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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-30 · 48 (30.11.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seüe 938 Veflerretchtschr Wochenschrift fix. 48 wieder jene Stellung erringen, die uns als großem und gleichberechtigtem Theile der Wiener Studentenschaft voll und ganz gebührt." Es ist zu erwarten, daß dieser warme Appell auch die bürgerlichen Kreise auf's Wärmste berühren und sie veranlassen wird, als Stifter, Gründer oder Förderer diese idealen wie auch praktisch eminent wichtigen Ziele der Lesehalle zu fördern und zu stützen. Aus den uns vorliegenden Statuten citiren wir den § 10. Der Ausschuß kann: s) Personen, welche dem Vereine einen einmaligen Beitrag von mindestens 500 Kronen zuwenden, zu Stiftern, d) Personen, welche einen einmaligen Beitrag von mindestens 200 Kronen leisten, zu Gründern, e) Personen, welche einen jährlichen Geldbeitrag von mindestens 10 Kronen leisten, zu Förderern des Vereines ernennen. Es wird ersucht, die Beitrittserklärungen und Geldbeiträge an die Adresse des derzeitigen Präses: I. Vierer Stud. med. IX.. Mariannengasse 17. Graz, 20. November. Mittwoch hielt der bestbekannte Bortragsmeister Professor Al. Stra k osch im hiesigen Stefaniesaale einen vom schönsten Erfolge gekrönten Vortrag. Vor einem zahlreich erschienenen distinguirten Publicum brachte der Vortragsmeister die besten Stücke seines reichen Programmes zu Gehör. Nach der großen Fluchscene aus „König Lear" sah man kein Auge thränenleer, in der Scene aus „Kabale und Liebe" und in dem Gedichte von Belsazar lieferte der Vortragende Meisterwerke der Stimmbehandlung und Interpretation des geschriebenen Wortes, während er in dem Gedichte „Der Schiffbrüchige" von Coppe die Schilderungskunst der ergreifenden Situation so sehr steigerte, daß man jeden einzelnen Zug der Erzählung bis ins kleinste Detail vor's Auge gezaubert wähnte. Reicher Beifall lohnte diese Proben umfassenden Könnens und tiefen Verständnisses. Der Künstler dankte darauf mit einigen herzlichen Worten, in denen er seines Lehrmeisters Laube gedachte und daran erinnerte, daß er vor 14 Jahren an derselben Stelle seine Laufbahn als Vortragsmeister begonnen. Olmütz. Bei der am 17. d. M. stattgehabten Cvnstituirung des neugewählten Cultusausschuffes wurde Herr Eduard Hamburger zum Vorsteher der Gemeinde mit Stimmeneinhelligkeit wiederaewählt. Nach der Enunciation des Wahlergebnisses wurde Herr Hamburger zu der erfolgten einmüthigen Wahl allseits auf das Herzlichste beglückwünscht und sprach derselbe den Herren Ausschußmitgliedern für das ihm durch die ehrende Wiederwahl cntgegengebrachte Vertrauen den wärmsten Dank ans. Herr Hamburger versprach, das Interesse der Cultusgemeinde nach jeder Richtung hin zu fördern, gedachte hiebei der großen Aufgaben, welche der Gemeinde durch den unmitlelbar bevorstehenden Bau einer Synagoge erwachsen und betonte mit besonderem Nachdrucke im weiteren Verlaufe seiner Ansprache, daß nur durch einheitliches Zusammenwirken des Ausschusses günstige Erfolge erzielt werden könnten. Herr H am b u rger schloß seine Ansprache mit einem von den Herren Ausschußmitgliedern begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, dessen Huld und Gnade wir die Genehmigung zur Constituirung als selbstständige Cnltusgemeinde zu verdanken haben. X. 8t. Jaroslau, 26. November. Ueber Anregung der hiesigen Bürger, des Landes- und Gerichtsadvocaten Dr. Emil Blumenfeld. des Zahn- und Ohrenarztes Dr. Salo Roßberger und des bekannten hebräischen Schriftstellers Eisig Gräber, fand gestern die constitnirende Versammlung der Gruppe „Jaroslau" des österreichischen Zionsverbandes statt. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und die Discussion eine sehr lebhafte und ernste. Als Delegirter des Lemberger Actionscomiles sprach über die Bedeutung und Mission der Zionsvereine im Allgemeinen und für Galizien insbesondere Herr Landesgerichts- Praktikant Dr. Gerschon Zipper. Die einstündige form- . vollendete, in tadellosem polnischen Idiom gehaltene Rede fand außerordentlichen Beifall. Als man zur Beitrittserklärung auf Grund der vom hohen k. k. Ministerium des Innern und der hohen galiziscknu Statthalterei bestätigten Statuten aufforderte, meldeten sich weit über 100 Bürger hiezu und etliche 80 erlegten sofort ihre Aufnahms- und Monatsbeiträge. Die also ausgenommenen Mitglieder schritten dann zur Wahl des Ausschusses, welche folgendes Resultat ergab: Präses: Landes-und Gerichtsadvocat Dr. Emil Blumenfeld; Vice-Präses: Zahn-und Ohrenarzt Dr. Salo Roßberger; Cassier: Colonialwaaren-Großhändler und Hauseigenthümer Jsak Gaschke; Secretär für hebräische Sprache: Schriftsteller Eisig Gräber; Secretär für Landessprachen siucl. jur. Salomon Stü tze l. Ausschuß-Mitglieder: Getreidehändler und Hauseigenthümer Israel Schußheim, Armeelieferant Jacob Gold schm iedt, Getreidehändler und Hauseigenthümer Berisch Weinberg und Assecurations-Agent und Hauseigenthümer David Kormann. Ersatzmilglieder: Weinhändler und Hausbesitzer Saul Sternhell und stud. jur. Samuel Börner. In die Controls-Commission: Bauunternehmer und Realitätenbesitzer Salomon Mandelberg, Schnittwaarenhändler und Hauseigenthümer Joses Kauftheil und Bankbeamter Marcus Krieger. Nach Schluß der Versammlung erklärte der während der ganzen vierstündigen Sitzung anwesende k. k. Bezirkscommiffär Z a wa lki e w i cz, es freue ihn, dem Herrn Bezirkshauptmann mittheilen zu können, daß die Tendenzen des Vereines sehr löblich in den Discussionen zum Ausdrucke gelangten und der Verlauf der Sitzung ein ruhiger, ernster und legaler war. Strakonitz, den 25. November 1894. Auszeichnu n g Herrn Lehrer Adolf Traub aus Breznitz wurde für sein ersprießliches Wirken als Lehrer der dortigen israelitischen Volksschule vom löblichen k. k. Bezirksschulräte in Blatt na zum zweiten Male die belobende Anerkennung ausgesprochen. Wer diesen tüchtigen Schulmann und sein humanes Wirken den Armen und Waisen gegenüber näher kennt, wird sich sicherlich freuen, daß seine Ausdauer auf einem schwierigen Posten, wo er zum Wohle der Jugend wirkt und so viele Zöglinge herangebildet. die gegenwärtig eine achtbare Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft einnehmen, die verdiente Berücksichtigung gefunden. Kopenhagen, 8. November. Herr Etatsrath Glückstadt, erster Repräsentant der hiesigen israelitischen Gemeinde, wurde von Sr. Majestät dem Könige durch Verleihung des Commandeur-Ordens ll. Classe ausgezeichnet. Kolomea. (Die Verschärfung der Sonntagsruhe.) Ueber Anregung der in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichten Zuschrift des Herrn Dr. Blumenfeld aus Jaroslau wurde hier von den Vorstandsmitgliedern des Vereins „Beth Israel", den Herren Dr. Zipser und Löbl Taubes, eine Volksversammlung behufs Stellungnahme gegen die im österreichischen Abgeordnetenhause einzubringende Regierungsvorlage wegen Verschärfung der Sonntagsruhe auf den 25. d. M. einberufen, welche von den jüdischen Gewerbetreibenden und Handwerkern zahlreich besucht war. Als Erster ergriff das Wort Herr Taubes, welcher die vorgeschlogenen Verschärfungen der Sonntagsruhe und ihre Folgen eingehend beleuchtete nnd in längerer Rede den Nachweis führte, daß der Zwang der galizischen Inden zur Sonntagsruhe aus religiösen wie social-öconomischen Rücksichten im höchsten Maße nachtheilig wirken müsse. Hierauf gelangte folgende Petition zur Annahme: „Die jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden find im Principe für einen wöchentlichen Ruhetag, und zwar sowohl aus religiösen als aus social-öconomischen Rücksichten, erblicken aber in der bestehenden Sonntagsruhe eine Verletzung ihres religiösen Gefühles, sowie eine materielle Schädigung der Interessen jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender, indem dieselben dadurch vor die Alternative gestellt werden, entweder ihren altehrwürdigen religiösen Ruhetag, denSabbath, zu entweihen, oder aber statt eines zwei Tage in der Woche sich ihres Erwerbes zu enthalten und demnach der Concurrenz Andersgläubiger zu unterliegen. Die jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden stellen daher das ergebene Ansuchen: „Es möge die hohe Regierung, sowie das hohe Haus der Abgeordneten das Gesetz über die Sonntagsruhe dahin abändern, daß diejenigen Handwerker nnd Gewerbetreibenden, welche Nachweisen, daß sie in Gemäßheit ihrer Religion einen anderen Tag der Woche heiligen und durch 24 Stunden feiern, von der Pflicht der Sonntagsruhe ausgenommen werden." Mit der Ausführung der gefaßten Beschlüsse wurde ein fünfgliederiges Comite betraut. Mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser schloß die Versammlung. M. L. Przemysl. Eine treffliche und eindringliche Illustration zu dem in so vieler Hinsicht traurigen Capitel der Lage der

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