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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-30 · 48 (30.11.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 48 Orstrrrrichiptzr Wochenschrift Seite 937 geberdet im Gefühle seiner Macht sich als richtiger Volkstribun und heherrscht in Folge seines selbstbewußten Auftretens das ganze öffentliche Leben unserer Stadt, ja unseres Landes. Er wagt es in seiner Kühnheit, Minister zu unterweisen, den Bürgermeister der. ersten Stadt des Landes in unerhörter Weise abzukanzeln, den Präsidenten der Volksvertretung in schroffster Weise entgegenzutreten, er versucht es, Oesterreich in Zwiespalt mit Ungarn zu versetzen und er scheut sich nicht, offen zu bekennen, daß er seine Reden nicht für das Parlament und zur Sache, sondern „zum Fenster hinaus" halte. Er veranlaßt religiöse Versammlungen gegen den Willen der hiefür maßgebenden Persönlichkeiten, seinem Worte lauscht dort jedes Ohr und ihm gelten die Huldigungen der Versammlung, welche allein den Würdenträgern der Kirche und Vertretern der Religion gezollt werden sollten. Es zeigt in ihm und in seiner ihm folgenden Partei sich also das ausgesprochene Demagogenthum in seiner crassesten Form, wie es im alten Griechenland, zum Schaden desselben, üblich war, nur mit dem Unterschiede, daß in der antiken Welt es Republiken waren, in welchen die Demagogie sich breit machen konnte, während Monarchien, wenn sie mit ihrem Grundprincipe nicht in Constict gerathen wollen, für dieselbe keinen Raum bieten dürfen. Ist es nun aber durch irgend etwas zu rechtfertigen, daß, während man überall den Umsturzparteien mit voller Energie entgegentritt, um deren den Staat, die Religion und Gesellschaft gefährdeten Richtung zu unterdrücken, man gerade den Antisemitismus, — diese nicht mehr Vorfrucht der Anarchie, sondern wohl mit Recht schon ausgesprochene Anarchie zu benennende Umsturzbestrebung — gewähren läßt? Bietet Deutschland, wo ein Ah lw a rd t die Armee, die wichtigste Institution des Staates, anzngreifen wagt, wo ein Paasch hochverdiente Staatsmänner zu verunglimpfen sucht, wo man schon am eigenen Leibe die verheerende Wirkung der antisemitischen Pestbeule verspürt, nicht ein lehrreiches Beispiel dafür, wohin jene verdammenswerthen Bestrebungen schließlich führen? Und wird die weitere Duldung des Antisemitismus — dessen deutlich verkündeter Zweck die vollständige Unterdrückung friedlicher, durch ihre Religionsgebräuche allein, nicht aber durch ihre Moral sich unterscheidender Mitbürger ist — nicht endlich zur Folge haben, datz die in ihren heiligsten Gefühlen fortwährend verletzten und in ihrer Existenz bedrohten Juden sich vielfach verzweiflun gsv oll in die Arme der Socialdemokratie werfen werden? Will man denn geflissentlich die Socialdemokratie, welche sich ohnehin schon als die höchste Gefahr der bestehenden Staaten erweist, noch verstärken? Es kann und darf diese unserer heutigen Weltanschauung hohnsprechende, die Civilisation und die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts verleugnende .Richtung nicht länger geduldet werden, es muß der Staat sich endlich an das Mahnworb des römischen Dichters „paroere subjeetis et vellaro superbas“ erinnern und das Losungswort ausgeben: Schutz den so hart bedrängten Juden und Kampf den übermüthigen Peinigern derselben. Hoffen wir, daß das erlösende Wort endlich gesprochen werde und daß ein österreichischer Hieronymi erklären wird: „Daß künftighin Ruhe herrschen, daß die Regierung nicht gestatten werde, daß im Trüben gefischt werde und daß Agitatoren das Volk, welches nicht weiß, um was es sich eigentlich handle, aufwiegle". GsrreMnäenLm. Wien. Vom Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde ist den: Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch nachstehendes Schreiben zugekommen: dlr. 2394 Euer Hochwohlgeboren! ex 1894 Hochgeehrter Herr Doctor! Anläßlich der im österreichischen Abgeordnetenhause geführten General-Debatte über den Entwurf eines neuen Strafgesetzes haben Sie, sehr geehrter Herr Doctor, neuerdings Gelegenheit genommen, in mannhafter Weise einzutreten für die Rechte unserer Glaubensgenossen, unserer heiligen Religion und deren geheiligte Satzungen. Hiedurch haben Sie sich mit Recht neuen Dank unserer Glaubensgenossen erworben, welchem auch toir uns gerne anschließen. In Würdigung der Bedeutung der bei diesem Anlasse von Euer Hochwohlgeboren gehaltenen Rede haben wir dieselbe (stenoaraph. Protokoll des Abgeordnetenhauses vom 5/Xl 1894) dem Archive der israelitischen Cultusgemeinde cinverleibt. Hievon beehren wir uns die Mittheilung zu machen und zeichnen in ausgezeichneter Hochachtung Wien, am 25. November 1894. Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien: Gustav Simon, Dr. Gustav K o h n, I. Hieldburghäuser, Moriz Karpeles, Dr. Th. Lieben, Secretär. Wien. (Telegramm der „Oesterr. Wochenschrift.) Der Bereinsvorstand des Club „Towarzyski" in Drohobycz hat in seiner Sitzung vom 23. d. M. beschlossen, dem Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch für sein parlamentarisches Wirken den Dank auszusprechen. Wien. Am nächsten Sonntag begeht eine Anstalt die Feier ihres fünfzigjährigen Bestandes, welche den edelsten Empfindungen reiner Menschenliebe ihre Schöpfung verdankr. Es ist eies das „A llgemeine österreichische i s r a e l it i s ch e T a u b st u m me n- I n st i t u t" auf der Landstraße. Tausende Unglücklicher fanden hier ein Heim und eine Bildungsstätte, wo sie die Befähigung erlangten, einen Broterwerb zu finden. Hier wurde ihnen die Sprache gegeben, welche die Natur ihnen versagt hatte. Ein schlichter Kaufmann, Hirsch K o lli sch aus Nikolsburg, war der Gründer der Anstalt. Im Jahre 1860 trat der gänzlich erbli 'dete Schöpfer der Anstalt in den Ruhestand Heute gehören dem Borstande der Anstalt als Ehrenpräsidentin Frau Julie Schlesinger, als Präses Herr Josef Hieldburghäuser und als Vorstandsmitglieder die Herren ra ax Theodor S cd i f f, Emanlrel K o ll i s ch, Gustav P r z i br a in. Siadtrath Wilhelm St i aß ny, Dr. Arthur Knran da, Gemeinderath Doctor Alfred Stern, kaiserlicher Rath Joel Deutsch und die Damen Annita B e n v e n i st i, Aurelie Weiß, Karoline v. G o m p e r z - B e t t e lh e t m, Josefine Paul-Schiff, geborene Freiin v. K ö n i g swarter, au. Der Lehrkörper der Anstalt seht sich zusammen aus dem Director Dr. Moriz Brunner und den H'rren Michael Berg er. Dr. Hermann Millich, Josef F rieb l, Moriz Wolf, Eduard B r ü l l, Moses B e r k u n, Max W e i ß m a n d l, Nathan Röster. Den Schreibunterricht leitet Herr Karl Augustin, den Turnunterricht Herr Eduard Brüll und den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten Fräulein Hermine H o f m a n n. Die Anstalt kann mit hoher Befriedigung aus eine fünfzigjährige Wirksamkeit zurückblicken. Sie hat die Hoffnungen, die einst in sie gesetzt worden waren, vollauf erfüllt. Sie wählte Männer zu ihren Mitarbeitern, die später in hervorragender und leitender Stelle wirkten und meistens noch wirken, so der ehemalige Director der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Wien. Herr R. Nied erg es äß, der Director der niederösterreichischen Landestaubstummenschule im XIX. Bezirke in Wien, Herr A. Lehfeld, der Director der israelitischen Taubstummenanstalt in Budapest, Herr L. Grünberger, der Director eines Taubstummen-Jnstitutes in London, Herr S. S ch ö ntheil und der Director einer Taubstummen-Anstalt in New-Pork, Herr D. Gr eene. Wien. Am schwarzen Brette der Universität hat die jüdische akademische Lesehalle folgenden Aufruf erlösten: Commilitonen! Als ein echtes Kind ihrer Zeit hat mit der am Freitag den 9. November stattgehabten constituirenden Versammlung, die jüdische akademische Lesehalle ihren Einzug in die Wiener Studentenschaft gehalten. Durch ihr zahlreiches Erscheinen, durch die beredten Worte ihrer Vertreter haben die Wiener jüdischen Studenten freimüthig und einmüthig sich zum großen Werke strenger Solidarität zusammcngethan zu friedlicher Arbeit, zur Abwehr und nicht zum Angriff. Ja, abwehren wollen die jüdischen Studenten jene ungerechtfertigten Angriffe auf die Ehre und Reinheit ihres Namens, vertheidigen wollen sie ibr gutes Recht, ihre gerechten Ansprüche als freie akademische Bürger eines st eien Staates. Es wird demnach die Lesehalle ein Sammelpunkt sein für alle jüdischen Studenten, ob sie dem Stamme oder nur dem Glauben nach sich als Juden fühlen, denn Alle, ohne Ausnahme, hält das Band, welches gemeinsame Leiden so fest und unzerreißbar gewebt haben, zusammen. Darum, jüdische Commilitonen, gedenket des hohen Zieles, das wir uns gesetzt, tretet ein. Mann für Mann, Keiner wanke, Keiner säume! Ein großer Lesesaal, eine schön ausgestattete Bibliothek, Journale in allen modernen Sprachen, werden die wissenschaftliche Ausbildung fördern, öftere Discuisionen über alle Fragen, die im Brennpunkte des öffentlichen Lebens stehen, werden klärend und belehrend dem geistigen Fortschritte die Wege weisen. Und so, nach Innen stark, nach Außen ein einziges Ganzes, werden wir unentwegt unsere Interessen erfolgreich vertreten können und durch friedliche Arbeit mit zäher Entschiedenheit

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