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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 953 VrprrrettMHr Wortzenschrtfl Nr. 49 und Unduldsamen eine heilsame Lehre gegeben; indem Sie sich so!ch;rmaß;n für die Freiheit Anderer verwenden, sogar für solche, die ehemals Ihre Verfolger waren, haben Sie der Welt bewiesen, daß Sie selber würdig sind, frei zu sein. „Die verschiedenen Confessionen haben wahrlich etwas Besseres zu thun, als sich gegenseitig zu ächten und zu anathemitisiren. Sie sollten lieber jede auf ihrem eigenen Boden das Laster, die Geißel der Menschheit, zu bekämpfen suchen. „Auch bin ich aus weiter Ferne mit Bewunderung und mit großen Hoffnungen für die Zukunft der Welt dem Religions-Congresse in Chicago gefolgt. Ich war glücklich, zu sehen, wie unsere katholischen Bischöfe und protestantischen Pastoren an der Seite Ihrer Rabbiner öffentlich ihre Gebete an unseren gemeinschaftlichen Vater im Himmel richteten. Möge dieses edle Beispiel von allen guten Menschen auf beiden Seiten des Oceans verstanden und nachgeahmt werden!" Ich bin heute theils unter deutscher, theils unter französischer Fiagze gesegelt. Jnmeinem Nächsten soll unser Sternenbanner flattern. Mi Jodea. Srünner Schatten. Bon M. S. II. Im weiteren Verlaufe unserer Berichte und Ausführungen wird sich vielleicht die Gelegenheit noch ergeben, einige jener Aufgaben naher zu bezeichnen, deren Studium wir uns erlauben werden, einer künftigen Vertretung unserer Cultusgemeinde angelegentlich zu empfehlen. Einstweilen haben wir und mit uns die groß; Mehrzahl der Wähler noch dies und das, was uns drückt und das wir ihnen und uns zuvor vom Herzen herunterreden müssen. Wenn sittlicher Ernst und Reinheit der Beweggründe uns einerseits davor bewahren werden, Nebendinge aufzubauschen, so hoffen wir anderseits bei dem Einsichtigen dafür Vergebung zu finden, daß ihm die Wahrheit in rauher Schale gereicht, wird. Das Comite, welches von den am 25. November im Gewerbevereinssaale Versammelten auf höheres Commando eingesetzt wurde, hat sich constituirt und erließ bereits am 27. v. M. eine Kundgebung in dem Sinne, daß es bereit sei, Anmeldungen von Candidaten entgegen zu nehmen. Seltsamerweise ist bei dieser wichtigen Cultusangelegenheit jener junge Herr, welcher noch immer an der Fortsetzung seiner galanten Antecedentien arbeitet, sogar in den Vordergrund gestellt worden. Angesichts einer solchen — verzeihen Sie das diesmal weiche Wort — Geschmacksverirrung ist es schwer, seine Gelassenheit zu bewahren. Das Hervortreten eines Sachverständigen seiner Art wäre berechtigt, wenn es sich um eine Schönheitsconcurrenz handelte, wenn es gälte ein Balletcorps zu engagiren, oder einen Narrenabend, allenfalls ein Purimfest zu veranstalten. — Man hat sich einfach dem öffentlichen Gelächter preisgegeben. In jener Kundgebung des Comites heißt es auch, daß die dem Vorstände derzeit anaehörenden zehn Mitglieder sich zur W.edecannahme ihrer Mandate bereit erklärt haben, wir aber glaub:n mit Bestimmtheit versichern zu können, daß bei dieser Ziffer ein — sagen wir ein Druckfehler mit unterlaufen ist. Fehlgriffe und Bemäntelungen können eben schwer vermieden wrrden, wrnn eine Coterie es unternimmt, als Vorsehung für eine ganze Gemeinde aufzutreten, um ihre Machenschaft an die Stelle des Gesammtwillens zu setzen. Brünner Schatten— nein, ein großes Licht thut sich auf! Eine hoch hinaufragende Leuchte hat sich aus der engen Beschränkung unserer Gemeinde emporgehoben. Sie läßt ihr Licht erstrahlen weit oben in ihren Hallen, wo der Adel der Geburt wie der Adel des Geistes an der gesetzgebenden Gewalt im Staate theilnehmen; sie nimmt die erste Stelle ein in jener Kammer, welche als die gesetzliche Vertreterin des ganzen Berkehrslebens unserer betriebsamen Hauptstadt und weitum liegenden Bezirke anzusehen ist; aber der Strahlenglanz dieser Leuchte ist so groß daß er unsere ganze Cultusgemeinde — verdunkelt. Wir stehen im Schatten ihrer Pfeiler und haben von ihrem Lichte keinen Gewinn. Wenn einst in einem künftigen Jahrhundert ein Enkel oder später Urenkel mit antiquarischen Neigungen es unternehmen wird, die Geschichte unserer Cultusgemeinde zu schreiben, wenn er, um einen orientirenden Ueberblick zu gewinnen, die im Staube des Archivs schlummernden Wahlprotokolle hervorholen wird, um ein Namensverzeichniß der auf einander folgenden Gemeindevertretungen und Vorstände in chronologischer Ordnung zusammenzustellen, dann wird er, zu jener Zeit kommend, welche für uns Gegenwart ist, freudig in die Hände schlagen und in stolzer Bewunderung ausbrechend laut ausrufen: „Wrlch; Kernmänner waren doch meine Vorfahren! Hier finde ich einen Mann, welcher mehr als dreißig Jahre hintereinander an der Spitze der Gemeinde stand. Welch ein langer Zeitraum ist das, um Gutes zu stiften! Welche bedeutende Leistungen müssen es gewesen sein, die ein so hohes Vertrauen, eine fast beispiellose Anhänglichkeit rechtfertigen konnten!" Und lebhafter und wärmer werdend wird der ferne Urenkel also fortfahcen: „Rasch nachgeforscht, welche große Stiftungen er während seiner Amtsdauer in das Leben gerufen hat; ich bin darauf gespannt, zu erfahren, welche nützliche Einrichtungen seinem weisen Rathe ihr Entstehen verdanken. Es muß äußerst interessant sein, seiner Mitwirkung bei den verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen unserer Gemeinde nachzuspüren, . sowie jene Anstalt zu kennen, welcher er eine besondere Bevorzugung angedeihen ließ, seine persönliche Fürsorge widmete, endlich auch die Rlesensumme alles dessen zu ziehen, was dieses wahrhaft jüdische Herz Jahr für Jahr an Arme und Unglückliche, Heimische und Fremde mit allzeit offener Hand ausgespendet hat, um sich eine Leiter in den Himmel zu bauen." Armer Urenkel, Du dauerst mich! Wie schlecht wird sich Deine Mühe lohnen! Vergeblich durchforschest Du Protokolle, Chroniken, Stiftsbriefe, Tagebücher, Denkschriften — nichts von allem dem, was Du erwartest, wird sich finden. Umsonst ist Dein Bemühen. Wo Du einen nie versiegenden und versagenden Born zu entdecken wähntest, erkennst Du endlich das gähnende Nichts. Du wirst Dich Deiner voreiligen Bewunderung schämen und mißvergnügt und enttäuscht wirst Du Deinerseits ausrufen: Arme Voreltern, Ihr dauert mich! So soll es und so kann es nicht weiter gehen! Wir wollen eine Person an unserer Spitze haben und nicht einen klingenden Namen, ein warmfühlendes jüdisches Herz und nicht eine kultgleißende Glorie, einen Mann, der das Ehrenamt, welches wir zu vergeben haben, schätzt und würdigt, und keinen solchen, dem es nachgeworfen werden soll. Nach einem ganzen Menschenalter zum erstenmal begibt es sich wieder, daß die gesummte Gemeindevertretung nach einem neuen Statut neu zu wählen ist, und eine, fo wichtige Wahlhandlung will man auf die niedrige Stufe einer schriftlichen Offert-Verhandlung herabdrücken? Eine so wichtige Wahl sollte nicht auf eine solche Weise durchgeführt werden, daß auch der letzte Wähler, keinen Anlaß habe, die gerechtfertigte Klage zu erheben, man habe ihn mundtodt gemacht? Im Namen der Gerechtigkeit, im Namen der Billigkeit appelliren wir an die Ehrenmänner der im Amte befindlichen Vertretung, damit sie den einen Schritt thun, welcher allein ih er Würde und der Würde der Wählerschaft angemessen ist, damit sie ihren früheren Beschluß, bezüglich des Wahltermines reassumire und der Vorgesetzten Behörde zur Kenntniß bringe, daß die Wahl aus den anzugebenden wichtigen Gründen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werde. Derselbe müßte weit genug entfernt sein, um eine gehörig vorbereitete große Wählerversammlung in's Werk zu fitzen, in welcher nicht blos die Candidaten angehört, sondern auch die eigenen Wünsche und Anregungen der Wähler zum Ausdruck gebracht werden können. „Borenthalte die Wohlthat nicht dem, der darauf Anspruch hat. wenn es in Deiner Gewalt steht sie zu erweisen". 8pr. Sal. IU. 27. (Ein dritter Artikel folgt.) Vom Jahrmarkt des Lebens. Ein Meeting der italienischen Arbeiter. Im Lannersaale fand Sonntag ein zweites Meeting der in Wien lebenden italienischen Arbeiter statt, welche bekanntlich im Begriffe sind, einen Bildungsverein auf socialistischer Grundlage zu errichten. In Folge eines Zwischenfalles nahm die Versammlung einen ziemlich bewegten Charakter an. Als Vorsitzender fungirte der Arbeiter Pitacco, als Referent Antonio Gerin, welcher unter Anderem auch den Wahlrechtskampf in Oesterreich berührte und dabei erklärte, daß die Arbeiterschait mit dem, was Regierung und Parlament bieten wollen, unmöglich zufrieden sein könne, sondern ihr volles Recht verlangen müsse.

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