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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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.■va«*rasäum . j^esssamas&^ Nr. 50 russischen Maaren auf den genannten Märkten, indem die Moskauer Kaufleute die schlechtesten Maaren dahin schicken, und dafür die höchsten Presse verlangen. Diese „Tendenz" des Moskau'schen Handels — heißt es ferner wörtlich — wurzelt vor Allem in den Sitten und in dem Charakter der Moskauer Kaufmannschaft, und deswegen isl's besonders schwer dagegen zu kämpfen." So der interessante Bericht des amtlichen Blattes. Natürlich mußten sämmtliche Blätter dieses „Regierungs Communiquä" nolens volens reproduciren, und auch die „Nowoje Wremja" mußte ihren, jahrelang irregeführten Lesern die bittere Wahrheit offenbaren, daß der russische Export nicht etwa durch die erlogene jüdische Exploitation, sondern durch die officiell bestätigte „Ungewissenhaftigkeit" der autochthonen Kaufmannschaft, die übrigens in ihrem „Charakter und in ihren Sitten" wurzelt, ruinirt wird. Noch mehr, dieselbe „Nowoje Wremja", die jahrein jahraus die Vertreibung der Juden aus den Handelscentren und die Befreiung des „russischen Handels" von ihrer „unlautern" Concurrenz verlangte, vergißt jetzt plötzlich alle ihre „Traditionen", und schreibt in Bezug auf obigen amtlichen Bericht Folgendes: Da die Moskauer Kaufmannschaft, die sich nur von ihrem eigenen Interesse leiten läßt, (das ist eine Phrase, die man sonst nur auf Juden verwendete), es vorzieht, zu Hause bedeutenden ttnd sichere »Gewinn einzu st ecken (weil sie nämlich durch die Ausweisung der Juden aus Moskau von dem „unlauteren Wettbewerb" befreit wurde), und infolge dessen die ihnen mit großen Vergünstigungen eröffnten auswärtigen Märkte vernachlässigt (!), so bleibt nichts Anderes übrig, als die innere Concurrenz zu beleben und zu verstärken... Mit anderen Worten: Die „Nowoje Wremja" bläst zum Rückzug und spielt auf die Eventualität an, daß man die Juden nach Moskau wieder berufe. . . Ja, das war ein Jammer, zu sehen, wie die „Nowoje Wremja" sich selbst durchprügeln mußte. Der „Regierungsanzeiger" publicirt die Verleihung hoher Orden an zwei jüdische Aerzte, die sich im Dienste des „Rothen Kreuzes" besonders ausgezeichnet haben. Interessant ist die Thatsache, daß das Decret der Ordensverleihung vom 20. October datirt ist, also vom Todestage des verewigten Kaisers. Merkwürdig ist's daß unsere Minister vorläufig von der „neuen Aera" nichts wissen wollen und unverdrossen im Geiste des „aueisu rägime“ weiter wirken. In diesen Tagen hat noch das Ministerium der „Volksaufklärung" ein Circular an die Curatoren sämmtlicher Lehrbezirke erlassen, sie auffordernd, dafür Sorge zu tragen, daß in christlichen Häusern keine jüdischen Haus- oder Hilfslehrer (sogen. Repetitores) gehalten werden. — O „heiliges" Rußland, wann wirst Du endlich profaner, d. h. menschlicher werden? Nemo. P. 8. Soeben berichtet die „Nowosti", daß Se. Majestät Kaiser Nicolaus II. seinen Bruder Sergius, General- Gouverneur von Moskau, telegraphisch beauftragt hat, dem Moskauer Rabbiner und den Moskauer Jud en den allerhöchsten Dank zu eröffnen für ihre Gratulationsdepesche. Der Dank des Kaisers ist in besonders huldvollen Worten ausgedrückt, und erregt die Form desselben außerordentliches Aufsehen. Nemo. Warschau, 6. December. Der Zeitung „Wschod" (Orient) zufolge ist die Ausweisung der Juden aus dem Grenzrayon von 50 Werst auf Verfügung des Ministers des Innern eingestellt worden. Der kaiserliche Ukas, welcher das den Juden die Ansiedlung innerhalb 50 Werst von der Grenze untersag end e Gesetz aufh ebt, steht nach dem „Wschod" für die nächste Zeit bevor. Krakau, 11. December. Nach Warschauer Berichten ist mehreren jüdischen Familien aus G a l i z i e n und Deutschland auf ihr Ersuchen an den C z a r derAufenth a l t in W a r s ch a u für unbestimmte Zeit gestattet worden. Derartige Gesuche wurden bisher von Gurko ausnahmslos zurückgewiesen. Seite 975 New-Horkrer Briefe. 30. November. Die Stadt New-Aork mit ihrem weltberühmten Hafen und ausgebreiteten Handelsverkehr bildet das weite Thor, durch welche die Europamüden ihren Einzug bei uns halten, um sich entweder hier bleibend niederzulassen oder nach kurzem Aufenthalte ihre Weiterreise anzutreten. Bon den jüdischen Einwanderern, vornehmlich seit dem großen Exodus aus Rußland anno 1882, haben sich in der Regel Zweidrittel derselben entschlossen, Bürger unserer Stadt zu werden, und ihre Zahl ist in den verflossenen zwölf Jahren so stark angewachsen, daß es aus dem ganzen Erdenrund keine Stadt gibt, welche sich an jüdischen Einwohnern mit der unserigen messen kann. Wohl hat die Einwanderung in Folge der allgemeinen Geschäftsstockung im Laufe dieses Jahres ganz bedeutend abgenommen und sind vielmehr Tausende von hier nach ihrer alten Heimat zurückgekehrt, weil ihnen hier der Kampf ums Dasein zu schwer geworden: trotzdem zählt New- Jork nicht weniger als dreimalhundert Tausend jüdische Seelen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, werden aber auch noch ferner andere Tausende ihr altes Vaterland aufsuchen, trotzdem es sie so stiefmütterlich behandelt hat. Sie wollen eben nur die Nachricht abwarten. daß der junge Czar „das schwere Joch erleichtert, welches ihnen sein Vater auferlegt hat," und es scheint, daß ihre Hoffnung aus bessere Tage in Rußland keine unberechtigte ist. Als Beleg dafür diene folgende Thatsache. Der hiesige russische Consul ließ in den hier erscheinenden jüdischenJargonzeitungenein Inseratveröffentlickien.in welchem er alle russisch-jüdischen Unterthanen, welche Kaiser N i c o l a u s ll. Treue schwören wollen, auffordert, sich am Freitag den 16. November im Consulate 24 Itale Street einzufinden. Zur anberaumten Stunde versammelten sich am angegebenen Orte einige hundert Personen, welche an der maladie Ja pays leiden, und der Andrang war so groß, daß d.'e Polizei requirirt werden mußte. Es fehlte nur noch der Ausruf: „Laßt uns ein Oberhaupt wählen und nach Mizrajim zurückkehren!" „Sonderbares Völkchen!" Jndeß ist diese sonderbare Handlungsweise nicht etwa wie bei unseren Vorfahren in der Wüste der Lüsternheit nach den Delicateffen zuzuschreiben, welche sie daheim in Fülle hatten, hier aber entbehren müssen, denn an Magenfreuden ist hier wahrlich kein Mangel. In der Lester street, dem Marktplatze in der Mitte des freiwilligen Ghettos unserer russischen Glaubensbrüder, werden täglich Fische um nur zwei Cents per Pfund feilgeboten. Die besten Sauergurken, die saftigsten Zwiebel sind zu Spottpreisen zu haben. In unserem Ghetto werden mehr Häringe consumirt, als in den gesummten Vereinigten Staaten. Auch an Süßigkeiten fehlt es nicht und findet man da Karren voll beladen mit Bananen, mit Schnitten von Ananasäpfeln, von Zucker¬ und Wassermelonen, um nur einen Cent (der Cent ist unsere kleinste Münze), welche wohl duftiger und schmackhafter sind, als die gedörrten Apfelschnitten in Berditschew. Tatsächlich sind alle Lebensmittel hier zu Lande bedeutend wohlfeiler als in irgend einem Lande Europas. Diese unglücklichen Menschen gehören eben zu jenen Claffen von Einwanderern, welchen die Scholle der alten Heimat noch an den Sohlen klebt; sie werden hier niemals festen Fuß fassen und bis an ihrLebensende in der Schwebebleiben.UnserLand, das bekanntlich einen guten Magen hat, Erez ochelet jöaeh’veha, kann sie nicht verdauen. Wir sind eben nicht affimilirbar. Da sind in erster Reihe die geistesarmen und zugleich muskelschwachen Menschen, die schon in der alten Heimat gewohnt waren, von der Hand in den Mund zu leben. Von Bettlern geboren und zum Bettelstanderzogen, sind sie nach dem Dollarlande ausgewandert in dem guten Glauben, daß ihre Zunft hier nicht auf so große Concurrenz stoßen wird wie in ihrer Heimat. Diese bilden das „Asafsuf“ ber russischen Einwanderung. Sie werden hier niemals auf einen grünen Zweig kommen. Leider ist hier auch kein Boden, auf welchem die eingewanderten Talmudisten, Hebräisten, hebräische Dichter und Schriftsteller, hebräische Grammatiker rc. gedeihen können. Sie können ihre specielle Gelehrsamkeit hier nicht verwerthen; ihr Wissen ist hier zu Lande kein gesuchter Artikel. Es wird ihnen schwerlich gelingen, sich aus eiqener Kraft emporzuarbeiten. Glücklicherweise bilden die erwähnten Claffen nur eine geringe Minorität. Die Mehrzahl der russischen Einwanderer besteht aus arbeitsamen, nüchternen und sparsamen Menschen, die Oestrrrrichischr Wochenschrift

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