Kinder und Enkel sowie zahlreicher Anverwandten das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (Verlobung.) Herr Leo Fu chs gelb. Sohn unseres Mitarbeiters Herrn Moritz Fuchsgelb, hat sich mit Frl. Jetta P a m, der Enkelin des erst kürzlich aus dem Leben geschiedenen, in weiten Kreisen unter dem Namen „Rubelgoldstein" bekannten Herrn I. A. Gold st ein, verlobt. Wien. (Todesfall.) Der bekannte Rabbiner der Schönlaterngasse Herr M. L. K 0 h n ist gestorben und wurde nach St. Georgen überführt. Wien. (Bekleidung armer Kinder.) Im kleinen Musikvereinssaale veranstaltete der humanitär-gesellige Verein „Zwanglos" am 9. d. M. eine Ausstattung armer Kinder mit Kleider. Der Bereinsobmann Herr Julius Ehrlich eröffnete die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in welches alle Anwesenden begeistert einstimmten, darauf sangen die Kinder die Volkshymne. Dem Feste wohnten als Ehrengäste bei: Frau Gräfin Kielmansegg, die Reichsraths- Abgeordneten Constantin Noske, Dr. Ferdinand Kronawett e r, einige Gemeinderäthe und Bezirks-Ausschüsse. Advocat Dr. Winternitz dankte den Gönnern des Vereines. Ferner sprachen noch unter Anderen: Reichsraths-Abgeordneter Noske, Dr. Ludwig Pisk und der Bereinsobmann. Die Gemahlin des Statthalters, Frau Gräfin Kielmansegg, sprach der Präsidentin Frau Max Z e r n e r für deren humanitäre Wirksamkeit wiederholt ihre Anerkennung aus. Sodann wurde den mit vollständiger Winterkleidung betheilten Kindern eine Jause verabfolgt. Ein fünf Jahre altes Mädchen sprach im Namen aller beschenkten Kinder in rührender Weise Worte des Dankes. Um halb 9 Uhr fand im selben Locale ein Unterhaltungsabend, verbunden mit einem Tanzkränzchen, statt. Wien, am 14. December 1894. Der Allgemeine Kranken und Unterstützungs-Verein „Montefiore" hat Sonntag den 16. d. M., 2 Uhr Nachmittags, in Sohr's Restauration, II., Circusgasse 3, zweiundachtzig arme Schulkinder ohne Unterschied der Confession bekleidet und bewirthet. Wien. (Lese- und Unterstützungsverein „Libanon i a"). In neuerer Zeit bilden sich Vereinigungen jüdischer Studenten, um der rohen, verpestenden Strömung des Antisemitismus an den Wiener Hochschulen wirksamer entgegenzutreten. Es ist noch kein Semester verstrichen, seitdem drei neue Vereine an der Universität erstanden sind, welche die Interessen der jüdischen Studenten wahren wollen und in den jüngsten Tagen hat der Herr St. U. V. Josef Frey im Einvernehmen mit College» eine Bereinigung unter den jüdischen Studierenden des national-öconomischen Faches in's Leben gerufen, die als solche bei uns in Oesterreich gewiß die erste ist. Der neue Verein erfreut sich der Sympathien im Judenlhume anerkannter Männer, wie die Herren Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch, Gemeinderath Dr. Alfred Stern u. A. m., und so ist die Hoffnung vorhanden, daß der Verein sein angestrebtes Ziel erreichen wird. Der neue Verein führt den Namen „Libanonia" und hat sich zur Aufgabe gestellt, auf mannigfache Weise seinen Mitgliedern einen geistigen und geselligen Mittelpunkt zu schaffen; außerdem einen Unterstützungsfond zu unterhalten, aus welchem an arme und kranke College» Subventionen verliehen werden. Der Verein hat sich provisorisch, mit Herrn Josef Frey an der Spitze, constituirt. Die definitive Constituirung findet ehestens nach Genehmigung der Statuten von der hohen k. k. nied.-österr. Statthalterei statt. Beitrittsanmeldungen nehmen entgegen: Herr Jos. Frey, 2. Bezirk, Novaragasse 19, Herr Hugo Glaser, 3. Bez., Waffergaffe 19, Herr Carl Fleischer, 3. Bez., Beatrixgaffe 11. Wien. (Verein zur Unter st ützung jüdischen Kleingewerbetreibender in Wien.) Dienstag, der 25. d. M., Nachmittag präcise 4 Uhr, findet in der neuen Synagoge des Vereines „Beth Israel" ll., Leopoldsgasse Nr. 29, aus Anlaß des 10 jährigen Jubiläums dieses eminent wohlthätigen Vereines ein feierlicher Gottesdienst statt. Teilnehmerkarten zu dem aus dem gleichen Anlaffe in A. K h u n e r's Restauration I., Schottenring 19, Dienstag den 25. d. M., 728 Uhr Abends, stattfindenden Festbankette sind in der Kanzlei des Vereines II., Ob. Donanstraße Nr. 81, täglich von 4—6 Uhr erhältlich. Es ist eine besonders rühmenswerthe Erscheinung, daß, abgesehen von den anderen auf die Unterstützung des jüdischen Kleingewerbes abzielenden Leistungen, dieser Verein auch auf die Hebung und die Betätigung des religiösen Gefühles sein Augenmerk richtet und seine Jubiläumsfeier durch einen Festgottesdienst zum Ausdrucke bringt. Schon aus dieser Ursache ist der Verein berechtigt, auf die Sympathien und Unterstützung aller Glaubensgenossen zu rechnen. Die aus Anlaß des 10jährigen Bestandes herausgegebene Denkschrift gibt in kurzen Worten ein klares Bild über seine bisherigen Leistungen. Es sei hervorgehoben, daß der „Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien" nahezu gar keine Unterstützungen von Außen bezieht und nur auf die Beiträge seiner eigenen Mitglieder angewiesen ist. Wir erachten es daher für unsere Pflicht, den Verein der Unterstützung unserer Glaubensgenossen zu empfehlen. Wien. Am 1. c. veranstaltete der lit. Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria" den ersten Geselligkeitsabend des laufenden Winterhalbjahres. Nachdem die Präsidentin Frl. Bertha S ch a l i t mit warmen Worten die Gäste begrüßt hatte, entwickelte Frl. Jda Werner in längerer Rede die Bestrebungen des Vereines „Moria". ,.Nicht ohne Absicht," sagte sie, „nennen wir uns „Verein jüdischer Mädchen" und nicht „Verein von Mädchen mosaischer Religion". „Cs liegt in diesem nationalen Bekenntniß kein Fanatismus, kein Prunkenw ollen, es ist dies nur die nothwendige Konsequenz, das logische Endresultat unserer Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte und Literatur." Die an sich vortrefflichen Ausführungen der Rednerin nicht minder als der sichere und vollendete Vortrag entfesselten wiederholten, nicht endenwollenden Beifall. Dem ernsten folgte ein ebenso gelungener humoristischer Theil um den sich einige Herren aus den akademischen Verbindungen „Unitas" und ..Kadimuh" ganz besondere Verdienste erwarben. Ein äußerst gelungenes humoristisches Terzett „Die Macht des Gesanges" wurde durch die darauffolgende Jacobsobn'sche Posse „Bei Wasser und Brot" noch übertrofsen. In derselben zeichnete sich Frl. Adele P 0 p p e n s ch e l l e r (Frl. Bartels) und in der Rolle des Pensions-Backfisches Elise ganz hervorragend Frl. Bertha Schallt aus; das treffliche Zusammenspiel der beiden Damen und des „Componisten mehrerer noch nicht aufgeführter Opern" riß