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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-21 · 51 (21.12.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
51 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 51 Oestrrrrirtzischr Wochrnschris! v’iS LLLä'* Seite 989 In' diesem Geiste wollte ich schreiben, ich habe noch andere Rücksichten im Auge behalten, und zwar die Rücksichten gegen andere Verwandten des Herrn Grafen und diejenigen meiner Frau; ich wollte sie anfragen, ob ich sie nicht kränken würde, wenn ich in diesem Sinne des Werkes erwähnen werde. Da ich niemanden Anderen außer Frau Adamowa in der Nähe hatte, wendete ich mich an sie mit dieser Frage. Sie antwortete mir, es wäre besser, über das Werk Köl Köre gar nichts zu schreiben, als das Werk und den Herausgeber zu tadeln. In dieser Collision zweier verschiedener Meinungen, was sollte ich thun, welche Meinung eigentlich befolgen? Wenn ich Ihnen gehorche, mache ich Ihnen ein viel kleineres Vergnügen im Berhältniß zu der Kränkung, die ich einer Person verursachen würde, die ohnedies viel mehr Kummer hat, als sie ertragen kann, noch dazu einer Frau, der Jeder von uns und Sie gewiß am meisten den Kummer eher ersparen als vergrößern möchten. Daher habe ich beschlossen, über Köl Köre nichts zu schreiben und es scheint, daß ich dazu verpflichtet bin. Ich bitte doppelt um Verzeihung. Erstens, daß ich Ihrem Wunsche nicht Nachkomme, zweitens, für die Offenherzigkeit, mit welcher ich im Vorwort über das Werk gesprochen. Was die Offenherzigkeit betrifft, so weiß ich, daß Sie solche nie übel nehmen. Was das Zweite betrifft, so bitte mir zu verzeihen, aus Rücksicht für den Grund, den Sie begreifen und rechtfertigen werden. Jmcia, die derselben Ansicht wie Frau Adamowa war, vereinigt die Bitte zu meiner Entschuldigung und empfiehlt sich beiden Herrschaften. Mit dem Ausdrucke meiner Ehrerbietung für die Frau Gräfin, ersuche ich nochmals um Entschuldigung, daß ich Ihre erste Bitte abgeschlagen, und indem ich bitte, mich in gewogener Erinnerung zu behalten, habe ich die Ehre zu zeichnen Ihr ergebener Diener und Verwandter St. Tarnowski. Ho chgeborener Herr Graf und durch Verschwägerung liebster Neffe. Diese Uebersetzung des Werkes „Die Pforte der Buße", welches durch meine Mitarbeitunq entstanden, widme ich dem Eiqenthümer der „Polnischen Rundschau." Das Original dieses Werkes befindet sich im Museum des belliaen Cyrills und des heiligen Metody in Paris, neben dem Collegium der Jesuiten und wurde mir von Hochwürden Gagarin beigestellt Das Werk bezieht sich auf den Aufstand des Cbmielnicki unter der Regierung des Königs Jan Kazimierz. gedruckt wurde es in Amsterdam anno 1651. Ich werde mir erlauben, in dieser Vorrede ein wenig über die Juden mit dem Herrn Grafen zu sprechen. Aber bevor wir noch über die Juden sprechen werden — will ich eines Abenteuers erwähnen, das ich in Rom im Jahre 1866 oder 1868 erlebte. Mein Schwager Pater Odescalchi wurde tbeils durch Erbschaft, tbeils durch Kauf Besitzer des Gutes Baffano, in dessen Schlosse sich wunderbare Fresken von Domenichini, die Geschichte Josephs und Putiphars darstellend, befinden. Als wir eines Tages nach dem Morgenkaffee einen Spaziergang antreten wollten, bemerkten wir von der Landstraße her den dortigen Bischof zu Fuß heranschreiten. Er war nicht in Violetfarbe gekleidet, sondern in einfacher Kapnzinertracht. Hinter ihm in einiger Entfernung gingen zwei Diener in sehr abgeschabter Kleidung, auch einige Geistliche tummelten sich in der Ferne. Pater Odescalchi näherte sich dem Bischof und ihn artig begrüßend bat er ihn zugleich, er möge in sein Palais auf einen Imbiß eintreten. Der Bischof folgte der Einladung. Wir setzten uns zu Tische und damals konnte ich genau den Gast betrachten, dessen Gesicht ungemein auffiel. Die Züge erinnern mich genau an Christus auf dem Tuche der heiligen Veronika. (Ein polnischer Ausdruck für fahle Gesichtsfarbe. Bemerkung der Uebersetzers.) Diese Züge und diese Blässe brachten mir in Erinnerung das Bild des berühmten Rabbiners aus Rozyn, den ich einst auf der Ukraina gekannt. Nach genoffenem Frühstück führte ich den Wirth in eine Ecke und sagte zu ihm: „Weißt. Dein Bischof stammt von Juden her." Wieso hast Du das errathen, sagte Odescalchi. „Jawohl, als Pius der IX. noch Bischof gewesen, war dieser Kapuziner sein Beichtvater, nachher als Cardinal Mastai den Apostolischen Thron bestiegen, wurde der frühere Beichtvater zum Hofprediger ernannt. Nach der Rückkehr aus Gaeta wurde er in Folge des Einflusses des unvergeßlichen Antonelli von dieser Function abgesetzt und erhielt im Tausche für solche das hiesige Bisthum. Der Grund seiner Absetzung war dessen Abstammung. Sein Großvater war ein getaufter Jude aus Polonien. In den geheimen Vorschriften betreffs der Ernennung eines Cardinals heißt es, daß N'emand aus jüdischer Abstammung bis zum siebenten Geschlecht darf zum Cardinal ernannt werden, damit er nicht zufällig auch zur Würde eines Papstes sich emporschwinge. Auch habe ich bei dieser Gelegenheit erfahren, daß ein Jude, unehelich geboren, die Priesterweihe nicht erhalten kann. Die Erzählung weckte meine Neugierde. Ich bat Odescalchi, er möge mich dem Bischof vorstellen. Wir tauschten untereinander einige italienische Worte. Als sich der Bischof zur weiteren Fußwanderung, da er keinen eigenen Wagen besaß und einen fremden nie gebrauchte, anschickte, ersuchte ich den Hausherrn, er möge mir ein Reitpferd nachschicken, und begleitete den Bischof. Nachdem wir ein wenig gegangen, befahl der Bischof seinen Leuten, sich in einer Entfernung zu halten und sprach mich französisch an. Er sprach sehr geläufig — zuerst sagte er mir, daß. obgleich er mich heute zum erstenmale sehe, er dennoch viel von mir gehört habe. Aus einem Gespräch, das ich hier nicht anführe, habe ich sehr viel Interessantes erfahren. Ob er noch lebt, weiß ich nicht, wie er geheißen, habe ich vergeffen. Ich habe ihn bis in's Dorf begleitet, dann labte ich mich mit dem dortigen Landwein, der Padronale heißt, und ritt nach Baffano zurück. Mir scheint,' daß unter der Regierung des (Chrobry) Tapfern, vielleicht sogar schon während der Regierung Piasts und Popiels die Juden, und zwar in beschränkter Anzahl, nach Polen kamen. Die Haupteinwanderung reicht bis zur Zeit Casimir's des Großen. Wer weiß nichts über Esterka? Bon damals ab bis zur Zeit Jan Cazimirz' genossen sie viele Privilegien, dennoch, wie es Chroniken behaupten, bildeten sie kein Volk im Volke. Von Casimir dem Großen bis Zygmunt den III. entwickelte sich eine Epoche, die, wie man uns lehrte, die blühende zu nennen ist, denn kein Land in Europa konnte sich wie Polen rühmen, daß dort Gewissensfreiheit herrsche. Wie die Geschichte erzählt, „schalt der Hetman Großherzog von Ostrog, der zur Union nicht beigetreten und in den Armen der orientalischen Kirche verschied, Jan Tarnowski in Gegenwart des Königs". Glaubt Ihr in Luzytanien zu sein und Moscoviter zum Zweikampf zu fordern? Für sie gibt es andere Mittel. War es Sitte oder Gesetz, aber jeder Jude, dessen Taufpathe ein Edelmann war. wurde adelig. Viele vornehme Familien stammen aus den Auswanderern aus Jerusalem. Sowohl Stanislaw Tarnowski, der Sprößling alter polnischer Magnaten, als auch ich Xawery Korczak Branicki von altem Adel bis an meinen Großvater Fran; Taver, Groß - Hetmann der Krone, können nicht behaupten, daß in unseren Adern nicht, wenn auch nur wenig Blut Abrahams rinnt. Leicht läßt sich das erklären. Die neugetauften Juden zeichneten sich durch Unternehmungslust, d. h. Betriebsamkeit und Sparsamkeit aus. sie hielten fest den Groschen zusammen. Nicht so verhielt es sich mit dem alten Adel, er mußte zuweilen sein Wappen neu vergolden. Es ist wirklich zum staunen, warum gerade diejenigen Familien, welche von Juden stammen und die ich hier nicht nenne, warum gerade eben diese, wiederhole ich, den Juden am schärfsten aufs Korn nehmen. — Und wenn ihre Züge die orientalische Abstammung verrathen, so wird die Schuld auf die Verschwägerung mit den Arminianern geschoben. Seit der Zeit des Jan Cazimirz wurden die Juden verächtlich angesehen, deshalb haben sie auch wenig an der Bewegung unter Kosciuszko theilgenommen. Am Ende des vorigen Jahrhunderts tauchte Rabbiner Franck auf. den der Ordinat Zamojski als Pathe aus der Taufe gehoben. Ich weiß nicht, wieso es kam, aber der Getaufte blieb ferner Rabbiner. Er starb in Offenbach bei Frankfurt und

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