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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-23 · 47 (23.11.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
47 (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 47 VeyerrekWltzr WortzrnptzrM Seite 915 In einer lebhaften Debatte, an der die Herren De. Karpeles Dr. Hildesheimer, D.Wolf, L BergeI, Spiewkvwsky und Andere theilnahmen, fanden die Ziele des neuen. Vereines fast allseitige Billigung, und die anwesenden Vertreter der Bnai-Brith Logen erklärten, daß auch diese sich korporativ betheiligten. Besonders der Gedanke eines Jünglingsheims fand allgemeinen Beifall. Als Namen des neuen Vereines wurde einstimmig „Jüdische Lesehallefestgesetzt und als Ziel der Bestrebungen wurde vorbehaltlich redactioneller Aenderungen § 2 angenommen. Der Verein bezweckt: Die Errichtung einer jüdischen Lesehalle und Bibliothek, in der die jüdische Literarur, insbesondere auch die periodische, den weitesten Kreiien zugänglich gemacht werden soll, und die Schöpfung eines jüdischen Jünglingsheims anzustreben. Die weitere Berathung der Statuten wurde alsdann einer Commission übertragen und ein Borstand ans sieben Mitgliedern gewählt, und zwar die Herren Professor M. Ph ilippsn erster und Julius I s aa c zweiter Vorsitzender, W. Bambus und A. L. M o c k i n erster und zweiter Schriftführer. M. H e y m a n n Schatzmeister, Dr. G. G i n s b e r g und D. Wolf Beisitzer. Der Vorstand wird es sich angelegen sein lassen, Lesehalle und Bibliothek baldigst zu eröffnen und darf auf eine rege Inanspruchnahme der neuen Einrichtungen rechnen. Paris. M. Leopold F r a n k f o r t, General-Jnspector für Straßen- und Brückenbauten, ist in hohem Älter gestorben. Durch fast vierzig Jahre stand derselbe an der Spitze des Straßen- und Bcückenbauamtes im Departement luclre et Loire und erfreute sich einer so großen Popularität, daß der Stadtrath von Tours einen der Quais der Loire nach chm benannte. Anlaß hiezu gab die gefährlichste Ueberschwemmuug, welcher je die Loire-Gegend ausgesetzt war. M. Frankfort war damals Chef-Ingenieur und seinen hervorragenden Kenntnissen, seinem raschen Erfassen der Situation und seiner Energie war es zu verdanken, daß Tours von einer unabsehbaren Katastrophe bewahrt wurde. Frankreich. Mr. Leo K o h n, der lange Zeit hindurch das Amt eines Präfecten der Haute Garonne inne hatte, ist zu dem noch einflußreicheren gleichen in der Loire berufen worden. Er ist der Sohn des verstorbenen Albert K o h n. — Zwei Damen, deren Väter in der Gelehrtenwelt bedeutende Namen tragen, sind kürzlich in Paris vor den Traualtar getreten. Die eine ist die Tochter des Herrn Moses Schwab, Bibliothekar der National - Bibliothek, eines vortrefflichen jüdischen Gelehrten und Schriftstellers; die andere ist die Tochter des Herrn Lyon-Caen,des berühmten Akademikers und Professors der Rechtswissenschaft. In den vier Haupttempeln derStadtPar is sind in den Festtagen 24.000 Gulden an Spenden eingegangen. VemWites. Wien. (FünfzigjährigesJubiläumdes israel.Taubftummen-Jnstitutes.) In den nächsten Tagen werden es fünfzig Jahre, seit das „Allgemeine österreichische israelitische Taubstummen-Jnstitut in Wien" ins Leben gerufen wurde. Aus diesem Anlasse veranstaltet der Borstand Sonntag am 2. December d. I. Vormittags V2II Uhr im Jnstitutsgebäude III. Rudolfsgasse 22 eine Feierlichkeit, zu welcher die geehrten Mitglieder und Freunde des Vereines höflichst eingeladen sind. Wien. Am 20. d. M. erschien in der „N. Fr. Pr." auf Seite 18 folgende Annonce: „Bautechniker gesucht, nicht über 30 Jahre alt, mit sehr schöner Handschrift, perfect in Voranschlägen. mit ausgezeichneten Referenzen. Ch rist. Offerte schriftlich an Oberbaurath Wagner, I. Schillerplatz 3." Oberbaurath Wagner ist der Nachfolger Hasenauer's, sowohl in der Oberleitung des neuen Burgbaues, als in der Jnhaberschaft der Professur an der Specialschule für Architektur der k. k. Akademie der bildenden Künste. Wie kann die Lehrtätigkeit einer Persönlichkeit beschaffen sein, die schon beim B a u - sch reib er die Unterscheidung „christlich" und „nicht christlich" macht? —Und mit welchem Rechte mißbraucht der Herr Oberbaurath die Adreffe einer k. k. Lehranstalt zu antisemitischen Anzeigen? U. A. w. g. Wien. (Trauung). Sonntag, den 25. d. M. findet in der Synagoge II., Leopoldsgasse 29, um 3 Uhr Nachmittags die Trauung des Herrn Josef Beer Roth köpf mit Fräulein Louise Winkler statt. Sonntag den 25. November */44 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengasse 4, die Trauung des Herrn S. Storch, Inhaber einer Musikschule und Organist der israelitischen Cultusgemeinde.mit Fräulein Bertha Blum statt. Verlobung. Fräulein Pauline Kohl, Tochter des langi jährigen Obmannes der Chewra-Kadischa in Horazdiowitz,; Herrn Wilhelm L. Kohl, hat sich mit dem Kaufmanne Herrn Ludwig Fischl in Horazdiowitz verlobt. Herr Leopold Singer, Gesellschafter der Firma S. Singer u. Comp., hat sich mit Fräulein Louise Keßler, Tochter des Herrn Ignaz Keßler, verlobt. Wien. (Verein zur Befö rderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.) Infolge des enormen Andranges der aus allen Ländern der Monarchie um Aufnahme ansuchenden Knaben und der großen mit der Versorgung und Bekleidung der dermaligen Zöglinge verbundenen Auslagen hat der Vereins-Vorstand beschließen müssen, die Aufnahme von Knaben während der Monate Deeember und Jänner zu sistiren. Wien. Der hum. Gesell.-Verein „Rudolfsbund" veranstaltet am 1. December d. I. in Sacher's „Hotel Central" II. Taborstraße 8, um 8 Uhr Abends unter Leitung seines Obmannes des Leopoldstädter Armenrathes des Herrn Josef Pollak (Fa. Pollak & Neu von) das diesjährige Kinderbekleidungssest, bei welchem 60 arme Schulkinder mit vollständiger warmer Winterkleidung versehen werden. Wien. Am 11. November d. I. wurde unter allgemeiner Theilnahme Herr B. Leopold L ö w y auf dem Centrälfriedhofe bestattet. Der Verblichene erfreute sich wegen seiner ausgezeichneten Charaktereigenschaften und seines regen Wohlthätigkeitssinnes allgemeiner Sympathie, welche durch die zahlreiche Betheiligung beim Leichenbegängnisse, sowie durch die ergreifende und würdige Trauerrede Sr. Ehrwürden des Herrn Ober-Rabbiners Dr.Schmied! beredten Ausdruck fand. Der Verblichene war durch 30 Jahre Mitglied der hiesigen Cultusgemeinde und erfreute sich wegen seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften, sowie insbesondere durch seine große Wohlthätigkeit allgemeiner Beliebtheit und Achtung. Der Verstorbene gehörte einer jüdischen Patriziersamilie aus Mähr. Auffee an, einer Gemeinde, welche zahlreiche angesehene Familien dem Judenthum gegeben hat und deren Söhne in allen Lebensstellungen sich Achtung und Anerkennung erworben haben. Sein Vater „Reb Menke L ö w y" erfreute sich eines ausgebreiteten Rufes weit über die Grenzen seiner Heimat und der Sohn wußte in Wien die Freundschaft der besten Männer sich zu erwerben. Die Trauerrede, welche Herr Rabbiner Dr. Schmied! an dem Sarge seines befreundeten Landsmannes hielt, war von tiefer Rührung der Anwesenden begleitet. Das Andenken, welches der Heimkehrende hinterließ, wird in der Wiener Gemeinde stets gesegnet bleiben. Friede seiner Asche! Wien. Donnerstag den 15. November ist hier Frau Fanny Jelinek, eine Matrone im Alter von 95 Jahren, sanft entschlafen. Ihren Sarg begleitete eine Schaar hochgeachteter Kinder und Enkel, welche in der Gesellschaft und in der jüdischen Gemeinde hohes Ansehen genießen. Wien. Von Herrn Dr. S.Gelbhaus, Rabbiner und Prediger zu W ien, ist soeben im Verlage des Herrn R. L ö w i t, Rothenthurmstraße 22, eine interessante kleine Schrift erschienen. Dieselbe ist betitelt: „Eine absterbende Rebe am Weinstock Israels". Wien. (Akademischer Verein „Gamal a".) Samstag, den 17. November fand die feierliche Eröffnung des Vereinslocales der „Gamala" statt. Es waren nur die gesinnungsgenössischen Verbindungen „Kadimah" und „Unitas", sowie der Verein der jüdischen Theologen geladen worden, außerdem noch die Förderer des Vereines. Bereits um y27 Uhr Abends waren die seitlich geschmückten Räume des Vereines von den erschienenen Gästen gefüllt. Um 7 Uhr ergriff der Präses des Vereines Cand. med. E r n st nach Absingung des „OLnäeawng" das Wort zur herzlichen Begrüßung der so zahlreich erschienenen Gäste und ging dann auf die Besprechung des Bereinsprogrammes über. Er betonte die Gemeinsamkeit des Programmes mit dem der „Kadimah" und „Unitas", hob aber besonders scharf die volkswirtschaftliche Seile der jüdisch-nat-onalen Bewegung hervor, mit dem Versprechen, daß die „Gamala" im Rahmen wissenschaftlicher Bestrebungen dieses Programm in seinem ganzen Inhalte und mit allen seinen Consequenzen durchsühren werde. Der Redner, der seine in Form und Inhalt wahrhaft glänzende Rede mit großer Wärme, ja stellenweise mit Begeisterung vortrug, machte ersichtlich auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Der Beifall legte sich erst, als die nächsten Redner zu sprechen begannen, welche die Notwendigkeit eines energischen, von modernen Ideen erfüllten Vorgehens der jüdischen Volkspartei betonten. In diesem Sinne sprachen auch die Vertreter der corporativ erschienenen

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