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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-30 · 48 (30.11.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 928 --« J. «»J-—^-M-■ WLMrveuytptze Mmyrnpymfl. Nr. 48 und von welchem ausgehend ich es für meine Pflicht halte, diesen Gesetzentwurf anzunehmen."*) Hierauf wurde die Generaldebatte geschlossen und der Gesetzentwurf als Basis der Specialdebatte angenommen. In der Specialdebatte. meldete sich Niemand zum Worte. Nach Schluß derselben wird gemäß der Geschäftsordnung über den Gesetzentwurf namentlich abgestimmt. Das Resultat dieser Abstimmung war, daß der Gesetzentwurf mit sechzig gegen vier Stimmen, sowohl im Allgemeinen, als auch in den Details unverändert angenommen wurde. Die Namen der vier vorsi'nt^luthlichen Magnaten, die gegen den Entwurf gestimmt haben, verdienen ad aeternam memorian festgenagelt zu werden. Sie heißen : Graf Felix Zi ch y - Ferr a r i s, Markgraf Sigmund P allavicini, Baron Sigmund Bar 16 c zy und Baron Ladislaus Po dm an iczky. Wie fic „Pesti Hirlap“ richtig genannt hat: „Bier Trotteln." Teukobold's allgemeine Betrachtungen. Schreibebrief des deutschnationalen Studenten. xxn. Wien, int November 1894. Lieber Kumpan Pumpo! Eine reinnarische Unterhaltung mit dem urteutonischen Freunde soll mir über die steppenhafte Oede meiner Kaffee- Häuslichkeit hinüberhelfen. Hat sich doch eine Fülle der bemerkenswerthesten Ereignisse — Worte wie Thaten — in den letzten Wochen zugetragen und lohnt vollauf, sich mit ihnen zu befassen. Unsere Partei hat sich, wie stets, ihres Ordnungsrufes würdig gezeigt. Wir haben das Recht, auf die Gesammtheit mit demselben Stolze zu blickenwie diese auf den Einzelnen. Allweg-stramm-teutsch-volklich .. . . . Was sagst Du zu den jüngsten Großmaul-Heldenthaten Gregorig's, des Erleuchteten? Bei den goldenen Widdern der Freya und dem goldenen Luchsen des „Fürschten Loisl", das ist ein Mann! Der hat es den Semiten ordentlich gegeben. Die österreichische Industrie hat er schlankweg eine „Pofel-Jndustrie" gescholten. Wer erzeugt ihn, den Pofel? Die Juden! Gregorig, der Alles von ihnen bezieht, muß das doch am besten wissen. Er ist in diesem Falle die Competenz in Person. Seine Bemerkungen sind so passend, wie seine Hemden. Du mußt nämlich wiffen, daß er nicht nur maßgebend, sondern auch maßnehmend ist, der Herr Schwätzmeister. Er putzt die Majorität tüchtig, nimmt sie beim Cravattel, dreht ihr'den Kragen um — mit einem Worte, er besorgt im Gemeinderathe das Gewäsche! Es ist geradezu b wunderungswürdig, wie er Allem eine interessante Seite abgewinnt. Wirf die antisemitische Katze wie Du willst, immer fällt sie über die Juden her. Ein armer Bursch verunglückt.... Gregorig interpellirt gleich, ob das in einem judenliberalen Sandhaufen geschehen ist? Wo es schmutzige Wäsche gibt, muß er mitwuschen. Sehr häufig hält er Gemeinderathssitzungen für sich ganz allein ab, um ungestört zu sein. Ein gewiffer Paragraph der Geschäftsordnung scheint „ausschließlich" für ihn erfunden. Er ist einer unserer begabtesten Pulttrommler und im Fußtrampeln kann er dem ungehobelten Jedliczka, der es doch auch versteht, getrost fünf Points vorgeben. Der Bürgermeister kommt mit seinen Ordnungsunmöglich den Zwischenrufen nach. Mau müß'e ihm einen kleinen Vorsprung von etwaeinem halben Dutzend Ordnungsrufen gleich zu Eröffnung der Sitzung einräumen, dann ginge es vielleicht und er müßte nicht immer um etliche Zurückbleiben. Auch würde es sich em- ‘) Es braucht nicht bewiesen zu werden, daß der edle Graf er eaäew causa für die Receptionsvorlage hätte stimmen müssen, wenn er sich konsequent hätte bleiben wollen. Es scheint aber, wenn man nach seinem Votum gegen die Receptionsvorlage urtheilen soll, daß er sich in retrograder Richtung entwickelt hat, was auch durch andere Thatsachen genügend bewiesen wird. Leä melius est tacere qnam loqui, müssen wir aus preßgesetzlichen Gründen bemerken. pfehlen, für Gregorig und Genossen eine permanente elektrische Klingel einzuführen, wie die telegraphische der Bahnstationen, welche zu Anfang der Sitzung in Betrieb zu setzen wäre, und so lange die Herren beisammen sind, fortläuten müßte, denn man kann unmöglich vom Vorsitzenden verlangen, daß er vom ununterbrochenen Läuten den Gelenkskrampf bekommt. Die Ordnungsrufe sind auf automatischem Wege durch einfachen Druck auf einen Knopf zu ertheilen. Auch würde sich empfehlen, daß den, der einen erhält, gleich der elektrische Schlag trifft — verhältnißmäßig stärker oder schwächer, je nachdem. Dann wird es sich zeigen, ob die nichtswürdigen Liberalen weiter fortfahren werden, die Weisungen des Vorsitzenden zu verhöhnen und zu verlachen. Die technische Anlage aller dieser kleinen, von mir vorgeschlagenen Neuerungen werden gleichzeitig mit der Stadtbahn vollendet sein. Am meisten, Pumpo, verdrießt's mich, wenn diese Juden noch die Frechheit haben, unserer Partei den Vorwurf zu machen, w i r störten die Ruhe, w i r wüßten nicht, wie man sich in parlamentarischen Körperschaften zu benehmen hat. Lächerlich! Wir wissen was, Anstand ist. Auf allen Anstandsorten kann man unsere Maximen und Grundsätze lesen: „Juden hinaus! Durch Reinheit — um die gebeten wird — zur Einheit! In der Rasse . . . ." x. Die Juden fangen immer an. Will Dir's haarscharf beweisen. „Ruhig Jud!" rufen unsere Herren den turbulenten Elementen friedfertig und liebevoll hinüber. Hast Du schon gehört, daß jene „Still Christen!" je gerufen hätten? Nun? Hab ich Recht? Das Gesetz über die Ausverkäufe wurde jetzt im Neichsrathe behandelt. Ist mir aber nicht recht klar worden. Wird es uns deutschnationalen Studenten nach diesem neuen Gesetz nicht mehr gestattet sein, unsere sämmtlichen Lehr-Schmöcker an die Antiquare auszuverkaufen und werden wir einige davon zurückbehalten müssen? Wird es mit der Garderobe ebenso zu halten sein? Na, so will ich denn in Wotans Namen alle meine Bücher mit Ausnahme des deutschnationalen Kalenders, herausgegeben von Jro, verschachern und ein Jäger-Unterkamisölchen zurückbehalten. Für den Kalender gibt ohnedies Niemand was her. „Habe nur für Werke deutscher Sprache Verwendung" meinte ein Bücherl-Jude, dem ich ihn letzthin anbot. Von Vergani habe ich unterschiedliches Neue zu erzählen. Er soll, wie ich aus guter Quelle vernommen habe, durch eine Mittelsperson vertraulich haben anfragen lassen, ob nicht er die 13.000 Francs haben könnte, nachdem die „Neue Freie Presse" sie nachweisbar von der bulgarischen Regierung nicht bekommen. Die Antwort steht noch aus, doch sind die Chancen des Zaubergewaltigen nicht besonders günstig. Er wird sich an seinen anderweitigen Erfolgen trösten müssen, der Wackere. „Vergani's gesammelte Abschriften" werden ja demnächst in einer stattlichen Gesammtausgabe erscheinen. Die Reiseberichte aus Schweden — bekanntlich sehr viel svakel aber ganz ntan fosfor! — dürfen nicht darin fehlen. Der Ausgabe werden zahlreiche Tafeln und Speisekarten zur Erläuterung beigegeben. Verganls gewandte Copirpresse wird sich von einer neuen glänzenden Seite zeigen. Seine Schriften, plaidiren alle für eine uneingeschränkte Freßfreiheit. — Was die Juden vom armen Pfarrer Deckert wollen, ist mir wirklich unbegreiflich. Jetzt beklagen sie sich gar, daß er zu wenig Religionsunterricht ertheilt und erst verlangten sie stürmisch, daß er gar keinen ertheilen soll. Es ist ihnen wirklich nichts recht gU machen. Auf den guten . Weinhauser Lust - Architekten haben sie es besonders scharf, weil er das „Lasset die Kleinen zu mir kommen" nach seiner Weise ausgelegt hat und darin, finde ich, hat ihm Niemand das Geringste dreinzureden. Das ist eine rein theologische Angelegenheit. Er ließ die Kleinen zu sich kommen und gab ihnen Juden-Vaterunser zur Colportage. Es soll mich wundern, wenn Pfarrer Deckert den Schulrath nicht wegen Geschäftsstörung belangt. Selbstverständlich vertritt ihn dann wieder sein Leib-Jude und mit dem gewohnten Erfolge. Deckert hat jüngst eine Broschüre gedichtet,

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