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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-21 · 51 (21.12.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
51 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 990 * m j- — * ■,,,rn WrMrrrutztfltzr vsiqenptzrtfl Nr. 81 hinterließ 900.000 Francs oder Gulden Schulden, da er großen Aufwand trieb und noch mehr an Wohlthätigkeit verausgabte. Er hatte im Allgemeinen ein großes Ansehen. Als Napoleon I. die Verhältnisse der Juden regeln wollte, berief er auch Fcanck zu den Beratungen. Viele aufgeklärte Juden folgten dem Beispiele Franck's und übertraten entweder zur katholischen oder protestantischen Kirche, hauptsächlich in jenem Theile Polens, aus welchem später das Großherzogthum Posen entstand. Bon Griechisch-Orthodoxen hörte man in jener Gegend nichts. Aus solchen entstand eine Schichte Convertiten Meches (Meszymadem) verächtlich genannt. Dieser gesellschaftlichen Schichte und den aufgeklärten Juden verdankt Congreß-Polen sein Bahnnetz, wie auch die Entwicklung der Tücher- und Wollfabriken, überhaupt den Aufschwung in Handel und Industrie. Andere, wiederum nach Beendigung der Rechtsstudien wurden angesehene Anwälte, wieder Andere bildeten sich zu tüchtigen Aerzten heran. Da die Juden zu öffentlichen Aemtern nicht zugelaffen wurden, waren es die Convertiten, welche zur Zeit des Großfürsten Constantin, Paszkiewicz und Gorczakows, als Polen noch mehr oder weniger eine autonome Regierung besaß, dort hohe Aemter bekleideten. Adam Mickiewicz, mit dem ich sehr intim lebte, pflegte zu sagen: „Mein Vater war ein Mazur, meine Mutter eine Majewska, von den Convertiten nun bin ich halb Lechite (Pole) halb Israelit, und das macht mich stolz." ZurZeit des Fürstenthums Warschau galt Berko, der bei Kock gefallen, als einer der tüchtigsten Obersten. Viele Officiere stammten von den Convertiten. Da das Herzogthum die Juden nicht gleichberechtigte, ist es kein Wunder daß nur Wenige dem November-Aufstande geneigt waren. Die Mehrheit schaute auf die Ereignisse mit mehr als gleichgiltigem Auge. Im Jahre 1848 zogen manche Jiden aus Congreß-Polen nach Ungarn. Ich bin ihnen in der türkischen Armee begegnet. Freundt, der auch so wie ich aus Warschau war, avancirte zum Muschir — Feldmarschall — unter dem Namen Mahmud Pascha. In den Jahren 1860—1863 haben viele Convertiten und Juden sich für den Aufstand erklärt, wie z. B. der verehrte Rabbiner Meisels, für welchen die Polen und die französischen Juden nach dem Tode einen Trauergottesdienst in Paris abgehalten haben. Mehrere Juden fielen im Aufstaude, viele wurden zur Zwangsarbeit nach Sibirien geschleppt. R a w i c z und Andere starben den Tod, der Märtyrer. Wiewohl ich in Folge von Umständen Franzose, und zwar nicht nur zum Scheine geworden und zu keiner Partei gehöre, aber mit gesundem Verstände urtheilend, sage ich ohne zu fragen, ob es Herrn Dr. P. in R o m gefällt oder nicht, daß die Juden und Convertiten ihre Gleichberechtigung wenigstens in Congreßpolen verdient haben. Als Franzose war ich Mitglied des Pariser Comites zur Unterstützung der polnischen Sache im Jahre 1863. Am meisten Geld strömte herbei von Juden, und zwar aus Californien, Egypten und anderen Ländern; zu den französischen Sammlungen haben wiederum die französischen Juden am meisten beigetragen. Blicken wir auf die Entwicklung der Geschichte, so sehen wir eine Reihe großer Persönlichkeiten, wenn ich nur Mos s, Josua, Samson den Hohenpriester, David, Salomon, die Propheten, die Makkabäer, König Herod*) citire, dann waren auch die Apostel Juden, wie der heilige Johannes, der heilige Paulus. Hervorragende Männer waren auch die Talmudisten, auch Maimonides, Perez, Montixabal, Spinoza, sogar Beaconsfield, der Führer der Tories in England. Auf dem finanziellen Gebiete sind es die Barone Rothberger, die Pereiras, Eichthals, Salomon Heine, die Oppenheims, die Bleichroders, Graf Commondo im Orient: als Schriftsteller Heinrich Heine, Börne, Haus, Salvador, Münch, Franck und Andere. In der Musik: Meyerbeer, Halevy, Mendelssohn, Felieian David bis an Offenbach. Marschall Soult war Jude. Kleber, *) Jdomäer — Uebersetzerin. den Napoleon als den tüchtigsten General betrachtete, war früher Jude. Da man aber im franzö.ischen Militär den Officiersgrad als Jude nicht erreichen konnte, so trat er in den Dienst bei Friedrich dem Großen. Gegenwärtig, während ich das schreibe, zählt die französische Armee viele Juden unter ihren Officieren, wie den General See, den Obersten Cremieux u. s. w. Aus all' dem, was wir anführten, ersehen wir, daß die Juden auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens sich auszeichneten. Was die Religionsfrage betrifft, so gestehe ich ganz demüthig, daß ich ganz unwissend bin. Ein Dogma begreife ich nicht, und wenn ich was nicht begreife, so spreche ich auch nicht darüber. Doch als vernünftig denkender Mensch verwerfe ich es deshalb nicht, und wiederum fest daran zu glauben ist mir unmöglich. Wiewol ich das in Bezug auf Dogmen ausgesprochen, will ich mich dennoch der Aeußerung meiner Ansichten über den socialen Einfluß, welchen clericale Parteien ausüben, nicht entschlagen; ebenso sind es die Ultramontanen wie Diejenigen der russisch-griechischen Kirche, die unter dem Einflüsse des Protopresbyters Baranow stehen, wie die Ulemas und die Chassidim. Ich spreche nicht viel über protestantische Confessionen, da ihre Pastoren, durch viele Unterschiedlichkeiten getrennt, keine priesterliche Körperschaft, mit Ausnahme in England, bilden. Wir sehen, daß gegenwärtig Preußen und England, nachdem der Geist des Protestantenthums sie tolerant gestimmt, wie auch die Vereinigten Staaten, in welchen absolute Religionsfreiheit herrscht, die größte Rolle in der Welt spielen. Italien, Spanien, Polen wurden durch fortwährende innere Wirren immer schwächer. Frankreich vor der Revolution, und zwar von Richelieu ab, war gallisch; nicht in Bezug Äuf seine Confession, aber in Bezug auf das Berhältniß zum Kirchenstaat war es ganz protestantisch. Unter dem Consulate und während des ersten Kaiserreiches war Frankreich confessionslos und ebenso vom Jahre 1840 bis zum Jahre 1860. Seit dem Kriege in Mexiko neigte Napoleon der Hl., wiewol in einem confesstonellen Staate, dem Ultramontanismus zu. .... Man . kennt die Ursachen und die Folgen.' Frankreich/ das in den letzten Zeiten weder Befriedigung im Materialismus noch im Positivismus finden kann, strebt entweder, eine Religionsfreiheit wie in den Vereinigten Staaten an oder möchte eine andere Art Religionsreform erlangen. Ich zweifle, ob das eine Umkehr zur alten Form wäre, denn weder Flüsse noch geschichtliche Ereignisse strömen nach rückwärts. Oesterreich war bis zu Sadowa die Hauptstütze der päpstlichen Herrschaft, obgleich es nur Dank der Fehler des Czaren Nikola; des I. im Jahre 1648, auf die Füße gestellt, bald um ein Haar zu Grunde gegangen wäre. Jetzt, da es fast confessionslos ist, kann es auch seinen Einfluß auf den Orient ausdehnen. Rußland dagegen, ziemlich tolerant unter Paul und Alexander den I., hat sich durch seine seligmachenden Kreuzzüge auf einen isolirten Standpunkt gestellt. Aber genug davon — weder werde ich den hochwohlgeborenen Eigenthümer der Rundschau, noch er mich überzeugen. Mein Wirken auf dieser Welt ist beendigt. Da ich keine dauernde Beschäftigung habe, erlaube ich mir. Briefe über die Slaven und auch über meine Lebensereignisse zu schreiben. Wahrscheinlich wird der erste Band dieser Briefe, noch bevor diese Übersetzung erscheinen wird, in die Welt wandern. Ich habe auch die Absicht, ein wenig über die Korczak Branicki zu schreiben. Da meine reizende Nichte, Rosa Branicki, Ihre Gemalin, zur Gräfin Tarnowska geworden, wird auch er vielleicht mit mehr Interesse dieses Schreiben betrachten. Ruhliere behauptet, wir wären von tatarischer Abstammung. Herr Walery Kalinka hat auch was Abfälliges in seinem Werke geschrieben, so daß Fürst Wladyslaw Czartoryski mit dem Grafen Jan Dzialynok nach Monterose zum Zwecke einer Entschuldigung zu mir kamen, denn Herr Kalinka war damals Secretär entweder beim Fürsten Wladyslaw oder beim Zamojski, genau weiß ich es nicht. Sein Werk habe ich nicht gelesen, darum blieb es mir unbekannt. Ich kann nicht behaupten, daß ich die Novelle von Czajkowski, in Stambul Czajka genannt, eines ehemaligen Agenten des Hotel Lambert, eines bekannten Ultramontanen, nicht gelesen habe, der, obgleich ein würdiger Renegat, den Wein von

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