Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Desterretchtschr Wochrnschrtfl ’Jix. 50 \seite 972 zusammen, oder gar nach ihm selbst, der jedes alte Weib übertrifft. Ec zieht, ist der Fall besonders schwierig, einen hervorragenden Beuschelspecialisten, welcher sich auch^auf Schröpfen und Aderlässen versteht und unseren ersten Lllampiliogen zu Rrthe. Wird dem Patienten da nicht gut, so ist ihm eben nicht zu helfen. Diese drei alten Weiber behandeln noch nach der alten, confeffionellen Schule. Nur keine Judendoctoren, die waren niederträchtig g'nug, den Antisemiten — zu curiren; die sind Alles im Stande. Dann sind wir noch die schlechten und gemeinen Kerle, wenn wir weiter gegen die miserablen Jaden losziehen — wir kennen das. Ich geh' keinem Semitendoctor mehr auf den judenliberalen Leim. Die machen uns aus angeborener Bosheit gesund. Das ist, mußt Du wissen, o Pumpo, eine grundschlechte Bande . . . Mit dem Heilserum hätten sie gern ein gutes Geschäftchen gemacht. Das haben wir ihnen aber gründlich verdorben. Wir A ltifemiten geben unsere Kinder absolut nicht zu Experimenten her, nicht einmal die unehllichen. Die jüdischeDiphtheritis sollen sie, so viel sie wollen, mit ihrem koscheren Gansfettserum curiren — an unsere arische Diphtheritis sollen sie nicht rühren, die geben wir unter keiner Bedingung her. Die gehört uns, die soll bei uns bleiben, Punktum und Streusand! Auch die Cadaoer ch'i'tiichm Glaubensbeken rtnisses sollen und dürfen nicht mehr zu wissensch rftlichen Zw'cken zur Section kommen. Sectionschef Gregorig duldet es durchaus nicht. Da studiren die Juden alle möglichen neuen Krankheiten heraus, die uns gerade noch abgehen. Gregorig ließ im Anatom esaal einen Bogen circuliren, worauf ein flammender Protest ungefaßt war. Er hatte aber entschiedenes Pech damit. Nicht ein einziger arischer Leichnam hat ihn unterzeichnet, was ich für eine Gesinnungslosigkeit sondergleichen halte. Wenn die Herren Juden durchaus Anatomie studiren wollen, so sollen sie sich gefälligst selber die Mühe geben und sterben. Ich glaub's recht gern, daß das ein Genuß und ein Vergnügen ist, so den ganzen lieben Tag im Anatomie- Saal stehen und seciren — aber wartet nur ihr Semiten, wir wollen Euch die Freude scho i ein bischen versalzen! Die möchten fort und fort seciren und studiren und dann die Examina mit Erfolg ablegen, während für die arische Studentenschaft einer rein deutschen Hochschule — o Schmach und Schande —■ die Rigorosen blos Dornen haben. Wir, die wir uns von Früh bis Abend im Kaffeehaus mopsen, werden behandelt, als ob wir gar nicht da wären. Schlau ausgcheckr, Ihr Herren Semitlein, aber Ihr habt doch die Rechnung ohne das Wirthsvolk gemacht. Wir haben da auch noch ein Wortlein dreinzureden; gar so einfach geht die Sache denn doch nicht, wie Ihr das meint! Heut komme ich einmal aus dem Aerger nicht heraus. Geradezu infam hat sich diese Judenpresse in dem Fall Scherzer, welcher bekanntlich ein tiefer war, betragen. Das Geld ist verloren und bleibt verloren, darüber ist weiter gar nichts zu reden. Das Verganiblatt hat sich in dieser Sache ganz anders betragen und sich auf's hohe, moralische Roß geschwungen. Die Juden haben sich schon gefreut, wie der Zaubergewaltige angekündigt hat: „unsere Partei duldet keine Schurken." Sie haben nämlich diese Versicherung wörtlich genommen und mit der unmittelbar bevorstehenden gänzlichen Auflösung, der antisemitischen Parteiorganisation für identisch gehalten. Das war aber nicht so gar ernst zu nehmen. Vergani hat das vermuthlich nur irgendwo aus einem alten, schwedischen Traumbüchel abgeschrieben, ohne weiter viel darüber nachzudenken. Der Arme sitzt übrigens schon wieder tief in der Copirtinte. Allvater Schönerer veröffentlicht eben hochintereffante, unverfälschte Briefe Lehrner's über Bergani, aus denen man so Manches „lehrnen" kann. Da aber von allen Wechseln die G.'stnnungs- und Briefwechsel Vergani am allerwenigsten touchiren, hat er dem Lehrner inzwischen, wie das „Volksblatt" erzählt, größmüthig verziehen. Schönerer drückt fort und Vergani verzeiht — Woche für Woche, so weit es eben erschienen ist: „Verzeihung folgt in der nächsten Nummer." Der Edelsinn Vergani's ist wirklich bewunderungswürdig, wenn man bedenkt, daß sogar ein Anschlag auf sein kostbares Leben — und Vergani ist kostbar, das geben sogar seine erbittertsten Gegner zu — gemacht wurde. In einem Beiefe heißt es: „Vergani muß ganz und gar verschwinden." Es ist auch möglich, daß damit nicht gerade ein Mordversuch geplant war, sondern das interessante Zauberkunststück: Verschwinden einer schönen Dame. Du kennst das Pumpo. In einen Kasten wird ein Stuhl gesetzt und die Dame nimmt Platz. Die Thüren werden geschlossen — wieder geöffnet — die junge Dame ist auf unerklärliche Weise verschwunden. Vergani hat das Kunststück — er ist ungemein zaubergewaltig — selbst oft, allerdings nur mit Geldbeträgen, auch größeren und mit diesen nur um so lieber — versucht und es ist jedesmal vollkommen gelungen. Lehrner und Hauck legten mit größter Vorsicht 15.000 Gulden in die Cissa des „Deutschen Volksblatt" ein — im Nu war das Geld verschwunden. Die Briefe m den „Unverfälschten" schildern die hiebei beobachteten Vorgänge mit einer dem Vergani peinlichen Genauigkeit. Lehrner hatte sogar einmal die Ab> sicht, im Landesgerichte nachzusehen, ob das Geld nicht vielleicht dorthin escamotirt worden sei. Dadurch unterscheidet sich die Zaubergewalt Vergani's wesentlich von der Bos co's, Professor Her man n's und aller anderer Tausendkünstler. Gab man denen ein Geldstück, so ließen sie es verschwinden und stellten es nach der-Production unter verbindlichem Lächeln und Dank zurück. Vergani lächelt auch — aber zurückgeben thut er nichts. Der dem „Deutschen Volksblatt" vorgestreckte Betrübsfond ist gründlich verschwindelt. — Was Lehrner von der „Gemeinheit und Lügenhaftigkeit" Vergani's erzählt, hat ihm dieser gleichfalls in einem Aufwaschen verziehen. Die Verzeihung Vergani's kostet S ch 5 n e r e r eine M:nge —Ausrufungszeichen, mit denen er Lehrner's Briefe glossirt. Der Führer der Ostmarkgäuer ist immer nobel und auf ein Paar Ausrufungszeichen kommt es ihm nicht an: ,,Jedermann, der leidenschaftslos diese Zeilen liest, wird zur Ueberzeugung gelangen, daß Vergani vollkommen c o rrectund als Ehrenmann gehandelt hat. (!!!!!)" ,,Indem ich Ihnen diese Zeilen zu Ihrer beliebigen Verfügung einsende, erkläre ich, daß alles hier Gesagte, wie schon erwähnt, vollständig den Thalsachen entspricht und ich nur das n i e d e r g e s ch r i e b e n habe, was ich jederzeit und vor Jedermann beeiden könnte. (!!!!!!!!!!!!)" Sogar einen Ehrenmann hat also der Lehrner den Vergani geschimpft und er hat ihm doch verziehen — allerdings einen „gemeinen, lügenhaften". Da sind 12 Ansrusungszeichen entschieden zu wenig. Unter!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! thäte i ch es in diesem Falle nicht. Verlassen wir die hohe Politik, mein Pumpo, und reden wir von etwas Anderem, z. B. vom „Roßschädel, Hnfeisen und Rabenflügel" in ihrer Bedeutung als germanische „Haussier". Die „Unverfälschten" brachten einen wundervollen Aufsatz hierüber, dem ich vollinhaltlich beistimme. Wir Deutschen müssen zur Religion der alten Germanen zurückkehren und Wotan, Freya und namentlich unseren Hauptgott Thor anbeten. Auch Rheingold, Walküre und Götterdämmerung'. Der Christ habe seinen Weihbrunn, der Semite seine Mesusa — aber der urgermanische Deutschvolkter „Pferdeschädel, Hufeisen uud Rabenflügel".*) Ich habe mir schon beim Schinder einige Roßschädel auf Ratenabzahlungen bestellt. Wie sie kommen, werden sie in mein Zimmer genagelt als Supraporten. Das wird herrlich aussehen, nicht wahr, Pumpo? Ich laß mich nicht vom Tapezierer einrichten, wenn ich einmal die liebreizende *) Herr Teutobold erlaubt sich hier durchaus keinen Scherz und keine Uebertreibung. Schönerer, macht thatsäüilich für die heidnische Göttermythologie ernsthafte Propaganda. Bergl. Nr. 22 und 23 der „U. D. W." Die Redaction.