Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 50 Vrstrrrrdhiptzr Wochrnfchrifi »Seite 973 Cassierin des Sitzes, die holde Jungfrau zwischen den chinasilbernen Aufwärtern mit den Zuckertäßchen, als Ehegemalin heimsühren werde — wir bestellen unsere treugermanische Einrichtung beim Pferdefleischhacker. — Der Hufschmied besorgt die Decoration der Wohnräume. u>nd die Rabenflügel werden wir uns schon verschaffen. Außerdem werden Trinkhörner, Humpen, Kannen, Becher und andere Nippgegenstände aufgestellt. Die Bildnisse Schönerer's, Bismarck's Wotan's und Hauck's werden die Wände schmücken. Zwei Raben „Lugin" (Gedanke) und „Munin" (Erinnerung) saßen bekanntlich auf den Schultern des „rabenumrauschten Runenvaters" oder „runenumrauschten Rabenvaters". Deshalb muß eine ostmarkgäuerische, rassenreinnarische Wohnung mit Rabenfedern garnirt (ein, Der Huf bedeutet die Vernagelung, welche bei keinem Deutsch-Rationalen fehlen darf. Und die „Roß Zöschen bringt die Treue zum alten W)tan zum Ausdruck"?') Mila bekommt von mir einen B.aulschmuck aus — Wolfszähuen, denn dem als Schmuck getragenen Wolfszahn kommt dann eine ähnliche Sinndeute mit Bezug auf die Himmelswölfe zu, wie die als Zimmerschmuck verwendeten Rrbenflügel an Lugin und M nun gemahnen. Ich bin ein begeisterter Anhänger der alten Religion. D e Bärenhaut habe ich schon se t Jahren eingeführt und das Saufen ist mir eine heilige Sache. Weihnachten naht heran! Jh als alter, germanischer Heide mache grundsätzlich keine Weihnachtsgeschenke. Um aber die Anderen in ihren religiösen Gefühlen nicht zu verletzen, habe ich mich entschlossen, solche — an;unehmen. Voriges Jahr hat dieser boshafte sogenannte Mensch und Zählkellner Johannes mir von Mila eine Schlummerrolle von eckigenGlasperlen sticken lassen. Ein nichtswürdiger 'Geselle das, der soeben wieder Geld von mir verlangt hat. Gemeine Seele! Immer denkt sie nur an Geld. Ich soll ihm seine dumme R'chnung bezahlen! Da hat er sich aber verrechnet. Der Mensch begehrt in seiner U lverschämtheir eine Ausnahmsftellung in der N atur. Gerade ihm soll lch bezahlen. Warum denn gerade ihm und nicht auch am Ende gar allen Anderen? Er hat mir auch baares Geld geliehen, meint er. Sonderbar, daß die Geldgeber eigentlich Geldnehmer sind! Bei mir verfängt das aber nicht. Der kann mir lange kommen, denn ich hasse alle Mahner, auch die Kadimahner! „Schaff' mir lieber etlichen Cognac zur Stelle, aber rasch Du lästiger Mensch der Zahl und schau dazu, daß bald ein Paar ordentliche Roßschädel über die Kaffeehausthür genagelt werden!" So habe ich, Teutobold, der rassenreine, zu dem Knechte gesprochen. Er hat den Cognac gebracht und die „Unverfälschten" daneben gelegt. Ich habe gleich unter den neuesten Nachrichten geschaut, wie es dem Wotan geht. Er ist gesund und läßt Dich grüßen. Die Walküre und Speerjungfrau Mila hat mir soeben zwei Spieße geliehen, das herrliche Mädchen. Johannes hat Geld bei mir gewittert und ist gleich wieder mit seiner albernen Rechnung gekommen. Ich habe ihm jedoch deutlich zu machen versucht, daß nach meiner Auffassung Ratenzahlungen unmoralische. Handlungen sind. Er ließ nicht locker. Als ich ihm aber erklärte, ich hätte das Geld — verloren, da ließ er mich endlich in Ruh'! Servus Pumpo! U. D. G. Teutobo ld. Noch ein Work zum Gesetze übex die Sonntagsruhe. Hochgeehrte Redaction! Dank der in Nr. 45 Ihres geschätzten Blattes gegebenen Anregung hat in Galizien wenigstens die Action der jüdischen Bevölkerung in Angelegenheit der Sonntagsruhe erfreulicherweise sich entwickelt. Von den Petitionen der Brodyer Handelskammer und der Versammlung der jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden der industriellen Stadt Ko lome a, haben Sie bereits in der vorigen Nummer Erwähnung gethan. Nunmehr haben die Culcusgemeinden von ganz Galizien ähnliche Petitionen an b ade Häuser des Reichsrathes und das Handels-Ministerium abgehen lassen und die Gewerbetreibenden von Ja ros lau hoben separat eine Petition in. dieser Sache an das hohe Abgeordnetenhaus abgesandt. Die jüdische Bevölkerung unseres induftriearmen Landes befindet sich in größter Aufregung, denn sie sieht, daß igre grnze Existenz der Vernichtung ausgesetzt ist. Die Irden in den entlegenen Kleinstädten halten Fasttage ab, wo sie Bußgebete verrichten, um Gottes Beistand zur Abwehr der der armen jüdischen Bevölkerung drohenden Vernichtung zu erflehen, denn ein solcher Schlag gegen die breitesten und ärmsten Schichten des jüdischen Volkes wie er durch das vom Ausschüsse des Abgeordnetenhauses beschlossene Gesetz über die Sonntagsruhe geplant wird, hat die Inden während der garzen zweitausend Jahre ihres Exils noch nicht getroffen. Es gab Z-iten und Länder, wo man die Juden ganz vertrieb, oder sie im Lande todtschlug, allein wenn man sie im Ltnde wohnen ließ hat man ihnen die Ausübung des ihnen zugestandenen Gewerbes nie gfftört. Denn man wußte ja, daß sie nur durch diese Arbeit sah am Leben erhalten können. Jetzt aber, wo ihnen das Wohnen in Oesterreich gesetzlich g'sichert ist, will man ihnen mit Gewalt durch zweieinhalb Tage der Woche das Arbeiten verbreten oder sie zur S händung ihrer heiligsten Religionsgebote zwingen. Das ist eine andere Art der Vernichtung in Form von Aushungern, das ist nämlich nicht blos die Entziehung eines ganzen weiteren Arbeitstages per Woche, sondern der Jude wird dadurch gegenüber Jedem seiner christlichen Concurrenten kamp'- und concurrenzunfähig gemacht. Geht das Gesetz in seiner vom Ausschüsse beschlossenen Form durch, so macht man fünfzigtausend Familien, die heute noch selbstständige und steuerzahlende Existenzen bilden, zu Bettlern und vermehrt das galizische Bettlerprotetariat um circa dreimalhundertrausend Seelen, das alles nur, damit die Herren Lueger und L i ech t e n st e i n mit den beiden liberalen CabinetsMitgliedern zufrieden sind und erklären können, daß sie deren Wirksamkeit mit Genugthuung begrüßen. Hätte die Regierung hier nicht nur die Stürmer und Drängerdieses Gesetzes, sondern wie es in der Welt Brauch ist, auch die anderen Parteien und speciell die autonomen Behörden der in exzeptioneller Lage befindlichen Kronländer Galizien und Bukowina befragt, so hätte sie sich sofort überzeugt, daß für diese beiden Länder die Nivellirung, wie sie mit dem in Rede stehenden Gesetze beabsichtigt wird, nicht durchführbar ist, ohne die staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte von einer halben Million Unterthanen zu brechen und dieselben zu Bettlern zu machen. Allein die Regierung trifft hier nur eulpu levis, denn sie war sich vielleicht der Tragweite dieses Schrittes nicht voll bewußt. In ihrer unmittelbaren Umgebung haben die Juden den Sabbath längst zu feiern aufgehört, sie mochten daher vielleicht glauben, daß derselbe auch für die übrige Judenschast obsolet geworden ist. Die Juden sahen zu, wie Emissäre der CH istlich-Socialen Jahre hindurch das Land bereisten und Unterschriften für die Verschärfung der Sonntagsruhe erbettelten und erschlichen und thaten dagegen nichts. Sie ließen die Gelegenheit, wo die Regierung den Gesetzentwurf vorlegte und der Ausschuß denselben berieth, vorübergehen. Es ist wahr, die Classe der von diesem Gesetze in erster Linie Bedrohten, ist überhaupt rathlos, denn sie besitzt weder Geld noch Einfluß, aber Jene, die ihre geistigen Führer sind oder es sein sollen, tragen an dieser Unterlassungssünde die größte Schuld. Bei allen anderen Nationen sind es die Höchstgestellten und Einflußreichsten, welche für die Rechte ihres Stammes kämpfen und denselben gegen Angriffe schützen, bei den Juden *) Wörtlich aus den „Und. D. W." Nr. 22, S. 287.