Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021057--04102-3028271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 49 -E _ -» J- »*J- |,t|lM VvflrrWMflMxe MvltzrnfSMst Seite 957 Theil der W o hlfel d'schen Waisenstiftung sofort zu activiren und zu den bereits aufgenommenen 12 noch fernere 3 Waisenmädchen aufzunehüien. — Die Vereidigung der russischen Untertanen fand hier in den Räumen des russischen Consulats statt. Nach einer Vermahnung durch den Rabbiner nahm b**r 06er» cantor Holpern, selbst ein Russe, den jüdischen russischen Untertanen den Eid der Treue gegen ihren Monarchen ab. — Am Freitag den 30. November wurde die sterbliche Hülle des Herrn Isidor Frankel, Director der Papierfabrik in Czerlanh. auf dem hiesigen Friedhöfe zur ewigen Rübe bestattet. Der Dahingeschiedene erfreute sich in seiner Wirksamkeit nicht nur des unbegrenzten Vertrauens seines Chefs Herrn Dr. Heinrich Ko lisch er, sondern auch der Liebe und Verehrung der gesammten Arbeiterschaft in diesem ausgedehnten Unternehmen. Ein imposanter Trauerzug begleitete den Sarg bis zum Friedhofe, woselbst bei dem warm empfundenen Nachrufe, den Rabbiner Dr. Caro dem Verstorbenen widmete, kein Auge trocken blieb. Lemberg, 21. Nov. (Der jüdische Religion s- Unterricht. Für die M i t tel s ch u l l eh r e r.) In Ausführung der vom Landtage gefaßten Resolution hat der galizische Landesschulrath bereits Schritte zur Regelung des jüdischen Religionsunterrichtes in den Mittelschulen gethan. Der Lemberger Rabbiner Dr. Caro wurde anfgefordert. auf Grund der von den Leitern der Mittelschulen und der Lehrerbildungsanstalten, sowie von den jüdischen Religionslehrern voraeleaten Berichte einen einheitlichen Unterrichtsplan für die jüdische Religionslehre an den galizischen Volks- und Mittelschulen auszuarbeiten. Dieser Unterrichtsplan wird sodann einer Fach- EnqnZte jüdischer Religionslehrer unterbreitet werden. — Der Landesschulrath bat in Berücksichtigung eines Landtagsbeschluffes dem Unterrichtsministerium Vorschläge in Betreff der Verbesserung der materiellen Lage der Mittelschullehrer erstattet. Krakau, 30. November. Am 25. November d. I. fand in Krakau die zweite General-Versammlung des Vereines „Chowwe Erez Israel“, Ortsgruppe des Central-Berbondes „Zion", unter lebhafter Betheiligung sowohl der Conservativen als Neoloqen statt. Der eifrige Herr Dr. Salz aus Tarnow, der keine Opfer und Anstrengungen im Dienste der gutenS ache scheute, war eigens zu dem Zwecke gekommen, um unsere etwas indolente Bevölkerung für den Verein, welchem eben viele Akademiker beigetreten sind, zu animiren und erntete durch seine geistreiche und gefühlvolle Rede über die Ziele, Zwecke und Ursachen der Bewegung ungetbeilten Beifall. Nachdem dem ausgeschiedenen Vorstande das Absolutorium ertheilt wurde, fanden die Neuwahlru statt. Mit Acclamation wurden wiedergewäblt der frühere Präsident Herr Mendel Frankel. Vice-Präsident Jul. Schönwetter. In den Ausschuß wurden die früheren Secretäre Herr Aron Markus. Michael Horowitz, der frühere Cassier Benjamin Sp i ra. Drd. Jacob L e hrfreund und Sina Pelz neugewäblt. Ebenso auch Herr Israel Krasucki, ferner die Herren Doctoren Bader und Frühling. Schneidemühl, 21. November. Vorgestern beging unser allverehrter Rabbiner Herr S. Brann seinen achtzigsten Geburtstag, und die Mitglieder der Gemeinde, in welcher der Jubilar seit mehr als 41 Jahren segensreich wirkt, wie die Bürgerschaft unserer Stadt benützten den willkommenen Anlaß, um dem allverehrten Grelle ihre Liebe und Dankbarkeit zu bekunden. Nachdem in den Frühstunden ein aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern bestehender Chor ein Ständchen gebracht, erschienen im Laufe des Vormittags zahlreiche Gratulanten. Der ErsteBürgerme'ster Herr Wolfs, HerrGhmnasialdirector Braun. Herr Rector Ernst, der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Herz Berliner, der Vertreter des Franenvereins Herr Franz Herz richteten an den Gefeierten tiefempfundene Ansprachen, in welchen sie seine Verdienste um die jüdische Gemeinde und um die Stadt Schneidemühl hervorhoben. Am Abend fand ein Festessen statt, an welchem die angesehensten Bürger der Stadt mit ihren Damen theilnahmen. Den Reigen der Toaste eröffnete der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Herr Herz Berliner mit einem Trinkspruch auf Se. Majestät dem Kaiser. Der Sohn des Jubilars Herr Doctor M. Brann, Docent am Rabbiner-Seminar zu Breslau, gab in längerer Rede eine Skizze der Geschichte der hiesigen jüdischen Gemeinde, deren Entstehen, so weit sich geschichtlich habe seststellen lassen, in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückdatirt. (Ter vortreffliche historische Essay ist soeben im Drucke erschienen.) Zur bleibenden Erinnerung an den 80. Geburtstag des Herrn Rabbiners haben der Vorstand und die Repräsentanten unserer Gemeinde beschloffen. eine Stiftung ins Leben zu rufen, welche den Namen „Rabbiner Salamon Brann'sche Stiftung" tragen und deren Zinsen alljährlich am Geburtstage des Jubilars zu wissenschaftlichen oder wohlthätigen Zwecken, je nach der Bestimmung des Herrn Rabbiners, verwendet werden sollen. Möge unserer Gemeinde der eifrige Seelsorger, der Familie der gute Vater und der Stadt Schneidemühl der treue Bürger noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit und geistiger Frische erhalten bleiben! Paris, 27. November. Die hier leb-nden russischen Untert hauen israelitischer Confessio n legten heute in der Synagoge den Treueid für Kaiser Nicolaus ab. Der Großrabbiner hielt eine längere Ansprache, in welcher er, auf die Lage der Israeliten in Rußland anspielend, sagte: „Niemals vermochte ein Sohn wegen einiger, durch bedauernswerthe Mißverständnisse hervorgerufenen Härten im Groll gegen seine Mutter zu verharren. Seine Achtung und Liebe vermindern sich deswegen nicht; er erwartet nur ein wohlwollendes Lächeln, um sich in die Arme derjenigen zu werfen, die er trotz alledem und überall liebt und verehrt." Rom, 24. November. Der Deputirte Fürst B. Odescalchi veröffentlicht ein „lottere sociali" betiteltes Werk, in dem ein bedeutendes Capitel dem A n t i s e m i t i s m u s gewidmet ist. Der fürstliche Autor bezeichnet denselben als absurd und hebt mit Nachdruck hervor, daß die Juden in den Einheitskämpfen Italiens eine rühmliche Rolle gespielt, wie auch viele unter ihnen die Garibaldinische Kriegsmedaille tragen oder, wie der brave Reiterofficier und jetzige Abgeordete Nlderico Levi u. A. mit Ehren in der Armee dienten. Schließlich weist Fürst Odescalchi noch darauf hin, d a ß i n die s ä m m tlichen Bankscandale kein einziger israelitischer Name verflochten war. San Francisco, 14. November. Unser Glanbensgenosse Herr Adolf S u t r o ist zum Mayor (Bürgermeister) unserer Stadt gewählt worden. Er hatte fünf Gegencandidaten und erhielt eine Majorität von 2000 über die für jene abgegebenen Stimmen. Es geschieht zum ersten Male, daß ein Glaubensgenosse zum Mayor einer Stadt vom Range San Franciscos gewählt wurde. Herr S n t r o, ein Sohn des bekannten westfälischen Rabbiners Su tr o, hat sich bisher von der Politik ferngehalten und ist nur als Mäcen der Wissenschaften aufgetreten. Seine Bibliothek enthält auch eine reichhaltige Collection hebräischer Manuscripte, welche neulich durch die Behauptung des Bibliothekars, die von Maimonides geschriebene Thorarolle gefunden zu haben, in öffentliche Discusfiorr kam. Wien. (Trauung.) Am 9. December 1894 findet im Stadttempel die Trauung des Frl. Rosa G l a s s mit Herrn Samuel Bachrich statt. Sonntag, den 9. December findet im israelitischen Tempel zu Ungereigen die Trauung des Fräulein Frida Sor, Tochter des Herrn Rabbiners Wilhelm S o r, mit Herrn Moritz Kalis ch statt. Wien. (Ferienheim-Akademie.) Wie alljährlich, veranstaltet auch heuer das „Ferienheim", Verein für israelitische Feriencolonien, dessen wohlthätiges und gemeinnütziges Wirken wir wiederholt zu würdigen Anlaß hatten, eine große Wohlthätigkeils-Akademie. Die außerordentlichen Erfolge, von welchen die bisherigen Veranstaltungen begleitet waren, bewegen das Comite, Heuer vom Ronachersaal in den großen Sofiensaal zu übersiedeln. Das Programm ist diesmal ganz besonders reichhaltig und vielversprechend. Mit Rücksicht auf den humanen Zweck haben nämlich aus besonderer Gefälligkeit ihre Mitwirkung zuaesagt: die Damen: Frau Fanny Basch-Mahler, Pianistin; Frau Ellen B r a n d t - F o r st e r, k. u. k. Kammersängerin; Fräulein Dora Hönigswald. Violin-Virtuosin; Frau Kopacsi-Karczag; Fräulein Frida Lanius, Mitglied des Raimundtheaters; Freifrau Marie v. M e y s e n b u g - S ch w a r z. Mitglied des Raimundtheaters. Die Herren: Louis von B i g n i o. k. u. k. Kammersänger; Friedrich M i t t e r w u rz er, k. u. k. Hofschauspieler; Adolf Rauch, Mitglied des k. k. priv. Theaters in der Josefstadt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.