Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 48 (30.11.1894)
- Date
- 1894-11-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 46 SestrrreirtzifÄre Wochrnfchrlst Seite 939 Juden in Galizien dürften einige Mittheilungen bieten über die Behandlung, welche jüdische Schülerinnen in der sogenannten Klosterschule in Przemysl, einer höheren Mädchenschule, erfahren. In dieser Schule nnrd die Absonderung der jüdischen Schülerinnen von den übrigen strenge durchgeführt,- die Jüdinnen müssen abgesondert sitzen, überdies wirb den' christlichen Schülerinnen jeder Verkehr mit den ersteren verboten. Die Lehrinnen lassen keine Gelegenheit vorübergehen, ohne die jüdischen Schülerinnen in den Augen ihrer christlichen Mitschülerinnen herabzusetzen; den Jüdinnen wird immer und immer wieder vorgehalten, daß sie blos geduldet seien und jederzeit gewärtigen müssen, weggejagt zu werden. Selbst, wo auch nur der geringste Anlaß hiezu fehlt, wird den Jüdinnen Unsauberkeit, Schmutz u. s. w. vorgeworfen. Auch im Unterrichte werden dieselben, wo es nur möglich ist, zurückgeh tzt, so z. B. werden sie nicht zur Declamation von Gedichten zugelassen, „weil sie keine Religion, kein Gemüth und kein Gefühl besitzen", daher für Poesie nicht empfänglich seien. Welche Folgen derartige Vorgänge in der Schule auf das kindliche Gemüth üben müssen, ist klar. Die gemüthvolleren unter den Kindern werden für ihre ganze Lebenszeit verbittert, die oberflächlicheren werden ihrem Volke und ihrer Religion entfremdet. Ob ein Unterricht von Lehrerinnen, bieder Rohheit fähig sind, Kindergemüther zu vergiften, nutzbringend sein könne, ob überhaupt der Zuwachs von Kenntnissen, den die Kinder in besten Falle aus der Schule mitnehmen, den großen Schaden aufwiegt, den ihr Gemüth oder ihr Charakter erleiden müssen, kann sich jeder denkende Mensch selbst beantworten. Jedenfalls liefern die Zustände in Przemysl einen Commentar zu der jetzt so häufig erörterte Frage, ob die Beibehaltung respective Errichtung von besonderen jüdischen Schulen lediglich unberechtigten Separationsgelüften entspringt. Croat.- Kreutz. (50 jähriges I u b i l ä u u m der israelitischen Cultusgemeinde.) Am 18. November l. I. fand unter Vorsitz unseres Gemeinde-Borstehers Herrn Marko Br eher eine außerordentliche Generalversammlung statt, welche recht zahlreich besucht war: Herr B r e y e r als Vorsitzender begrüßte die Anwesenden und sprach seine Freude darüber aus, daß die Herren in so großer Anzahl, seiner Einladung folgend, sich einfanden, insbesondere daß der Bürgermeister der Stadt Kreutz Herr Ferdinand Bukic zur Versammlung erschienen ist, worauf er ein herzliches Zivio auf ihn ausbrachte, in welches die Versammelten einstimmten. Der Vorstand Herr B r e y e r erwähnte in schönen und schwungvollen Worten, daß die hiesige israelitische Cultusgemeinde im Jahre 1844 vom seligen Adam B r e y e r gegründet wurde und zwar so, daß der Verstorbene auf seine eigenen Kosten im eigenen Hause ein Bethaus errichtete. Herr B r e y e r feiert unter dem Beifall der Versammlung das Verdienst des Begründers der Gemeinde und beantragt zur Ehrung des Begründers Folgendes: Die Versammlung möge durch Erheben von ihren Sitzen dem Verblichenen als Begründer der Cultusgemeinde ein ehrendes Andenken widmen und Folgendes beschließen: 1. Es ist im neu zu erbauenden Tempel eine Marmor- Tafel mit Widmung anzubringen; 2. es hat für ewige Zeiten bei Maskir der Name Adam B r e y e r vor allen Uebrigen erwähnt zu werden, und 3. ist am Sterbetage des Verstorbenen Jahrzeit abzuhalten und Kadisch für ihn zu sagen. Die Versammlung erhob sich von ihren Sitzen und acceptirte einstimmig die Anträge des Vorsitzenden. Der Vorsitzende erwähnt das Glück, welches die hiesige Gemeinde hat, daß sie sich von einer so bescheidenen Zahl von 7 Mitgliedern heute zu der Anzahl von 80 glücklich und zufriedenen Einwohnern der Königl. Freistadt Kreutz aufgeschwungen hat, wofür er vor Allem Gott dem Allgütigen dankt und ein Hoch auf Se. Majestät unseren geliebten Kaiser und König Franz Josef I. ausbrachte, was mit stürmischen Zivio- Rufen von der Versammlung angenommen und begleitet wurde. Der Vorsitzende erwähnt der hohen königl. croatifchslavonisch-dalmatinischen Landesregierung, an deren Spitze als Banns Seine Excellenz Graf Khuen - Hederv a r y zum Wohle und Segen des Landes regiert, und bittet die Versammlung, ein Zivio auf das Wohl des Banns auszubringen, was die Versammlung mit brausendem Zivio begleitete und ausrief: „Es lebe Banus Graf Khuen-Hedervary!" Hierauf beantragte der Vorsitzende, es möge zum Andenken an das heutige Jubiläum beschlossen werden, daß die hiesige Cultusgemeinde auf Grund der von den Architekten Hönigsberg und Deutsch in Agram bereits ausgefertigten und vorliegenden Pläne mit einem Kostenaufwande bis 40000 fl. einen Tempel erbauen werde. Die Versammlung acceptirte den Antrag des Vorsitzenden einstimmig und betraute mit der Ausführung des Baues den Vorstand, den Verwaltungsausschuß und den dazu gewählten Bauausschuß. Mit Zivio-Rufen auf den Vorsitzenden verließen die Anwesenden die Versammlung. New-Aork, 5. November. Die Gemeinde „Beth-Eolim" in B r o o k l y n hielt ihre Jahresversammlung ab zur Vornahme der Beamtenwahl und zur Empfangnahme von Berichten ihrer Beamten. Die Gemeinde befindet sich in blühendem Zustand und gewinnt stets an neuen Mitgliedern. Der Rabbiner Doctor Taubenhaus, welcher sich großer Beliebtheit erfreut, wurde einstimmig wiedergewählt, sowie Herr Rappaport als Vorbeter. Aus der sich anschließenden Borstands-Beamtenwahl ging Herr Henry Bloch als Präsident hervor. — Zwei Rabbiner haben in Amerika abgedankt. Herr Benjamin von der Congregation Schare Schomajim, 15 Street in New-Iork, indem die Gemeinde ihn zwar wieder erwählte, aber seinen Gehalt reducirte, und Herr Dr. Sonnenschein, zuerst in New-Iork, dann in St. Louis, zuletzt in St. Francisco, weil seine Gemeinde mit seiner radicalen Entwicklung nicht Schritt halten will. Wien. Am 6. November beging Frau Regina K u r a n d a in aller Stille ihren 70. Geburtstag. Indessen konnte das Eceigniß doch nicht so geheim bleiben, wie es dem bescheidenen Sinne der Jubilarin entsprochen haben würde, und so kam der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in die Lage, der seltenen Frau die verdiente Anerkennung und Verehrung durch eme schwungvolle Adresse bezeigen zu dürfen. Frau Kur an da ist immer die Frau ihres Mannes gewesen, eine Selbstbeschränkung, die ihr mehr zum Ruhme gereicht, als wenn sie neben ihm eine selbstständige Rolle zu spielen gesucht haben würde. Hat sie ab-r nicht gerade durch den engen Anschluß an den unvergeßlichen Gatten, durch ihre liebevolle Hingebung an ihn das höchste Lob, was einer Frau nachgesagt werden kann, verdient? Was ein im öffentlichen Leben wirkender, von den Stürmen der Zeit umdrängter Mann, wie es Kurand a war, der Frau verdankt, die in ihm und für ihn lebt, weiß und fühlt nur er selbst, und Kuranda wußte und fühlte es und blickte noch in seinen letzten Lebenslagen Verehrung-voll und dankbar zu seiner Frau empor. Und wie die beste Gattin, war sie auch allezeit die beste Mutter! Möge ihr noch ein langer glücklicher Lebensabend im Kreise ihrer Familie beschieden sein. Wien. (Trauungen.) Am 2. December 1894 finden im Stadttcmpel folgende Trauungen statt: Herr Adolf Ferdinand L ö w e n f e l d mit Frl. Gisela G r ü n h u t, Herr Dr. Sigm. Pfeffer mit Frl. Clara Kornfeld. Sonntag den 2. December l. I. um 3 Uhr Nachmittag findet in der Synagoge des Bethaus-Vereines „Beth Israel", Leopoldsgasse Nr. 29, die Trauung des Herrn Hermann Schmetterling mit Fräulein Rosalia Bels, Tochter des Bethaus-Vorstehers Herrn Im. Belf, statt. Wien, Josefftadt. Der israelitische Frauen - Wohlthätigkeitsverein im YIH. Bezirke Josefstadt veranstaltet Dienstag am 4. December l. I. Abends 5 Uhr, in Khuner's Restaurant, Schottenring 19, das diesjährige Bekleidung-fest armer Schulkinder beiderlei Geschlechtes, wobei zugleich eine Generalversammlung statlfindet, nachdem benannter Verein das dritte Jahr seines Bestandes manifestirt. Im Lause dieser wenigen Jahre hat dieser Frauen-Wohlthätigkeitsverein segensreich gewirkt. Im ersten Jahre wurden 20, im zweiten Jahre 50 und diesmal bereits über 40 arme Schulkinder mit warmen Winterkleidern versehen und mit einer Fleischjause bewirthet. Doch beschränkte sich dieser Verein nicht nur auf Bekleidung allein, sondern unterstützt nach Kräften arme Wöchnerinnen, i Witwen und Waisen, nimmt sich besonders verschämter armer