Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 992 Vesterrrirhischr Wochenschrift Nr. 81 In Rußland unter der Regierung des Kaisers Nicolaus!. die öffentliche Verfolgung der Unitarier und der Starolverzen und die versteckte Verfolgung der katholischen Kirche — wurde zum Vorwand genommen, Litthauer Popen und Bauern, Unitarier wurden nach dem Innern Sibiriens geschickt. Bei dem Gedanken, was sich jetzt in der Chetmer Diöcese zuträgt, fällt mir die Feder aus der Hand. Was Deutschland betrifft, wäre es vielleicht übertrieben, über Verfolgungen der katholischen Kirche zu sprechen, dennoch ist das Verhältniß des Staates zur Kirche ein verbittertes. Das sind die in die Augen springenden Folgen der Verquickung der Politik mit der Kirche. Ich weiß nicht, ob ich an die Wiedergeburt Polens durch Gottes Gnaden glauben soll; noch viel weniger kann ich über dessen Grenzen eine Meinung haben. Davon aber bin ich vollständig überzeugt, daßdeffen Wiedergeburt in der alten, d. h. katholischen, Magnaten- und Adelsform nicht geschehen kann. Die Form als Erinnerung mag sehr schön sein, in den jetzigen Zeiten-' aber wäre sie ein Anachronismus. Ich erinnere mich, einmal waren wir drei zusammen. Adam Mickiewicz, Zygmunt Krasinski und Ihr ergebener Diener. Mickiewicz sagte: „Der erste Gesandte des unabhängigen Polens in London wird sicher ein Jude sein." Als Zygmunt das hörte, glaube ich. erfaßten ihn Krämpfe, was mich betrifft, sagte ich darauf allsogleich: „Wäre das der Fall, so würden die Polen einen großen politischen Scharfsinn bezeugen, da die Juden als gute Politiker gelten." An eine Christenverfolgung durch die Juden, welche Dr. P. in Rom für die Zukunft prophezeit, glaube ich . gar nicht. Sollte aber Polen wiedergeboren werden, io werden alle Schichten der Gesellschaft Antheil au der Regierung haben, somit werden auch für Juden sich derartige Stellen im Uebermaß vorfinden. lieber die Verhältnisse der Juden in Galizien, ebenso wie über Personen jüdischer Abstammung weiß ich wenig zu erzählen, da ich solche nicht kenne. Ich weiß blos. daß sich herausgebildet haben achtbare Advocaten. tüchtige Aerzte, begabte Redner als Landtags- und Reichsrathsabgeordnete. Es sind bereits sechs Jahre verstrichen, als ich. ein Schock Jahre selbst zählend. Ihrer Hochgeborenen Frau Ordynatowa Zamoyska, der Witwe weiland Alexander Rembelinska, ewige Liebe und Treue geschworen habe. Die Trauung hat in der Srcristei, einem unter-irdischen Loche der Madeleinekirche, stattgefunden. Nach der Trauung wanderten wir nach Italien. Wir streiften auf der Reise Rom. wo mich der Prälat der Apostolischen Residenz, Seine Eminenz Wtadzimierz Czacki. vulgo Miro genannt, mit martialischen Blicken gemessen hat. Einige Wochen habe ich in Neapel zugebracht. Nach meiner Rückkehr aus Italien nach Paris erfuhr ich von der stattgehabten Verlobung des Grafen mit meiner Nichte. Mit großer Herzlichkeit, wenn auch bescheiden, veranstaltete ich ein Frühstück für das junge Paar, welches eben noch am selben Tage nach der Residenz der Piaffen und Jagellonen abreiste. Ich hatte die Ehre, mehrere Male dem Grafen zu begegnen. und das Gewissen macht mir absolut keine Vorwürfe, daß ich ihm je mit Mangel an Hochachtung begegnet hätte. Ich dachte daher, daß mir gestattet sei. ihn zu bitten, von der Uebersetzung des Köl-Körc in seiner Rundschau zu erwähnen Er war anderer Ansicht, möge unfern Streit die öffentliche Meinung entscheiden. Weil ich mir erlaubt habe, ein im Geiste des Talmuds verfaßtes Buch zu übersetzen, hat mich die verdiente Strafe getroffen. Meine Schwester Frau Katharina Potocka und Frau Gräfin Wodzicka, geborene Ryczewska, haben mich nicht blos brieflich getadelt, sondern auch zu einer kleinen Geldstrafe verurtheilt.Da ich bereits meine. Strafe abgebüßt habe, so ist mir erlaubt, aufs Neue zu sündigen. Ungefragt und ungebeten widme ich diese Arbeit dem Eigenthümer der Rundschau. Wird der Graf zufrieden sein wird es mich sehr freuen, wird er aber böse sein und mich ausschelten, so werde ich mich an meine reizende Nichte wenden, damit sie ihn für mich bitten soll, und zum Glücke ist der Graf weder ein unverheirateter Priester noch ein verbissener Mönch. Alles das sagend, zeichne ich als Ihr unterthänigster Diener und Ihr Fußschemel. Xa wery Korczak Branicki. HorresMrrämLLN. Wien. (Große Wohlthätig!eits-Akademie des „Ferienheim".) Wenn der'' ausgezeichnete Ruf, den das kinderfreundliche „Ferienheim" mit seinen öffentlichen Veranstaltungen in der Wiener Gesellschaft genießt, noch einer neuerlichen Kräftigung bedurft hätte, seine am 12. d. M. im Sofiensaale stattgehabte Akademie würde sie ihm in reichlichstem Maße geboten haben. Vornehm, wie die Tendenz dieses vortrefflich geleiteten Vereines, waren auch die Mittel, um seinem Zwecke neue Freunde und »neue Quellen zuzuführen. Mit einer wahrhaften Begeisterung folgten die Gesellschaftskreise der Einladung des „Ferienheim", in der sicheren Voraussetzung, daß ihrer auserlesene Genüsse harren. Ein reicher Kranz schöner Frauen und Mädchen, vermengt mit Herren aus der besten Gesellschaft, belebte die großen, herrlich decorirten Säle. So bemerkte man unter den Anwesenden den Herzog August von Sachsen-Coburg und Gotha, den Sectionsches Baron L i l i e n a u, die Reichsrathsabgeordneten Hofrath Exner, Dr. Bloch und Noske, die beiden Vicebürgermeifier Dr. Richter (mit Familie) und M a tz e n a u e r, die Gemeinderäthe Doctor Friedjung, Th. R. v. G old schm i dt, Herold, Lang, Dr. Mittler und T a g l e i ch t, Regierungsrath Hönigsoald, Polizeirath Frankl, die Docenten Dr. I. G r ün f e l d und Dr. S. K l e i n, den Präsidenten der türkischisraelitischen Cultusgemeinde, Herrn Licco L. Adutt, die Präsidentin der Baron Hirsch-Stiftung, Frau Annica Benv e n i st i, Professor Anton D o or, Architekten F l e i s ch e r rc. k. Das gewählte Programm, durchaus von Künstlern ersten, Ranges bestritten, bewies die Rührigkeit.des Comites durch den Umstand, daß kein Mitwirkender absagte. Alle erschienen, um zu Gunsten des „Ferienheim" ihr Bestes zu bieten. Nach Executirung der Tell-Ouverture durch die bestbekannte Capelle des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 2 bestieg die Heroine des Raimund-Theaters, Fräulein Frida. Lan iu s, die Tribüne, um einige Gedichte Petöfi's in künstlerischer Vollendung zu recitiren. Der stürmische Beifall des begeisterten Publicums veranlaßte sie zu einer Zugabe, und man las dem Auditorium ordentlich die Befriedigung am Gesichte ab. Frau Fanny Basch-Mahler, die liebenswürdige Künstlerin, welche überall zu finden ist, wo Göttin Humanität die Leute vereint, entzückte durch den Vortrag ausgewählter .Meisterwerke von Dvorak. Moszkowszki und Schubert-Liszt. Nun folgte Friedrich M i t t e r w u r z e r. Mit Recht haben die Wiener ihn zu ihrem Lieblinge ausersehen, sein durchgeistigter Vortrag, sowie seine originelle und kernige Neproductionsart beweisen, daß er mit Kopf und Herz bei derSache ist. AufallgemeinesVerlangen gab der geniale Künstler das reizende Gedicht „Der gekränkte Gatte" zu, das wir schon von hervorragenden Meistern gehört, mit der Recitation dieses Meisters hält keiner auch nur den Vergleich aus. Es war s ehr schwierig, nach dieser Glanzleistung beim Publicum nicht abzufallen, und nur einer Virtuosin von dem Range des Fräulein Dora Hönigsvald konnte es gelingen, das Publicum auf der Höhe des Beifalles, in welche es durch Mitterwurzer gebracht wurde, zu erhalten. Frau Ellen B r a n d t - Fo r st er, die treffliche Künstlerin von der Hofoper, sang drei Lieder mit gewohnter Meisterschaft, das kunstverständige Publicum verlangte nach mehr, und sie gab M ey e r - H e l l m u n d 's reizendes „Ballgeflüster" zu. Der heitere Theil wurde durch Frau Marie Baronin Schwa rz-Meysenbug in ausgezeichneter Weise bestritten. ' Frau Kopacsi-Karczag, welche sich in kurzer Zeit allgemein beliebt gemacht hat, sang ungarische Lieder mit