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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 49 Vrstrrrrvtziptzr Wochrnskchrtft Seite »L» betheiligen." J. A. d. A. med. Karl Pollak, g. Präses, med. Max Ierusale m, g. Schriftführer. Wien. (Jubiläum.) Herr Professor Josef Schiff, eine nicht nur in Stenographen-, sondern in den weitesten Kreisen bekannte Persönlichkeit feiert am 8. December l. I. den Gedenktag seiner 25jährigen Thätigkeit als Lehrer der Stenographie. Diesen Anlaß benützen die vielen Verehrer und ehemaligen Schäler, von welchen manche heute hochangesehene Lebensstellungen einnehmen, Herrn Professor Schiff durch eine entsprechende Feier zu ehren. Schiff ertheilte schon als Gymnasiast Unterricht in der Stenographie. Im Jahre 1869 eröffnete der Jubilar, damals noch Hörer an der juridischen Facultär, seinen ersten öffentlichen Stenvgraphiecurs in Wien. Gelegentlich der Eröffnung des kaufmännischen Vereinshauses in der Jvhannesgasse wurde Professor Schiff vom Kaiser mit einer Ansprache ausgezeichnet und konnte derselbe die Frage Sr. Majestät, wie es um die Verbreitung der Stenographie in Wie n stehe, mit der erfreulichen Mittheilung beantworten, daß Wien in dieser Beziehung die erste Stadt der Welt sei. Dem Jubilar gebührt wohl der Löwenantheil an dem Verdienste dieser Verbreitung. Schiff ist Stenograph mit Leib und Seele. Wien. (Todesfall.) Am 22. v. M. ist in Wien Frau Marie Spitzer, geb. Berglstein, Gattin des Journalisten Herrn Heinrich Spitzer, gestorben. Mit Frau Spitzer ist eine Dame dahingeschieden, die mit allen Vorzügen des Geistes und des Herzens ausgestattet war. Ueberall, wo es galt, den Nothleidenden und Armen Hilfe zu bringen, stand sie als Erste an der Spitze und ungezählt sind die Thronen, welche diese edle Frau, die nur der Humanität gelebt, getrocknet hat. Das Leichenbegängniß versammelte außer den Familienmitgliedern auch Personen der besten hiesigen Gesellschaft, die gekommen waren, um dem Begräbniß der edlen Frau beizuwohnen, deren Hinscheiden allgemein und tief beklagt wird. Wien. Sonntag den 15. d. M. wird das neueingerichtete Bethaus im II. Bezirk, Antonsgasse Nr. 5, welches in letzter Zeit vorübergehend im Stefanie Hotel sich befand, eröffnet. Dieses Bethaus besteht seit dem Jahre 1847, wo es unter dem Namen „Spiegelschul" gegründet wurde. Wie jede Schöpfung, hatte auch diese gute und schlechte Zeiten gesehen; jedoch solche, wie in den letzten Jahren, hatte selbe noch nie mitgemacht. Bald ohne Unterstand, zumeist mit unzureichenden Mitteln war schon dieses fromme Unternehmen mehr als einmal in Frage gestellt. Es gebührt daher dem jetzigen Vorstande, den Herren Wilhelm B r o d y und I. Licht m e s z, _ das vollste Lob, diesem Bethause eine gesicherte Stätte geschaffen zu haben. S. W. Wien. Die französischer,Jours, Wien,!., Schwertgaffe 4, bilden jeden Montag und Freitag von 7—9 Uhr Abends eine kleine interessante Sprachinsel echt Paris er und Londoner Salonsprache. Junge Leute aus guter Familie haben nicht erst nothwendig, nach Frankreich oder England zu gehen, um französisch und englisch an der Qulle sprechen zu lernen. Sie eignen sich durch den geselligen Verkehr mit gebildeten Franzosen, Engländern, Pariserinnen und Londonerinnen, welche in den Jours anzutreffen sind, daselbst das Idiom derselben vollständig an. Einige Wintermonate fleißig die Jours besucht und man hat ihnen das Cachet ihrer Sprache so abgelauscht, als wenn man in ihrer Heimat selbst gewesen. In Folge Vermehrung der Salons ist noch für einige neubeitretende Mitglieder Raum geschaffen, dieselben müssen aber der Jourleitung entweder bekannt oder empfohlen sein. Wien. (Aus Galizien.) Die Cholera-Epidemie hat in vielen Orten Galiziens bittere Noth hervorgerufen. So liegt uns ein Appell des Bezirksstädtchens Borszczow vor, welcher der durch die mehrmonatliche Jsolirung des Ortes hervorgerufenen Verarmung durch Einleitung einer Sammlung steuern will. Dr. Maximilian M o s l e r dortselbst nimmt Spenden zur Vertheilung an die nothleidenden Elemente der dortigen Bevölkerung entgegen. Wien, 30. November. Der Herausgeber der „Ostdeutschen Rundschau" K. H. W o l f ist gestern vom Appellsenate des Wiener Landesgerichtes wegen Beleidigung der Ostrauer Gendarmerie, begangen durch eine Aeußerung in einer Bereinsrede im Hinblick auf die Arbeiterunruhen in Mähris ch-O st rau, zu einer Arreststrafe von vierzehn Tagen, verschärft mit einem Fasttage, verurtheilt worden. Wien. (Jubiläen.) Das Präsidium des Wiener kaufmännischen Vereines hat den Disponenten der Firma S. Trebitsch und Sohn, Herrn Adolf Ruzi cka, einen der Gründer dieses Vereines und ehemaligen Vi'cepräfidenten desselben, anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiläums deputativ beglückwünscht. Budapest. Die ungarische israelitisch-literarische Gesellschaft hielt unter dem Vorsitz des Oberrabbiners Dr. Samuel Cohn eine Ausschußsitznng, in welcher über die Thätigkeit der Dircction in Angelegenheit der ungarischen Bibelübersetzung berichtet wurde, deren Kosten der Ausschuß einstimmig votirte. Der Bericht über die zu veranstaltenden volkslhümliehen Borträge wurde zur Kenntniß genommen. Ter Ausschuß beschloß die Ausschreibung folgender Concurse: 1. die Erörterung und Würdigung der Organisation der europäischen Judenschäst aus historischer Grundlage. (Bis 31. März 1896 in ungarischer, deutscher, französischer, englischer oder italienischer Sprache. Preis 1000 Kronen); 2. Geschichte einer vaterländischen Judengemeinde aus Grund von Quellen. (Bis 31. März 1895. Preis 590 Kronen.) Ausschußmitglied Paul T en c e r macht die Mitlheilung. daß er für eine Geschichte der auf dem GebietederHaupt- und Residenzstadt existirenden Judengemeinden 1000 fl. auf gesellschaftlichem Wege beschaffen werde. Diese Erklärung wurde sehr beifällig ausgenommen. Ter Verein zählt gegenwärtig 800 Mitglieder und verfügt über ein Vermögen von 15.167 fl. E. B. Prostnitz. (Die Gründung einer Bundesgruppe des Bundes der Deutschen Nordmährens— S tu denken mensur —) wird allen Ernstes hier beabsichtigt, also ein neuer antisemitischer Tummelplatz in P r o ß n i tz mehr. Es ist auf das Geld der Juden abgesehen, denn wenn einmal die „Gruppe" mit jüdischem Gelde gegründet sein wird, wird man, wie es so Regel, die Juden vor die Thüre setzen, selbstverständlich nachdem sie vorher noch mit den gebräuchlichen Verbal- und Realinjurien tractirt worden sein werden. Horribile dictu ist der bezügliche Aufruf von Dr. Zweig, dem Mitglieds der israelitischen Cultusgemeinde und dem Postbeamten Baschny, dem Schöpfer des Antisemitismus in Proßnitz, gezeichnet. Dr. Zweig Arm in Arm mit Baschny — risum teneatis amici! Zur Charakteristik der hiesigen Zustände mag dunen, daß die hiesigen arischen Hochschüler, kaum ein halbes Dutzend an Zahl, die jüdischen Hochschulstudenten während der Ferien unausgesetzt in gemeinster und niedertlächticster Manier provocircn. Die Abrechnung hat nach Beginn des Schuljahres in Wien stattgefunden. Vier antisemitische wurden von vier jüdi'chen Hochschülern in vier Mensuren derart abgesührt, daß ihnen wohl Zeitlebens die Lust benommen sein wird, Händel zu suchen. Zlabings in Mähren. Daß noch Opfermuth und Biedersinn in Israel herrscht, davon gibt auch in unserer Gemeinde die Spende eines edlen Mannes Zeugniß, der bis zu seinem 40. Lebensjahre sich und seine Familie als Hausirer ernährte und durch Fleiß und Sparsamkeit es dahin gebracht hat, daß er dann bis zu seinem 60. Lebensjahre als Kaufmann seine Kinder anständig erziehen und glücklich versorgen konnte. Seit zehn Jahren lebt Herr St. hier in Z l a b i n g s als Privatmann. Er hat in unserer Gemeinde einen „Armen- und Kranken- Unterstützungsverein" ins Leben gerufen und ein Haus angekauft, auf dessen Grand ein Tempel, eine Religionsschule und ein Asyl für Bedürftige erbaut werden soll. Hiezu hat Herr St. fünftausend Kronen gespendet und weitere sechzehnhundert Kronen als „Kerenkajemes" zur Erleichterung des Baues dargeliehen. Ueberdies haben die Mitglieder des obgenannten Vereines bereits ca. zweitausend Kronen im Baaren aufgebracht, da aber die bisher aufgebrachten Summen zur Ausführung des Baues noch nicht ausreichen, wendet sich der genannte Verein an alle Glaubensgenossen mit der Bitte, seinen frommen Zweck durch wohlthätigeBeiträge an Adreffedesgenannten Unterstützungsvereines zu unterstützen,und Werdenseinerzeit selbe in der „Oesterreichischen Wochenschrift" veröffentlicht werden. Buezaez. Wir haben in unserer letzten Nummer von der Thatsache Notiz genommen, daß die verdienstvollen Verwalter des israelitischen Spitals, die Herren Joel N e u m a n n und Süßkind Herzmann, auf ihre Stellungen resignirten. Der Rücktritt dieser beiden Herren hat allgemeines Bedauern hervor gerufen. Man hat es an Versuchen nicht fehlen lassen, die Herren von ihrem Entschlüsse abzubringen. Leider waren diese Bemühungen bis jetzt ohne Erfolg. Es dürfte schwer werden, Männer zu finden, die in gleich hohem Maße eines allgemeinen Vertrauens sich erfreuen.

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