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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-23 · 47 (23.11.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
47 (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 918 Vesterrrirtzifchr Wochrnschrtfl ^Lr. 47 treue Großmutter starb und ihm in ihrer letzten Stunde auftrug — der nun ganz einsam und verlassen auf Erden sei — eine brave Hausfrau zu suchen, frug er Elke J eru sch a lmi, ob sie sein Weib werden, Leid und Freud mit ihm theilen wolle. Er legte ihr offen und ehrlich seine Verhältnisse dar. Er gestand ihr, er sei ein völlig mittelloser Mann, der Alles, was er erworben, für seine alte Großmutter aufwenden mußte, so daß er sich gar kein Vermögen ersparen konnte, aber er hoffe, sich und eine begnügliche Frau redlich und anständig zu ernähren. Er hätte sich, nach den Zeugnissen der ersten rabbinischen Autoritäten, soviel talmudisches Wissen angeeignet, daß er, sobald er ein verheirateter Mann') sein werde, sofort in einer kleinen Gemeinde ein Rabbinat erlangen könnte. Doch gestand er ihr,'daß er auf diesem Felde nichts Ungewöhnliches nichts Hervorragendes zu leisten vermöge und dabei leicht und mit Recht anderen Candidaten erliegen könnte, dagegen glaubte er, als Chasan jeden Mitbewerber siegreich aus dem Felde zu schlagen. Elke I erus ch a lm i hatte mit jungfräulicher Schüchternheit, unter lieblichem Ecröthen seine Werbung angenommen und die offene Darlegung seiner Verhältnisse in gleicher Weise erwidert. Sie habe, theilte sie Towije Kohen mit, von ihren Eltern, die sie in ihrer zartesten Jugend verloren, nichts als einen unbescholtenen Namen geerbt. Sie sei als vierjähriges Kind von der würdigen Judith G eron im ins Haus genommen worden, sei nach deren Ableben im Hause geblieben und habe sich von jeher allen Dienstleistungen unterzogen, ohne hierfür je eine Entlohnung erhalten oder beansprucht zu haben, da sie sich durch die empfangenen Wohlthaten überreich bezahlt halte. Trotzdem hatte sie früher doch gehofft, Reb Eberl Ge-/ r o n i m würde sie, wenn sich ein Bewerber um sie fände, ausstatten und ihr eine kleine Mitgift geben, aber vor etwa einem Jahre hätte ihr der alte, eigentümliche, vollkommen unberechenbare Mann eines Tages ganz unerwartet in feierlichster und nachdrücklichster Weise erklärt, sie hätte weder nach seinem Tode noch bei seinen Lebzeiten das Allergeringste von ihm zu erwarten. Er erachte es als seine Pflicht, das große Vermögen, das ihm der liebe Gott gegeben, aus dem Grunde ganz unvermindert seiner Tochter zu hinterlassen, damit deren Gatte' stets die Mittel besitze, sich in der beispiellos hohen Stellung, die er erklommen, zu erhalten und in dieser für seine bedrückten Glaubensgenoffen erfolgreich zu wirken. Er — Geronim — sei ein gewifferhafter Mensch und sehe sich umsomehr verpflichtet, ihr diese Eröffnung zu machen, als sich jetzt für sie eine gute Stelle als Hausverwalterin und Pflegerin bei dem alten, verwitweten und kinderlosen Reb Pinkas Duschenes darbiete, der, ohne Erben und nähere Verwandten, ihr zum Danke für gute Wartung gewiß ein ansehnliches Legat vermachen würde. Sie sehe, er sei ein redlicher Mann, der offen spreche, auch wenn dies für ihn ein Nachtheil sei; denn er wolle es ihr nicht verhehlen, daß ihr Austritt aus seinem Hause ihn betrüben, und da er auch nicht eine sorgsame Pflegerin finden, wohl sein Ende beschleunigen würde. Schließlich erklärte Elke, es erscheine ihr als eine Pflicht der Artigkeit und Dankbarkeit gegen Geronim, daß, da sie keine Verwandte besitze, .Towije Kohen bei ihm um ihre Hand werde; es sei dies allerdings nur eine Formsache, denn Geronim habe nicht das Recht, gewiß auch nicht die Absicht, ihre Entschließung zu beeinfluffen. Fortsetzung folgt. Literatur. Schlecht Deutsch. Eine lustige und lehrreiche Kritik unserer neuhochdeutschen Mundunarten. Von A. Brun n er. Verlag I. Eisenstein & Co. Preis 1 fl. Dieses ganz ausgezeichnete Buch kann gar nicht genug gelobt werden. Eine innige Liebe zur herrlichen deutschen Muttersprache liegt allen Bestrebungen feines Verfassers zugrunde, leitet alle seine werkthätigen Bemühungen, den Garten möglichst zu säubern von allem üppigen in die Halme schießenden Sprachunkraute. Der Ton seines Vortrages ist kein trockener, langweiliger, näselnd-pedantischer, sondern just im Gegentheile ein flotter und munterer. Er hat das Kunststück zuwege gebracht, grammatische Materien unterhaltend und lustig darzustellen, daß es eine Helle Freude ist, ihm auf seinen Pfaden nachzufolgen. ') Nach rabbinischen Bestimmungen sollen in den jüdischen Gemeinden nur verheiratete Männer zu Amt und Würden gelangen. „Man hat", so schreibt er — „nomina gunt odiasa — man hat für die erschrecklich um sich greifende Sprachverderbniß drei Menschengruppen verantwortlich gemacht: die Oesterreicher, die Zeitungsschreiber und die Juden. Ich will schlechte Austriacismen, schlechten Zeitungsstyl und schlechtes Jüdisch-Deutsch nicht vertheidigen, doch scheint mir, mißt man den Dreien zu große Bedeutung und zu viel Schuld bei." A. Brunner, welcher mit dem großen Wörterbuchmann Daniel Sanders, wie es verlautet, im Contacte steht und an dessen Arbeiten mitthut, macht seinem großen Meister alle Ehre. Daniel Sanders, welcher als Jude ein ganzes langes Leben begeistert und opferwillig in den Dienst der deutschen Sprache gestellt hat, der gegen Mißverstand und Unverstand so manchen harten Strauß auszukämpfen hatte, der hat für das Deutschthum millionenmal mehr geleistet, als die Heerschaar derjenigen, die nur hochtrabende, hohle Phrasen im Munde führen uno einen Jargon sich zurechtgezimmert haben, dessen Rohheit nur seiner Unbeholfenheit die Waage hält. Wer die deutsche Sprache wirklich liebt und hochhält, wem an ihrer Reinheit und Schönheit etwas liegt, wer sein Ohr für ihre Feinheit schärfen will, dem sei A. Brunner's Buch, zu welchem Daniel Sanders Gedoster gestanden, wärmstens anempfohlen. Man wird reichliche Belehrung und untrüglichen Rath in zweifelhaften Fällen daraus schöpfen können. Und lustig ist es dazu mit seiner Auslese von drolligen und lächerlichen Sprachschnitzern. F- Briefkasten. M. S. P. in Zambrech: Ihre Zuschrift mit Interesse gelesen, zur Veröffentlichung nicht geeignet. D. S. in Hamburg: Sind denn alle Christen Engel? Haben nicht die Greuelthaten christlicher Nationen Millionen hingerafft? Ed. v. Hartmann hat sehr richtig gesagt: „Wenn man sich daran erinnert, wie die Spanier und Portugiesen Mexiko ausgebeutet haben, wie Engländer, Franzosen ihre Colonien behandeln und ihrer wirthschafttichen Ausbeutung durch grausamste Kriegführung die Wege ebnen, so erscheint doch Alles, was die Juden an Ausbeutung anderer Völker geleistet haben und noch leisten, als bloßes Kinderspiel." (S. Fürst .Bismarck und,d. Antis.. 1866,,<5- .8.4f,). ............ „Juden 'naus". Ihre so geist—lose Epistel hat uns herzlich lachen gemacht und erlaubt uns daher auch aus Dankbarkeit, Ihnen Folgendes hierauf zu erwidern. Nicht Juden sind es gewesen, sondern hochkirchliche Lords arischen Blutes, die den englischen Bauernstand vernichtet haben: nicht Juden, sondern Vollblutitaliener sind es, die in Sicilien, und in Italien überhaupt, so bejammernswerthe Zustände geschaffen; nicht jüdische, sondern kirchlich-orthodoxe Beamte sind es, die in Rußland am Mark des Volkes zehren. Nicht Juden, sondern hartherzige und geldgierige Uankees hemmen die natürliche, gesunde Entwicklung Nordamerikas. Nicht Juden, sondern Bontoux & Comp, waren es, die Frankreich in eine Krise stürzten u. s. w. Vorstand des Handw rker-Vereines Jad Charuzim, Herrn Jakob Schapira, Simon Weich, Adolf Chierer, E. Schläfrig in Lemberg: Der Abgeordnete Dr. Bloch dankt herzlichst für die ehrende Krmdgebuug in der Sitzung vom 14 d. M. und für die freundliche Zuschrift. Herrn Ludwig G.: Diese bewußt freche und auf die gewohnte Indolenz der Abonnenten berechnete Fälschung des aus der Zeit des Papstes Alexander VI. stammenden Sprichwortes: Qm mange du pape (— xi. nicht „de juif“ —sowie der übrige Sudelinhalt der letzten Nummer, mag Ihnen den Beweis geben, daß die „Deutschen Worte" uumnehr auf dasselbe -geistige Niveau gesunken sind, auf welchem die „Schmähpost" des Ariers Spitzer-Weimar, sowie das „Deutsche Pauschalverdächtigungs-Blatt" des „Ehren(?)-Bergani" gesunken ist. — Nun, uns ist's Recht! — Für den Verein „8ebaar Zion" (Hospital) in Jaffa sind einqelaufen von den Herren: E. Böhni in Prag fl. 5, von I. B. in Zürich fl. 10, von I. K. in Wien fl. 10. Für die 105-jährige Frau sind uns von Frau Elise Pächter ixn Aufträge des israel. Frauenvereines Mähr.-Budwitz 5 fl. zugekoxnmen. Hiezu die ausgewiesenen 16 fl., zusammen 21 fl. G L. Wien. Der 17. Juni 1882 siel aus Samstag d. 30. Srwan 6642 (Rosch-Chodesch Tamus.) Herrn Emil Goldstein. Sie wollen ein Beispiel einer „arischen" Moral zum Gegensätze der „orientalischen", von rvelcher die „Schmähpost" in ihrer letzten Montag-Nummer faselte. Gut. Gregor, Bischof von Tours, im 6. Jahrhundert lebend, schreibt in seiner bekannten Frankengeschichte über den christlichen Burgunderlöni'g Guntram als Lob (!): „Guntram", sagt er „sonst ein rechtschaffener Mann, nur daß er immer zum M e i ne i d e ^bereit war." Wir griffen vorsätzlich soweit zurück und wählten eines der mildesten Beispiele „arischer" Moral. Wir können Ihnen aber noch mit inehr als tausend solcher, und rr.fferer Art aus der neueren und neuesten Zeit dienen.

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