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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-11-23 · 47 (23.11.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
47 (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 914 Vrsterreichifchr Wochenschrift Nr. 47 Dunkel die Erde bedeckte". In lichtvoller Darstellung besprach hierauf der Redner die Ethik des Judenthums als erste und wesentlichste Bedingung für den Bestand und die Dauer des jüdischen Volkes. Wir müssen es uns versagen, den wahrhaft schönen Vortrag seinem reichen Inhalte gemäß in einem kurzen Berichte genügend zu würdigen, sehen uns aber veranlaßt, der löbl. Bereinsleitung unseren besonderen Dank auszusprechen für den genußreichen Abend, der uns bereitet wurde. Herrn Dr. Groß belohnte am Schluffe seines Vortrages der wohlverdiente, rauschende Beifall der Zuhörer. Raudrritz, den 15. November 1894. Hochgeehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, zum Beweise, wie christlich-theologische Kreise über die Sonntagsfeier denken, Euer Hochwohlgeboren auf die Schrift von O. Henke, „Der Sabbathismus", 3. Aufl., Barmen 1893, aufmerksam zu machen. Diese Schrift wird von Aug. Kin d im Theologischen Jahresbericht, Bd. Xll, Seite 571 (Braunschweig, 1893), Artikel: „Innere Mission", folgendermaßen besprochen: „Nach Henke stehen hinsichtlich der Lehre von der Sonntagsfeier sich zwei Anschauungen entgegen: 1. Der christliche Sonntag ist die Fortsetzung des alttestamentarischen Sabbaths, ist wie dieser von Gott eingesetzt und die auf denSabbath bezüglichen Vorschriften finden auch auf ihn entsprechende Anwendung. 2.Der Sabbath ist als alttestamentliches Ceremoniengesetz aufgehoben, das dritte Gebot hat in seiner alttestamentlichen Form und Fassung nichts uns Christen Verpflichtendes, der Sonntag ist eine menschliche — um d er kirchlichen Ordnung willen geschaffene — Einrichtung. H. unternimmt nun den Nachweis, daß die letztere Lehre stets die der christlichen Kirche gewesen, wo sie uns in reinerer Gestalt entgegentritt, daß dagegen die erstere stets in Folge von judaisirender Lebensgestaltung und dogmatischer Verirrung und Verwirrung gewesen (was sagt der Herr Justlzminister und der Erzbischof von Prag dazu?) und in Zeiten aufgetreten ist, da die Kirche in tiefem Verfalle lag oder ihm entgegen ging. „Daß die zweite Ansicht die eigentlich christliche und zugleich die der Reformation ist, ist unleugbar, aber gewiß weiten Kreisen unbekannt. Es ist angesichts der heutigen Bestrebungen auf dem Gebiete der Sonntagsfrage heilsam, wenn hier principielle Klarheit geschafft wird. Freilich scheint es uns augenblicklich aus den auch von H. anerkannten und betonten, religiösen, kirchlichen und humanen (?!) Gründen ( die jüdischen Handwerker Galiziens) den Sonntag erst überhaupt wieder mehr zu Ehren zu bringen." . So weit die beiden Herren Theologen! Also die Herren scheuen sich nicht, die Lehre zu propagiren. daß dem Volke der Glaube an einen „heiligen" oder „zu heiligenden" Sonntag beigebracht werden sollen, an welche Lehre sie aber selbst nicht nur nicht glauben, von deren Schädlichkeit für die christliche Kirche sie vielleicht überzeugt sind. Und dies Alles aus Opportunitätspolitik, Dem Volke einen heiligen Sonntag vorheucheln, der in Wahrheit gar nicht existirt, und das aus „kirchlichen" Gründen. (Protestantischer Jesuitismus.) Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung und Verehrung zeichnet Dr. Julius Reach, Rabbiner. Waagueuftadtl. Sonntag den 11. November d. I. fand die Einweihung des hiesigen neuerbauten israelitischen Realschulgebäudes statt. Seit bald 4 Jahrzehnten begnügte sich diese unsere 4claffige öffentliche Mittelschule, deren Wirken seitens der Behörde schon vielfach lobend anerkannt wurde, mit bescheidenen Räumen, bis es endlich unserer wackeren Gemeindereprasentanz, an ihrer Spitze den nimmermüden, verdienstvollen Präses Dr. Sonnnenfeld, im Vereine mit dem geistigen Oberhaupte unserer Gemeinde unserem allverehrten Oberrabbiner Josef We iss e gelang, die Mittel seitens unserer in seltenem Maße opferwilligen Gemeindemitglieder, der Freunde und Gönner unserer Schule herbeizuschaffen und dieses schöne Gebäude, das in der Hauptstadt auch stehen könnte, zu erbauen. Die Einweihungsfeierlichkeit nahm im großen Gemeindetempel ihren Anfang und waren alle Plätze von einem illustren Kreise von Festtheilnehmern beider Confessionen dicht besetzt. Das bedeutendste Moment dieser Festlichkeit, bei der alles harmonisch zusammenwirkte und die Jedem unvergeßlich bleiben wird, bildete die großartige, in elastischem Hebräisch gehaltene Rede unseres ehrwürdigen Ober-Rabbiners Josef W eisse, des Begründers, langjährigen Directors und Religionsprofessors dieser Anstalt. Feierliche Stille herrschte, als der greise Seelenhirt von der Kanzel herab in voller Kraft hebräisch zur Gemeinde sprach und Alles mit sich hinriß und begeisterte. Eine solch' beredte Sprache, so schöne geistvolle Redewendungen in bestem Hebräisch — etwas, das wir heute leider gar nie mehr zu hören bekommen — wirkte zündend und zeigte deutlich, welch' ein Reiz unserer alten hebräischen Sprache innewohnt. Unvergeßlich bleibt uns diese feierliche Ansprache, von der wir sehnlichst erwarten, daß sie durch den Druck vervielfältigt auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werde. Weitere Ansprachen, und zwar ungarisch wurden gehalten vom Religionsprofessor Dr. Mandel, dem Präses Dr. Sonnenfeld und dem Direktor Dr. Mahler und erlangten dieselben ebenfalls großen Beifall. Mit einem Festmahle, bei dem viel und geistvoll toastirt wurde, schloß der für unsere Stadt und unsere Gemeinde denkwürdige Tag. Kolomea. Wie bekannt, wurde vor Monaten seitens des k. k. Kriegsministeriunls ein Edict erlassen, nach welchem die Recruten vor ihrer Beeidigung ihre bezüglichen Gotteshäuser aufsuchen müssen, um von berufener Seite sowohl über die Heiligkeit und Unverbrüchlichkeit des Eides, als auch über die treue Anhänglichkeit an Kaiser und Reich informirt zu werden. Infolge dieser Anordnung fand am Donnerstag den l. November in der ältesten Synagoge unserer Gemeinde ein feierlicher Gottesdienst für die Recruten jüdischen Glaubens statt. Um 8 Uhr Morgens erschienen bemal e 200 jüdische Soldaten unter Anführung mehrerer Hauptleute und Unterofficiere, nahmen am Vordergründe der Synagoge Stellung, das Erscheinen unseres ehrwürdigen Rabbiners Th um im erwartend. Derselbe bestieg die Kanzel um, anknüpfend an Bibelworte, in begeisterten, patriotischen Worten auseinanderzusetzen, wie es heilige Pflicht eines jüdischen Soldaten sei, alle Kräfte in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und in opferwilliger Selbstverleugnung für das Wohl desselben einzutreten. Im Verlaufe seiner Rede wies der Herr Rabbiner auf die Huld unserer Regierung hin, welche auch für das religiöse Gefühl unserer militärpflichtigen Söhne sorgt. Nachdem derselbe seinen Vortrag geschlossen, stimmte unser Cantor unter Begleitung des Chores den Segensspruch auf das Herrscherhaus an. Darauf wurde seitens aller Anwesenden das Morgengebet verrichtet und mit Aufmerksamkeit lauschten Alle auf die Worte, welche ein Soldat aus einem Abschnitte der Bibel recitirte. Nun begann der Zug seinen Rückweg und man konnte aus so manchem sonngebrannten Soldatenantlitz lesen, daß der Eindruck dieser ergreifenden Momente nicht fo bald aus dem Gedächtniß schwinden werde. Berlin, 15. November. Schon seit längerer Zeit ist hier in den Kreisen, die sich noch für jüdische Dinge interessiren ein Institut vermißt worden, das die Einrichtungen einer Lesehalle und Volksbibliothek für jüdische Zeitungen und Literatur vereinigte. Diesem Mangel abzuhelfen, einigten sich der hiesige „Jüdische Verein" der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur", die Jüdische Humanitätsgesellschaft" und der Verein „Jung-Israel". Namens einer aus diesen vier Vereinen gebildeten provisorischen Commission berief vor wenigen Tagen Herr Bambus eine Versammlung in Cassel's Hotel, um ein neues Institut zu gründen, das die obigen Zwecke erfüllen soll. Nachdem das Präsidium dieser Versammlung durch Wahl aus den Herren Dr. Karpeles, Dr. Oppenheimer, Dr. Löwe gebildet worden war, entwickelte Herr Bambus als Referent die Geschichte der Bestrebungen in Berlin, die ans die Gründung einer jüdischen Lesehalle absielten, und hob besonders hervor, mit welcher Opferfreudigkeit und welchem Eifer vor 2 Jahren Herr Julius I s a a c einen wenn auch leider mißglückten Versuch gemacht hatte, das Bedürfniß zu befriedigen. Nachdem die Versammlung auf Vorschlag des Herrn Dr. Hildesheimer Herrn Julius Jsaac ihren Dank ausgesprochen hatte, ging der Referent zu den Zielen über, die der neue Verein „Jüdische.Lesehalle", dessen Besteher durch den Beitritt der obengenannten Vereine gesichert sei, verfolgen werde. Man wolle in erster Linie eine Lesehalle schassen, in der die jüdischen Zeitungen den weitesten Kreisen zugängig sein würden, und wohin Jedermann kommen und lesen dürfe. Damit soll eine Bibliothek.verbunden werden mit besonderer Berücksichtigung der belletristischen jüdischen Literatur, und man wird sich die größte Mühe geben, diese Werke in die jüdichen Familien zu bringen. Auch für die Benutzung dieser Bibliothek soll die größte Erleichterung geschaffen werden, die sich mit einem geordneten Betrieb vereinigen läßt. Endlich ist als Ziel in das Auge gefaßt die Errichtung eines Auskunftsbureaus in der Lesehalle, bei dem die jüdischen jungen Leute, die aus der Provinz nach Berlin kommen, über alle Dinge sich Informationen holen können. Diese Einrichtung wird sich, wenn die Mittel vorhanden sind, zu einem völligen jüdischen Jünglingsheim auswachsen. EKaüBfluna

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