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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-07 · 49 (7.12.1894) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 944 Weflrrrrtchtschr Wochrnschrtfl Nr. 49 Hefruchtend und anregend gewirkt. Ihr erst war es vergönnt, die ^Schulsreundlichteit in Kreisen zu wecken, bei denen man es früher kaum für möglich gehalten Härte. Und wenn auch noch jo viel in dieser Richtung gelyan werden muß, so ist doch das Schwerste, der Anfang, überwunden und der Erfolg in den wenigen Jahren des Bestandes der Stiftung geradezu ern enormer. Ern Beispiel möge dies beweisen. Die Leser unseres Blattes werden sich noch an die von uns geschilderten Schwierigkeiten bei der Gründung der Stiftungsschulen in S a s s o w und Z b o r o w erinnern, wo die Stiftung einen förmlichen Culturkampf zu bestehen hatte. Nach kaum zweijährigem Bestände dieser Schulen zeigte sich deren Einfluß nicht nur m den betreffenden Ortschaften, sondern auch in der ganzen Umgebung. Orte wie Kozlow und B r a t y k a m r e n sind selbst an die Stiftung mit der Bitte um Gründung von Schulen herangetrelen, und feit Beginn dieses Schuljahres functloniren dortfelbst bereits die von der Bevölkerung so heiß herbeigesehnren Stiftungsschulen. Em schulfreundlicher Sinn verbreitet sich innerhalb der armen jüdischen Volksschichten, die anfänglichen Gegner der Schulstistung sind bis auf vereinzelte mehr bemitleidete als beachtete Querköpfe geschwunden, welch' Letzteren zum Theil besseres Wissen, zum Theil, weil sie selber ohne jegliche Schulbildung, Sinn und Verständniß mangeln für den Segen eines geregelten Unterrichtes. Diese Erfolge hat die Stiftung hauptsächlich ihrem planvollen zielbewußten, concilianten, eine tiefe innere Liebe zur Sache verrathenden Vorgehen zu verdanken. Die Stiftungsschulen werden zunächst dort gegründet, wo der Schulbesuch seitens der jüdischen Jugend am aüerschwächsten ist. Die schulfeindliche jüdische Bevölkerung wird durch große Schonung der religiösen Gefühle für den Schulbesuch erst gewonnen, die herumlungernde Straßen- Mgend durch Gewährung von Bekleidung und Beköstigung der Schule zugesührt, wodurch dieselbe dem Bettel und sittlicher Verkommenheit entrissen wird, und schon in diesem Betracht hat die Stiftung in der kurzen Zeit ihres Bestandes versittlichend gewirkt. Die bisherigen Resultate der Stiftung auf dem Gebiete der Schulgründungen pnd mit Rücksicht auf die noch ganz kurze Dauer ihrer Wirksamkeit außerordentlich günstige. Die Stiftung erhält dermalen 25 Volksschulen, u. zw. in folgenden Orten: In Kolomea, Stanislau, Buczacz, Boryslaw, Rawa ruska, Horodenka, Gwozdziec, Monsterzyska, Sassow, Zborow, Delatyn, Sniatyn, Solorwina, Kozlow, Bialykamien, Zloczow, Ehocimierz, Tarnow, Neu-Sandez, Chrzanow, Brzesko, Miel ec, Wisnicz, Rozwadow und D^browa. Wie nothwendig die Gründung dieser Schulen war, erhellt aus folgenden beispielshalber angeführten statistischen Daten. Bor Cceirung der Stiftungsschulen besuchten ui Kolomea Tarnow Raw aruska Gwozdziec Monasierzyska Sassow Wisnicz Dqbrowa Solotwina Bialykamien von 2402 schulpflichtigen jüd. Knaben 115 die Schule. „ 2120 „ „ „ 195 „ „ h 458 p „ „ lb fr n - L20 „ „ „ 0 _ „ 249 „ " ,, 2 „ „ n 228 „ „ „ 4 „ „ 281 „ „ „ 12 „ „ n 481 „ n n ,, ,, „ 234 „ n 11 9 ii n ti 211 ii ii ii 0 fv i. Bis heute hat sich aber durch die Gründung von Stiftungsschulen die Frequenz in den betreffenden Orten um 5000 Knaben gehoben; außerdem genießen ca. 3000 Knaben den Volksschulunterricht in verschiedenen, von der Stiftung subventionirten Anstalten. Daß der erziehliche Einfluß dieser Schulen auf die Hebung der Sittlichkeit dieser sonst zum großen Theile der moralischen Verkommenheit anheimfallenden, verwahrlosten Jugend ein großer ist, ist für Jeden einleuchtend, der die galizrschen Verhältnisse nur einigermaßen aus eigener Anschauung kennt. Der nächste Zweck der Stiftung, die bisher zu Bettlern und Landstreichern Heranwachsenden Juden dem Handwerke und dem Ackerbaue zuzuführen, kann erst durch die Schule und im Anschluffe an dieselbe erreicht werden. Um bei der Jugend die Liebe und die Fertigkeit zum Handwerke zu wecken, ist in den Stiftungsschulen, die nicht nur Unterrichts-, sondern auch, und zwar im eminenten Sinne Erziehungszwecke verfolgen, der Hlöjdunterricht eingeführt worden, und sind die Leistungen der Knaben in den Schnitzerei-, Tischlerei- und Cartonnagrarbeiten wahrhaft überraschende. Mit der Zuführung zum Handwerke hat die Stiftung schon vom ersten Augenblick ihrer Thätigkeit an begonnen, und sind die Resultate schon jetzt bei dreijährigem Bestände der Stiftung befriedigende, zumal die Stiftung bei Unterbringung von Knaben bei praktischen Meistern in Galizien mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, und zwar sowohl seitens der noch im mittelalterlichen Vorurtheil befangenen jüdischen Bevölkerung, als auch seitens der Fachgenossenschaften, welche sich noch immer mit aller Macht gegen die Aufnahme jüdischer Lehrlinge und Meister wehren. Von besonderer Wichtigkeit ist es, daß es der Stiftung im letzten Jahre gelungen ist, eine größere Anzahl jüdischer Knaben aus Galizien, welche die Stistungsschulen absolvirt haben, bei tüchtigen Meistern in Wien zu placiren, da hiedurch em Grundstock tüchtiger Handwerker herangebildet wird, die einst als Pflanzmeister m Galizien das Handwerk und die Liebe zu demselben unter der galizischen Judenschast zu verbreiten berufen sein werden. Diese Action verdient die kräftigste Förderung und sind es namentlich die mit der Auswahl der Knaben betrauten Organe, die mit der größten Rigorosität, der peinlichsten Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt Vorgehen müssen, da sonst dieser Theil des für die culturelle und materielle Hebung der galizischen Juden so vlelverheißenden Stistungswerkes leicht gefährdet werden könnte. In Zahlen ausgedrückt stehen gegenwärtig in Galizien und in der Bukowina 400 und außerdem in Wien 70 Knaben in der Lehre. Mit Ende December werden bereits ca. 100 Lehrlinge zu Gesellen freigesprochen und erwerbsfähig gemacht worden sein. Für die zahlreichen Lehrlinge, welche keine Volksschule besucht haben, werden an den Stistungsschulen eigene Abendcurse errichtet. Die weitgehenden, auf die Hebung des sittlichen und Culturniveaus sowie der materiellen Wohlfahrt einer ganzen Generation -gerichteten Ziele der Schulstistung, deren Gründung die Frucht eines jahrelangen eingehenden Studiums der Verhältnisse und Bedürfnisse der galizischen Judenschast seitens des edlen Stifters und seiner Vertrauensmänner war, wird sich erst in einer späteren Zukunft offenbaren. Der Fall Scherzer. Es sind einige Jahre her, daß in der Wiener antisemitischen Bewegung em junger Weltpriester sich besonders hervorthat. Er war Eooperaior an der Pfarre in Matzleinsdorf, aber dieses sein kirchliches Amt hinderte ihn nicht im Mindesten, in allen Wirthshäusern umherzuziehen, bis in den grauenden Morgen hinein zu zechen und — auf die Juden zu schimpfen. Und wenn dann Pater Josef Scherz er an der Spitze seiner höchst „gemischten" Knerpgenossen'den Heimweg antrat, erscholl in nachtschlafender Zeit unter den Fenstern manches liberalen Gemeinderathes oder Bezirksausschusses ein höhnendes und dröhnendes „Hepp hepp!", wobei die Stimme des Herrn Cooperators alle anderen übertönte. — Durch solche und ähnliche Verdienste hat sich Pater Josef Scherz er die Anwartschaft auf die Pfarre Schrick im Bezirke Korneuburg erworben. In Wien hörte man seither wenig von ihm, aber umso besser lernten ihn die Schricker Bauern kennen. Der Herr Pfarrer saß mit ihnen Tag und Nacht im Wirthshause und spielte „Schnapsen", das „Bummerl" um ein Viertel Wein; oft fuhr er auch in Gesellschaft seiner jungen Wirthschafterin nach Wien, und blieb tagelang von der Pfarre fern. Eines Tages aber war er ganz verschwunden und es stellte sich heraus, daß aus dem Kirchenvermögen 5573 fl. 53 kr. fehlten. Da gab es denn großes Aussehen unter den Bauern in Schrick und unter den antisemitischen Genossen des Pater Scherz er in Wien. Lange, lange wandelte der flüchtige Pfarrer von Thür zu Thür zu seinen ehemaligen polltischen Freunden und bat und flehte um Rettung.' Aber Niemand wollte mehr von ihm etwas wissen. Da ging er hin und stellte sich dem Wiener Staatsanwalte mit dem Gestandniß, daß er Kirchengeld veruntreut habe. Der Wiener Staatsanwalt achtete jedoch auf das Kleid des Priesters und wies ihn an seine kirchliche Ober-

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