Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 48 (30.11.1894)
- Date
- 1894-11-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021056--04086-3028254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 942 Vefirrreichischr Wochenschrift Nr. meine Hausfrau werden sollte; doch hatte ich mein Geheimniß Niemandem, nicht einmal meinem lieben Mütterchen entdeckt. Es wäre mir sehr unlieb gewesen, den launischen, reizbaren, hochbetagten Großvater, dessen Liebling ich von frühester Jugend bin, dadurch zu kränken, daß ich die Braut, die er mir ausgewählt, zurückwiese, ich fürchtete, meine entschiedene Weigerung könne den trotz seines Alters wild-leidenschaftlichen Greis in die höchste Aufregung versetzen, ihn tödten. Ich befand mich in peinlichster Verlegenheit und zögerte mit der Antwort so lange als möglich, doch endlich mußte ich mich hiezu entschließen. Ich saß eben am Schreibtische und kaute verlegen an der Feder, da brachte mir ein Bote von dem Großvater einen Brief, in welchem er schrieb: sein Plan, mich mit seiner Pflegerin zu vermählen, sei an derenc trotzigen Eisenkopfe gescheitert, sie wolle mich nicht, sie habe einen Andern mir vorgezogen. Er ließe mir nun uneingeschränkte freie Wahl, nur möge ich ihn recht bald durch eine schöne, tugendhafte Enkelschwiegertochter erfreuen. Mir wälzte sich eine Bergeslast von der Seele, ich jubelte laut auf, und segnete Euch, Ihr holde Maid, viel tausendmal in meinem frohen Herzen. Nun konnte ich mir von den Eltern und dem Großvater Genehmigung und Segen zu meiner Verbindung mit der Erwählten meines Herzens erbitten und bin nun glücklicher Bräutigam. Euch, Jungfer Elke, danke ich es, daß ich eine Braut nach meinem Herzen und Sinne besitze, ohne den Großvater gekränkt, seine Gunst verscherzt zu hoben, Eurer Standhaftigkeit und treuen Liebe zu Eurem Verlobten danke ich mein ungetrübtes Lebensglück". Ascher unterbrach sick>, verneigte sich vor Elke und fügte lächelnd hinzu: „Verzeiht die scheinbare Unhöflichkeit, ich hatte Euch nicht gekannt, hätte ich Euch gekannt, bevor mein Herz gewählt, des Großvaters Wahl hätte mich sicherlich beglückt!" Er ergriff Elke's Fingerspitzen und führte sie an seine Lippen, dann wandte er sich an Towije Kohen, reichte ihm die Hand und sprach: „Ich bitte Euch, mir Eure Freundschaft zu schenken," und als dieser.kräftig in seine Rechte einschlug, fuhr er fort: „und mir nun auch zu gestalten, Euch Beiden, wie sich's für einen dankschuldigen Freund ziemt, ein Hochzeitsgeschenk darbringen zu dürfen — darf ich es heraufkommen laffen?" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Herr« stuck, meck. K—i, Wien. „Ostdeutsche Rundschau" vom 20. d. M.: „Der Naturwissenschaftliche Verein an der Univcr- §tät Wien bält am Donnerstag den 22. d. M., -^7 Uhr bends, im Hörsaale 1 der Universität einen Vereinsabend ab, in welchem Herr Universitäts-Assistent Dr. Ferdinand Winkler einen Vortrag über „Die praktische Verwerthung der Bakteriologie in der Heilkunde" halten wird. Gäste herzlich willkommen!" Ob Herr K. H. Wolf diese liebenswürdige Notiz auch gebracht hätte, wenn er gewußt hätte, daß der ausgezeichnete, junge Gelehrte unser Glaubensgenosse ist, erlauben wir uns mit Ihnen zu bezweifeln. Frau Hilda M., Berlin. Gegen ungerechte Vorwürfe nehmen Sie uns in liebenswürdiger Weise in Schutz. Wir danken und antworten mit einer Stelle aus den Briefen Ihrer geistvollen Landsmännin R a h e l: „Ob eine Wahrheit grob ist oder nicht, darüber kann man ihr als solche nichts anhaben, sie entspricht ihrem Wesen, wenn si e w a h r i st, und wo sie hin trifft, das ist der Ort, der sie zur Grobheit oder Höflichkeit macht." Schachfreund in Mödling. Sie verwundern sich, daß das „Deutsche Volksblatt" in der Rubrik „Unterhaltung für den Familientisch" Schachprobleme ganz ohne Nennung des Autornamens abdruckt? Es sind dies eben aus Zeitschriften herausge—schnitteue Arbeiten von zumeist jüdischen Meistern. V e r g a n i beschäftigt unausgesetzt mehrere Scheerenschlelfer. Herrn Robert Sch. in Pr. Der verewigte Königswarter hat im Herrenhause das treffliche Trostwort gesprochen: „Minister, die kommen und gehen, und sehr häufig ist die Hoffnung, daß sie gehen, der einzige Trost während der Zeit, wo sie da sind." Herrn Josef Feldstein, Jiein. S. K o h n, dessen Werke in's Böhmische. Englische, Französische, Hebräische, Holländische, Italienische, Rumänische, Deutsche, Ungarische und noch in andere Sprachen übersetzt wurden, lebt in seiner Vaterstadt Prag, wo er am 8. März 1825 geboren wurde. Näheres bringen alle Lexika. Von ihm ist in Buchform erschienen: „Gabriel", „Ein Spiegel der Gegenwart", „Die silberne Hochzeit", „Prager Ghettobilder", „Gerettete Ehre", „Der Stadtschreiber Gast", „Ein deutscher Minister", „Ein alter Grenadier", „Die fidelen Alten", „Der Lebensretter". „Neue Ghettobilder", „Fürstengunst" (auch in unserem Blatte veröffentlicht). S. Kohn's Werke sind durch jede Buchhandlung zu beziehen. Der in Amerika erschienene Roman „Ein deutscher Minister" ist vergriffen und nur im Antiquariat erhältlich. K. in Wien: Sie wollen die Anzahl der jüdischen Bewerber um den freigewordenln Posten eines Wiener Scharfrichter wissen? Dazu sind die Juden noch zu wenig „assimilirt". Herrn kaiserlicher Rath B. in K. Ihre Anschauungen decken sich im Wesentlichen mit denjenigen, welchen der Abgeordnete Haase am 5. März 1886 im Reichsrath Ausdruck gegeben: „Der Antisemitismus ist nicht blos religiöse Intoleranz; der Antisemitismus ist der Rassenhaß gegen das Judemhum, ist der unter Erweckung der niedrigsten Leidenichasten geführte sociale Krieg gegen einen ansehnlichen Theil der eigenen Bevölkerung; der Antisemitismus ist die Verleugnung der Cultur und der Civilistitivn unserer Zeit, er ist die Verleugnung der allgemeinen Menschenliebe, die Verleugnung der Sittlichkeit und Christlichkeit, d-ren sich auch die Antisemiten rühmen." Herrn Adolf H—u in u O Der Erzherzog und der Erzbischof decken also ihren Bedarf bei dem jüdischen Fleischer und sind mit seiner Bedienung zufrieden! Das geht aus den uns zur Einsicht übermittelten Belegen zur Evidenz hervor und bildet einen nicht uninteressanten Beitrag zu der wieder actuell gewordenen Frage, — die eigentlich gar keine ist. Herrn H. Br. kais. d ulscher Consul, d. Z. Sondershausen. Ihren Artikel können wir nicht drucken, da in letzter Zeit Einiges dieser Art gebracht wurde und wir Wiederholungen vermeiden müssen. Dank für die freundliche Anerkennung. Herrn Oberlehrer E. S. in S. Ja, mit allem Lumpengesindel können wir uns doch nicht herumschlage,l! Wenn wir gar mit Leuten dieses Gelichters anbinden wollten, hieße das ihnen viel zu viel Ehre anthun. Erinnern Sie sich dcch des Goeth e'scheu Spruches: „Es will der Spitz aus unserm Stall Uns immerfort begleiten Und seines Bellens lauter Schall, Beweist nur, daß wir — reiten!" Herrn Dr. Carl A., hier. „Nach einer Pause ergriff Reichsrathsabgeordneter Dr. Lueger (mit stürmischem Beifalle und nicht endenwollenden Hochrufen empfangen) das Wort, um in einer glänzenden, von lebhaftestem Beifalle unterbrochenen Rede auf treffliche Weise die Vorgänge im Parlamente und die Coalition zu geißeln. Eingangs seiner Rede dankte er den Wählern des 9. Bezirkes'für die Glückwünsche anläßlich seines Geburtssestes und versprach, seine Hetzarbcit fortzusetzen . . . ." So wörtlich zu lesen im „Deutschen Volksblatt" vom 20. November 1894. Die — Kühnheit der Antisemiten wird nur noch von ihrer Gedankenlosigkeit übertroffen! Herr« Paul R., Wien. Unser verflossener Glaubensgenosse Spitzer-Weimar versteht sich auch auf die Poesie und seine „Schmähpost" feiert mit dröhnenden Tamtam-Schlägen eine neue literarische Größe. „Müller hat schon mit seiner ersten dichterischen Gabe sich einen Ehrenplatz unter den katholischen Poeten der Jetztzeit erworben". Besagter Müll er beliebt zu dichten: „Die Zeiten sind trüb und die Zeilen sind bang! Schon rauscht es wie klirrender Wafsengang Zur Lösung der socialen Frage; Heut' sei jedes Lied wie ein glühender Dolch Gezückt auf den schimmernden Lügenmolch, Dem (!) Scheusal unserer Tage!" Etwas mehr deutsche Grammatik könnte kaum schaden. Doch es kommt gleich noch hübscher: „Wir wollen Männer, muthig, ohne Wanken, Nicht Schwächlinge, die gleich dem Moosrohr schwanken." Männer von der Charakterfestigkeit Sp i tz er-W eim ar's thun noth. Die schwanken nie gleich dem Moosrohr. „Und nun, lieber Leser, lange nach dem Büchlein, lies und lies wieder, Dn wirst ihn herzlich liebgewinnen, den Benjamin der Tiroler Poeten." Herrn S. M., oanck. ptiil., Zürich. Für freundliche Glückwünsche herzlichen Dank. — Daß die deutschen Studenten und Scholaren dcs Mittelalters ihre rohen Sitten und Anschauungen auf den größten Theil der arischen Studentenschaft unserer Tage vererbt haben, dürfte allgemein bekannt sein; ebenso daß sittenreiner, gottgefälliger Lebenswandel dem Thora- und Talmudjünger zur Pflicht gemacht wird. Die „Kleinen Schriften" von Prof. Huber, Leipzig, 1871, malen durchaus nicht zu grell. Herrn P. S. 42. Gegen dieses Blatt zu polemisiren können Sie uns doch nicht ernstlich zumuthen. Herrn E. in P. Besten Dank für die Glückwünsche. Herr Baron Hirsch stammt aus Würzburg und sein Vater ist bereits todt. Lange vor Beginn der Schulstiftung bestanden in Krakau und Lemberg die Wohlthätigkeitsbureaux des Herrn Baron H irsch von segensreicher Wirksamkeit. Für die 105jährige Frau ist uns von Herrn Hermann Ehrl i ch, Rothkostelktz, 1 fl. zugekommen. Berantwortl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck ft Sohn. Wien. Yffl., Lerchenselderstraße 46. (Telephon 3268.)