Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 49 (7.12.1894)
- Date
- 1894-12-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 958 Vrsterreichtfche Wochenschrift Nr. 49 An der Spitze des Comite's steht die Vereinspräsidentin Frau Sofie Grünfeld, sowie Herr Gemeinderath Theodor von Goldschmidt. Ein rühriges Damen- und Herrencomite, zusammengestellt aus den besten Gesellschaftskreisen, sorgt für das Gelincen des Unternehmens. Dem Damencomite gehören an: die Frauen: Clara Berger, Julie Fialla, Adele Fried mann, Mathilde Fraenkel, Rosa Freyberg, Hermine F l e i s ch m a n n, Philippine Gelbhaus, Antonie Graf, Regine Heit, Lea Jaiteles, Josefine Lang, Rosa Lederer, Josefine Münz, Therese Ornstein, Eleonore Pechkranz, Luise Pechkranz, Antonie Passauer, Caroline Rosenbaum, Jen.,y Schnabl, Charlotte Schneid, Antoinette Schwarz mann, Sabine Skopal, Anette Skr ein, Eugenie Schur, Jenny Tausig, Pauline Wittmayer; die Fräuleins: Olga Bellak, Gisela Cochelles, Olga Engel. Ernestine Frankl, Helene Frankl, Helene Freyb erg, Ecna Heller, Helene Kreuzer, Rosine Kuhn, Hermine Ko h n, Aurelie Lau d es b erg, Valerie Löwy, Olga M e tz n e r, Hermine P o l l a k, Mathilde Porges, Caroline Schneid er, Hedwig Simon, Rosa Sadger, Olga Tauszik' Dem Herrencomite gehören an: Oblt. HugoA d l er, B. A llina, Dr. Alfred Berger, Dr. I. S. Bloch, Dr. Josef Breitenstein, Dr. Max Br ei tenste in, Dr. Arnold Breun er, Moriz Cochelles. Emil Engel, Dr. Hermann F i a l l a, Max Fleischer, Dr. Emil Frankl, Paul Fränkel. Dr. Heinrich Friedjung, Drd. Adolf Friedländer, Wilhelm Freyberg, Moriz Graf, Alfred Haas, S. H eit, Oblt. A. Herm a n n, Ludw. Jacob i, Ant. König, Ludwig Lang, Dr. Alfred Mittler, Heinrich Oll sch er, Siegfried Oppenheim, Wilhelm Pollak. Dr. Jaques Raffmann, Dr. Isidor Schnabl, Drd. Julius S ch o r r, Dr. Ludwig Sing er, Moriz Silberstern, Dr. Otto Treulich, Ludwig W a l d st e i n, kais. Rath Ignaz W i l h e l m. Eintrittskarten L 2 fl. und Familienkarten ä 5 fl. sind gegen Vorweisung dieser Einladung zu haben: beim Cassier Dr. Emil Frankl, I., Schottenring 23; in der Buchhandlung M. Breitenstein, IX/3, Währingerstraße 5; in der Apotheke I, Rudolssplatz 5; in der Musikalienhandlung Alexander Rose Kärntnerring 11 und im Comitelocale I., Schottenring 23, 2. Stock, täglich von 4—7 Uhr Abends, sowie bei allen Comitemitgliedern. Wien. Sonntag den 2. M. fand wie alljährlich anläßlich der Thronbesteigung unseres Kaisers im türkisch-israel. Tempel ein feierlicher Gottesdienst, verbunden mit einer Kinderbetheilung des Vereines „Halbasha", statt. Zu demselben haben sich der Gesammtvorstand der Gemeinde und die „Halbasha" mit dem Präsidium M. Russo und L. Adutt an der Spitze, nebst einem zahlreichen distinguirten Publicum eingesunden. Die Feier begann mit einem Choral in spanischer Sprache unter der bewährten Leitung des Chordirgenten Löwit, woraus Rabbiner P apo die Festrede hielt, welcher sich die Absingung der Volkshymne anschloß. Es folgte dann die Deelamation von zwei Gedichten durch zwei Schülerinnen der türkischen Schule, worauf der Schuldirector einen kurzen Bericht über die seit 20 Jahren bestehende Talmud-Thoraschule und deren Gründer hielt. Zum Schlüsse recitirte Ober-Cantor Bauer mit Orgelbegleitung in äußerst wirkungsvoller Weise das Seelengebet für die verstorbenen Gründer und Förderer der Schule. Wien, den 4. December 1894. (Wohlthätigkeits- Verein „F r a u e n h o r 1", IX., Mü llnergasse Nr. 21.) In Nr. 41 unseres Blattes haben wir unsere geschätzten Leser auf einen Beschluß des „Frauenhort" aufmerksam gemacht, nämlich: Die öffentliche Betheilung armer Kinder abzuschaffen, und denselben die Bescheerung von nun an direct in's Haus zu schicken, um den armen Eltern eine Demüthigung zu ersparen. Diesen Beschluß hat der „Frauenhort" am 21. d. M. zur Thal werden lassen, denn an diesem Tage wurde 120 armen Schulkindern die reiche Bescheerung an Winterkleidern. Schuhen, Leibwäsche und last not least auch an Obst- und Backwerk direct ins Haus zugestellt. Daß aber der „Frauenhort" diese Reform der Wohlthätigkeit so rasch und so exact ausführen konnte, verdankt er einem Gönner seines Vereines, deffen besonderen Beifalles sich dieser Beschluß des „Frauenhort" zu erfreuen hatte. Es ist dies eine der bedeutendsten Speditionsfirmen unserer Stadt, welche sich bereit erklärt hatte, die unentgeltliche Zustellung der 240 Pakete (jedes Kleiderpacket war von einem Backwerkpaket begleitet) zu übernehmen. Dank diesem edlen Anerbieten war auch die Bescheerung binnen wenigen Stunden in den Händen freudestrahlender Kinder und Eltern. Laut und jubelnd konnten sie sich nun zwischen ihren vier Wänden der Freude überlassen, nicht eingeschüchtert von der sonstigen Umgebung bei Empfangnahme der Geschenke, von den geputzten Herren und Damen des Comites, den vielen Gästen, den großen Sälen mit dem hellen Lichterglanze. Nicht waren sie genöthigt, schöne Reden über sich ergehen zu lassen, welche die Kinder gleichgiltig ließen, die Eltern aber tief demüthigen mußten. Es waren aber auch Heuer, wie man uns mittheilt, die Gesuche armer Eltern um die Bekleidung ihrer Kinder zahlreicher als sonst, denn viele Eltern, die sonst niemals sich der Demüthigung aussetzen wollten, ihre Kinder öffentlich Almosen empfangen zu lassen, haben diesmal gern und dankbar eine Bescheerung in Empfang genommen, die ihnen in so zarter Weise in's Haus geschickt wurde. Briefe voll heißen, innigen Dankes laufen an den „Frauenhort" ein, und stolz kann derselbe auf sein von wirklich humanem Geiste getragenes Werk zurückblicken. Schon der Umstand, daß — entgegen der Gepflogenheit anderer Vereine, die ihre Betheiliing zu Weihnachten oder Chanuka vornehmen — der Frauenhort die seinige schon im November stattfinden läßt, so daß die armen Kinder mit Eintritt der rauhen Witterung auch schon im Besitze des schützenden Winterkleides sind — schon dieser Umstand — sagen wir, verdient das wärmste Lob des Menschenfreundes. Hoffen wir, daß der „Frauenhort" mit seinem humanen Vorgehen bahnbrechend gewirkt hat und seineResorm der Wohlthätigkeit Nachahmung finden wird. Zur Kinderbekleidung haben ferner noch gespendet: Frau Charlotte Fürst 5 fl., Frau Adele Bloch 5 fl., Herr Wilhelm Langer 5 fl., Herr Heinrich Te l ts ch er 10 fl., Herr Wilhelm Bachrach 5 fl. Wien. Am Samstag Abend fand die Eröffnung der Localitäten der „Jüdischen akademischen Lesehalle" statt. Der Präses Med. Josef Vierer begrüßte die zahlreich erschienenen Commilitonen und hob hervor, daß nur die Begeisterung und die Einstimmigkeit der bei der constituirenden Versammlung erschienenen Studentenschaft dem Ausschüsse Kraft und Ausdauer verliehen hätten, das schwere Werk, wie es die Gründung der jüdischen akademischen Lesehalle ist, zu beginnen und fortzuführen. Besonders nachtheilig für den Beginn waren die Mißverständnisse, denen die jüdische akademische Lesehalle ausgesetzt war. Die bürgerlichen Kreise glaubten, die Lesehalle werde die bestehenden Gegensätze verschärfen einerseits durch eine provokatorische Geltung, anderseits, indem sie einem bestimmten Parteiinteresse dienen werde. Dies sei aber durchaus nicht der Fall. Die Lesehalle wird die bedrohten Interessen der jüdischen Studentenschaft durch eine Solidarität nach Innen, durch eine friedliche Abwehr nach Außen wahren und nach Möglichkeit dazu beitragen, den lang ersehnten Frieden auf unserer Hochschule wiederherzustellen. Schließlich, hob der Redner hervor, werde es nicht minder die Aufgabe der Lesehalle sein, die wissenschaftliche Ausbildung ihrer Mitglieder durch Discussions- und Leseabende zu fördern. Mit einem warmen Appell, die große Bedeutung der Solidarität aller jüdischen Studenten stets im Auge zu behalten, schloß der Redner und erklärte die Lesehalle für eröffnet. Das Locale befindet sich im 8. Bezirke, Alserstraße 55. Wien. (D i s c u s s i o n s - A b e n d.) Die jüdische akademische Verbindung „Unitas" hat am schwarzen Brette der Universität folgende Affiche angeschlagen: „Jüdische Commilitonen! Die jüdische akademische Verbindung „Unitas" erlaubt sich, Euch zu dem am Samstag. 8. d. M. präc. 7 Uhr Abends, in Robitschek's Restaurant, I, Wipplingerstraße 47 stattfindenden Discussionsabend geziemend einzuladen. Programm: Referat „Welches soll der Standpunkt des jüdischen Studenten sein?", Discussion hierüber. Die Verbindung „Unitas" will hiedurch der jüdischen Studentenschaft Gelegenheit geben, in einer Frage, die jetzt mehr denn je in den Vordergrund gerückt ist, eine auf Argumenten und Sachkenntniß nicht auf Schlagworten und Phrasen gegründete Meinung durch gegenseitigen freie» Meinungsaustausch sich zu bilden. Deshalb fordern wir alle jüdischen Studenten, welche Anschauungen auch immer sie vertreten mögen, auf, sich an dem Discussionsabende recht zahlreich zu