Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 5i Veflrrreiltzifche WochenptzrM Sette ssr Am 16. December, Vormittag 10 Uhr: 9. Maximilian I a c o m e t von Terlan, wegen Verbrechens der Brandlegung. Am 17. December, Vormittag 9 Uhr: 10. Peter Tom a s i n i, Kleingütler von Eichholz, nach Kurtatsch, Bezirk Kaltern zuständig, wegen Verbrechens der theils vollbrachten und theils versuchten Theilnahme an der Münzverfälschung. Am 18. December, Vormittag 9 Uhr: 11. Thomas W i e r e r, Harasackerbauer in Stefansdorf, wegen Verbrechens des Betruges. Am 19. December, Vormittag 9 Uhr: 13. Johann Fischnaller, Hausbesitzer in Bruneck, wegen Verbrechens des Betruges. Am 20. 'December, Vormittag 9 Uhr: 13. Amalie K ö l l von Tirol, wegen Verbrechens der Amtsveruntreuung Antisemiten unter sich. K. H. Wolf katzbalgt sich ein wenig mit Spitzer- Weimar. Ec sagt ihm allerlei Liebenswürdigkeiten: „Der Wiener akademische Gesangverein und die „Reichs" post". Der Jude Spitzer-Weimar hat sich wieder einmal gründ" lich blamirt. Bei der letzten Liedertafel des Wiener akademischen Ge' sangvrreines wurde auch das alte Studenteulied ,,Rillus, Rallus'' gesungen. Eine Strophe dieses Liedes enthält nun die Zeilen: „. . . Statt, daß wir am Rosenkranz?atsr noster plappern, Tanzen wir am Ridewanz Und die Würfeln klappern." Kein vernünftiger Mensch wird an diesen Worten Anstoß finden — anders aber der getaufte Jude Spitzer-Weimar. Er benützt die Zeilen, um auf's Heftigste gegeu den Wiener akademischen Gesangverein loszuziehe.*.. Nun, wir möchten dem frommen Mann vor Allem sagen, daß der Wiener akademische Gesangverein nicht deshalb die Juden ausgeschlossen hat, um christlich zu werden in dem Sinne, wie er es meint, nämlich c l e r i c a l, sondern die Juden wurden deshalb ausgeschlossen, weil der Verein ein nationaler ist. Weiters kann der Herausgeber der „Reichspost" versichert sein, daß im Akademischen Gesangverein kein Mitglied so dumm ist, daß es an obigen Zeilen etwas aussetzen würde. Damit aber der fromme Spitzer-Weimar in Zukunft in seinen heiligen Gefühlen nicht beleidigt werde, möchten wir dem Vorstande des Wiener akademischen Gesangvereins rathen, der „Reichspost^ einfach keine Einladung mehr zu senden. Wie uns mitgetheilt wurde, soll dies auch thalsächlich nicht mehr erfolgen. Der Ruf nach dem Staatsanwalt am Schlüsse des Artikels entspricht ganz dem Stammescharakter des Herrn Spitzer- Weimar. Zu seiner Beruhigung sei ihm mitgetheilt, daß der Wiener akademische Gesangverein genau weiß, was er der Zensurbehörde vorzulegen hat. Vom Juden S p i tz e r-W e i m a r wird er sich gewiß nie Rath holen". Spitzer-Weimar ist doch ein sonderbarer Herr. Im Briefkasten gibt er gar Auskünfte über judenreine Aufenthaltsorte! Ob er seine Redaction, wenn er anwesend ist, wohl auch denselben beizählt? U. A. w. g. Ein Pästlicher Kammerherr als Defraudant. Man meldet aus Genua: Der pästliche Kammerherr Francesco de A m i c i s wurde wegen Unterschlagung von 150.000 Lire zum Nachtheile der Marquise Pallavicini-Durazzo zu dreijährigem Kerker und zu einer Geldstrafe von 3000 Lire verurtheilt. Christlich-germanische Ausbeutung. Die Fälle, in denen wir mit antisemitischen Zeitungen übereinstimmen, sind so selten, daß wir nicht verfehlen dürfen, sie zu verkünden, wenn wir ihnen begeg len. Die „Magd. Reform" brachte am 8. December einen Artikel, dem wir völlig zustimmen. Sie schreibt: Auch ein Stück socialer Frage. Der „Reichsbote“ (Nr. 278, 1. Beilage vom 27. November) tadelt es mit Recht, daß man in v o r n e h m e n H ä u s e r n (z. B. in N e i s s e und in Hamburg) die N o t h l a g e der Candidaten des höheren Schulamts aus beute, um „gegen freie Station und Wäsche" oder gar gegen eine (von dem Candidaten zu leistende!) Zuzählung von 50 Mark monatlich einen Hauslehrer zu erwerben. Einer so niedrigen Handlungsweise gegenüber findet das konservative Blatt die Frage angebracht, ob die adlige Dame, die sich eines solchen Angebots schuldig machte, „wohl einem Knecht unter solchen Bedingungen einen Dienst anzubieten wagen würde." Daß es auch Damen gibt, und zwar Damen von „Stand", die dazu fähig sind, beweist der „Reichsbote" am selben Tage in derselben Nummer (2. Beilage), indem er sich zum Druck des folgenden Inserates herbeiläßt: „Z. 1. Jan. suche ich ohne gegens. Vergüt, ein gebild. junges Mädchen, welches sich vor keiner Arbeit scheut, bes. z. Beaufs. von 2 Kindern (4 und 5 I.). Frau Pastor Bastian, Grünberg i. Schl."— Die Schulamtscandidaten, die die Noth zwingt, Hungerstellen anzunehmen, sind zu bedauern; aber noch bedauernswerther ist die Nothlage jener „gebildeten Mädchen", nach denen Frau Bastian angelt. Man klagt an manchen Orten über Dienstbotenmangel; hier ist ein neuer Weg, um kostenlos zu einer „gebildeten" Dienstmagd zu kommen, „die sich vor keiner Arbeit scheut." Vielleicht macht Pastor B. oder der „Reichs» bote", der ja als Pastorenblatt gilt, dieser Standesgenosiin klar, daß es nicht christlich ist, einer Magd unter obiger Beding ung: „ohne gegenseitige Vergütung" einen Dienst anzubieten. „Der Arbeiter ist seines Lohnes Werth." — Leider stehen Fälle, wie der oben genannte, nicht vereinzelt da, sondern kommen nur zu häufig vor. Wir vertrauen der guten Gesinnung unseres deutschen und christlichen Volkes, daß es derartige betrübende Erscheinungen mit der gebührenden Verachtung strafen und so ihre Wiederholung unmöglich machen wird. Leider hat das antisemitische Blatt vergessen, daß diese Ausbeuter gut christlich-germanischer Herkunft sind. Eisenmenger, die große antisemitische Autorität fast zweier Jahrhunderte, hat auch in dem letzten T alm ud» Proceß in Hannover am 24. November eine Rolle gespielt, denn der Redacteur Rethwisch berief sich auf Citate aus Eisenmenger's „Entdecktem Judenthnm". Der Staatsanwalt erklärte mit Recht Eisenmenger für tendenziös. Das mag den Zorn der „Mag d eb.Reform." erregt haben, denn sie bricht am 8. December eine Lanze für den Vater der antisemitischen Hetzliteratur. Darin macht sie sich einer rührenden — seien wir milde — Unwissenheit schuldig. Sie schreibt! „Sobald das Werk in Frankfurt a. M. gedruckt worden, bestürmten die Juden den Autor, um ihn durch das Angebot einer Geldsumme zu veranlassen, von der Publication Abstand zu nehmen. Eisenmenger lehnte aber rundweg ab... Ach nein, so war es nicht! Gewiß fürchteten sich die Juden vor dem Erscheinen dieses Werkes, nicht weil sie die Wahrheit ängstigte, sondern gerade die falsche Uebersetzung, die bewußte B-'rhetzung. Der Wiener Landesrabbiner Samson W e rth e imb e r machte dem Verfasser den Vorschlag, er wolle dem Autor und Drucker die Kosten vorschießen, wenn sie ihm die Exemplare des Werkes zur Aufbewahrung auslieferten, bis durch Gutachten die Jrrthümer des Buches aufgedeckt würden. Und nun stellt der geldgierige Verfasser eine Rechnung über fl. 15.586'3 auf, darunter fl. 10.000 als Honorar, was für den Druckbogen über fl. 40 ausmachte, ein Honorarsatz, der in jener Zeit Niemandem qezahlt wurde. Diese unglaubliche Forderung Eisenmenger's lehnten die Juden ab! Nicht Eisenmenger, sondern die Juden waren es, verehrte „Magdeb. Reform". Osman Bey hat wieder etwas von sich hören lassen. Sein Buch „Die Eroberung der Welt durch die Juden" (2. Aufl. Basel 1874) gehört zum eisernen Bestand der antisemitischen Fabelbücher, und gewisse Ideen von einer „Weltherrschaft" der Juden sind von ihm wieder ausgenommen und verbreitet worden. Ueber ihn schreibt die „NeueZüricher Ztg." am 27. November: „Major Osman Bey befindet sich wieder in Zürich. Neulich hat er uns sein im Verlage von N y d e g g e r und B a u m g a r t in Bern erschienenes Buch über den Tod Alexanders HI. und Al er and ersll. zugeschickt. Darin sucht der Verfasser den Nachweis zu leisten, daß es die Juden und die israelitische Alliance waren, welche, wie sie einst die französische Revolution hervorgerufen haben, auch in Rußland die Revolution herbeiführen wollen und zu diesem Zwecke die Nihilistenverschwörungen anstiften. So Huben sie den Tod Alexanders H. verschuldet und haben Alexander III. zu Tode gehetzt. Auch dem heutigen Kaiser werden sie ein böses Ende bereiten. Zudem prophezeit Osmann Bey unter dessen Regierung das Hereinbrechen der Revolution. Mit seinen persönlichen Schicksalen beschäftigt sich dieses Buch ebenfalls. Osman Bey hat im letzten Krieg unter russischer Fahne gekämpft. Er betrachtet sich als den eigentlichen Eroberer der Festung Kars, wodurch der Feldzug in Kleinasien für die russischen Waffen eine günstige Wendung genommen hat. Aber Loris M e l i k o f f nahm ihm den Ruhm weg und wird jetzt als Eroberer von Kars gepriesen. Loris M e l i k o f f ist aber in den Augen Osmann B e y 's ein mittelmäßig begabter Mann, und der Sorglosigkeit, die er als Dictator in Petersburg an den Tag legte, ist der Untergang Alexanders II. zu danken. Obschon er mehrfach von Osman Bey gewarnt wurde, traf er doch keine Maßnahmen gegen die Verschwörung der Nihilisten. Und als dann später Osman Bey sich um eine