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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-30 · 48 (30.11.1894) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 46 WrflerrrMrlZtzr WochrnfchrM Seite 941 aus Horowitz die Trauerrede, in welcher er die Tugenden des Dahingeschiedenen in ergreifenden Worten schilderte. Selbstverständlich gedachte er auch in schwungvollen Worten des liebevollen Vorgehens des Herrn Pfarrers und des Gemeindevorstandes. Buezacz. Der Jahresbericht des israelitischen Spitals vom November 1893 bis November 1894 liegt uns vor. Aus demselben entnehmen wir, daß die Einnahmen im abgelaufenen Verwaltungsjahre leider nicht auf der Höhe der Erfordernisse waren. Die Cholera hat viele Krankheiten gebracht, demnach hat es keine außerordentlichen Einnahmen gegeben. Darin dürfte auch die Ursache zu suchen sein, daß der Verwalter Herr Joel Neumann und der Caffier Herr Süßkind Herzmann sich veranlaßt gesehen haben, auf ihre Ehrenämter zu verzichten. Mißlitz. Am letzten Samstag starb hier im Alter von 87 Jahren Herr Rafael König, einstiger Cultusvorsteherund Schulsondsverwalter unserer Gemeinde. Der Verstorbene gehörte jener immer seltener werdenden Classe von Juden an, die mit einem tief religiösen, mit Toleranz gepaarten Sinne an der zeitgemäßen Umgestaltung unserer rituellen Einrichtungen, mit heiliger Begeisterung gearbeitet haben. Schon vor fünfzig Jahren hatte er einen geregelten Gottesdienst in unserer Gemeinde eingeführt und unsere Synagoge dementsprechend umgestaltet. Die pietätvolle Dankbarkeit der Gemeinde kam bei dem Sonntag den 26. d. M. stattgesundenen Leichenbegängnisse zu erhebendem Ausdrucke. Alle Schichten der Bevölkerung strömten herbei, um diesem für das Wohl der Gemeinde so hoch verdienten Manne\bte letzte Ehre zu erweisen. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Leon Golds ch m ied hielt einen die Verdienste des Verstorbenen würdigenden tiefempfundenen Nachruf, in welchem er dem einstigen Führer seiner Gemeinde im Namen derselben Worte der tiefsten Dankbarkeit widmete. Nachher sendete Herr I. U. Dr. Jaques Pollenz als Enkel des Verstorbenen mit vor Rührung zitternde Stimme dem Oberhaupte seiner Familie einen letzten Gruß zu. Am offenen Grabe sprach im Namen der Cultusgemeinde. deren Präsident Herr Josef Hauser und schloß mit dem Wunsche, daß unserer Gemeinde noch viele von gleichem, idealem Geiste beseelte Männer, wie Rafael König war, beschieden seien. Als schönes Beispiel eonfesiioneller Toleranz mag es hervorgehoben sein, daß Se. Hochwürden Herr Pfarrer Schwand a der Trauerceremonie vom Anfang zum bis Ende beiwohnte. I. H. Feuilleton. Der Vorbrter von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. K oh u, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Wie so oft im Leben trat auch hier das Allerunerwartetste ein. Eberl Geronim erklärte dem überraschten Towije Kohen, da^ er Elke nahezu wie sein eigenes Kind liebe. Er behauptete, er habe sich die volle Gewißheit verschafft, daß sie mit uneigennütziger Treue an ihn hänge, und sei auch davon überzeugt, daß er nur ihrer aufopfernden Selbstlosigkeit die Verlängerung seines Lebens danke, daß er ohne ihre sorgsame Pflege schon längst auf dem alten, weiten, schönen Friedhofe, den er von seinem Fenster aus sah, im kühlen Grabe ruhen würde. Er wolle für Elke in glänzendster Werse sorgen und es läge seinen Absichten nichts ferner, als sie an einen armen Chasan zu verheiraten, der glücklich sei, wenn ihm Jemand am Erew Roschhaschono") ein Geldstück in die Hand drücke. Der sonderbare, rücksichtslose Mann ließ sofort Elke an sein Krankenbett rufen und machte ihr in Towije Kohen's Gegenwart folgende eigenthümliche Eröffnung. Nachdem er ihre Dankbarkeit und Uneigennützigkeit auf eine harte Probe gestellt und sie diese glänzend bestanden, habe er sich entschlossen, sie in den Besitz des größten Theiles seines Vermögens, jedoch in einer Weise zu setzen, daß dadurch seiner Familie kein Abbruch ge- *) Rasttage des Neujahres. schätze. Eine kurze Zeit waren die beiden Liebenden geneigt, anzunehmen: der altersschwache Reb Eberl Geronim, der seiner extravaganten Bizzarien wegen in der ganzen Gemeinde für halb verrückt galt, habe nun auch den Rest seines Verstandes verloren; allein die weitere Auseinandersetzung des Greises zerstörte diesen Verdacht. Nachdem er sich eine turze Zeit an dem — wie er glaubte freudigen — Erstaunen Elkes geweidet hatte, war er fortgefahren,- er beabsichtige, sie feinem Enkel Ascher, dem ältesten Sohne seiner Tochter Hendel, zum Werbe zu geben und wolle noch deren Hochzeit erleben. Sein Enkel Ascher sei bei seinem Ohm in Wien erzogen und betreibe jetzt dort das ausgebreitete Zweiggeschäft seines Vaters, während seine beiden älteren Halbbrüder (>eine »Mutter war die zweite Frau seines Vaters) sich an der Leitung des hiesigen Geschäftes ihres Vaters betheiligten. Sein Enkel Ascher sei einer der schönsten und reichsten Männer, dem sich kein zweiter Freier ebenbürtig zur Seite stellen könne, und er — Eberl Geronim — erwarte, daß sein Enkel sich nicht weigern werde, aus der Hand seines Großvaters ein so schönes und tugendhaftes Mädchen, wie Elke Jeruschalmi, als Braut zu empfangen, um so mehr, als er ihr eine Mrtgist geben wolle, um welche sie eine Grasentochter beneiden könnte. Towije Kohen, der sein höchstes Glück zerstört glaubte, war heftig erbleicht und hatte es sofort mit klopsenden Herzen, zuckenden Lippen und bebender Stimme ausgesprochen, daß er einem solchen Nebenbuhler gegenüber mit den herzlichsten Wünschen für Elke's Glück zurücklrete; aber zu seiner höchsten, freudigsten Ueberraschung erklärte das erglühende Mädchen, daß sie sich zwar durch Gecouim's Wahl hochgeehrt fühle, daß sie seine Huld nie vergessen werde, aber doch nur dem Manne ihrer Wahl und ihres Herzens, Towije Kohen, die Hand reichen wolle. Geronim hatte von dem jungen, allelnstehenden Mädchen, das bislang seine tyrannischen Launen ergeben und demüthig ertragen, Widerspruch und Widerstand am wenigsten da erwartet, wo er überströmenden Dank für daS unerwartete große Glück, das er über sie ergießen wollte, einzuheimsen hoffte. Geronim war der reichste und einflußreichste Jude in Böhmen, und wenn er einen Zweck anstrebte, war ihm, um diesen zu erreichen, kein Preis zu hoch und er war durch Naturanlagesowohl als durch die ihm tin Gyetlo allerseits entgegengevrachte Unterwürfigkeit in seinem Kreise etrt rücksichtsloser Despot geworden. Ec gerreth in heftigen Zorn, schalt Elle bald eine Undankbare, bald eine Verrückte, welche das große, unverdiente Glück, das er ihr anbiete, mit Füßen von sich stoße, die man eigentlich in den Narrenthurm werfen sollte. Als Elke unerschütterlich bei ihrem Entschlüsse verharrte, erklärte der eigensinnige, hartnäckige Greis, daß er ihr seine Liebe entziehe, daß sie sofort sein Haus verlassen müsse. Diese Härte hatte die sonst sanfte, nachgiebige Elke so verletzt, daß sie Geronim nicht eines entschuldigenden, versöhnenden Wortes würdigte, sich an Towije- Arm hing und als dessen Verlobte das Haus verließ. Die Verhältnisse der beiden Liebenden waren einem langen Brautstande nicht günstig. Elke und Towije hatten keine Verwandten und dieser hatte Mühe, für die kurze Zeit bis zu der Hochzeit -einen paffenden Unterstand für seine Verlobte zu finden. In Prag ist und war es Sitte, daß an dtm Sabbathe vor der Hochzeit, wo der Bräutigam in der Synagoge zur Thora aufgerufen wird, sich Verwandte und Freunde einftnden, um ihre Glückwünsche darzubringen. Ein Gratulant halle sich aber noch früher eingestellt; es war das Geronim's Tochlersohn, für den sein Großvater um Elke geworben, und den diese — ohne ihn zu kennen, ohne ihn je gesehen zu haben — um Towije Kohen's willen zurückgewiesen hatte. Er hatte seinen Besuch für Freitag Nachmittag ankündigen lassen, wo er demgemäß von den Brautleuten erwartet wurde. Der alte Geronim hatte flirren Enkel nur der Wahrheit entsprechend geschildert. Er war ein junger Mann von feinstem, edelmännischen Anstande und von ungewöhnlicher Schönheit. „Gestattet mir," begann er sofort, „Euch meine herzlichsten Glückwünsche zu Eurer Vermählung darzubringen. Ich bin Euch, Jungfer Elke, zu großem, innigem Dante verpflichtet", und als diese verwundert ausblickre, fuhr der junge Mann fort: „Mein guter, aber despotischer Großvater halte mir geschrieben, er wolle mir ein schönes, tugendhastes Mädchen, daS er aus seinem Vermögen wie sein eigenes Kind ansstatten wolle, als Braut zuführen. Nun aber halte mein Herz schon früher ein edles Mädchen, das an wunderbarer Schönheit Euch fast gleich kommt und das ich in Wien kennen gelernt, gewählt. Sie hatte mein Wort als Mann und Jude, daß keine Andere als sie

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