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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 954 VrklrrrrirhUchr WochrnlchrM Nr. 49 Der Deutsche als Soldat. Jahraus, jahrein bestreiten es die Antisemitln, daß die Juden gute Soldaten sind. Wir haben oft genug gezeigt, daß dieser Borwurf jeder Begründung entbehrt und daß er nur das Resultat von Gehässigkeiten ist. Wen man haßt, dem sucht man auf jede Weise zu schaden und zu verdächtigen. Die Geschichte lehrt, daß der Deutsche fast immer Soldat ersten Ranges gewesen ist. Das hindert aber die deutschfeindlichen Iankees nicht, den Deutschen vorzuwerfen, daß fieschlechieSoldaten gewesen seien. Der „Globus" vom Jahre 1864 (Bd. 5. S. 142) schrieb: „Der New-Iork-Herald suchte vor einiger Zeit zu beweisen : daß die Deutschen im Iankeelande ganz miserable Soldaten seien und in Europa auch nicht viel besser wären. Mit jener Dreistigkeit, welche den Aankee charakterisirt, führte der Herald den Satz aus, daß e i n Irländer tapferer sei und im Kampfe mehr leiste, als drei der besten deutschen Soldaten; das habe sich bei Waterloo gezeigt und doch habe man in Deutschland so viel Aufhebens von der preußischen Tapferkeit bei Waterloo gemacht!" Man sieht, die Antisemiten haben nicht einmal Originalität in ihren Vorwürfen. Die Juden befinden sich, wie wir gesehen haben, in guter Gesellschaft. Das Deutschthum der Juden im Ausland. Die deutsche „Pariser Ztg." schrieb 1863 (s. Globus 1863 Bd. 4. S. 96): „Besonders sind es die wirklichen Deutschen, welche auf diese Weise alles Deutsche an den Nagel hängen, während die elsässischen und schweizerischen Familien ihre Kinder oft jahrelang in dw Heimat schicken, um ihnen die deutsche Sprache zu bewahren. „Noch mehr aber sind es die I s r a e l i t e n, welche die deutsche Sprache gleichsam als Nationalsprache pflegen. Ueberall wo man in Paris einen Israeliten antrifft, kann man ihn herzhaft deutsch anreden, und man wird immer verstanden werden. Die Pariser und überhaupt alle französischen Israeliten stammen freilich zunächst aus Deutschland, mit Ausnahme von wenigen Portugiesen; aber manche Familien sind doch schon seit Jahrhunderten in Paris ansässig und sprechen noch immer deutsch." Nebenbei bemerkt, sprechen auch die in 'Galizien und in Russisch-Polen lebenden Juden fast ausnahmslos deutsch neben dem Polnischen." Ein antisemitisches Wucherinserat. Das „Deutsche Bolksblatt" enthielt in der Nummer vom 29. November d. I. folgendes Inserat: Ein k a t h o l. G e i stl i ch e r sucht ein Darlehen von 1500 bis 2000 fl. zu hohen Percenten. Bis dat, qui cito dat! Zuschriften unter „M. D." an das Amioncen-Bureau Hubert Friedl, Wien VI. 9293 Antisemitische Mediein. Das in Wien erscheinende „medicinisch-chirurgische Centralblatt" bringt in den Nummern 45, 46, 47 seines gegenwärtigen Jahrganges ein Feuilleton, betitelt: „lieber die venerischen Krankheiten beiden alten Israeliten" von I. K. Proksch. Wenn es nun auch in den Augen aller billig Denkenden für die Ehre des jüdischen Volkes ganz gleichgiltig ist, ob da - Vorkommen von venerischen Krankheiten bei den alten Juden historisch erwiesen ist oder nicht, da es auf dem ganzen Erdenrund kein Volk gibt das sich des Freibleibens von diesen Krankheiten rühmen darf, und selbst in der Literatur des germanischen Edelvolkes Hinweise auf das Vorkommen von Krankheiten, die sich als venerische deuten lassen, häufig genug Vorkommen (wie z. B. „Der arme Heinrich" von Hartmann von der Aue) und Ulrich van Hutten sogar seine eigene Syphilis selbst beschrieben hat, so glaube ich doch das Interesse der jüdischen Fachpresse auf den genannten Artikel lenken zu müssen, denn nicht nur, daß die bekannten Stellen aus dem Pentateuch zur Beweisführung herangezogen werden, citirt Herr Proksch eine ganze Reihe von Versen aus den Psalmen, um nachzuweiseu, daß König David ebenfalls an Syphilis gelitten habe. Auch Stellen aus den Propheten und Hiob werden in ähnlicher Weise gedeutet. Wenn nun die Autorität des Herrn Proksch auf dem Gebiete der venerischen Krankheiten nicht in Frage gezogen werden soll, so muß sie hingegen auf dem Gebiete der Bibelexegese sehr bezweifelt werden, denn jeder Unbefangene, der seine Arbeit liest, wird sich sagen müssen, daß hier das Unglaublichste an Kühnheit und Albernheit der Deutungen geleistet wurde. Da immerhin die Möglichkeit bej steht, daß Herr Proksch später einmal nicht blos von antisemitischen Nichtkennern der Bibel, sondern auch von solchen Bibelkennern, wie z. B. der Herr Pfarrer Deckert als Autorität citirt werden dürfte, so dürfte es nicht überflüssig sein, bei Zeiten die Anregung dazu zu geben, daß berufene Bibelkenner die Auslegungen des Herrn Proksch ein wenig kritisch prüfen. Dr. G. B. . Abgeordnete als Mädchenhändler. Der frühere Nechanitzer Bürgermeister, Herr Matejowsky, erklärt im „Hlas Naroda", daß während seiner Amtsführung der in der Gemeindekanzlei betriebene Mädchenhandel nach dem Oriente und die nächtliche Uebersührung der Mädchenwaare auf entlegenere Eisenbahnstationen eingestellt war, aber unter der Bürgermeisterschaft des neugewählten Reichsraths-Abgeordneten Raschin wieder dermaßen blühe, daß mancher Mädchenpatron oft zwanzig Kinder wegführe. Ein verurtheiltcr Handelskannnerrath. Der gewesene Handelskammerrath Joses Wiczar in Brünn wurde vom Brunner Landesgerichte wegen Verbrechens der Veruntreuung zur Kerker strafe in der Dauer von vier Monaten verurtheilt. tzPater Scheicher und das Alte Testament. Als der Abgeordnete Dr. Bloch am 5. November in seiner Rede bemerkte: „Wir Juden haben bereits vor vier Jahrtausenden für die Arbeitsthiere den gesetzlich wöchentlichen Ruhetag eingeführt — Sie lesen das im U. Buch Mose, Capitel 20, Vers 10 — sprang Herr Scheicher auf und rief: „Das haben nicht Sie eingeführt." Abgeordneter DL. Bloch: „Wir Juden!" Abgeordneter Dr. Scheicher: „Das waren nicht die Juden, das ist ein Gottesgesetz. Abgeordneter Dr. Bloch : „Das ist richtig und ich nehme diese Belehrung dankbar zur Kenntniß. Es ist richtig, daß nicht wir Juden das eingesührt haben, es ist ein göttliches Gebot, aber wir Juden können behaupten, daß wir dieses Gesetz bis heute in der Ursprache erhalten und auch vertheidigt haben." Am 3. December aber sagte Abgeordneter Scheicher in einer curiosen Rede wörtlich: „Das jus talionis ist eine altjüdische Einführung. Dort hat es geheißen: Auge um Auge, Zahn um Zahn; das ist nicht die christliche Anschauung."^ Nun möchten wir wissen, wie es eigentlich um das Alte Testament ist. Ist es jüdisch oder göttlich? Nichts ist blödsinniger aber als die immerwährende Anzapfung des biblischen Satzes II Mos. 21.3 (vergl. III M. 24. 19 V M. 19.21): „Auge um Auge, Zahn um Zahn" — in welchem die pädagogische Weisheit eines großen Herzenskenners sich offenbart, der da weiß, daß der Rachedurstige niemals geneigt ist, sich blos so weit zu rächen, als er gelitten hat. Der Arier gibt zehn Schläge wieder, wenn er einen erhalten. Zu seiner Frau Hera sagt Zeus (Ilias 4.35): „Du möchtest ihn am liebsten noch verschlingen, den Priamos und Priamos Sohn." Hekabe sagt (Ilias 84.213): von Achill „dem gern aus dem Busen die Leber roh ich verschlingen möchte, einbeißend." Weil Dirke die Mutter des Amphion beleidigt, die Antiope, ihres Gatten erstes Weib, so rächen sich die Söhne, indem sie die Dirke an die Hörner eines wilden Stieres banden und sie zu Tode schleiften. So handelten die den Menschen >,ur Nacheiferung empfohlenen Jdealgestalten der Arier. Das Alte Testament hat die Lust nach Rache gezähmt und begrenzt auf das Ausmaß des erlittenen Schadens,' um sie schließlich völlig zu verbieten. (III M. 19.18). Josef Münz. '.Ein Nachruf. Donnerstag, den 39. November, in der vierten Nachmittagsstunde haben wir in Leipnik in Mähren einen unendlich edlen Mann aus dem jüdischen Friedhofe bestattet. Josef Münz, der volksthümliche, von Allen tief betrauerte 75jährige Greis, hatte es sich während seines Lebens zur Aufgabe gemacht. Thränen zu trocknen und darum sind um ihn so viele Thränen geflossen. Der ethische Gipfel, auf dem er zeitlebens stand, steht in keinem Berhältniß zu dem kleinen Orte in dem er wirkte. Er persönlich lebte in Patriarchalischer Bedürfnißlosigkeit und doch war er, wenn auch kein Moses Montefiore an Schätzen, ein solcher an Barmherzigkeit.

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