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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-30 · 48 (30.11.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Oeverredtziptze WochenptzrM ©eite 929 die zu dem Tiefsinnigsten gehört, was man sich denken kann. Er hat sie augenscheinlich im Schatten kühler Denkungsart abgefaßt und sie sei Allen empfohlen, welchen des Lebens Unverstand nicht blos Tugend, sondern, was noch weit höher zu schätzen, auch Begriff ist! Denke Dir, Pumpo, dieser elende Wicht Johannes, der infame Kellner der schnöden Zahl, verweigert mir eben den zwölften Cognac und beruft sich dabei auf das neue „Trunkenheitsgesetz!" Wenn Ritter Georg noch drinnen säße, der würde mit Donnerstimme einen Zusatz-Paragraphen 11 beantragen, welcher zu lauten hätte: „Es wird fortgesosfen!" Nicht wahr Mila, liebreizende Cassierin des Sitzes? O lächle Gewährung holde Fee zwischen den Aufwärtern mit den Zuckertäßchen, schreibe mir noch den einen Cognac ein — ich liebe Dich ja mit aller Glut, deren eine treugermanische Mannesseele fähig ist und wenn es mir em Liebestrunkenheitsgesetz verwehrte, so — — doch da kommt er schon der Cognac. Es lebe Mila, die deutsche Sitzjungfrau und der Paragraph 11! Servus Pumpo! U. D. G. Teutobold. Vom Jahrmarkt des Lebens. Zur Frage der Sonntagsruhe. Brody, 25. November. Die hiesige Handels- und Gewerbekammer hat gegen die von der Regierung beabsichtigte Verschärfung der Sonntagsruhe an das Abgeordnetenhaus folgende^ Petition gerichtet: „Die vermehrte Rigorosität des von der hohen Regierung eingebrachten Gesetz-Entwurfes über die Sonntagsruhe veranlaßt die gefertigte Handels-und Gewerbekammer im Interesse ihrer Mandanten zu diesem Einschreiten. In keinem Lande Oesterreichs äußern sich die nachtheiligen Folgen der obligaten Sonntagsruhe so empfindlich, als in Galizien für die jüdische Bevölkerung, die hier in strenggläubiger Weise die Sabbatruhe beobachtet, welche schon Freitag zur frühen Nachmittagsstunde beginnt und somit fast 30 Stunden dauert, wozu noch die vielen gebotenen Feiertage treten, während welcher jede Thätigkeit aufhört, so daß zuweilen Geschäfte und Handwerk 2 oder 3 Tage suspendirt bleiben und der arme Mann, aus religiösen Bedenken, doppelt schwer um seinen kümmerlichen Unterhalt ringt. Nun soll dieser Theil der Bevölkerung einen weiteren Tag der Woche, zu dessen Feier er religiös nicht verpflichtet ist, müssig verleben und zur Unthätigkeit verurtheilt sein! Wenn man erwägt, daß von den 800.000 Juden, welche in Galizien leben, blos der vierte Theil, sonach 200.000 Menschen commerciell oder gewerblich thätig sind, was umso weniger zu hoch gegriffen ist, als auch viele jüdische Frauen an der Gewerbethätigkeit theilnehmen, und wenn man den Tagesverdienst durchschnittlich für den Kauf- und Gewerbsmann mit nur 1 fl. veranschlagt, so ergibt sich für die jüdische Bevölkerung welche den Samstag heiligt, den Sonntag aber gezwungen müssig verlebt, ein jährlicher Verdienstentgang von zehn Millionen Gulden, somit eine für die hierländigen Verhältnisse ganz gewaltige Summe, die durch nichts wieder eingebracht und durch nichts gerechtfertigt wird, während im Gegentheile vom Standpunkte der Staatsgrundgesetze, diesem Born constitutioneller Freiheiten, der Zwang zu perhorresciren ist. In England, dem Lande religiöser Orthodoxie und der rigorosesten Beobachtung der Sonntagsruhe, während welcher sogar Post- und Telegraphenämter geschlossen bleiben, besteht die Bestimmung: (Holidays Extension Aet. 1872 §. 51) daß in den Fabriken und Werkstätten, welche Juden gehören und in welchen nur jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen^ e sch äs t i g t w er d en, die Sonntagsarbeit gestattet ist, wenn der Sonnabend gefeiert wird. Die englische Gesetzgebung entbindet somit einen Theil der Bevölkerung von der Pflicht, nach einem bereits beobachteten Ruhetage die Sonntagsruhe einzuhalten und so abermals 15 Percent seinrr Gewerbsthätigkeit einzubüßen. Bedenkt man. daß die Juden vermöge ihrer religiösen Vorschriften 2 Vs Monat im Jahre feiern müssen, und rechnet man die Sonntage dazu, die sie unthätig verbringen sollen, so sind nocht weniger als vier Monate im Jahre, die sie unproductiv verleben, und so reich ist der Ertrag der Arbeit in Galizien nicht, daß man mit dem Erwerb zweier Tage das Auslangen für den dritten finden würde. Es wäre somit im Interesse des Nationalwohlstandes, wenn den Juden in Oesterreich legislatorisch freigegeben würde, nach ihrer Wahl sich für die Beobachtung der Samstag- oder Sonntagsruhe zu entscheiden. Es wäre dies ferner auch ein Act der Billigkeit, weil Kauf- und Gewerbsleute, welche nur 5 Arbeitstage in der Woche haben, nicht mit Jenen concurriren können, die an 6 Tagen arbeiten dürfen; ebenso ein Act der Humanität, weil den Juden durch die aufgezwungene Sonntagsruhe der Kampf ums Dasein erheblich erschwert wird. Die Kammer bittet daher: Ein hohes Haus möge dem neuen Gesetz-En! würfe überdieSonntagsruhedie für b i e jüdische Bevölkerung drückenden Be st i n. m ungen nehmen und derselben gesetzlich ermöglichen, bei der Ruhehaltung am Samstag die gewerbliche Thätigkeit am Sonntag aufnehmen zu dürfen." — Dev preußische Minister des Innern v. Köller. Die Freude der Antisemiten über verschiedene Veränderungen in der Regierung dürste die nachfolgende officiöse Auslassung verschiedener Blätter wohl herabzudämpfen geeignet sein: „Anläßlich der Ernennung des bisherigen IlnterstaatssecretärS r». Köller zum Minister des Innern wird in einigen Blättern daran erinnert, daß Herr v. Köller bis \\i seiner Ernennung zum Polizeipräsidenten in Frankfurt a. M. (1885) der conservativen Fraction des Reichstages angehörte, wo er sich den Ruf eines überschneidigen Debatters erworben und in die damalige ..konservative" Berliner Bewegung einaegrifsen habe. Diese Thatsache ist richtig; aber cs ist daran zu erinnern, daß H e r r v. K ö l l e r die antisemitische Agitation S 1 öcker 's nicht unterstützt, sondern lebhaft bekämpft hat; woran wir für unser n Theil keinen A n st o ß nehmen. Wie die Tivoli-Conservativen »nd die reinen Antisemiten sich mit diesen Präcedenzen des neuen Ministers des Innern abfinben, ist ihre Sache. Seine Thätigkeit in Frankfurt und nachher in Straßburg, wo er mit dem liberalen Staatssecretär v. Puttkamer zusammen wirkte, scheint zu beweisen, daß Herr v. Köller kein Mann der Extreme ist." Abgeordnete und Mädchenhändler. Prag, 23. November. Das Organ des Dr. Ri eg er. der „Hlas Naroda", fordert den jungczecknschen Reichsrathsclub auf, den neugewählten Abgeordneten Rasin nicht früher in den Club aufzunehmen, als bis R a s i n gegen den „Hlas Naroda" klagbar aufgetreten ist und vor dem Schwurgerichte öffentlich widerlegt hat, was der „Hlas Naroda" in Bezug auf R a s i n's Betheiligung beim Export der Mädchen aus Böhmen nach dem Orient behauptet hat und wofür der „Hlas Naroda" sich bereit erklärt, den Wahrheitsbeweis ohneweiters anzutreten. Literarische Bubenstücke. Man schreibt uns aus Berlin: Nr. 1. Herr Dr. Friedrich Lange in der „Täglichen Rundschau" und in der „Bolksrundschau" als Hüter des Deutschthums ist eine gar sonderbare Erscheinung. Jede mögliche, aber auch jede unmögliche Gelegenheit wird in diesen Zeitungen dazu benützt, um über die Juden herzuziehen. In einem Leitartikel vom 11. November, der seitdem durch die ganze verschämte und unverschämte antisemitische Presse gegangen ist, wurde über das „Höchste aus Höchst" berichtet. Der Sachverhalt war der: Das Süddeutsche Waarenhaus zu Höchst in Hessen-Nassau, Hauptstraße 45a, bal im Kreisblatt eine unpassende Annonce einrücken lassen, in der es bieß, daß „sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen von Höchst beschlossen" hätten, bei ihm ihren Wmterbedarf zu beziehen, „weil sie sich überzeugt haben, daß dort beste Waaren zu auffallend billigen Preisen verkauft werden." Ein Schuhmachermeister Namens Carl Euler las diese Anzeige, erkundigte sich auf der Straße bei Arbeitern und Arbeiterinnen und stellte fest, daß diese von einem solchen Beschluß nichts wußten. Hierauf veröffentlichte er im „Höchster Kreisblatt" ein „Eingesandt", das sich in scharfen Worten gegen jenes Inserat wandte. Hierauf erhielt Herr Euler einen anonymen Brief, der nach der „Bolksrundschau" wie folgt lautet: Weither Herr! Sie haben am Mittwoch im hiesigen Kreisblatt unsere GeschäftSanzeige einer Kritik unterworfen, die wir uns nicht gefallen lassen. Sie hätten schon um Mittwoch die nothige Antwort erhallen, wenn nicht die Heiltgkeit unseres Versöhnungstages uns davon

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