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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 956 Vestrrrrdtzifrtze Wochrnschrty Nr. 49 heißen Segenswünsche, wie sie eben nur ein zärtlich sorgendes Mutterherz vom Himmel herabflehen kann, erfüllten sich; über Ungerleid er's Haupte waltete ein gütiger Stern. Es wurde ihm das Glück zutheil, an der Seite zweier hervorragender Gelehrter, des berühmten Rabbiners und Philologen Dr. Rappaport und des bedeutenden Predigers Dr. Kämpf, deren Lieblingsschüler Ungerleider bald wurde, sich für seinen heiligen Beruf vorzubereiten. Rappaport setzte die größten Hoffnungen in den Jüngling, Kämpf war ihm mit rührender Liebe zugethan. Es läßt sich daher wohl denken, daß Un gerleider unter solch seltenen Auspicien und so trefflichen Lehrern seine Studien in bester Weise vollendete und hierauf an der Plager Universität als Doctor der Philosophie promovirt wurde. Des Jünglings Herz, das sich nun seinem Ziele so nahe fühlte, zog es nun beim zur Mutter. Ungerleider hi-lt sich nun einige Zeit, ernsten Studien gewidmet, wieder zur Freude seiner Angehörigen im Vaterhause auf. Hieraus wandte er sich nach Wien, wo er die Aufmerksamkeit des Predigers Dr. Adolf Jellinek auf sich zog, mit dem ihn bald innigste Freundschaft, die bis zum Tode Iellinek 's währte, verband. Im Herbste 1862 erhielt Ungerleider seinen ersten Ruf als Rabbiner an die Gemeinde G ü n s. Nach einmaliger Probeprediqt wurde der junge Mann einstimmig acceptirt. Im gleichen Jahre heiratete Un g erleid er ein Mädchen seiner Wahl, die mit den schönsten weiblichen Tugenden ausgestattet war. Dr. Jellinek segnete damals den Herzensbund. Mit seiner Gemablin, welche ihm stets treu zur Seite gestanden, die Bürde des Amtes erleichterte, die Tage der Sorge erheiterte und ihrem geliebten Gatten glückliche und frobe Stunden bereitete, vereint feiert Dr. Un gerleider sein Jubiläum. Der Ruf seiner tiefempfundenen, geistvollen Predigten verbreitete sich alsbald und nach zweijähriger Amtsthätigkeit in G i'i n s nahm Ungerleider eine Stelle in Ra witsch in Deutschland an. von wo er bald einem ehrenvollen Rufe nach Berlin Folge leistete. Fünfundzwanzig Jabre sind seitdem verstrichen. Ungerleider hat in Deutschland zum größten Segen seines Volkes gewirkt. Er gilt als Reformator des Rabbinatswesens daselbst. In der Zeit seiner Amtsthätigkeit hat er sich die Li?be und Verehrung, die Dankbarkeit und Hochachtung der Gemeinde und der vielen Freunde, deren Stolz und Zierde er bildet, in vollem Maße durch seinen seltenen Charakter und sein gewinnendes, liebenswürdiges Wesen erworben. Als sich die Berliner Gemeinde ans Anlaß seines fünfundzwanzigjährigen Rabbiner-Jubiläums im Jahre 1887 zur Feier dieses seltenen Erinnerungstaaes rüstete, war es Doctor Un gerleider. der in seiner bescheidenen Weise um jeden Preis jegliche Feier vermied. Ebenso wollte es der Jubilar auch diesmal machen, doch die dankbare Gemeinde in Berlin ließ es sich nicht nehmen, ihr geschätztes Oberhaupt anläßlich deffen fünfundzwanzigjährigen Jubiläums als Rabbiner und Prediger in Berlin in festlicher Weise zu feiern, wozu sie schon seit Monaten Vorbereitungen traf. GorresponäenLm. Wien. Das „Vaterland" schreibt in der Nummer vom 30. November unter dem Schlagworte: Der Kampf um die sittliche Reinheit im antisemitischen Lager. Wir haben anläßlich der Wahl des Herrn Pacher in den niederösterreichischen Landtag erwähnt, daß die „Ostdeutsche Rundschau" diese Gelegenheit benützte, um zu versichern, daß n u r die von ihr vertretene Schönerer-Richtung im antisemitischen Lager sittliche Reinheit und Strenge der Grundsätze aufweise. Das „Deutsche Volksblatt" nahm dies schweigend hin. aber es trat heute in die Concurrenz um die Sittenstrenge, indem es in der Einleitung zu dem Processe des Pfarrers Scherzer erklärt, daß die antisemitische Partei (Vergani-Couleur) die ehrlichste und ehrenhafteste sei, weil sie keinen Schurken unter sich duldet. Diese Strenge gegen den Gefallenen, noch vor Beendigung des Processes, soll wohl der Ausbeutung der Affaire seitens der liberalen Presse die Spitze abbrechen. Das mag in den Augen Mancher ein guter taktischer Zug sein. Aber ein christlicher Zug ist es nicht, und selbst die Nichtchristen werden in der Erinnerung an den Eifer, mit welchem der unglückllche Priester sich früher für das „Volksblatt" einsetzte, sagen: Ein wenig mehr Milde und Dankbarkeit wäre besser am Platze gewesen. Edgar Hermann Geider in Stein. Vorige Woche ist vom Präsidium des Landesgerichtes die strafweise Escortirung des wegen Erpressung veruriheilten Edgar Hermann Geider in die Strafanstalt Stein veranlaßt worden. Geider ist bekanntlich wegen des Verbrechens der Erpressung und des Betruges zu acht Monaten schweren Kerkers und nachheriger Landesverweisung verurtheilt worden und hätte seine Strafe im hiesigen Landesgerichte abbüßen sollen. In den letzten Wochen wurde er nun als Schreiber in der Verwaltungskanzlei verwendet und dies hätte wahrscheinlich bis zum Ende seiner Strafzeit gewährt, allein gestern wurde die Entdeckung gemacht, daß Geider den Aufenthalt in der Kanzlei benützte, um sich Notizen über die Verhältnisse im „grauen Hause" zu m a ch e n, die er nach seiner Enthaftung zweifellos in einer seinen Gewohnheiten entsprechenden Weise verwerthet hätte. Auf Grund dieser Entdeckung verfügte, wie oben schon erwähnt, das Landesgerichts- Präsidium den Transport Geider's nach Ste^n. Wien, den 3. December 1894. Auf die Initiative der akademischen Verbindung „Kadimah" versammelten sich Samstag den 24. November die Mitglieder der drei jüdisch-nationalen akademischen Verbindungen im Locale der „KadimaK", um über Ort, Zeit und Tagesordnung des in kürzester Zeit stattfindendenDelegirtenconventesaller jüdisch.nationalen akademischen Vereine zu discutiren. Nachdem der Senior der „Kadimah" Drd. med. Leonhard G e r b e l die überaus zahlreich Erschienenen auf das Herzlichste begrüßt und in einleitenden Worten die große Wichtigkeit und Bedeutung eines Delegirtenconventes entworfen hatte, ergriffen die Vertreter der„Ünitas" und „Gamala", sowie so manches alte und junge Haus das Wort und brachten ihre Wünsche und Meinungen vor. Das vorläufige Resultat der überaus intereffanten Discussion ergab als Ort Prag und als Zeit die kommenden Osterferien. Bezüglich der Tagesordnung blieben einige Punkte vorläufig in8U8xen8c>. Zum Schluffe las das Präsidium die eingelangten Zustimmungskundgebungen nahezu aller jüdisch-nationalen akademischen Vereine in Graz, Czerrowitz. Prag betreffs Abhaltung eines Delegirtenconventes vor, welche von den Anwesenden stürmisch acclamirt wurden. Olmütz. 4. December. Die Handels- und Gewerbekammerin Olmütz hat über Antrag ihres Mitgliedes Herrn Sigmund Zweig, einen Gewerbetreibenden in Proßnitz, Herrn Sigmund Springer, welcher durch 50 Jahre das Schuhmachergewerbe betreibt, mit nachstehender Zuschrift beglückwünscht : In Ausführung Unes in der am 30. November d. I. stattgefundenen 323. Sitzung mit Stimmen-Einhelligkeit gefaßten Beschlusses beglückwünscht Sie die Handels- und Gewerbekammer in Olmütz herrlich anläßlich der ebenso seltenen wie erfreulichen Feier Ihres 50jährigen Gewerbebetriebes. Ihre halbhundertjährige gewerbefleißige Thätigkeit ehrt nicht nur Sie. sondern auch Ihren Stand und die Unterzeichnete Handels- und Gewerbekammer gibt dem Wunsche Ausdruck, daß Ihnen ein gütiges Geschick vergönnen wöge, sich noch ungezählte Jahre Ihrem Berufe widmen zu können." Olmütz, am 3. December 1894. Für die Handels- und Gewerbekammer der Präsident: Moritz P rimavesi m. pM der zweite Secretär: Max H o e n i g m. p. Die hiesige Cultusgemeinde beabsichtigt, bereits im nächsten Frühjahre mit dem Baue des projectirten Tempels, der nach drei Seiten freistehend eine Ecke des Maria Theresienplatzes bilden soll, zu beginnen. Für diesen Tempelbau ist eine Summe von 120.000 fl. präliminirt, eine Summe also, die es wohl ermöglichen dürfte, ein architektonisch geschmackvolles Bauwerk auszufübren. In dieser Summe sind die Kosten des Baugrundes per fl. 17.039°97 mit inbegriffen. Lemberg. im December. Die Markus Bernstein-Stiftung hat wieder fünf neue Zöglinge ausgenommen, von denen einer bei einem Schmied, einer bei einem Taschner, einer bei einem Tischler und zwei bei Schlossern untergebracht wurden. Die Bekleidung sämmtlicher Zöglinge fand am 28. v. M. in Gegenwart der Comitemitglieder statt. Der Vorsitzende Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Caro ermahnte die Lehrlinge auch zum fleißigen Besuch des Gotteshauses an Ruhetagen. — In der Sitzung des Cultusrathes am 29. v. M. wurde beschlossen, auf Ansuchen der Frau Marie W o h l s e l d einen

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