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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-21 · 51 (21.12.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
51 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51 OrstrrrrttWHr WochrnfchrM Seite 991 Sadyk Nasra nicht verachtet hat, der auch eine Division Dragoner des Sultans commandirte, und zu Kiew gegenwärtig wie man sagt wohnhaft, im picezerskischen Kloster zu den Andächtigen gehört, der gleichzeitig Pension vom Sultan und vom Czaren bezieht. Fcanz Xaver Korczak Branicki, Großhetman der Krone, diente lange Zeit im französischen Militär, machte unter Marschall de Breuil den siebenjährigen Krieg mit. war außerordentlich tapfer und stieg auf zum Rang eines Generals, Marechal du camp, und wurde von Ludwig XIV. zum Grafen erhoben. Nach der ersten Theilung Polens wurde ihm von der Kaiserin Maria Theresia der Titel eines Fürsten verliehen — er aber ebenso wie Sczesny Potocli, hat den Titel ausgefchlagen und hat es auch vor dem Tode seinen Söhnen Wladyslaw, meinem Vater und dem in jungen Jahren verstorbenen Alexander verboten, einen solchen Titel, da er ein deutscher war, anzunehmen. Später war er der Freund des Königs Stanislaw August, dem er, wie ich erzählen werde, das Leben gerettet; er kämpfte gegen die Conföderirten von Bar und besiegte die Haidamäken. Auch war er einer der Chefs der Targowitzer Conföderirten, das heißt der Partei, welche Rußland gewogen war; ebenso war es nachher der Fürst Adam Czartoryski nach der Thronbesteigung Alexander I., sogar auch während des Herzogthums Polen. Endlich im Jahre 1862 bestrebte sich auch der Markgraf Wielopolski, wenn auch umsonst, eine russische Partei zu bilden, aber fern sei es von mir. ihn deshalb einen Verräther zu nennen, obwohl durch den Zusammenhang verschiedener Umstände ich gezwungen war, mich mit seinem Sohn zu schlagen, doch danke ich jetzt dem Herrgott, daß ich ihm keine Kugel durch den Kopf gejagt habe. Ich werde noch eine spaßige Begebenheit aus meinem Wanderleben erzählen. Vielleicht wird sie Euer Erlaucht zu unterhalten im Stande sein — da Euer Erlaucht an der Grenze Krakaus wohnen. Vor vielen Jahren schrieb ein Fräulein Loewenthal. die Schwester des Fräuleins Wylczynska, einen Brief, des Wortlautes erinnere ich mich nicht mehr, derJnhaltaberwar folgender: „Jan Matejko hatte ein Bild, den Reichsrath in Grodno vorstellend,- gemalt, auf welchem Ihr Großvater, der Hetman der Krone (Oberbefehlshaber) Franz Xaver Branicki und der Großvater mütterlicher Seite Sczesny Potocki figuriren, auch befinden sich auf demselben Fürst Marschall Czartoryski mit Gemalin. Der Künstler gedenkt das Bild zur Weltausstellung nach Paris zu senden. Ich rathe Ihnen, das Bild zu erstehen, dann entweder zu verbrennen oder zu verstecken." Ich antwortete dem wackeren Fräulein Constance, daß ich das Bild nicht kaufen will, denn es ziemt sich nicht, daß es meine Besitzung Monterose schmücken soll, ein Kunstwerk aber zu verbrennen, betrachte ich als Vandalismus. Die Geschichte ist Geschichte, Jeder schreibt und denkt wie ihm beliebt. Es scheint mir aber, ich bin dessen nicht sicher, daß mein Großvater bei dem Grodnoer Reichsrath gar nicht zugegen war. Da nicht Jeder die gleiche Ansicht theilt, habe ich durch Vermittlung meiner Schwägerin, der Gräfin Jadwiga Branicka Ihre Erlaucht Gräfin Jza Dziatynska, geborene Durchlaucht Prinzessin Czartoryska davon verständigt. Nach einigen Tagen erschien bei mir Wladyslaw Zamojski und wollte mich durchaus dazu bestimmen, ich möge zu Napoleon lli. gehen und ihn flehentlich bitten, das Bild zur Ausstellung nicht zuzulassen. Mit großer Beredsamkeit entwickelte er die Gründe seines Schrittes. Ich lachte darüber und habe ihm sein Verlangen direct abgeschlagen, da ich seine Meinung nicht theile. In seiner Antwort fügte er hinzu, daß die Ausstellung des Bildes eine Beleidigung der monarchistischen Majestät des Hotel Lambert wäre. Darauf zuckte ich die Schultern und sagte fast wörtlich: „Geehrter Herr General! Ich ehre Ihren Charakter und Ihre Ausdauer, aber was die eingebildete königliche Majestät betrifft, wiewohl die Parteien der Emigranten mir stets gleichgiltig waren, erlaube ich mir zu sagen, daß ich stets der Ansicht war, daß dieser Gedanke stets schädlich und unbegründet war, dagegen den sonst ernsten Fürsten Adam Czartoryski nur lächerlich machte — und zur Folge hatte, einen Centralpunkt der Demokraten heranzubilden." Der General erwiderte, daß, da ich nicht monarchisch gesinnt bin, ich auch keinen Begriff von der Wichtigkeit dieser Idee habe. Das Bild Matejko's war eine der Zierden der Ausstellung. Ein dort weilender Russe führte mich zu demselben hin. Ich muß gestehen, das Bild gefiel mir sehr, trotz mancher Fehler, besonders weit es gar keine Haupthandlung varstellte. Nach Schluß der Ausstellung oder noch während ihrer Dauer, sei es durch Vermittlung des Fräuleins Constance Wylczynska oder direct wendete ich mich an Herrn Matejko, da ich das Bild herrlich finde, möchte ich eines derselben Art, den Tod des ruffischen Kaisers Paul haben und frug zugleich um den Preis. Auf demselben Wege erhielt ich eine Antwort, daß obwohl es Herrn Matejko unlieb ist, ein solches Bild zu malen, er jedoch bereit sei, es um 60.000 fl. auszusühren. Wiewohl ich das große Talent des Künstlers anerkenne, fand ich doch diesen Preis zu hoch für meine Tasche und so wurden die Verhandlungen abgebrochen. Ich pflege selten und nur auf kurze Zeit nach Galizien zu kommen. Im vorigen Jahre wurde ich vom Statthalter von Galizien, Lodomerien und des Großfürstenthums Krakau, mit dem mich von Kindheit ab Freundschaftsbande vereinen, eingeladen. Dessen älteste Tochter heiratete meinen Neffen, den Grafen Michael Branicki, Gutsbesitzer in Ukraina, auch Eigenthümer der von Wielopolski gekauften Güter Suchy im Karpathengebirge. Nach Lemberg kam ich daher zum ersten Male zur Hochzeit der schönen Comtesse Clementine Potocka mit dem Grafen Tysckiewicz. Graf Wladimir Dzieduszycki erlaubte nicht, daß ich bei George wohnen soll, er stellte mir gastfreundlich sein Haus zur Verfügung, ich wohnte dort einige Wochen und speiste bei Alfred Potocki. In Lemberg lernte ich etwas lodomerisch sprechen, in Warschau drückt man sich ganz anders aus. Auch kommen hier sehr viel deutsche Worte vor, sowohl auf der Jagd, wie in den Häusern, welche als ganz patriotische gelten. Ich war in Lemberg bei der Eröffnung des Landtages und sah den Herrn Grafen und Andere im polnischen Nationalcostüm mit gekrümmtem Säbel am Gürtel. Ich war auch beim Begräbniß des Fürsten Leon Sapieha, mit dem ich lange Zeit befreundet war, ihm verdankt Galizien sein Eisenbahnnetz. Ich hörte sehr viel über diesen vortrefflichen Bürger murren, aber ich, der ich doch selbst Finanzmann in Algerien war und Bahnen baute, weß genau. daß jedes Unternehmen dem Unternehmer Gewinn bringen soll, daß heißt, daß in jeder Geldsache die Aufmerksamkeit auf Gewinn sein muß, sonst wird das Unternehmen zur Schifffahrt auf der Weichsel. Beim Leichenbegängniß hörte ich lateinische Gesänge nach katholischem, auch nach östlichem und arminianischem Ritus. Ich besuchte bei dieser Gelegenheit die Schloßkirche, wohin die Reste der Fürstin Sapietyna. geborene Korczak Branicki. der leiblichen Schwester des Hetman aus Kodno Franz Xaver, überführt wurden, und gebe Gott, sie mögen die ewige Ruhe dort finden. Ich erfuhr auch von der Existenz einer Partei der Stanczyk. Die genannte Partei soll sehr conservativ und sogar von Ultramontanismus angehaucht sein. Man sagt, sie wäre in immerwährendem Hader lmit den Ruthänen, indem sie dieselben Cham y. Dummköpfe nannte, was Confession betrifft. Halbkatholiken. Was die Juden betrifft, so werden sie, wenn es sich nicht um Geldangelegenheiten handelt, mit verächtlichen Blicken angeschaut. Was mich betrifft, der ich von französischen Ideen über Religionsfreiheit und Gleichberechtigung vor dem Gesetze durchdrungen bin, kann ich eine solche Anschauung nicht theilen. Wer will, daß sein Glauben geehrt sein soll, der ist verpflichtet, den Glauben Anderer zu ehren. Nicht die Metaphysik, sondern der gesunde Menschenverstand lehrt es uns. Möge uns ieser Predigerton verziehen werden. Wenn Religion und Politik einen Bund schließen, ist eine Verfolgung im Innern des Landes die Consequenz. In Spanien verbrannte man auf dem Scheiterhaufen Juden und Mauren, sowie auch Diejenigen, die der Ketzerei angeklagt waren. Hätten wir Beide zu jener Zeit in Spanien gelebt, mein theurer Neffe hätte zwar die Menschen nicht auf den Scheiterhaufen geschickt, ich aber wäre sicher verbrannt worden. In Frankreich die Bartholomäusnacht, in Irland die Verfolgung der Katholiken durch die protestantischen Bischöfe, in der früheren Republik Polen die Ausweisung der Unitarier.

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