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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-30 · 48 (30.11.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 932 VrsterrrirMche Wortzensttzrtst Itr. 48 Ein gräßliches Wort, gräßlich auch nur anzuhören, schrecklich in allen seinen Folgerungen. Kaum vermag es das menschliche Her; zu fassen, das sich von einem zwiefachen Grauen dabei ergriffen fühlt. Ein Sohn, der auf den Tod seines Vaters wie auf eine Erlösung hofft, der die Tage zählt, bis daß die Trauertage kommen würden, da der Vater im Grabe liege und seinem zügellosen Willen keinen Einhalt thue. Ein Bruder, der den Bruder zu ermorden denkt und auf des Vaters Sterbestunde bofft, um einen solchen gräßlichen Gedanken auszuführen Und das alles um des Segens willen, den ihm der Vater gegeben und an dem er doch selber auch seinen Theil gehabt hat. Solltet ihr es für möglich halten, daß ein solcher Entschluß und Vorsatz je in einem menschlichen Herzen aufgekommen wäre? Und doch ist es so ... . Und ist es wirklich so ganz verklungen und verhallt und hören wir es nimmermehr und nirgends mehr das unkindliche und unbrü'derliche Wort, das uns in den Erzählungen aus der alten Zeit so tief verletzt? Wir wollen von dem nicht reden, was Liebloses und Gehässiges daran ist, nicht von dem bösen Anschläge gegen des eigenen Bruders Leben. Wir haben schon öfter von dem Bruderzwiste und seinen Erscheinungen und seinen unseligen Folgen in der heutigen Welt gesprochen. Aber ist etwa das Erstere, das vielleicht jedes bessere Gefühl im Menschen weit tiefer verletzt und weil schmerzlicher das Herz berührt, nimmer zu hören und zu sehen? Gibt es keinen ungerathenen Sohn, der auf die Sterbestunde seines Vaters wie auf eine Stunde der Erlösung hofft und die Tage zählt, bis daß die Trauertage seines Vaters kommen werden, da er alles Zwanges sich entledige, der ihn drückt und alle Hoffnungen und Liebeswünsche in Ausführung und in Erfüllung bringen könne, die er als ungesetzlich und ungebührlich bis dahin im Herzen trägt?! O, es gibt schon solche Erscheinungen auch in unserer Zeit. Bei einer Zerrissenheit wie wir sie heutzutage in den Häusern und in den Familien wahrnehmen, wäre es auch nicht anders zu erwarten. Wo die Gemüther sich trennen und die Religion, die einigende und bindende, die Herzen, die die Natur vereinigt, entzweit, müssen dergleichen Erscheinungen nicht selten zum Vorscheine kommen .... Wo die Gemüther wie heutzutage in ihren religiösen Ansichten und Ueberzeugungen sich trennen und namentlich die alte Zeit und die neue Zeit, das Alter und die Jugend, mithin auch Vater und Sohn in einem so wesentlichen Berührungspunkte so ganz verschieden denken, so ganz Verschiedenes bezwecken und erstreben, da muß — wenn nicht Beide es ehrlich und aufrichtig mit ihrem Gott und Glauben halten und nicht beide Gesinnungen ehrlich und redlich neben einander und miteinander bestehen und um des Einen willen, das Beiden heilig ist, sich gegenseitig vertragen und in der Liebe allen Widerspruch des Glaubens versöhnen — in jedem anderen Falle sich zwischen Vater und Sohn ein Widerspruch und Kampf erheben, der zu den traurigsten und trübseligsten Erscheinungen unserer Zeit gehört und gewiß nicht anders als mit solchen unseligen Gedanken enden kann. Es ist ein schönes Wort dev Schrift, daß Gott die Herzen der Väter den Kindern und die Herzen der Kinder den Vätern zuwende und geneigt mache und so im Glauben an den einzigen Gott, in der Anhänglichkeit an den väterlichen Bund sich die Herzen, die die Natur verbunden hat, vollends im Geiste einigen müffen; aber es ist das schöne Wort auch heutzutage wahrlich weiter nichts als ein frommer Wunsch und eine schöne gläubige Hoffnung, die wir in unseren Gebeten wohl vor Gott bringen, die in manchem Herzen lebt, das einer besseren Zeit gewärtig ist und dahin wirkt, sie zu fördern, die aber nicht in's Leben getreten ist. Vielmehr sind die Herzen der Väter und der Kinder mehr denn je auseinander, es sei denn, daß der Vater den Kindern nachgehe und sich an ihren Glauben halte. Wo aber der Vater sich irgend eine heilige Scheu erhalten hat, da trennenffich die Herzen mehr denn je. Es vergißt der Sohn die Achtung vordem grauen Haupte und den Dank für die vielen Wohllhaten, die er bisher empfangen, und die Liebe, die er für das geehrte Haupt stets im Herzen trug, und schmäht und schändet das Heiligthum seines Vaters. So es irgendwo gilt, so gilt es da: „Es schändet der Sohn den Vater und die Tochter die Mutter und die Schnur den Schwäher." Die im Leben wohl, sich hätten einigen können, daß sie ein Geist und eine Seele gewesen wären, die trennt und entzweit der Glaube,, der sie in allem Andern hätte einigen und verständigen sollen. Es können die ungleichartigsten Meinungen und Ansichten in Sachen des Glaubens und der Gottesfurcht mit einander, bestehen. Aber das Eine, das heilig ist und untrüglich, muff Allen heilig sein und unverletzlich. In der Liebe zu ihrem: Volke müssen sich die Herzen einigen, Mann und Weib und- Vater und Kind, wie in der Liebe zu ihrem Gotte. Denn es ist der Stamm, aus dem sie entsprossen sind, und ist' der Fels„ aus dem sie gehauen sind, wie die Schrift sich ausdrückt. Woaber der Sohn bei aller Achtung und Ehrfurcht und Liebe,, die er dem Vater bezeugt — so das bei solchen Gesinnungen noch möglich wäre — die Geringschätzung und Verachtung,, die er für sein Volk und dessen heiligste Interessen im Herzen hegt, nicht verbirgt und nicht verhehlt und den Stamm,, aus dem er entsprossen ist, als einen zerfallenen und zertrümmerten mit Füßen tritt, und den geächteten und geschändeten Namen,, den er mit seinem Blute sühnen und weihen und heiligen sollte, selbst der Aechtung und Schändung preisgibt, und alle Spötter und Verächter seines Volkes und seines Glaubens noch an Spott und Verachtung übertrifft; wo er es sich auf's Eifrigste läßt angelegen sein, das Fremde zu ehren, das Eigene und Ueberkommene zu schmähen, die fremde Sitte zu heiligen, die eigene zu übertreten, ohne den Widersinn der Einen oder den Sinn der Anderen je zu würdigen oder zu ergründen; wo er nichts als Unfug, Unrecht und Versündigung auf der einen Seite sieht, und nichts als Achtbares, Edles, .Ehrwürdiges und Heiliges auf der anderen, irnd kein Hehl daraus macht, seinen Ekel und Widerwillen offen an den Tag legt, sich seinem eigenen, angeborenen Volke und seinen Bestrebungen abgeneigt zeigt, für sein Unglück kein Beileid, für seine Entwürdigung keine Theilnahme, für seine Erhebung keinen Wunsch und keine Hoffnung hat — geschweige, daß er sich mit den edlen Kämpfern in Reih' und Glied stellen sollte, um den heiligen Kampf zu Ende zu kämpfen — und immer nur den gleichen Widerwillen, den gleichen Spott, den gleichen Vorwurf als eine Seelenstärke zur Schau trägt, als wäre das ein Heldenwerk, den gefallenen Löwen zu verhöhnen und zu verspotten — da kann zwischen Vater und Sohn kein friedlicher und einiger Sinn und Geist walten. Es müßte denn der Vater es sich gefallen lassen, an seinem eigenen Tische den Lästerer seines Glaubens zu nähren, die Schändung seines Heiligthums im eigenen Hause zu dulden; in denen, die er groß gezogen und mit seinem Schweiß und Blut genähret hat und mit seinem Segen hat reich gemacht, und mit seinem bewährten Ansehen hat erhöht und verherrlicht in der Welt, seinem Volke den entschiedensten und bittersten und unversöhnlichsten Feind, statt einen heiligen Kämpfer für sein heiligstes Interesse zu erziehen, und ihn für solchen Kampf der Zerstörung gegen sein eigenes Volk mit allen geistigen und weltlichen Mitteln zu rüsten und zu versehen, und ihm selber die Waffen in die Hand zu geben, mit denen er sein eigenes Volk bekämpft. Solche Nachsicht, so Ihr den Schimpf so nennen wollet, könnet Ihr wahrlich von keinem ehrlichen Manne fordern, der neben dem, was er sich und seinem Hause schuldig ist, auch das nicht außer Acht läßt, was er seinem Gotte und Glauben schuldig ist, der ihn in seinen trüben Tagen hat erheitert und ihn in seinen glücklichen Stunden hat gekräftigt, und seinem Volke schuldig ist, dessen Heil und Wohl stets mit dem seinen

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