Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 978 Vrprrrrtchiptzr Wochrnfchrifl Nr. KO Horowitz durch sein segensreiches Wirken an der Spitze der l Lemberger Cuttusgemeinde erwarb, sondern auch für die Loyalität und den Patriotismus erblicken, welche die gesammte Judenschaft Galiziens beseelen und. auf der galizischen Landesausstellung in erhebender Weise zum Ausdruck gekommen sind. Herrn Cultuspräses H. sind von Nah und Fern telegraphisch und schriftlich zahlreiche Zeichen der Sympathie zugekommen. Lemberg. In der letzten Cultusrathssitzung hat der verdienstvolle Vorsteher Landesadvocat Dr. Simon Schaff auf seine Ehrenämter in der Cuttusgemeinde resignirt. Dieser Entschluß des Herrn Dr. Schaff hat in ganz Lemberg allgemeines Bedauern hervorgerufen. Seit 20 Jahren sitzt Herr Dr. Schaff im Cultusvorstand und hat sich sowohl um die israelitische Volksschule, als auch um die Waisenhauszöglinge große Verdienste erworben. Aus diesemAnlasse fand eine Notablenversammlung statt, in welcher einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, an Herrn Doctor Sch aff eine Petition zu richten um Zurücknahme seiner Resignation und an den Culiusrath eine Petition zu richten, die Resignation des Herrn Dr. Schaff nicht anzunehmen. Eine Deputation von 10 Mitgliedern aus der Versammlung begab sich zu Herrn Dr. Schaff und überbrachte ihm eine von nahezu 280 Mitgliedern gezeichnete Bittschrift, welche ihm den Dank ausspricht für seine unermüdlich zwei Jahrzehnte andauernde Thätigkeit im Dienste der Gemeinde, und die Bitte vorträgt, auf der Resignation nicht zu beharren. Diese Petition zeichnet die Verdienste des Herrn Dr. Schaff in allen Zweigen der Cultusverwaltung und Armenpflege, seine Energie in Förderung hoher Ziele, sein schlichtes, bescheidenes Auftreten und spricht die Hoffnung aus, daß Herr Dr. Schaff für die Zukunft seine Kraft der Gemeinde nicht entziehen wird. Triest. Ihr geschätztes Blatt Nr. 49 bringt aus Lemberg einen Artikel: „Die Bedeutung der Schulstiftung des Baron Hirsch für die Cultur der Juden in Gilizien". Was darin über diesen seltenen, edlen Philantropen gesagt wird, ist eher zu wenig, als zu viel. Jedoch obwohl ich ganz einverstanden bin, dem seltenen Menschenfreunde die höchste Anerkennung zu zollen, berührt es mich dennoch unangenehm, wenn von den Vorarbeiten der Pionniere — gar keine Notiz genommen wird. Es kann durchaus nicht meine Absicht sein, die großartige Stiftung des Herrn Baron Hirsch zu unterschätzen, denn ich betrachte dieselbe als eine vollständige Erlösung von der Cheder- Wirthschaft . . . aber die grundlegende Wirksamkeit der Wiener israel. Allianz sollte doch, bei aller Hochachtung für den edlen Wohlthäter Herrn Baron Hirsch, nicht ingnocirt werden. Blättern wir in den verschiedenen Jahresberichten der Wiener israel. Allianz, aus der Zeit bevor die Stiftung ins Leben getreten ist, nach, so finden wir einen großen Theil der in Nr. 49 aufgeführten Gemeinden, in welchen die Stiftungs- Schulen zur Zeit bestehen, auch dort verzeichnet. Daß die Allianz nicht so viel leisten konnte, als die Stiftung, versteht sich von selbst, weil ihr die Geldmittel fehlten, aber, wenn heute neue Schulen eröffnet werden, so sind die großen Hindernisse durch die Wiener israel. Allianz (resp. ihrem gewesenen Secretär Herrn Dr. Friedländer) wieder zum großen Theile beseitigt worden. Durch diese Vorarbeiten sind heute schon die meisten Gegner von damals — von der Nothwendigkeit ordentlicher Schulen überzeugt. Was früher große Kämpfe kostete, geht heute, wo die Geldmittel vorhanden sind, mit Leichtigkeit. Zerko witz. Kolomea. Gelegentlich des Geburtstages des Baron Hirsch haben 39 Handwerkerlehrlinge, welche die hiesige Stiftungsschule absolvirt und hierauf auf Kosten der Stiftung bei Handwerkern Hierselbst untergebracht wurden, nachfolgendes Gratulationsschreiben an ihren Wohlthäter gerichtet: Sr. Hochwohlgeboren Herrn Moritz Freiherrn v. Hirsch in Paris. In tiefster Demuth und mit inniger Dankbarkeit wagen wir es. Euer Hochwohlgeboren, unserem Wohlthäter, zum Geburtstage ein langes, recht langes Leben in rüstiger Gesundheit zu wünschen und bei dieser freudigen Gelegenheit unseren tief empfundenen Dank für all die Wohlthaten, die uns durch die gütige Hand Euer Hochwohlgeboren bis nun zutheil wurden, auszudrücken. Arm, verlassen und hilflos standen wir da, unserer harrte eine schreckliche Zukunft, denn wir hatten keine Gelegenheit, etwas zu lernen, um das tägliche Brot später verdienen zu können. Da eröffneten sich für uns die freundlichen Thore Ihrer hierorts gegründeten Schule — wir traten ein, lernten fleißig und wurden nach Beendigung der Stiftungsschule auf Kosten der Stiftung theils bei Handwerkern, theils in der^ hiesigen k. k. Gewerbeschule untergebracht. Nun arbeiten wir fleißig und mit Ausdauer und werden bald selbstständig und ehrlich unser Stückchen Brot verdienen können. Was wir sind und was wir noch werden, haben wir vorerst dem Allmächtigen und dann Euer Hochwohlgeboren zu verdanken. Wir danken Gott, daß er uns Sie sendete, wir beten auch zu Ihm, daß Ec unseren Wohlthäter erhalte bis an die äußerste Grenze des menschlichen Daseins — daß unser Wohlthäter mit eigenen Augen schaue, wie aus den Tausenden armer Kinder tüchtige und nützliche Menschen heranwachsen zur Freude ihres großen Gönners und zum Heile des Judenthums — das nwlte Gott — Amen! Kolomea, (Galizien) den 6. December 1894. In tiefster Ergebenheit Wolf Czertkower, Tischlergeselle, freigesprochen am 28. Oktober 1894. Es folgen weitere Unterschriften von 3 Koffermacherlehrlingen, 11 Tischlerlehrlingen, 6 Drechslerlehrlingen, 5 Grlbgießerlehrlingen, 8 Klempnerlehrlingen und 6 Gewerbeschülern. Troppau. (EineNiederlagederAntisemiten.) Am 30. November und dem folgenden Tage wurden vor dem Troppauer Schwurgerichte zwei Anklagen wider den Redacte^r des deutsch-liberalen Blattes „FreieSchlesifchePresse", Herrn Victor Wurm, verhandelt. Die Verhandlung, besonders das Endurtheil, hat großes Aufsehen erregt. Die hervorragendsten Männer der deutschnational-antisemitischen Partei Trvppaus traten als Ankläger auf. Der Führer dieser Partei, Advocat R o ch o w a n s k i, Bürgermeister von Troppau, vertrat die Anklage. Die erste der von Dr. Rochowanski vertretenen Anklagen beschuldigle Herrn Victor Wurm, daß er den Redacteur des hiesigen deutschnational - antisemitischen Wochenblattes „Deutsche Wehr", Herrn Joseph Freistilg er, durch auf ihn passende Kennzeichen verächtlicher Gesinnungen geziehen und dem öffentlichen Spotte ausgesetzt habe. Das antisemitische Wochenblatt hatte eine hochgeachtete hiesige Dame, die Frau eines hiesigen liberalen Führers, in unhöflichster Weise angegriffen. Dies wies das deutsch-liberale Blatt in einem allerdings sehr scharfen Artikel zurück, in dem über den Verfasser der Angriffe äußerst abträgliche Aeußerungen Vorkommen. — Die zweite Anklage wurde von dem Ausschüsse des Vereines „Deutsche Wehr", welcher das erwähnte antisemitische Wochenblatt „Deutsche Wehr" herausgibt, d. i. von den Herren Dr. Ruhen st rot h, Dr. M o h i l l a, Hugo Hampel und Eugen B u b e n i k, gegen denselben Redacteur Victor Wurm erhoben, weil er in einem Artikel von dem Gelichter gesprochen hatte, das hinter der „Deutschen Wehr" stehe. Die erwähnten Herren bezogen diesen Ausdruck auf sich, da sie an der Spitze des Vereines „Deutsche Wehr" stehen, und erhoben daher die Anklage. Die Verteidigung führte der Troppauer Advocat Dr. Eisler. Die Verhandlung nahm ei"en für die Ankläger äußerst ungünstigen Verlauf. Aus den Zeugenaussagen ging hervor, daß das antisemitische Blatt auf die bloße Klatscherei hin, daß die erwähnte Dame einen Artikel für das deutsch-liberale Tagblatt geschrieben habe, über dieselbe in denkbar unhöflichster Weise hergefallen sei. Der Vertbeidiger Dr. Eisler führte aus, daß, so scharf die Abwehr des deutsch-liberalen Blattes gewesen sein mag, sie doch nicht vereinzelt, sondern in Verbindung mit den seit Jahren fortgesetzten ganz unglaublich rohen Angriffen des antisemitischen Wochenblattes gegen die angesehensten Männer Troppaus, Schlesiens, ja ganz Oesterreichs aufgefatzt werden müsse. Dr. Eisler führte eine Blumenlese aus der „Deutschen Wehr" an, die allerdings an Rohheit und Gehässigkeit kaum noch übertroffen werden könne. Er legte dar, wie seit dem Erscheinen der „Deutschen Wehr" der Geist des Hasses und der Verhetzung in die Stadt und das Land eingezogen sei. In jeder Nummer der „Deutschen Wehr" werde gehetzt und geschimpft, Unfriede und Gehässigkeit in die Herzen gesäet. Die gröbsten Beschimpfungen werden angewendet; nicht so sehr die politischen Ansichten als die Privatehce werde angegriffen. Die „Deutsche Wehr" sei die Ablagerungsstätte aller Angriffe, welche sich gegen unbescholtene Personen erdenken lassen. Die offenbare Absicht trete zu Tage,