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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 968 Vesterreichllchr WochenptzrM Nr. 80 feiern und wenn diese Arbeiten nicht öffentlichsind. . Zn der Begründung hob Dr. Byk hervor, daß die jüdische Bevölkerung, welche die Sabb athru h e beobachte und der socialpolitischen Absicht des Gesetzes über die Sonntagsruhe sonach gerecht werde, in hohem Grade beunruhigt sei. Zwei Ruhetage in der Woche würden die Erwerbsfähigkeit der jüdischen Gewerbetreibenden untergraben. Das englische Gesetz mache für jene jüdischen Gewerbetreibenden welche die Sabathruhe beobachten, eine Ausnahme und die Verhältnisse in Oesterreich würden gewiß eine solche Ausnahme auch rechtfertigen. Besondere Wichtigkeit habe diese Frage für G alirien mit seiner jüdischen Bevölkerung von mehr als 800.000 Seelen. Abgeordneter Dr. Plazek unterstützte wärmstens diesen Antrag und stellte für den Fall der Ablehnung desselben im Plenum den Eventualantrag, wonach die Regelung dieser Frage der Landesgesetzgebung zu überlassen sei. Abg. Dr. Edler v. Rapoport wies darauf hin, daß die Israeliten in Galizien an den religiösen Vorschriften sehr streng festhalten und daß bei denselben die Sabbathruhe schon Freitag vor Sonnenuntergang beginne. Wenn also die jüdischen Handwerker gezwungen sein sollten, außer Samstag noch Sonntag zu feiern, so würden sie durch dritthalb Tage der Möglichkeit des Erwerbes beraubt sein, sie würden mehr als ein Drittel der Woche verlieren. Das wäre für die Israeliten eine umso drückendere Last, als es hervorgehoben werden muß, daß die ökonomische Lage der Juden in Galizien immer traur ig er sich gestaltet. Die Juden werdennach undnachvon allen Erwerbszweigen, die ste betreiben, abqedrängt. Es ist kaum glaublich' wie groß gegenwärtig das Elend unter den Israeliten, namentlich in kleinen Städtchen und auf dem Lande, ist, man kann heute sagen, daß der größte Theil jener achthunderttausend jüdischen Einwohner in Galizien nahezu am Bettelstab ist, und dies kann für das ganze Land selbst zu einer großen Katastrophe werden. Würde man aber die israelitischen Handwerker, die bis jetzt den Samstag heiligen, zwingen, auch am Sonntag die Arbeit ruhen zu lassen, so würde ein Theil derselben, um nicht des Erwerbes beraubt zu sein, am Samstag zu arbeiten beginnen, und das wäre eine Abschwächung der Religion bei 800.000 Einwohner Galiziens, was bei den gegenwärtig in diesem Lande zu Tage tretenden socialen Strömungen sehr gefährlich wäre. Diese Ausführungen des Dr. Rapoport wurden vom Polenclub sehr beifällig ausgenommen und machten einen tiefen Eindruck. Der Antrag wurde ferner wärmstens unterstützt von den AbgeordnetenRoszkowsky,Lewicki,Dr. R o s e nst o ck, Szczepanowski, Graf Pininskl. P. Pastor verwies auf seine precäre Stellung als katholischer Geistlicher einem solchen Anträge gegenüber, worauf Abgeordneter Dr. Bloch auf einen Ausspruch eines katholischen Bischofs hinwies, daß es Pflicht des Christen ist, die Juden in ihrer Sabbathruhe zu schützen. Dr. Bloch dankte den Rednern für den würdigen Verlauf der Debatte und bat um e i n - stimmige Annahme des Antrages. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der Abgeordneten Dr. Byk und Dr. Rapoport mit dem Zusatzantrag des Abgeordneten Plazek einstimmig angenommen. Nichtsdestoweniger heißt es, Handelsminister Graf Wurmbrand wolle diesen Antrag bekämpfen. Der „Liberalismus" dieses ehemaligen Parteiführers der Linken wird immer bedenklicher. Der Dyuaunt-Antrsemitismns in Baiern. Als wir Ende 1892'auf den revolutionären Charakter des Antisemitismus hinwiesen und an die Verordnung des k. baierischen Staatsministeriums vom Jahre 1881 erinnerten, welche befahl, den Antisemitismus im Keime zu ersticken, antwortete das antisemitische „Deutsche Volksblatt" in.seiner Nummer vom 1. Jänner 1893 in einem Artikel, der auch noch heute die höchste Aufmerksamkeit der hohen Behörden verdienen würde. — In jenem Artikel war auch gesagt: „der abgebrauchte Judenkniff, den Antisemitismus als revolutionär hinzustellen, lockt keine Katze hinter den Ofen mehr hervor." Jetzt haben es die baierischen Antisemiten sogar schon zu den Mitteln der A n a r ch i st e n gebracht, die der „P r o p aganda der That" huldigen. In Traunstein fand, wie wir einer Depesche entnehmen, eine antisemitische Versammlung statt und wenige Stunden später wurden dem israelitischen Kaufmann Georg Barasch (Josef Rieder Bazar Nachfolger) die Ladenthüre und die Schaufenster durch eine Explosion zertrümmert und viele Maaren beschädigt. Schon vor sechs Wochen explodirte im Hausgange des Herrn Barasch nach vorausgegangener antisemitischer Vers ammlung eine mit Pulver gefüllte Röhre, ohne indessen glücklicher Weise Schaden anzurichten. Es ist, wie man uns mittheilt, die ausgesprochene Absicht der antisemitischen „Helden", Herrn Barasch, welcher der einzige israelitische Kaufmann in Traunstein sein soll, aus der Stadt hinauszuekeln und die Antisemiten sind in ihrem verabscheuungswürdigen Treiben so brutal, daß angesehene Damen Herrn Barasch dringend baten, Niemand zu sagen, daß sie seine Kunden seien. Männer, deren Frauen bei Barasch einkaufen, haben Drohbriefe bekommen! Die Antisemiten rühmen sich ihres Deutschthums und Christenthums, ein derartiges Vorgehen ist weder deutsch noch christlich! Die „Münchener Neuest. Nachr." bemerken: „Das antisemitische Attentat in Traunstein liefert wieder einmal den Beweis, welch' traurige Früchte gewerbsmäßige Volksverhetzung, wie sie von den antisemitischen Agitatoren getrieben wird, selbst in Gegenden zeitigt, in denen die einzelnen Bevölkerungsclassen bisher ruhig nebeneinander lebten. Gegen den israelitischen Kaufmann Georg Baiasch in Traunstein wurden infolge von antisemitischen Versammlungen bereits 2 Attentate verübt; eines wurde durch den wachsamen Hund des Barasch vereitelt, das zweite erreichte den beabsichtigten Zweck nicht, weil die mit Pulver gefüllte Röhre wirkungslos verpuffte; das dritte Mal erreichten die Buben leider ihren Zweck. Am 28. November war in Traunstein eine a n ti s e m i t i s ch e V e r s am mlung mit der bezeichnenden Tagesordnung: „Wie erreichen wir am schnellsten und sichersten unsere Ziele?" Schon wenige Stunden nach der Versammlung übersetzten einige Banditen die Worte in die That: Um 1 Uhr Nachts erdröhnte in Traunstein ein furchtbarer Knall, der die ganze Emwohnerschaft aus dem Schlafe riß. Herr Barasch, der fünf Minuten von seinem Laden entfernt wohnt und der gleichfalls aus der Ruhe aufgeweckt wurde, beachtete die Sache nicht weiter, weil dem Knall kein weiteres Geräusch folgte. Gestern Früh 7 Uhr wurde Herr Barasch durch den Nachtwächter benachrichtigt, daß sein Laden offen sei; er begab sich sofort an Ort und Stelle und es zeigte sich Folgendes: Der Rollladen der Eingangsthüre, sowie die Thürpfosten lagen auf der Straße zerstreut und hingen theilweise im gegenüberliegenden Garten auf den Bäumen! Von der Thüre selbst waren nur noch kleine Holz- und Glassplitter zu finden! Das Schaufenster rechts von dem Eingang ist vollständig zertrümmert, die Maaren sind vom Glas zerschnitten und durcheinander geworfen. Im Laden selbst sind die der Thüre zunächst gelegenen Stoffe zum Theil angebrannt, theilweise auch vom Glas zerrissen und durcheinander geworfen. Im Laden befindliche Scheiben sind zerbrochen und die im anderen Schaufenster liegenden Glaswaaren durcheinander gestürzt. Der Schaden wird auf 600 Mk. geschätzt und hat ihn die Stadtgemeinde, also die Steuerzahler von Traunstein, zu tragen. Dem Geschädigten sind schon zahlreiche Kundgebungen der Theilnahme geworden. Mas haben nun die, welche das feige Bubenstück verübten, erreicht? Nichts! Sind das deutsche und christliche Waffen im politischen Kampfe? Nein! Das sind Ban-

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