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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-14 · 50 (14.12.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 80 Drstrrreichifche Wochenschrift Seite 967 Bezirksausschusses Kerner, welcher die Person Sr. Majestät betraf, eine Debatte nicht zuließ. Dies sei zumindest tactlos gewesen. Es wird hierauf die öffentliche Sitzung geschlossen und das Galeriepublicum, das aus angesehenen patriotischen Bürgern und Steuerträgern bestand, verließ die Galerie mit den stürmischen Rufen: Hoch Kerner! Pfui Schönerer! _ und Pfui Baumann!, in welche Rufe auch viele Bezirksausschüsse im Saale einstimmten. Man sieht, unsere braven Antisemiten haben weder dem „Juden" Singer, noch überhaupt den deutschen Socialdemokraten etwas oorzuwerfen. Dagegen haben am 16. November d. I. unsere Antisemiten in der Festversammlung des „deutsch-nationalen Arbeiterbundes", welche in Wimb e-rger's großem Saale stattfand, dem Rufe des Mechanikergehilfen Franz St ein: „Wir wollen Bismärcker bleiben bis an unser Lebensende!" zugejubelt und ein dreifaches Hoch auf die Dynastie der Hohenzollern als die Begründerder socialen Reform ausgebracht. Und bei der Gründungs-Versammlung des „Bundes deutscher Landwirthe der Ostmark" vom 8. December 1894 wurde nach Bericht der „Ostdeutschen Rundschau" vom 10. December 1894 ein Hoch aus B ismar ck ausgebracht, — sonst nichts. Das war in Anwesenheit österreichischer Reichsraths- und Landtags-Abgeordneter. Zu solcher Verherrlichung aus w är tig er Staatsmänner und Souveräne haben sich allerdings die deutschen Socialdemokraten noch nicht aufgeschwungen. Pflege des Wotsn-Cultus. Die „Unverfälschten Deutschen Worte" Schön er er's verherrlichen in einer Reihe von Nummern den altgermanischen Wotan-Cultus und kündigen hiebei nicht nur dem Christenthum als „Neu-Hebräismus" offenen Krieg an, sondern verhöhnen auch direct die heiligen Gestalten und Einrichtungen der katholischen Kirche. Man ist sonst in diesen Dingen sehr empfindlich bei uns, umso seltsamer muthet es uns an, daß dem Staatsanwalte diese christenfeindliche Agitation Schönerer's so harmlos erscheint. Der Abgeordnete Dr. Bloch hat einmal gesagt, der Antisemitismus mache immun vor dem Strafgesetze. Uebertretungen gegen das letztere verlieren den strafbaren Charakter, wenn sie sich auch gegen das Judenthum richten. Unter dem Titel „Roßschädel, Hufeisen und Rabenflügel — in ihrer Bedeutung als germanische Hauszier"*) schreiben die „U. D. W." Nr. 22, 1894: „Der Roßschädel. Als Schützer des Hauses, des gefriedeten Heimes, des Hausfriedens, wurde der Götterkönig Wotan verehrt. Ihm war aber das Roß geheiligt; sein Reitthier galt den Menschen als Opferthier. Schleifner hieß das achtsüßig gedachte, windschnell dahinstürmende Wolkenpferd Wotans. In dieser Eigenschaft ist das Pferd das Sinnbild der Allgegenwart Wotans. Pferdeopser galten daher als die vornehmsten. Die Schädel der geopferten Pferde, wohl auch die Hufe und Häute, wurden an den Bäumen des Opferhaines befestigt, oder aber von dem opferspendenden Hausvater, als Zeichen dargebrachter Opferung, auf dem Giebel des Hauses, dem Firste, angebracht. Ein Haus, das dem Roßkopf wies, hatte sich durch ein sichtbares Zeichen in Wotans Schutz begeben. Der Heiligkeit des gefriedeten Hauses, des Platzes innerhalb der Dachtraufen-Grenze, des Raumes „zwischen den vier Pfählen", wo der Hausvater unumschränkt schalten und walten konnte, wo er Gastfreundschaft gewährte, ist es zuzuschreiben, daß ein Verfolgter, der sich noch rechtzeitig in das Haus eines germanischen Freien geflüchtet hatte, nicht weiter verfolgt werden durfte — er stand, so lange er innerhalb der Dachtraufen-Linie sich befand, gleichsam in Wotans Schutz. (Unverletzlichkeit des Gastrechtes.). Als das Christenthum Einzug in die deutschen Gaue hielt, da war es mit den Pferdeopfern vorbei; der Himmelsgott Wotan wurde zum höllischen Teufel, sein Wolkenpferd zum spenstischen, die Menschen hetzenden Pferd - ohne Kopf u. dgl. Auch die Neidstangen, deren Errichtung ja ein heidnisches Opfer vorherging, wurden verpönt; doch vom Giebel des germanischen Hauses verschwand das Sinnbild des Wotansthieres nicht so leicht. War es dem deutschen Hausvater nicht mehr gestattet einen wirklichen Pferd- oder Stierschädel an dem Firste seines Hauses oder an seiner Scheune zu befestigen, so half er sich mit *) Anmerkung. Trotz der etwas hämischen Bemerkung der „Deutschen Zeitung" (am 22. November 1894)/ daß sich die Juden, frage „nicht über jenes Knie brechen läßt, das man auf der einen Seite vor Wuotan, auf der anderen vor dem Papste beugt", werden wir bei passenden Gelegenheiten auf den alten Germanenglauben Hinweisen. (Red. d. „U. D. W.") einem halbwegs ähnlichen, aus Holz geschnitzten. Zu sehr hing eben der Germane an seinem alten Glauben, erbrachte auch hier die Treue, die Treue zum alten Wotan, zum Ausdrucke. — Später, als der alte G aube immer mehr und mehr verblaßte, begnügte man sich, die Enden der hölzernen Giebelsparren des Daches sich kreuzend über den Dachfirst emporragen zu lassen und diese Enden pferdkopf- oder pferdmaulähnlich zu schnitzen. Und diese uralte Sitte hat sich bis heute noch im deutschen Landvolke erhalten. Hufeisen. Das Hufeisen deutet eben auf Wotan, auch als Hüter und Schirmer der March (— Grenze). Als längst auf das Opfer von Pferden, das Verzehren von Pferdefleisch ein Kirchenverbot gelegt war (daher die spätere Abneigung der Christenleute gegen den Genuß des Pferdefleisches*)) und das Ausrichten von Neidstangen verpönt wurde, konnte noch immer das Hufeisen in -iner, den religiös-fanatischen Spähern weniger auffälligen Weis - o.m einzigen opfermäßigen Zauberbrauch dienen. So blieb dem Hufe!cn seine im längstverklungenen germanisch-mythischen Brauchthum gründende Bedeutung bis auf unsere Tage. Der im Pferdeopser zum Ausdruck gelangenden Wotans-Berehrung machte selbst die Kirche (klugerweise) insoferne Zugeständnisse, daß sie der nur im alten Mythus erklärlichen Opferung von Hufeisen als christliche Weihegeschenke nicht entgegentrat. Wie sehr das Hufeisen in den deutsch-religiösen Vorstellungen wurzelte, zeigt auch die Verflechtung des Hufeisens mit der christlichen Legende, wo z. B. Petrus das Aufheben eines Hufeisens unterläßt worauf dies Christusthut, der dann hierfür Kirchen einkauft u. s. w. Und nun zu dem „Rabenflug". Die dem Raben angeborne Klugheit macht ihn gespensterhaft, unheimlich. Die Rolle, welche in der deutschen Sage dem Raben eingeräumt ist, beruht größtentheils auf den altgermanischen Rabenzauber. In Nr. 23 der„U. D. W."1894,S. 273, schreibt Herr Schönerer: Es wird erzählt, daß ein Judenknabe, der blind zur Welt kam. über Fürbitte der j ü o i s ch e n Eltern bei der „Mutlergoltes** > von Maria- Zell" sehend wurde, worauf die alten Juden, ihr Gelübde erfüllend, den jungen Juden taufen und später zum Christenpriester weihen ließen. Dieser getaufte Jude wurde nachher Pfarrer in der Leopoldstad:, bezw. in der Wiener-Jndenstadt (Pfarre St. Leopold), feierte aber regelmäßig alljährlich den sogenannten „langen Tag" der Juden mit, wie der ungewässerteste Jude. Was war nun dieser christli: e Seelenhirt eigentlich; Christ oder Jude? Unter allen Umständen ist er Rassenjude geblieben und hat auch dem Religionsjndenthnme nie ganz entsagen können. Man sieht daraus, daß das Taufwasser aus einem Inden keinen Nichtjuden machen kann und daß der christlich-sociale ..Antisemitismus", der beim Taufbecken aufhört, nicht aufrichtig ist. Daß Christenpriester, welche aus jüdischen Familien hervorgehen, auch seitens der orthodoxen Judenschaft nach wie vor als Stammesgenossen betrachtet werden, zeigt die überschwänglich freundliche Aufnahme, die König Rothschild dem Erzbischof Kohn zu Theil werden ließ. Wie lange noch wird der Deutsche nicht glauben wollen, daß der gelauste Jude — Jude bleibt? Für die nationale Sache weniger nachtheilig ist jedenfalls die Wirksamkeit der ungetauften Juden. Convertiten ist im (politischen) Leben nie recht zu trauen, wenn die Beispiele, wie sie uns die Geschichte lehrt, nicht übersehen werden. Die getauften Juden als Christenpriester dienen so recht dazu, um uns Deutschen das Christenthum blos als Neu-Hebräismus erscheinen zu lassen. Warum nahm man dann unseren Borfahren den nationalen Wotansglauben? Eine deutsche N a t i o n a (-Religion kann weder lutherischnoch römisch-neu-hebräisch sein! K* Vom Jahrmarkt des Lebens. Das Gesetz über die Sonntagsruhe im Polenclub. Der vorstehende Gesetzentwurf war Sonntag den 9. December Gegenstand einer Berathung im Polenclub. Zu dieser Sitzung sind einige Abgeordnete aus der Ferne eingetroffen und die Verhandlung, die über dieses Gesetz geführt worden, war ebenso interessant als würdig. Abgeordneter Dr. Byk stellte im eigenen und im Namen des Abgeordneten Dr. von R apoport nachstehenden Antrag:Zu den im Artikel IH des Gesetzes angeführten Ausnahmen ist noch ein neuer Absatz zuzusügen, „die Arbeiten von Nichtchristen, wenn sie Nachweisen, daß sie vierundzwanzig Stundeninihrer Consession *) Der jetzt im Zunehmen begriffene Verbrauch von Pferdefleisch durch die ärmere Bevölkerung zeigt, daß die Noch nicht nur beten, sondern auch Pferdefleisch-Essen lehrt; letzteres trotzdem das einstige Kirchenverbot noch immer nicht widerrufen ist. (Red. d. „U. D. W.") **) Dieses Vertrauen zur christlichen Gottesmutter, die ja als testamentarische Gestalt eine Religionsjüdin war, ist wohl so ziemlich begreiflich. (Red. d. „U. D. W.")

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