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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 971 MSKBBbIiCJEh£MiK?^7««-' ü-*ZT* nr*X9äM\ Nr. 60 Vrprrrrvtztkchr VochrnptzrM feiern als andere ehrliche Leute; denn Fürsten und Herren sind ihre Gefangenen, die sie also mit ihrem wucherischen Gelde gefangen nehmen, daß sie thun müssen, was sie ihnen vorschreiben. Desgleichen sind Land und Leute ihre Mancipia oder eigenthümlichen Knechte, die sie mit ihrem unchristlichen Wucher aussaugen und verderben, und wollen dazu noch Christen sein. Wenn ein armer beschnittener Jude eine Woche von einen Gulden einen Pfennig nimmt, so schreit ein Jeder Mordio darüber. Wenn aber ein unbeschnittener Christ njude eine Woche von einem Gulden einen Dreier oder Kreuzer, fa wohl einen Groschen nimmt, das heißt nicht mit dem Judenspieß gelaufen. Item der armen Juden kleiner und geringer Wucher sticht allen Leuten in die Augen, es schreit Jedermann über sie und will sie verjagt haben; wenn aber die Christenjuden vom Hundert 10, 13, 15 oder mehr nehmen, schlagen ihr Geld etliche Mal um in ihren Wechseln, da ist Niemand, der diese gedenkt zu verjagen." Vielleicht ist es lehrreich, diese alten Zeugnisse heute aufzufrischen. Der Jude als Soldat. Das nachfolgende Schreiben war an den Kaufmann Mannheim Kohn in Samotschin in Deutschland gerichtet. Adelnau b. Belfort, d. 5./1. 1871. Euer Wohlgb. muß ich leider die sehr traurige Mittheilung machen, daß Ihr Sohn am 3. d. M., Morgens 4 Uhr, im Lazareth zu Chatenois am Typhus verstorben ist. Möge der Himmel, der alle Wunden heilt, Ihnen und den Ihrigen Kraft geben, diesen herben Schmerz zu ertragen und Sie trösten, Menschen vermögen es nicht, und wenn ich mir erlaube, Ihnen noch Einiges über Ihren Sohn mitzutheilen, so thue ich es in der Hoffnung, Ihr betrübtes Baterherz in etwas aufzurichten. Seit Beginn des Krieges hat Ihr Sohn sich fast fortwährend in meiner unmittelbaren Nähe befunden, und habe ich daher Gelegenheit gehabt, ihn genau kennen zu lernen. Er war als Mensch wie als Soldat gleich ausgezeichnet und an seiner treuen Pflichterfüllung konnte sich Mancher ein Beispiel nehmen. Stets auf dem Posten, war er Tag und Nacht bereit, die schwierigsten Aufträge zu übernehmen. Er hat es verstanden, sich die Liebe seiner Untergebenen und die Achtung seiner Vorgesetzten in hohem Grade zu erwerben. Sein Tod auf dem Krankenlager ist für uns Alle ein Verlust und die uns gestern Abend darüber zugekommene Nachricht hat allgemeine Betrübniß hervorgerufen. War es für ihn Bestimmung, in diesem Kriege sein Leben für das Vaterland zu opfern, so hätte er den Heldentod auf dem Schlachtfelde verdient, statt im Lazareth an dieser schrecklichen Krankheit zu sterben. Grund zu seiner Erkrankung war der sehr angestrengte Borpostendienst und der lange, aufreibende Aufenthalt im Cantonnement Cherement, wo wir einen Monat lang stets feindlichen Geschossen ausgesetzt und weder Tag noch Nacht Ruhe hatten. Am 18. v. M. verließen wir diesen Ort, um eine noch schwierigere Aufgabe zu erfüllen. Ihr Sohn, der sich schon damals unwohl fühlte, dessen Diensteifer es aber nicht duldete, sich krank zu melden und dessen Kraft auch wohl durch die in diesen Tagen erfolgte Ernennung zum Osficier zu den letzten Anstrengungen angespornt wurde, zog noch am 19. mit uns auf Borposten, von wo ich ihn nach seinem Cantonnement Meroux entlassen mußte, da er nach 20stündigem Aufenthalt unter freiem Himmel zusammenbrach. In den ersten Tagen wurde er durch den Arzt des Bataillons im Cantonnement behandelt, und habe ich ihn dort noch wiederholt gesehen, als das Bataillon aber am 24. nach andern Ortschaften verlegt wurde, mußte er in das Lazareth geschafft werden. Indem ich Ihnen nochmals mein aufrichtiges Bedauern über den Sie betroffenen harten Verlust ausspreche, bin ich mit Achtung Ihr ergebenster von Manstein Hauptmann und Bataillonsführer im 1. combinirten Pommerschen Landwehr-Regiment. Ein jüdischer Oberst ^und ^sein jüdisches Regimenr. Das „Fr. Bl.", bringt m Nr. 124 jiiiS _ polnischen Quellen authentisches Material über den jüdischen Obristen Bereck Josielowicz. Mit Genehmigung Koscziuskos erließ er im Jahre 1794 einen Aufruf zur Bildung eines jüdischen Reiter-Regiments. (Der Ausruf ist in der Biographie Koscziuskos von Carl F a lk enfte i n, Secretär der Dresdener Bibliothek, citirt.) Bei der Erstürmung Pragas, der Vorstadt Warschaus, durch Suwarow' kam der größte Theil des Regiments um, Josielowicz rettete sich mit wenigen Ueberlebenden zu der polnischen Legion Dombrowsky's und machte mit dieser später die Napoleonischen Feldzüge mit. Im Jahre 1809 siel er in einem Treffen zu Kolp bei Serokomla (zwischen Siedler und Lublin) an der Spitze seiner Leute. Bei der am 23. December 1809 in der „Gesellschaft der Warschauer Freunde der Wissenschaft" abgehaltenen Feier feierte Stanislaus Potocki das Gedächtniß Berecks, der für das Vaterland in den Tod gegangen. Friedrich A u g u st von Sachsen als Fürst von Warschau setzte unter Gegenzeichnung des Staatssecretäis Stanislaus Brezck 1810 Bereck's Witwe eine Pension von 1800 fl. aus. Unter Bereck hatte 1809 auch dessen Sohn Joseph Kerkowitz Josielowicz gefochten, der nochmals im Ausstande von 1830 seine Glaubensgenossen zum Kampfe für ihr Vaterland aufrief. Nach dem unglücklichen Ende des Kampfes siedelte er nach Frankreich und später nach England über, wo er in den Vierziger-Jahren starb. Zum Andenken an den jüdischen Patrioten heißt eine Krackauer Gasse „Bereck Josielowicz-Gasse". Dies sind in gedrängten Zügen die Miltheilungen des obengenannten Blattes, denen wir noch entnehmen, daß von Glaubensgenossen Bereck's unter Napoleon Hauptmann No tk i e w i c z, Major Kaspar I u n g h o f, mit dem Militärkreuze vlrtuti militari ausgezeichnet, der Jägerhauptmann Mordche Rosenfeld und Andere sich hervorthaten. Teutobold über BvUchsdrl. Schreibebrief des deutsch-nationalen Studenten. XXIII. Wien, Mitte December 1894. Lieber Kumpan Pumpo! Meiner großen Bewunderung für den schwachverständlgen Schwätzmeister habe ich schon in meinem jüngsten Briese gebührenden Ausdruck — nicht etwa gegeben, sondern meiner Gewohnheit entfprecherder — geliehen. Seitdem hat sich meine wohlbegründete Ansicht über diesen ebenso human fühlenden, als geistvollen Gemeinderath nur noch mehr befestigt. Die Vielseitigkeit der Talente dieses Gemüthsmenscheu ist bekannt. Nun hat er sich auch als Medicyniker ersten Ranges glänzend bewährt in der interessanten Debatte über das „Heilgeserres —" so hat er nämlich auf Grundlage eigener, tiefer Forschungen den neuesten jüdischen Schwindel ungemein trcffend bezeichnet. Seine aus diesem Anlaß gehaltene Rede war, wie die nichtsnutzigen Semiten meinten, ein Meisterstück in ihrer Unart. Gegen Schluß, denk' doch, wär' es bald zu Sanitätlichkeiten gekommen! Gregorig ist ebenso entschiedener Gegner der freiwilligen Frettungsgesellschaft, wie des Frauenverderbvereines und ähnlicher Institute. Die jüdische Apotheke und ihre koscheren Arzneien, die fehlten uns gerade noch! Bekanntlich gibt es in neuerer Zeit nicht blos „arische" Bänke, „judenliberale" Schutthaufen, sondern auch „semitische" Heilmittel, welche ein rassenreiner Arier sich wohl hüten wird zu nehmen. Unser großer Gregorig hat glücklich herausgefunden, daß das sogenannte „Heilserum" nichts anderes ist, als ein Destillat von doppeltscholetsaurem Gansleberorydul plus Judofonn. Das ist das Ganze. Durch diese großartige, wissenschaftliche Leistung hat er sich mit einem Schlage, welcher die Juden treffen möge, unter die ersten medicinischen Kapatzitäten der Jetztzeit eingereiht. Wer wird es sich noch einfallen lassen, nach dem bereits total verjudeten Rabbi Nothnagel zu senden, der von einem Kohncilium in das andere eilt!? Wenn einem wackeren Urteutonen, einem rein arischen Deutsch-Volkler und Ostmarkgäuer — nicht zu verwechseln mit Allgäuer — etwas fehlt, schickt er einfach nach einem alten Weib, welches, wie Meister Gregorig versichert, mehr versteht, als die ganze Judenfacnltät

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