Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 988 Vekrrrrktzilche WochrnsrtzrM Nr. 51 Belohnung für seine Kriegsthaten bewarb, wurde er ausgewiesen; er wurde auch aus Dänemark verbannt, als er den König Christian IX. wegen des Schicksals warnte, das seinem Schwiegersohn bevorstehe." Man erkennt aus der Inhaltsangabe des neuen Buches, daß der alte antisemitische Parteigänger nichts vergessen, aber auch nichts zugelernt hat. Er verbrennt immer noch die Juden. Anatole Leroy-Beaulieu. Die New-Iorker Wochenschrift „The American Hebrew" feierte am 9. Nov. ihren 15. Jahrestag durch Veröffentlichung einer Prachtausgabe mit Beiträgen von wohlbekannten Männern diesseits und jenseits des Oceans. Auf die Frage: „Welchen Eindruck er als jahrelanger Leser hiesiger Zeitungen von seinen Glaubensgenossen in Amerika empfangen und welchen Einfluß er ihnen auf die Zukunft unseres Stammes zutraue?" antwortete u. a. A. Leroy- Beaulieu, der berühmte französische Politiker und National- Oeconom, der Redaction: Etuf (Hte. Marne), 6. October. „Ich lese regelmäßig „The American Hebrew" und immer mit Interesse und Nutzen. Das Blatt gereicht sowohl dem Judentbum, wie den Vereinigten Staaten zur Ebre. Aus feinen Spalten ersieht man, daß die Juden ein Element hoher Intelligenz und Moral bilden. Ganz besonders fällt mir die weitumfassende Toleranz auf, welche die Redaction Ihrei Journals an den Tag legt. Ich finde in ihr ein echtes Geiühl für religiöse Freiheit, die unter allen Phasen moderner Freiheit vielleicht die wichtigste ist. Die Ehre gebührt theils dem amerikanischen Geiste, welcher der religiösen Freiheit so viel zu verdanken hat, theils aber auch dem Judenthum, was man billiger Weise anerkennen nluß. Als gewisie Amerikaner, uneingedenk ihrer glorreichsten nationalen Traditionen, gegen die Katholiken eine Agitation in's Werk setzten, da haben die Israeliten nicht gezögert, die gleiche Freiheit für die römische Kirche wie für alle anderen Kirchen zu vindiciren. Empfangen Sie dafür meinen Dank im Namen der Katholiken Europas. Sie haben den Antisemiten und Unduldsamen eine heilsame Lehre gegeben; indem Sie sich solchermaßen für die Freiheit Anderer verwenden, sogar für solche, die ehemals Ihre Verfolger waren, haben Sie der Welt bewiesen, daß Sie selber würdig sind, frei zu sein. Die verschiedenen Confessionen hoben wahrlich etwas Besseres zu thun, als sich gegenseitig zu ächten und in Bann zu thun. Sie sollten lieber jede auf ihrem eigenen Boden das Laster, die Geißel der Menschheit, zu bekämpfen suchen. Auch bin ich aus weiter Ferne mit Bewunderung und mit großen Hoffnungen für die Zukunft der Welt dem Religions-Cougreffe in Chicago gefolgt. Ich war glücklich, zu sehen, wie unsere katholischen Bischöfe und protestantischen Pastoren an der Seite Ihrer Rabbiner öffentlich ihre Gebete an unseren gemeinschaftlichen Vater im Himmel richteten. Möge dieses edle Beispiel von allen guten Menschen auf beiden Seiten des Oceans verstanden und nachgeahmt werden!" DieFuden in Frankreich. Der „MilwaukeeHerald" schreibt: „Daß die Juden Frankreichs nicht blos in der Finanzwelt eine hervorragende Stellung einnehmen, sondern auch in der I o u r n a l i st i k und Politik Bedeutendes geleistet haben, beweisen folgende Namen: Albert M i l l a u d war Mitarbeiter des „Figaro", und sein Vater Pollidore M illau d gründete das „Petit Journal", die verbreitetste Zeitung in Frankreich; Jules C l a r e t i e, hervorragender Romanschriftsteller, Mitglied der Akademie und Director der ersten französischen Bühne; Anatol, Mitarbeiter des „Temps", dessen Begründer gleichfalls ein Elsässer Jude Namens Neffzer gewesen ist; Jules Simon, ehemaliger Minister und Mitglied des Instituts, welcher ursprünglich Simon Suisse hieß. Bei der „Republigue Frangaise" arbeiten Halevy, der bekannte Buhnenschriftsteller und Novellist, Louis Bloch und Josef Reinach; beim „Fiaaro" Adrian Marx und Rosenthal (Letzterer unter dem Pseudonym St. Eire), beim „Journal des Debats" der berühmte Nationalöconom George Michel, der bekannte Dramatura Adolph D'En n ery und der Lyriker und Romancier Catulle Mendes. Ferner ist Arthur Mayer, Redacteur vom „Gaulois", Euaen Meyer, Mitarbeiter der „Lanterne", und Blowitz, Correspondent der „Times". Bedeutende Schriftsteller sind: Abraham Dreh fuß, Louis Ratisbonne, Albin Balabreque und Ernest Blum. Zu den Koryphäen der Bühne gehören: Zelie Hadamar t, Amalie Hirsch, Rosina Bloch, welche an der^großen Oper wirken; Worms und Berr vom Theatre Frangais. Als Malerin genießt Rosa Bonheur einen Weltruf. In der Armee haben sich ausgezeichnet: die Generäle Lambert, Brissac. Alvaris, Levy, See und Salvador, ferner sind auch die Obersten Lyon, Fig und Hin st in jüdischer Confeffion. Auf dem Gebiete der Politik haben sich hervorgethan: Camille Dreyfuß, Lockroy und Reinach, unter den Gelehrten zeichneten sich aus: Leo Philippin und Loewy, welche hervorragende Astronomen sind, Lippmann, der Erfinder der farbigen Photographie, und der Schwiegersohn Dumas', Germain See, berühmter Arzt, Emil I a v a l und Michael B r e a l, beide Mitglieder der französischen Akademie. Polen und Juden. Correspondenz des Grafen Xatver Korczak Branicki mit dem Grafen Tarnowski, dem Herausgeber der Polnischen Rundschau „Przeglod Polski". Bon Eleonore Pechkranz. Der Jude pflegt bei feierlichen Anlässen die Ruhestätte seiner Theueren zu besuchen. Er kommt so, als ob er sich von einem Drucke zu entlasten suchte, denn dort ist der geeignetste Ort, wo der Mensch die Bürde einer unterdrückten Thräne loswerden kann. Derjenige, der in der großen Comödie des Lebens sich oft Schminke anlegen muß, damit man die fahle Gesichtsfarbe nicht sieht, Derjenige, der sich die Brust mit Brillanten ziert, um die Dornen im Herzen zu verbergen, darf, über ein Grab gebückt, seine wahre Stimmung zeigen, denn Niemand wird wohl die Tonart, in welcher man weint, belauschen und bekritteln wollen. Am Erew Jom Kippur dieses Jahres machte ich nach dem Besuche eines mir theueren Grabes einen kleinen Nundgang auf dem Centralfriedhofe. Ein Grabstein mit der Inschrift: „Die ihn kannten, liebten ihn!" fiel mir auf. Es war das Grab eines vielverdienten Arztes, der im Vereine seiner gleich, gesinnten Collegen und edlen Gönner eine Institution geschaffen, der er auch viele Jahre vorgestanden, in welcher Tausende von Kranken Genesung gefunden und finden, sowohl .in Ambulanz als im Internate. Das Grab befindet sich an der Grenze der jüdischen und christlichen Abtheilung. Wie friedlich blickt das Kreuz zum Stupfstein herüber. Soll denn der Frieden nur bei den Tobten wohnen? Diese Fügung, die dem Höchsten wie dem Niedrigsten auf Erden beschießen, birgt eine große Mahnung an jeden Menschen. „Die Gleichheit im Tode berechtigt zur Gleichheit im Leben", sagte einst ein strenggläubiger Priester und berühmter Gelehrter Jacques Benigne Bossuet, Bischof von Meaux. Er war kein liberaler Mann, denn er hat das Edict von Nantes gutgeheißen. Auch chemisch untersucht zeigt das jüdische Blut keinen Unterschied von anderem Menschenblute. Doch sind es bereits bald 2000 Jahre, seit die Comödie dauert. Jeder denkende Christ weiß davon, spielt aber gerne mit. obzwar es auch für Millionen zur Tragödie geworden. Diese Gedanken veranlaßten mich zur Uebersetzung einer polnischen Broschüre »Brama Pokuty«, welche eine Correspondenz zwischen Tawer Korczak Bra nickiund dem Grafen Tarnowski, Herausgeber der „Polnischen Rundschau", enthält. * * * G eeh rter Herr Graf und lieb er Onkel! Mit großer Verlegenheit habe ich Ihren Brief gelesen. Sie verlangen, ich möge über das mir gesandte Buch schreiben, wenn ich es sogar mit Koth bewerfen sollte. Schlecht über Etwas zu schreiben, was unter Ihrem Namen erscheint, wäre mir sehr unangenehm und würde mir auch nicht ziemen. Gut aber zu schreiben, wäre gegen meine Ueberzeugung. Ich war daher unschlüssig und wäre bald Ihrem Willen gefolgt, zu schreiben, wie folgt: „Ich würde vorziehen, darüber gar nichts zu erwähnen. Auf den ausdrücklichen Wunsch aber des Herausgebers muß ich sagen, daß ich nicht begreife, welchen Zweck die Veröffentlichung dieses Buches eigentlich hat, welches für die Christen unangenehm und abschreckend ist, da es sie nur kränken, aber nicht überzeugen kann. Welchen Eindruck es auf die Nichtchristen machen wird, kann ich mir nicht vorstellen, denke aber, daß es ihnen gar nicht nützen kann, indem ich den Zweck des Werkes nicht verstehe, umsoweniger, warum man es einem katholischen Geistlichen zuschreibt, der keineswegs Geringschätzung verdient.