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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-21 · 51 (21.12.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
51 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51 Vesterredtziptzr WochenfchrM Seite 993 dem ihr eigenen „Pusztafeuer"; daß Beifallsstürme sie belohnten, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Nachdem das Programm in so glanzvoller Weise zu Ende geführt worden war, trat der Tanz in seine Rechte. Den Ball erösfnete der verdienstvolle und eifrige Cassier des Comitss, Herr Dr. Emil Frankl mit Fräulein Edith Richter, der anmuthigen Tochter des Bicebürgermeisters. Bis zum grauenden Morgen wiegte sich unsere tanzlustige Jugend unter den Klängen der Regimentscapelle und R a - ben st einer's Commando. Es war ein Ehrentag des „Ferienheim" und mit berechtigtem Stolze können die Veranstalter auf ihr Werk zurücksehen. Hoffentlich ist das Comite, welches unter dem Präsidium der Frau Sofie Grünfeld und des Gemeinderathes Theodor R. v. Gold sch midt durch eifrige Thätigkeit und emsiges Arbeiten im Dienste des humanen Zweckes dieses Resultat zu Wege brachte, auch mit dem materiellen Erfolg zufrieden. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Samstag den 14. December fand im Vereinslocale der Bortrag des Vereinsmitgliedes pbil. Dr. Korn statt. Herr Korn besprach zunächst die verschiedenen Ursachen des Antisemitismus und ging dann auf das eigentliche Thema über, den Zionismus, welcher von seinen Anhängern als humanitäres Werk im großartiasten Style angesehen wird. Er schloß seinen streng obsectiv gehaltenen Vortrag mit einem Citate aus Heß' „Rom und Jerusalem", das in prophetischer Voraussicht den kommenden Antisemitismus — das Buch erschien 1863 — voraussagt. Die in großer Menge erschienenen Gäste — sie mußten zuletzt sogar im Vorzimmer Aufstellung nehmen — spendeten dem gründlichen Referate warmen Beifall. In der nun folgenden Discnssion, an der sich viele Gäste betheiligten, ragten namentlich die Ausführungen des Präsidenten der „Gamala". des Gastes Drd. Menkes, des Gastes Drd. Engländer. sowie des Präsidenten der „Nnitas", die fast vollständig erschienen war, des Herrn Drd. Karl Po llak hervor. Als die Discusi'vn nach IV» ständiger Dauer wegen der vorgerückten Zeit geschlossen werden mußte, dursten sich die Anwesenden sagen, daß sie Neues erfahren und Gutes vernommen hatten. Es ist erfreulich, zu constatiren. daß das Interesse an den Bestrebungen der jüdisch-akademischen Vereine unter der Studentenschaft immer mehr wäc^sst-nnd daß immer mehr jüdische Studenten sich ihrer Pflicht bewußt werden, sich eingehend mit der Lage ihres Volkes zu beschäftigen. Die guten Folgen können nicht ausbleiben. — W— Wien. (Iüd ische, akadem. Verbindung „Unitas".) Mit Recht wird über die politische Stagnation in Oesterreich geklagt. Die großen Parteien haben sich in die Clubs zurückqezoaen und das weite Feld populärer Discussion einigen extremen Parteien überlassen, und die traurigen Folgen treten täglich stärker hervor. Wenig besser sind die Verhältnisse an der Universität, wo nur die antisemitische Organisation energisch arbeitet, während von einem politischen Leben sonst nichts zu merken ist So muß es denn als ein dankenswertstes Unternehmen bezeichnet werden, daß die jüdische, akademische Verbindung „Unitas" einen Discussionsabend aller jüdischen Studenten einberufen bat, um diesen, wie es im Aufruf stieß. Gelegenheit zu geben, sich eine nicht aus Schlagworten und Phrasen, sondern auf Sachkenntniß und Argumenten beruhende Ueberzeugung zu bilden. Wie zeitgemäß und berechtigt dieser Vorgang war, beweist am besten der Umstand, daß der große Saal bei Rostitschek. in dem die Versammlung abgehalten wurde, dicht gefüllt war. Auch sonst war die Versammlung in mehr als einer Hinsicht interessant. Beweist vor Allem der zahlreiche Besuch, daß die Scheu der Juden, jüdische Versammlungen zu besuchen, nachgelasien hat, so ist der Umschlag der Stimmung, der sich in den einzelnen Reden äußerte, geeignet, freudige Ueberraschuna hervorzurufen. Noch vor wenigen Jahren hätten die meisten Redner bei einer solchen Gelegenheit gegen jede Lebensbethätigunq des Judenthums gewettert, und Gleichgiltigkeit wäre ein verhältnißmäßiq günstiger Standpunkt gewesen. Diesmal aber standen alle Redner, so verschiedene Richtungen sie auch vertraten, dock aus gut jüdischem Boden. In seinem Schlußwort konnte der Präsident mit Befriedigung hervorheben, daß unter allen Anwesenden über die Hauptpunkte keine Differenz herrsche. Der akademische Verein „Gamala" war corporativ erschienen. Die Versammlung, deren würdiger Verlauf durch keinen Mißton gestört wurde, schloß erst gegen Mitternacht. Eger. Der hiesige Turnverein besteht seit ca. 25 Jahren, die achtbarsten jüdischen Einwohner gehören seit dessen Bestand demselben an und hat sich der Verein bis vor kurzer Zeit nur dem Turnen gewidmet und von jeder politischen oder religiösen Parteistellung ferne gehalten. Vor einiger Zeit jedoch wurden etliche junge und ältere Leute in den Turnrath gewählt, die unter dem Einflüsse der Wiener Antisemitensührer stehen und die es dabin brachten, daß in den letzten Monaten die jüdischen Bewerber, worunter sich hochachtbare, intelligente Leute befanden, nicht mehr in dem Turnverein ausgenommen wurden. Um diesem Vorgehen den Schein der Legalität zu verleihen, wurde vorgeschlagen, daß der Turnverein aus dem Oberegerer Gauverbande austrete und dem Egerländer Gauverbande, zu welchem die Turnvereine Asch, Roßbach und Haslau gehören und deren Satzungen die Bestimmung enthalten, daß Juden nicht ausgenommen werden, beitrete. Bei der hiezu abgehaltenen Generalversammlung hatten die Antisemiten alle ihre Streitkräste aufgeboten, während die Liberalen nur 25 Mann stark vertreten waren. Bei der Abstimmung wurde der Antrag aus Aenderung der Statuten angenommen. Daraufhin legte Landtagsabgeordneter Dr. Sch Ücker sofort seine Stelle als Turnrath nieder, ihm folgten Herr Dr. Ernst und Gasdirector Moll, welch Letzterer seit 25 Jahren die Stelle des Sprechwarts im Turnverein bekleidete und dem man erst vor wenigen Monaten wegen seiner Verdienste um den Verein Ovationen brachte. Lemberg. Im Laufe der letzten Woche hat Se. Exeellenz der Statthalter Graf Baden! dem Präses der israelitischen Cultusgemeinde Herrn S. v.Horowitz das Diplom der von Sr. Majestät ihm verliehenen Adelsauszeichnung überreicht. Die israelitische Cultusgemeinde Gu rahum o ra hat in eigener Ausschußsitzung beschlossen, zur Erhebung des Cultus- Präses S. von Hör o Witz in den Adelstand die Lemberger Cultusgemeinde zu beglückwünschen. Die Genugthuung über diese Auszeichnung gab sich denn auch bei der am 18. d. M. stattfindenden Gratulation kund. Zuerst erschien der Cultusrath, als deren Sprecher der Gelehrte B u b e r Worte der Anerkennung sprach. Sodann sprachen namens des vollzählig erschienenen Rabbinats die Herren: Rabbiner Sckmelkes und Caro. Letzterer machte aufmerksam, daß die Huld des Monarchen kein novura sondern eigentlich eine restitutio iniuteZruiu sei, da Herr von H o r o w i tz sowohl durch seine Abstammung von Koryphäen des Judentbums, sowie durch den Adel seiner Gesinnungen und Thaten längst schon zu den adeligen Juden gerechnet wurde. Der Spitalsrath drückte durch Herrn M. Lazarus, den Director der Hypothekenbank, die Schule und das Waisenbaus durch Herrn S. Mandel herzliche Glückwünsche aus. Vorher hatten schon sämmtliche Synagogenverwaltungen mit der Tempelverwaltung und ihrem Vorsitzenden Herrn Jonas Beiser an der Spitze, gratulirt. Es folgten nun die Vertreter aller Vereine und Körperschaften innerhalb der Gemeinde und den ganzen Tag über wallte eine Schaar freudiger Gratulanten in das Haus. An demselben Tage wurde es auch bekannt, daß Herr Landesadvocat Dr. M. Schaff, dem dringenden Wunsche fast der ganzen Gemeinde folgend, seine Resignation auf die Stelle im Cultusvorstand zurückgezogen habe. Alle Institute, die von ihm die aufopferndste Förderung erhalten, mögen sich von Herzen zu diesem Schritte gratuliren. Ein drittes Ereigniß endlich fand freudigen Widerhall. Fräulein Stefanie Caro, die Tochter unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. Caro, verlobte sich mit Herrn Max Dembitzer, Fabriksbesitzer in Krakau. Roketnitz. In einem hiesigen landwirthschaftlichen Bezirksblättchen erschien dieser Tage ein das Anwachsen der französischen Staatsschuld, vom Jahre 1869 angefangen, behandelnder Artikel, dessen Schlußsatz, wörtlich übersetzt, lautet: „Wieviel Schulden müßten wir da haben, um alle unsere Juden so gut zu versorgen, wie Frankreich!" Daraufhin sandte ich an das genannte Blatt ein „Eingesendet," worin ich den Schreiber des Aufsatzes, ohne ihn zu kennen, der Unwissenheit oder der absichtlichen Verdrehung zieh, indem ick erklärte, das Anwachsen der französischen Staatsschuld sei die Folge des für Frankreich ungünstig ausgefallenen deutsch-französischen Krieges,

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