Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 994 Vrstrrrrtchtptzr rvochrnsttzrtfl Nr. 51 sowie der großen Subventionen, die Frankreich stets der Kunst, Wissenschaft, Industrie und dem Ackerbau angedeihen ließ. Ferner aber auch die Affairen Bontoux und Panama, welche den französischen ärmeren Claffen viel Geld kosteten. An dem Kriege, wie an den beiden letzten Affairen seien die Juden gewiß unschuldig. Ich bitte nun die löbliche Redaction, bei einer etwaigen sich weiter entspinnenden Polemik mir mit Daten und Quellen, die mir als einfachem Landwirth nicht zu Gebote stehen, freundlichst an die Hand gehen zu wollen. Mit vorzüglichster Hochachtung Raf. Kulka. Roketnitz bei Prerau, 17. December 1894. Budapest. (Baron Moriz Hirsch für die Armen Ungarns.) In dem Berichte, welchen der Cultus-und Unterrichtsminister über den Stand des Unterrichtswesens während des Schuljahres 1893/94 dem Reichstage vorgelegt hat, findet sich auf Seite 16 folgender Passus : „Der Pariser Einwohner Baron Moriz Hirsch hat für culturelle Zwecke Ungarns, für dessen Arme und für die durch Eiemmtarschäden betroffenen -Einwohner im Wege der Frau David Bischitz den Betrag von 1,500.000 fl. verwendet." Kolomea, den 9. December. Soeben ist der vierte Jahresbericht über die Verwendung der zum Zwecke der Bespeisung und Bekleidung der armen Zöglinge der hiesigen Baron Hirfch-Stiftungsfchuleeingefloffenen Beiträge erschienen, welchem wir mit Befriedigung entnehmen, daß für die arme Jugend in ausgiebiger Weise gesorgt wurde. Die Zahlen sprechen eine beredte Sprache. Es wurden 298 Paar Stiefel und 210 Mäntel vertheilt und während der Wintermonate 28.580 Portionen nahrhafter Suppe und Brot den ärmsten Kindern verabreicht. Das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung bewilligte hiezu den Betrag von 1000 fl., während 979 fl. 58 kr. im Orte aufgebracht wurden. Auch in dieser Beziehung wirkt die Baron Hirsch-Stiftung heilbringend für unsere Stadt, indem die allgemeine Wohlthätigkeit zu Gunsten der Armen geweckt wird. Mit der Aufsicht über die Küche befaßte sich in aufopfernder Weise die hiesige Fabrikantensgattin, Frau P. L. Friedmann, die täglich wie eine Mutter 300 hungernde Kinder bespeiste. Um die Sammlung der Gelder haben sich weiters verdient gemacht die Damen: L. Hermann, Dr. Milgrom, Dr. Rittigst e i n, K. S a m u e l y und Dr. S ch u st e r, welchen edlen Frauen die gute Thal als Belohnung dienen möge. Stanislau. (Bon der Baron Hirsch-Stiftung.) Der 9. d. M., als der Geburtstag unseres hochherzigen Stifters, wurde in unserer Stiftungsschule, festlich begangen. Um 2 Uhr Nachmittags versammelte sich die Schuljugend, unter welcher vom Präsidenten des hiesigen Localcomites Herrn L. Holpern und des Comitemitgliedes Dr. Zins im Beisein des Lehrpersonales 250 Mäntel und 250 Paar Stiefel vertheilt wurden. Hierauf hielt der Leiter der Schule eine Ansprache an die Schuljugend, worin er darauf hinwies, daß dieser Tag als ein wirklicher Festtag von der Schuljugend begangen werden soll, zumal der edle Stifter seit seiner frühesten Jugend für das Wohl seiner Glaubensgenossen beseelt ist und die Liebe zu denselben, hauptsächlich für seine Brüder in Galizien, sein leitender Stern ist. Beweis dessen ist die Creirung der Stiftungsschulen, in welchen die ärmsten, israelitischen Kinder in den Landessprachen unterrichtet und zu tüchtigen Handwerkern herangebildet werden. Die Jugend drückte ihren Dank durch ein dreimaliges Hoch auf den edlen Stifter aus. Herr Dr. Zins erklärte den Kindern in schönen Worten die Bedeutung des Tages, worauf dieselben mit einem „Lebe, hoch!" auf die Comitemitglieder erwiderten. Sodann wurde die Bolkshymne gesungen und die armen Kinder gingen frohen Muthes nach Hause. I. G. Gliniany. Im Anschlüsse an den Artikel der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 7. d. M., welcher die segensreiche Wirksamkeit der Baron Hirsch-Stiftung im Allgemeinen schildert, dürften einige Daten über die Thätigkeit des Localcomitss dieser Stiftung in Gliniany interessiren. Diese humane Stiftung besteht in unserer Gemeinde noch nicht volle drei Jahre. Innerhalb dieser Zeit haben zehn Knaben die Weberschule in Gliniany zwei volle Jahre hindurch mit einer Subvention aus der Hirsch-Stiftung beincht und erhielten nach ihren Austritt als der Schule vom Wiener Curatorium zehn Webstuhle sammt Zugehöc. Bier dieser Stühle sind hier im Miethslocale untergebracht, während die übrigen sechs Stühle ihren Besitzern nach Hause gegeben wurden. Sämmtliche zehn Zöglinge sin^ jüdischer Confeffion und stellen ihre Maschinen sehr hübsche, verschiedenfärbige Teppiche, sogenannte „Wiecki", ferner Decken von Seide mit Gold- und Silberstickereien, Hand- und Tischtücher rc. in verschiedenen Mustern her, welch letztere sie selbst nach der neuesten Mode mit vielem Geschmack zeichnen. Jeder dieser Zöglinge verdient schon jetzt wöchentlich 5—6 fl., ein Betrag, der zu ihrem vorläufigen Fortkommen vollständig ausreicht. Aber diese Wohlthat erstreckt sich weiter als auf die bloße Sicherung des Lebensunterhaltes der Kinder armer Ettern, sondern sie kommt auch noch deren Familien zu Gute, da diese Jünglinge ihre erwerbslosen Eltern und Geschwister zu derselben Handarbeit anhalten. So wird in kurzer Zeit in Gliniany eine Weberei-Hausindustrie entstehen und dem herrschenden Elend abgeholfen werden. — Ferner sind hier bereits im dritten Jahre zwei Jünglinge bei Schmieden, einer bei einem Wagner, zwei bei Tischlern und einer beieinem Schneider untergebracht. Diese durchwegs christlichen Meister erhalten aus dem Fonde der Baron Hirsch-Stiftung jährlich 50 fl. und mit Ablauf des Jahres 1895 werden die Lehrlinge freigesprochen und wir werden zu unserer Freude jüdische Schmiede, Wagner und Tischler haben. — Gegenwärtig besuchen weitere vier Knaben die hiesige Weberschule im zweiten Jahrgange und erhalten monatlich je 5 fl. Subvention. Anfänglich war es sehr schwer, die Knaben zu diesen Handarbeiten heranzulocken, jetzt aber drängen sich alljährlich Biele zur Aufnahme in die Schule. Die Wiener Antisemiten, welche die Juden als arbeitsscheu hinstellen, mögen doch hieher kommen, um sich vom Gegentheil zu überzeugen. Die glücklichen Erfolge der Baron Hirsch-Stiftung in Gliniany berechtigen uns zu der Hoffnung, daß das hohe Curatorium derselben hier bald eine zweiclassige Schule in's Leben rufen wird, da Hunderte armer Kinder ohne jeden Unterricht heranwachsen. Diese Schule ist in Gliniany umso nothwendiger, als die Glinianyer Volksschule nicht einmal ein Local besitzt, in welchem die über 500 christlichen Kinder unterkommen könnten, geschweige denn, daß sie für die mehr als 150 jüdischen Kinder Raum böte. . Nepomuk, 16. December. (Ö.-C.) Vorige Woche wurde der im hohen Alter von 88 Jahren verstorbene Jakob G l ü ck smann auf dem Friedhöfe der Nachbargemeinde Kassejowitz zur letzten Ruhe bestattet. — Jacob Glücksmann war ein hochachtbarer, lauterer Charakter, strengrechtlich und selten fromm; ein bedeutender Hebraist und Gelehrter und viele Jahre Vorbeter der hiesigen Cultusgemeinde. Vor Ueberführung der Leiche nach Kass ejo Witz, dem Sitze ber Chewra-Kadischa, wohin der Verblichene nahezu 70 Jahre seine Jahresbeiträge leistete, ohne jemals einen Kreuzer zu schulden, ließen die drei Kinder an den dortigen Vorstand, durch den hiesigen Cultusvorsteher die Mittheilung gelangen, daß es der Wunsch des Verstorbenen und der Hinterbliebenen ist, den letzten Nachruf an seinem Sarge, von dem einheimischen (Nepomuker) Rabbiner gesprochen zu wissen. Leider entsprach der Kassejowitzer Rabbiner im Verein mit dem dortigen Cultusvorstande diesem Wunsche nicht. Er ließ das eindringliche Bitten der Leidtragenden unbeachtet und auf ein gegebenes Zeichen von ihm trugen die Vereins- und Cultus Vorsteher von Kassejowitz die Bahre zum Grabe. Hier wiederholten die Kinder ihre Bitte, aber vergebens. Die Leiche wurde ohne Nachruf von dem Vorstand in's Grab gelegt. Die Scene machte auf Alle den betrübendsten Eindruck. Die Cultusgemeinde Nepomuk und die ihr zugetheilten Ortschaften haben nun den Beschluß gefaßt, korporativ aus der Obe^ra in Kassejowitz auszutreten und einen eigenen neuen Friedhof zu bauen, zu welchem schon beinahe 600 fl. als Grundkapital gesichert sind. Aus Croalien. Nach dem Agramer Blatte „Hrvatska". Letzten Freitag Abends nach 7 Uhr versammelte sich vor dem Agramer Tempel eine große Menschenmenge. Die Passanten frugen, was vorgeht, — Niemand wußte Bescheid. Diejenigen die der Tempelthüre am nächsten standen, schrieen: „Hört, hört! Schade ums Kind! O armes Kind!" Schimpfworte wurden vernehmbar und die Haltung des Pöbels nahm immer gefährlichere Dimensionen an. Zum Glück fand sich einer, der dem Tempeldiener befahl, er möge den Tempel aufsperren. Der Diener ging um die Schlüssel, und Alles drängte dem Tempeleinaange zu, um die schändlichen Kindesmörder zu lynchen!ZDer Tempeldiener öffnete die Thüre und mit mächtigen Sätzen