Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Str. 50 Vrsterrrichifthr WochensthrM Seite 979 diese Personen zu besudeln und der öffentlichen Verachtung preiszugeben. Der Vertheidiger wies darauf hin, daß die Vorstände des Vereines „Deutsche Wehr" zweimal in der Woche Sitzung halten, und sprach die Vermuthung aus. daß in diesen Sitzungen auch Einfluß auf den Inhalt dieses Blattes genommen werde. Der Vertheidiger erklärte, formell sei Victor Wurm, thatsächlich sei der Redacteur der „Deutschen Wehr", Joseph F r e i s i n g e r, der Angeklagte. — Herr Dr. R.o ch ow a n s k i trat für die Anklage sehr energisch ein. Seine Bemühungen waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Die Geschwornen bejahten die Frage, ob der Angeklagte schuldig sei, als Verfasser des Artikels „Deutsche Sitte und deutsche Frauen" öffentlich durch die Presse den Schriftsteller der „Deutschen Wehr", Joseph Fr ei sing er, verächtlicher Gesinnungen geziehen zu haben, fügten aber hinzu, daß der Angeklagte die Wahrheit der Angaben bewiesen habe. Die zweite Hauptfrage, betreffend die Beleidigung der Ausschüsse des Vereines „Deutsche Wehr", wurde verneint. Der angeklagte Redacteur der deutsch-liberalen „Freien Schlesischen Presse" wurde auf Grund dieses Verdictes vollständig freigesprochen und die Ankläger wurden zum Gerichtskosten-Ersatze verurtheilt. Teplitz. Herr Dr. Oscar Willner, Cultusgemeinde- Vorsteher in Teplitz, hat im Namen der Teplitzer Cultusgemeinde-Repräsentanz folgendes Rundschreiben an die 90 größeren Cultusgemeinden in Böhmen gelangen lassen: „Durch die Erlassung des Reichsgesetzes vom 21. März 1890 ist zwar für die israelitischen Cultusgemeinden eine gesetzliche Grundlage geschaffen worden, deren sie bis dahin größtentheils entbehrten; allein es wäre Selbsttäuschung, wenn man hierdurch allein schon die Bedingungen für eine glückliche Entwicklung des Gemeindeweseus gegeben erachten würde. Es gibt nämlich zweifellos eine ganze Reihe von Angelegenheiten, welche nur dann eine gedeihliche Erledigung finden werden, wenn ein gewisser Verband zwischen den Cultusgemeinden des Landes zu Stande gebracht wird. Als solche führe ich beispielsweise au das Verhältniß zu den Seelsorgern, Beamten und Cultusbediensteten, die Regelung des Pensionswesens, die Ertheilung des Religionsunterrichtes, die Schaffung von Wohlfahrts-Einrichtungen für das ganze Land, das unleidliche Passantenwesen, die Schaffung eines Schiedsgerichtes für Streitigkeiten der Cultusgemeinden unter einander oder mit ihren Beamten und dergleichen mehr. Wie zweckmäßig die Schaffung eines derartigen Verbandes iei, wird Jeder zugeben müssen, der die Verhandlungen des dermaligeu bestehenden Landescomiies zur Vorbereitung der Feier des 50jährigen Regierungs-Jubiläums unseres allergnädigsten Monarchen verfolgt. In Würdigung dieser Thatsachen hat die Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde zu Teplitz in ihrer Sitzung vom 15. November l. I. beschlossen, zunächst bei den größeren Cultusgemeinden Böhmens Umfrage zu halten, wie selbe sich zur Frage der Errichtung eines Verbandes der israelitischen Cultusgemeinden in Böhmen stellen. Im Falle eine namhafte Anzahl der Gemeinden sich hiefür erklären, würde, womöglich unter Führung der allehrwürdigen Gemeinde Prag die zur Realisirung des Bundes zweckdienlichen Schritte einzuleiten, würde hoffentlich in nicht allzuferner Zeit der Verband ins Leben treten können. Mit der Bitte, die Entschließung des geehrten Vorstandes bis .15. December 1894 anher bekannt geben zu wollen, zeichnet ergebenst Der Cultusgemeinde-Vorsteher." Jassy. Die Familie Joachim und Frau Rosa Daniel genießen in allen Kreisen des Judenthums mit Recht ein hohes Ansehen. Frau Rosa Daniel ist eine geborene Luxenburg, eine Nichte des verstorbenen Rabbiners Löwen st ein von Lemberg, ausgezeichnet durch Geist und Bildung, ebenso w!e durch Herzensgüte. Auf Veraulaffung dieser Frau Daniel hat ihr Gatte, der Banquier Joachim Daniel, mit einem Kosten aufw an de von 130.000 Frcs. den verfallenen israelitischen Friedhof renoviren und das Ohel neu Herstellen lassen. Möge es dieser edlen Familie gegönnt sein, lange Jahre zu Gunsten der Glaubensgenossen zu wirken, mögen ihre Thaten bei andern reichen Gemeindegenossen Nachahmung finden. J. H. Warschau. Am 25. September d. I. (alten Styls) fand in der in Russisch-Polen gelegenen Gouvernementsstadt Ssuwalki die Einweihung der dortigen russischen Kathedralkirche statt. Den Act der Einweihung nahm der ruffische Erzbischof Flawian von Warschau und Cholm (Chelm) persönlich vor. Der Erzbischof wurde auf dem Platze vö: der Kirche von einer grohen Volksmenge und dem Gouvernement empfangen und begrüßt. Gleich nach der Begrüßung des Erzbischofs durch den Erzpriester L. I. I a n k o w s k y, welcher nach der russischen Sitte Salz und Brot überreichte, wurde der Ssuwalkier Rabbiner S. I. Seligmann vorgelaffen. Letzterer überreichte dem E zblschof Salz und Brot und sprach: „Würdige, hochwürdigster Bischof, Salz und Brot von der hiesigen hebräischen Gemeinde entgegenzunermen, welche Dich ehrerbietig begrüßt." Auf diese Ansprache gab der Erzbischof, nachdem er Salz und Brot angenommen, folgende Antwort: „I ch danke Euch und erflehe den Segen Gottes über Euch und Eure Familien." Der Redaction des Diöcesanblattes erschien diese Antwort nicht druckfähig und sie berichtete einfach, daß der Erzbischof dem Rabbiner: „Ich danke Euch und Euren Familien" gesagt habe. Der Erzbischof, welcher sein Diöcesanblatt aufmerksam liest, nahm der Redaction desselben diese Eigenthümlichkeit sehr übel und befahl, in der nächsten Nummer zu constatiren, daß ihre Mittheiluny bezüglich seiner Antwort an den Rabbiner von Ssuwalki unrichtig gewesen sei. Dieser Befehl wurde natürlich befolgt, indem die Redaction in der Nummer vom 15. (27.) November die Berichtigung veröffentlichte, ihre Mittheilung bezüglich der Antwort des Erzbischofs an den Rabbiner für unrichtig erklärte und den richtigen Text der Ansprache des Erzbischofs citirte. Mögen Priester, welche anders handeln, sich an dem ruffischen Erzbischof ein Beispiel nehmen! E. c. K. VernnMes. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 16. d. M. um 272 Uhr Nachmittag findet im neuerbauten Tempel ll. Leopoldsgasse Nr. 29 die Trauung des Herrn Georg Diamant mit Fräulein Fortuna Stern statt. Im israelitschen Tempel in der Seitenstettengosse findet die Trauung von Fräulein Alice Frankel, Tochter des Herrn Heinrich Frankel, mit Herrn Siegmund Singer statt. Dienstag am 18. December findet im israelitischen Bethaus ll., Große Schiffgasse 8, die Trauung des Herrn Moriz Nasch mit Frl. Charlotte Ku n sta d t, Tochter des Herrn Hermann Kunstadt, statt. Herr Hermann Kun stadt steht bereits 25 Jahre im Dienste der israelitischen Cultusgemeinde. Sonntag den 2. December 1894 fand die Trauung des Herrn Gottlieb Drab mit Frl. Gisela Raff im isr. Tempel Vlll. Bezirk unter sehr zahlreichen Theilnahme statt. Die Trauung des Frl. Johanna Kollek, Tochter des Herrn Aron Kollek, Religionslehrer an Mittelschulen, mit Herrn Arnold Weinberger Sägeverwalter, findet am 25. December 1894 in Nagy-Bittse statt. Wien. Samstag den 8. December hat der humanitäre Verein „Treubund" die Betheilung von 110 armen jüdischen Kindern mit Winterkleidern, Schuhen und Wäsche in feierlicher Weise vorgenommen. Zu dieser Feier, welche einen sehr würdigen Verlauf nahm, hatte sich ein zahlreiches, distinguirtes Publicum, darunter Herr Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch und viele Armenräthe, eingefunden. Der Protector des Vereines, Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann war in Folge seiner Abwesenheit von Wien zu erscheinen verhindert. Eingeleitet wurde die Feier mit Sulzer's „Gepriesen sei die Stunde", vorgetragen vom Obercantor Herrn Bauer und dem Gesammtchor. Hierauf hielt der Bereinsobmaun, Herr Josef H. Waltuch, eine schwungvolle Ansprache, in welcher er das rasche Aufblühen des Vereines constatirte und der Befriedigung Ausdruck gab, daß der Verein schon im I. Gründungsjahre in der Lage war, eine so große Anzahl von armen Kindern vollständig zu bekleiden, ein Resultat, welches als glänzender Beweis der Nothwendigkeit des Vereines zu betrachten sei; er dankte hierauf den edlen Spendern, insbesondere dem Herrn Jacob Jaiteles für seine hochherzige Spende (Stoff für 250 Hemden) und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Ergreifend war es, als nach Absingung der Volks- Hymne aus der Mitte der betheilten Kinder ein kleines Mädchen hervortrat, um in schlichten, herzlichen Worten für die erwiesene Wohlthat im Namen der Kinder zu danken. Mit einer warmen Ansprache an die Kinder durch das Vorstandsmitglied Herrn Arnold Wiener und mit dem Bortrage von Sulzer's „Segen" schloß die erhebende Feier. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Samstag den 8. d. M. hielt stnä. MI. et tdeol. Moses S ch 0 r r im Vereinslocale einen Vortrag über „Jehuda Haleri". Dem Vortragenden gelang es, in der Einleitung zum Leben