Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 980 Dearrrrdtzllchr WocheMchrM Nr. 50 und Wirken dieses berühmten Dichters ein klares Bild von der Bedeutung der hebräischen Poesie im Mittelalter zu entwerfen, indem er auf die erhabene Aufgabe hinwies, welche diese insofern gelöst hat, daß sie ihrem religiös-nationalen Charakter entsprechend in die Liturgie ausgenommen, dem jüdischen Volke sozusagen ein Leiistern und Begleiter in Leiden und Freuden geworden ist. Besonders läßt sich dies von einem großen Theile der so vielfach bewunderten Poesie Halevi's sagen, da sie das Charakteristische an sich hat, daß sie nicht des Dichters individuellen, sondern den Gedanken, die Leiden, Gefühle und Empfindungen der ganzen Nation zum Ausdrucke bringt und daher auch unvergängliches Gut des ganzen Volkes bleibt und bleiben wird. Samstag, den 15. d. M. findet im Vereinslocale (IX. Mosergasfe 5) ein Vortrag des Vereinsmitgliedes srnä. xlül. David Korn statt. Gäste willkommen. Bz. Win, 7. December. Ich bin gestern hier von Trient angekommen und wohnte gelegentlich dort einer Feier bei, die für die geehrten Leser Jhr-s geichätzten Blattes von Interesse sein dürfte. Es war ein Bcschneidungsfest im Hause der dort eu zigen ansässigen jüdischen Familie des in Trient allgemein beliebten und cieachteien Kaufmannes Herrn Leopold Nantel; es ist dies ein umso bemerkenswertheres Ereigniß, da in Trient seit 4 Jahrhunderten dieser Act nicht vollzogen wurde. Es mutzte auch der Mohel aus Verona Herr Dr. Pincherle berufen werden, was nur in Folge des überaus liebenswüroigen Entgegenkommens und der Jniervention des Veroneser Rabbi Herrn Dr. Angelo C a r p i ermögl chl wurde. Der ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. Earpi ist persönlich zur Feier gekommen und hielt in Anbetracht der seltenen Feier in Trient eine Festrede, worin er betonte, daß im 14. Jahrhundert in Trient ernste Judenverfolgungen (von Seite der Jesuiten) stattfanden und seit diesem Zeiträume zum ersten Male hier ein Judenkind geboren wurde. Es wohnte der Feier eine Anzahl angeseheiler Trientiner Bürger bei und gestaltete sich diese Familienfeier zu einem solenneii Feste. M. N euma ir n. Wien. (EinneuesWunderkinö.) Am vergangenen Freitag stellte sich im Vereinslocale des polnischen Lesevereines nLidimteka polska“ einem drstinguirten Publicum eine kleine Claviervirtuosin, die achtjährige Paula Schallt, vor. Sie ist ein Wunderkind mit wirtlichem Talent. Dank ihrem Bruder, der ihr Lehrer gewesen, hat sie eine Kraft und Fülle des Tones erreicht, um die sie wohl reife Kunstgenosscnnen beneiden dürfen. Ihre Pedal- und Phrasirungskunst, ihre ganze Vortragsart sind voll Seele und Gesangslust, ihre Stimmung ist rein und reif erfaßt. Ueberdies kann das Kind schon improvisiren und componiren; was wir von ihm gehört haben, verrätst ein ungewöhnliches Compositionstalent und wer weiß, welches Los diesem Wunderkurde noch beschieden ist, das, wie wir hören, ganz unbemittelten Eltern augehört. Wien, 8- December. Ueber den Lieder-Abend, welchen Fräulein Greihe Mödling er am 4. d. M. im Saale Ehrbar veranstalteie, ist zu berichten, daß die Sängerin zu wiederholten Malen sich den rauschenden Beifall des anwesenden Publicums erwarb. Sie sang Chopin, Mendelssohn und Schubert mit einer bewundernswerthen Leichtigkeit und schmelzvoller Stimme, die das Lied doppelt angenehm machten. Sie brachte auch einige Opernarien zum Vorträge, als: Ävenera aus „Carmen", Recitalion und Arie aus Lortzing's „Waffenschmied" und schließlich die hochpoetische Romanze aus „Mignon", wobei sie diescbe Ungezwungenheit wie bei den Liedern und einr Vortragsweise beobachtete, wie man solche in dem großen Musentempel am Opernring zu hören pflegt. Wien, 10. December 1894. (Kinderbekleidungsfeier.) Am 1. December fand im „Hotel Central" die feierliche Betheilung von 65 armen Schulkindern mit warmer Winterkleidung seitens des humanitären Vereines „Rudolfs bund" statt. Die Feier wurde durch eine vom Obercantor Bauer executirlen Choralgesang eingeleitet; die Festrede hielt der Obmann und Ehrenpräsident, Armeurath Josef Pollak, welcher herzliche Worte an die Kleinen richtete. Dersclbe schloß mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in welches die äußerst distinguirte Menge begeistert einstimmte. An Festgästen hatten sich eingefunden: Magistratischer Bezirksleiter Dr. Dittenberger, Magistrats-Secretär Dr. Schwarz, mehrere Bezirksausschüsse und Abgeordnete des Armenrathes unter Führung des Obmannes Piesch. Das hierauf folgende Tanzkränzchen nahm einen sehr animirten Verlauf. Wien. Soeben ist von Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus eine kurzgefaßte Biographie des seligen Herrn Dr. Adolf Jellinek mit einem wohlgetroffenen Bilde der Verewigten erschienen. Dieselbe ist durch die Buchhandlung des Ch. D. Lippe, Praterstraße 13, zu beziehen. Wagstadt. (Schlesien.) Zum Rabbiner der hiesigen isr. Cultusgememde wurde Herr Dr. Schornstein, ein Zögling des Breslauer Rabblner-Seminars, gewählt. Sniatyn. Der Unterstützuugs verein „Kinderfreunde" hat am 9. d. M. anläßlich des 65. Geburtstages des Philantropen Baron Hirsch eine Küche zur Bespeisung armer Schulkinder eröffnet. Unter Anwesenheit eines distinguirten Publicums fand die Feierlichkeit statt. Ein Lehrer der Stiftungsschule, Herr S p i e l m a n n, hielt eine begeisterte Ansprache und verwies auf die Wohlthaten des Herrn Baron Hirsch für die armen, nothleidenden Juden. Er schloß mit einem Segen für Se. Majestät den allergnädigsten Kaiser, worauf die Schulkinder die Volkshymne anstimmten. Podwoloczyska. („D eget Iehud a".) Unter diesem Namen hat sich hier ein Verein zur Pflege jüdischen Schriftthums gegründet, der am 9. November d. I. seinen Gründungsabend feierte. Im Bereinslocale werden jüdische Zeitschriften und eine jüdische Bibliothek vorhanden sein. Es ist zu hoffen, daß der Verein ein Miltelpuiikt jüdischer Bestrebungen werde. Np. Sambor. Der jüngst gegründete Verein „Z i o n" hat ein Casino ins Leben gerufen, dem viele Bürger unserer Stadt beigetreten sind. Im Beginne sollte es den Namen „Czyteina zydowska“ tragen, da sich aber unsere Akademiker unter diesem nicht versammeln wollten, sah man sich gezwungen, ihm den Namen „Club Towarzyski“ zu geben. Nun befindet sich das Casino in constanter Zunahme. L. H. Buezacz, 12. December 1894. Fräulein Cacilia Stegmann, Tochter des Magistrats-Assessors und Matrikenführers Herrn Eliaser Siegmann, hat sich mit Herrn Anton Robinsohn, Beamten der Dampsmühlen>Besitzer A. Steiner & Co. in Czernowitz, verlobt. Die Trauung findet im August k. I. statt, in welchem Monate der Vater der Braut sein 50jähriges Jubiläum als Bezirks-Matrikensührer feiert. Amsterdam, im November. Herr Dr. H. I. Polak, Director des Gymnasiums zu Rotterdam, ist durch ein königliches Decret zum Professor der Universität Groningen ernannt worden. Paris, 16. November. Der verdienstvolle Gelehrte Herr M. Lazare Wogue, welcher seit 1851 als Professor der Exegese am hiesigen Rabbinerseminar wirkte, hat hoh"n Alters wegen seine Stellung aufgegeben. An seiner Stelle sind die Herren M. Lambert und Jaques Kahn getreten. Feuilleton. Drr Vorbeter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. K o h n, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Sie hatten am Sabbath stets geruht, und den heiligsten Tag des Jahres, den Verföhnungstag, hatten sie mitten im Walde in einer verlassenen Köhlerhütte zugebracht. Sie betrachteten es als ein Zeichen besonderer Gotteshuld, daß sie spät am Nüsttage des Laubhütlenfestes in einem abseits gelegenen Dorfe zu einem Glaubensgenossen, Wolf Ullmann, kamen, der sie gastlich aufnahm und freundlich bewirthete. Sie hatten die beiden ersten Tage des Festes mit ihren Kindern an dem Tische ihres Gaftfreundes zur Genüge gegessen, hatten alle religiösen Pflichten dieses Tages erfüllt und waren schon geneigt, das Anerbieten Ullmanns, ihnen für einige Tage ein Asyl zu gewähren, anzunehmen, als ihnen plötzlich — sie waren eben friedlich beim Nachtmahle gesessen — die Nachricht wurde, ein Schwedenhaufe ziehe plündernd und sengend heran. Towije und Elke mußlen nun so rasch als möglich ihren Weg fortsetzen und konnten in der Eile nichts als einen Laib Brot und was sie zur Erfüllung, ihrer religiösen Pflichten bedurften, mitnehmen. Auf ihrer Flucht hatten sie von einzelnen Wanderern, denen sie auf der Straße begegneten, erfahren, daß Wallenstein in einiger Entfernung ein Lager aufgeschlagen und man allgemein glaube, daß ec hier die Schweden erwarte, um eine Entscheidungsschlacht zu schlagen. Towije und Elke beschlossen, womöglich die Heerstraße zu vermeiden, nur Fußsteige und Waldwege zu verfolgen um sobald als eben möglich außer dem Bereiche der beiden schlagfertigen Armeen zu gelangen. Sie hatten wieder einen Tag in unsäglicher Angst, in nicht zu schildernder Beschwerlichkeit verlebt, sie hatten nun