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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 VrflrrreiWptzr WorhenkchrM Seite 949 der menschenfreundlichen Tradition, welche Sie aus Liebe zum Guten und innigem Mitgefühl für unverschuldetes Unglück so hochherzig pflegen. Der heutige Tag ruft in uns zugleich die dankbare Erinnerung an zwei hochverdiente Männer wach, welche vor einem halben Jahrhundert unter äußerst schwierigen Verhältnissen den Grund zu dieser Bildungsstätte legten. Ein einfacher Denkstein, errichtet von der Dankbarkeit ehemaliger Zöglinge, ist den Manen des unvergeßlichen Gründers Herrn Hirsch Kollisch geweiht. Wir schätzen uns glücklich, unseren geistigen Lehrer und Bildner Herrn Joel Deutsch an dem Ehrentage des Institutes zu begrüßen. Der Allmächtige, der auch das Gebet des Gehörlosen in Gnaden aufnimmt, möge diese unsere Bildungsstätte immerdar segnen durch die Liebe, welche er in das Herz edler Menschenfreunde legt, damit sie sich der armen Taubstummen annehmen, und durch die heilsamen Erfolge, welche die Lehrer in ihrem hingebungsvollen Wirken erzielen. Möge diese unsere geistige Geburtsstätte noch durch eine recht lange Reihe von Jahren ihren Förderern und Lehrern zum Ruhm und den Verwaisten der Natur zum Segen gereichen! Nun ergriff Herr Landesschulinspector Dr. Ri eg er das Wort und führte aus. wie die Anstalt wahrhaft edlen Herzensregungen seine Entstehung verdanke. In Baden bei Wien, wo so viele Kranke Heilung fänden, sei auch das Heil für die israelitischen Taubstummen erstanden. Dort hätten sich drei Männer zusammengefunden, tres faciunt collegium, und was der Eine erdacht, der Andere gewünscht, das hätte der Dritte in die That umgesetzt. Er erwähnte der großen Schwierigkeiten, welche die Anstalt im Beginn zu überwinden hatte, denn was gebe es, was mit Energie, Kraft, guter Absicht und Begeisterung ergriffen und nicht — angefeindet werde, doch die Frühlingsstürme seien vorübergezogen, und heute stehe ein Institut da, dessen äußere Ausgestaltung und dessen Räume und Einrichtungen zeigen, was für ein Werk wahrer Humanität aus kleinen Anfängen sich emporgerungen hatte. — Die Unterrichtsverwaltung werde mit Kräften dazu beitragen, daß die Anstalt lebe, wachse und gedeihe. Hierauf hielt der Director des Institutes, Dr. M- Brunner, folgende Ansprache. Hochverehrte Versammlung! Fünfundzwanzig Jahre sind verstrichen, seitdem die Erkenntniß von dem unermeßlichen Werthe einer alle Schichten der Bevölkerung umfassenden Bildung das Reichs-Volksschulgesetz zur Reife brachte, und die doppelte Anzahl von Jahren ist verflossen, seitdem in jenem Städtchen des südlichen Mähren diese Anstalt ins Leben gerufen ward, damit auch jenen Kindern, die des Gehörs und der Sprache beraubt sind, die Wohlthat der Erziehung und des Unterrichtes gespendet werde. Wenn heute bereits mehrfach der Manen jenes edlen Menschenfreundes gedacht wurde, der diese Stätte schuf, auf daß auch jene von der Natur Enterbten mit dem geistigen und sittlichen Rüstzeug ausgestattet werden, dessen sie bedürfen, um die Menschenwürde, die auch in ihnen ruht, zur Entfaltung und zur Geltung zu bringen, dann ziemt es sich wohl auch aller Jener zu gedenken, in deren Herzen die göttliche Vorsehung den wärmenden und leuchtenden Funken der Nächstenliebe entzündet hat und die mit Thatkraft und mit begeisterter und begeisternder Hingebung dieses Werk der Barmherzigkeit gefördert haben. Denn wahrlich, aus dem unscheinbaren Bäumchen, das vor nunmehr 50 Jahren gepflanzt ward, ist ein herrlicher Baum geworden, wohlthuend, segensprechend, beglückend. Haben doch bis zum heutigen Tage viele Hunderte von taubstummen Kindern hier Aufnahme gefunden, haben an dieser Stätte Geistes- und Herzensbildung erlangt und wurden so befähigt, eine menschenwürdige, ehrenvolle Lebensbahn zu wandeln. Die Anstalt darf sich mit Stolz der mannigfachen Beweise huldvoller Gnade rühmen, die sie von Sr. Majestät, unserem erhabenen Kaiser und Herrn, empfangen hat: sie kann mit Freude und Genugthuung des warmen Wohlwollens gedenken, das ihr die hohen Behörden jederzeit entgegenbrachten. Diese beglückende kaiserliche Huld, dieses hochschätzbare Wohlwollen der hohen Behörden fanden ihre Begründung in den erziehlichen Erfolgen der Anstalt, und diese Erfolge sind das ureigenste Verdienst des ersten Lehrers und Directors dieser Anstalt, des Herrn kaiserlichen Rathes Joel Deutsch, der durch 44 Jahre mit zielbewußter Kraft und Ausdauer, mit bewunderungswürdigem Lehrgeschick diese Anstalt leitete, der in dieser Anstalt eine Schule für Taubstummenlehrer schuf, den wir. die wir an dieser Stätte zu wirken berufen sind, unsern Lehrer und Meister nennen, und dessen Name in der Geschichte des Taubstummen-Bildungswesens Oesterreichs immerdar an hervorragender Stelle genannt werden wird. Anerkannt muß werden, daß die Anstalt ihre materielle Entwicklung bis zum heutigen Tage dem Opfersinne und Opfermuthe hochherziger Menschenfreunde verdankt, denn in immer weitere Kreise drang die Ueberzeugung, daß hier ein wahrhaft gottgefälliges Werk Unterstützung heische. Anerkannt muß aber auch werden, daß die Anstalt diese werkthätige Unterstützung auch .fernerhin nicht missen kann, denn die fortschreitende Zeit stellt neue und vermehrte Forderungen an sie. Das Streben nach Bildung, ein charakteristisches Merkmal unserer Zeit, hat Kreise ergriffen, die weitab von der Heerstraße des Weltverkehrs liegen, und es kann daher keine Verwunderung erregen, wenn dieser Bildungsdrang sich auch in Ansehung der Taubstummen geltend macht, und wenn die Hilferufe bekümmerter Eltern um Aufnahme ihrer taubstummen Lieblinge in diese Anstalt aus den entlegensten Orten unseres Vaterlandes immer lauter und immer zahlreicher erschallen. Doch die Anstalt blickt vertrauensvoll in die Zukunft. Sie erhofft für sich noch fernerhin das ermunternde Wohlwollen der Behörden. Sie vertraut der Treue ihrer Freunde und Gönner. Sie vertraut aber auch den allbewährten Traditionen. die sie bis zu diesem Tage geleitet haben und in einer rühm- und ehrenreichen Geschichte klar zu Tage treten. Diese schönen Neberlieferunaen sollen sie auch in Zukunft leiten! In vollem Bewußtsein von der Heiligkeit der Ausgabe, die die Anstalt zu lösen hat. werden Alle, die aus Herzensneigung oder aus Berufspflicht ihre Kräfte der Anstalt weihen, Zusammenwirken, ihr den hohen Rang zu bewahren. den sie unter den Anstalten dieser Art einnimmt. Sie werden den Forderungen der Zeit, den Machenden Errungenschaften des menschlichen Geistes auf dem Gebiete der Erziehungskunde sorgsam folgen und nach Kräften und nach Möglichkeit Rechnung zu tragen bemüht sein, auf daß die Anstalt wie in den verflossenen fünfzig Jahren so auch in der Zukunft wirke zum Heile und zur Rettung Hilfsbedürftiger, zur Ehre unseres Vaterlandes, zur Ehre und zum Rnhme Gottes. Ein Zögling des Institutes sprach nun vernehmlich und verständlich folgendes Gebet: Allmächtiger Gott! Du machst stumm. Du machst redend! Du kennst jedes Gebet, jedes Wort, bevor es über die Lippen kommt! Höre auch mein Gebet! Ich bete zu Dir im Namen meiner Brüder und Schwestern, die hier Pflege und Erziehung finden. Schütze und segne dieses Haus, in welchem wir aelehrt werden, Deinen heiligen Namen anznrufen? Laß den Strahl Deiner Gnade dieser Stätte leuchten! Laß Dein Wort uns da verständlich werden! Halte jedes Ungemach fern von uns und von Allen, die hier eintreten! Segne unsern erhabenen Kaiser, der auch diesem Hause seine Huld bewiesen hat: Segne unsere Vorsteher und Vorsteherinnen. lohne ihnen die treue Fürsorge, die sie uns angedeihen lassen! Segne unsere Lehrer, segne Alle, Alle, die uns Liebe und Güte erweisen! Vater im Himmel, erhöre mein Gebet! Amen! Tief ergriffen hatten sich die Versammelten von ihren Sitzen erhoben und kein Auge blieb trocken, während das Kind die vorstehenden Worte sprach. Mit der Absingung der Volkshymne schloß die denkwürdige Feier. Anton Rubinstein. (Ein Beitrag zur Geschichte der russischen Juden.) In der „Nowoje Wremja", einem von kriegerischem, provocatorischen Antisemitismus triefenden Blatte, welches fast täglich in seinen Spalten, (sei es im Leitartikel oder Feuilleton, in Theateirecensionen oder Bibliographie, bei Besprechung auswärtiger Politik oder innerer Fragen) ein paar Juden abschlachtet oder die gesammte Judenheit auf langsamem Feuer im eigenen Fett gelinde schmoren läßt, widmete in seiner Nummer vom 9. November dem am Tage vorher zu ewiger Ruhe eingegangenen berühmten Künstler einen außerordentlich sympathisch gehaltenen Nachruf, dem ich mir erlaube, folgende charakteristische Stellen zu entnehmen:

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